Einzelbild herunterladen
 
  

286

beziehen ist. Nähere Auskunft ertheilt gern der Unterzeichnete.

Eldena im Juli 1874.

Der Director'

Dr. E. Baumstark, Geh. Reg.-Rath.

Berlin Wv den 27. August 1874.

WeKanwtMachsrng, betreffend die Postsachen für Orte ohne Post­anstalt.

Den Korrespondenten, welche ihren Wohn­sitz in Orten ohne Postanstalt haben, ist jetzt allgemein gestattet, ihre Postsachen auch von solchen Postanstalten abholen zu lassen, zu deren Landbestellbezirk der Wohnort des Empfängers nicht gehört.

In Folge dieser Verkehrserleichterung muß die Spedition der Postsendungen für solche Orte, an welchen eine Postanstalt sich befindet, nach Maßgabe der von dem Ab­sender auf der Adreffe bezeichneten Abgabe- Postanstalt bewirkt werden.

Durch die unrichtige Bezeichnung dieser Poskänstalt oder durch das gänzliche Fehlen einer bezüglichen Angabe können leicht Ver- zögerungen in der Ueberkunft der Postsen­dungen herbeigeführt werden.

_ Es ist daher im eigenen Interesse der Correspondenten nothwendig, daß die Ab­sender solcher Postsendungen, welche nach Ortschaften ohne Postanstalt gerichtet sind, auf der Adreste außer dem eigentlichen Be­stimmungsorte thunlichst noch diejenige Post- anstalt angeben, von welcher aus die Be­stellung der Sendung an die Adrestaten zu bewirken ist, oder von wo die Abholung erfolgt.

Zur Förderung dieses Zweckes wird es beitragen, wenn Correspondenten, an deren Wohnsitz sich eine Postanstalt nicht befindet, diejenigen Personen, mit welchen sie in Brief­wechsel stritt; auf das gedachte Erforderniß aufmerksam machen und denselben mittheilen, durch Vermittelung welcher Postanstalt sie ihre Postsachen beziehen.

Insbesondere wird es sich auch empfehlen, wenn die auf dem Lande wohnenden Cor­respondenten möglichst allgemein dem theil- weise bereits stehenden Gebrauche folgen, in den von ihnen abzusendenden Briefen bei der Orts» und Datumsangabe den Na­men des Postortes hinzuzufügen, durchwei­chen sie ihre Postsachen empfangen.

Kaiserliches General-Postamt.

Tagesbegebenheiten.

Deutsches Reich.

Heilbronn, 4. Sept. Bei dem heuti­gen Festmahl im Saale des Rathhauses brächte der König folgenden Toast aus: Ich lade die Festgäste ein, auf das Wohl unseres Kaisers und das Wohl seines Soh­nes, des deutschen Kronprinzen, zu trinken." Der Kronprinz erwiderte den Toast mit fol­genden Worten: Ich toastire und trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Königs, wel­cher ein Land regiert, das die deutsche Treue in seiner ganzen Geschichte erprobt hat. Mit aufrichtiger Freude habe ich be­währt gefunden, daß mit dem Worte:Hier gut Württemberg alleweg" zugleich dem ge­einigten Deutschland eine Stätte bereitet ist, in welcher nach dem erhabenen Beispiele des Königs dem Reiche Treue gehalten wird." Die beiden Trinksprüche wurden von den Versammelten mit lauter Zustimmung aus­genommen. Nach dem Diner besuchten die Allerhöchsten Herrschaften die Herbstfeier

auf der Cäcilienwiese, wo am Abend ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt wurde. Um 8 Uhr erfolgte die Rückkehr in die Stadt. Morgen früh werden die letzten Truppenübungen in Gegenwart des Königs und des Kronprinzen stattfinden.

Homburg, 8. September. Nach Been­digung der Brigademanöver kehrte der Kronprinz gestern Nachmittag hierher zurück und übernachtete im Hotel Dummler. Heute haben die Truppen 9lafttag. Um 11 Uhr wird sich der Kronprinz nach der Burg Sickingen begeben und Nachmittags die Stadt Zweibrücken besuchen.

M e i n,i ngen, 6. September. Ein gestern Nachmittag in einem Bäckerhause hier aus­gebrochenes Feuer griff mit solcher Heftigkeit um sich, daß bis 11 Uhr über 250 Wohn­häuser niedergebrannt waren. Mehr als 3000 Personen sind obdachlos, von denen die Hälfte der ärmeren Klasse angehört. Der angerichtete Schaden ist noch nicht zu übersetzen und schnelle Hülfe dringend ge­boten.

Meiningen, 7. September. Das vor­gestern Nachmittag hier ausgebrochene Feuer konnte gestern Morgen gegen 2 Uhr zwar auf seinen Herd beschränkt werden; indeß brannten die Trümmer beider außerordent­lichen Ausdehnung der Feuersbrunst noch während des ganzen gestrigen Tages, und gesbrn Abend verließen viele Bewohner des vom Feuer verschont gebliebenen Theiles der Stadt ihre Wohnungen und kampirten im Freien, we l die Flammen stellenweise wie­der viel mächtiger emporschlugen. Die Nacht ist jedoch gut vorübergegangen. Der Werth der dnrch das Feuer zerstörten Bau­lichkeiten wird auf 3 Millionen Gul­den geschätzt, der Verlust an Mobiliarver­mögen ist noch nicht zu übersetzen. Die 3000 Obdachlosen haben bei der Schnelligkeit, mit welcher das Feuer um sich griff, fast alle ihre Habseligkeiten verloren. Es fehlt an Wäsche, Kleidungsstücken und selbst anNah- rungsmitteln. Alle Gaben zur Linderung der Noth sind an den Oberbürgermeister der Stadt zu adressiern.

Ueber das Unglück selbst lassen wir nach­stehende Mülheilungen derThür. Kor­respondenz" folgen:

Die Thüringischen Ortschaften sind in diesem Spätsommer durch zahlreiche Feuers­brünste heimgesucht worden, die durch die seltene Dürre, welche seit Monaten herrschte und den Mangel an Master die Flüsse und Bäche Thüringens sind nahezu ver­siegt begünstigt wurden, so daß die Feuer fast sämmtlich bedeutenden Schaden ange­richtet haben. Die Feuersbrunst aber, welche Meiningen in der Nacht vom 5. zum 6. September zur Hälfte fast in Trümmer ge­legt hat, ragt weit über alle ähnlichen Un­glücksfälle, die sich in den letzten Jahrzehn­ten in Thüringen ereignet haben, hinaus, und ist verhältnißmäßig nur dem Brande von Hamburg zu vergleichen. Das in ei­nem dem Rathhause zunächst gelegenen Bäckerhaus am Sonnabend gegen 5 Uhr ausgebrochene Feuer legte, von dem seit einigen Tagen bereits mit orkanartiger Kraft wehenden Weststurm mächtig ange- facht, mit rasender Schnelligkeit die Hälfte der innern Stadt in Asche, die namentlich von der gewerbetreibenden und arbeitenden Bevölkerung der Bezirke II. und 111. Das Rathhaus selbst, das Landschaftsgebäude, die Hofapotheke wurden ein Raub der Flam­men, die in den nach Thüringer Art we­sentlich aus Holz und Mörtel gebauten eng in einander gestellten Häuserkomplexen ein

reiches Material fanden und schnell ganze Straßenviertel in Schutthaufen verwandel­ten. Von allen Seiten traf Hülfe ein, na­mentlich die Feuerwehren der benachbarten Städte zeichneten sich durch ihre energischen, keine Anstrengungen scheuenden Hülfeleistun­gen aus. So ist es denn gelungen, den Feuerheerd gestern Morgen zu begrenzen. Da glücklicherweise inzwischen sich auch der Sturm gelegt hat, so ist die Hoffnung ge­geben, daß weitere Gefahren durch ein er­neutes Aufgehen der Flammen ausgeschlos­sen sind.

Das sonst so freundliche im Werrathale gelege Städtchen macht einen erschütternden Eindruck. Der durch die Feuersbrunst an­gerichtete Schaden die Zahl der Häuser, welche zum Opfer gefallen sind, beläuft sich auf nahe 400 ist noch nicht auch nur annähernd festzustellen. Grade der ärmere Theil der Bevölkerung ist sehr schwer be­troffen, und Tausende, die ihr Hab und Gut verloren haben, wissen nicht, wo sie ihr Haupt zur Ruhe legen. Es ist dringend zu hoffen, daß von allen Seiten im Deut­schen Reiche Hülfe gespendet wird nicht blos an Geld, sondern auch an Betten und Kleidungsstücken, da Viele nur wenig oder gar nichts gerettet haben.

Frankreich.

Paris, 6. September. In Möze, un­weit Montpellier, haben am Jahrestage des 4. September Unruhen stattgefunden, so daß die Gensdarmerie genöthigt war, einzuschrei- ten und von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Neunzehn Personen sind verwun­det und eine getödtet worden. Nach Meze sind Truppen abgesandt worden. Auch in Lyon sind am 4. d. einige Verhaftun­gen vorgenommen.

Spanien.

Madrid, 7. September. Die Gesandten Deutschlands und Oesterreichs, Graf Hatz- feldt und Graf Ludolf, erfuhren auf ihrer Reise hierher seitens der Bevölkerung viel­fache und lebhafte Sympathiebezeugungen. In Valladolid und in Avila wurden sie von den Präfecten und zahlreichen Korporatio­nen empfangen und nahmen das ihnen sei­tens der Behörden angebotene Banket an. In Avila brächte Graf Hatzfeldt einen Toast auf das Gedeihen Spaniens aus, den der Präfect mit einem Toast auf Deutschland und Oesterreich erwiderte. Die Armee, deren Kommando Marschall Serrano selbst übernehmen wird, soll ihre Aufstellung im Zentrum Spaniens nehmen, um die dorthin vorgedrungenen karlistischen Banden zurück- zuwerfen. Dieselbe wird eine Stärke von 60,000 Mann haben und von der Nordar­mee, deren Oberbefehl Serrano nicht über­nimmt, vollständig unabhängig sein. Das spanische Geschwader an der Nordküste wird um zwei weitere Schiffe verstärkt werden.

Santander, 7. September. Der Ka- pitain Zembsch vom deutschen Kanonenboot Albatros" ist auf der Reise von St. Se­bastian nach Santander von karlistischen Batterien, welche aus die Stadt Guetaria feuerten, mit Kanonenschüssen angegriffen worden. Derselbe erwiederte diesen Angriff aus seinen Geschützen, erzielte dabei einige Treffer und setzte darauf seine Reise nach Santander fort

Aus San Sebastian 2. September sendet der Korrespondent derKöln. Ztg." folgende, zum Theil, namentlich was die bevorstehenden Operationen der Nordarnm