Einzelbild herunterladen
 

282

Gewerbesteuer vom 30. Mai 1820 in Kraft, wonach fortan jedes einzelne Geschäft, jeder einzelne Laden, jedes einzelne Comptoir.der Backer, Fleischer und Brauer besonders zur Gewerbesteuer heranzuziehen ist. Demgemäß haben alle diejenigen Bäcker, Fleischer und Brauer, welche ihr Gewerbe in mehreren Lokalen betreiben oder künftig betreiben werben, dem Ortsvorstande resp. dem König­lichen Landrathsamte rechtzeitig davon An­zeige zu machen. Die Unterlassung dersel­ben hat nach §. 39 ad b. des Gesetzes vom 30. Mai 1820 neben Nachzahlung der rück­ständigen Steuer eine Strafe zur Folge, welche dem vierfachen Jahresbetrage der Steuer gleich kommt.

Das Gewerbe der Agenten der Versiche­rungsgesellschaften ist nach §. 2 alinea 3 des Gesetzes vom 5. Juni v. I. vom 1. Januar 1875 ab von der Steuer für das seebende Gewerbe befreit. Diejenigen bisher besteuerten Gewerbetreibenden, welche aus­schließlich das Gewerbe als Agenten von Versicherungsgesellschaften betreiben, haben der Veranlagungsbehörde deshalb in ihrem eigenen Interesse unverzüglich davon Mit­theilung zu machen, dainit sie in der Steuer­rolle gestrichen werden.

Versicherungsagenten, welche noch andere, an sich steuerpflichtige Gewerbe treiben, ha­ben für die letzteren die Steuer nach wie vor zu entrichten und, sofern es noch nicht geschehen, den Anfang des Gewerbes bei der Ortsbehörde anzumelden.

Königliche Regierung, Abtheilung für directe Steuern, Domainen und Forsten.

v. Eschwege i. V.

Hünfeld, am 24. August 1874.

Der Zimmermann und Hüttner Cornelius B-ecker zu Sargenzell ist heute als Bürger- meist er der dasigen Gemeinde bestätigt und eidlich verpflichtet worden, was hierdurch veröffentlicht wird.

Der Königliche Landrath Götz.

Hünfeld, am 28. August 1874.

In Folge Verfügung Königlicher Regie­rung zu Cassel mache ich die Herrn Bür­germeister des Kreises darauf aufmerksam, daß in letzter Zeit nicht allein von Privat­personen, sondern auch von den Bürgermei­stern zahlreiche Gesuche um Beurlaubungen zur Disposition der Truppentheile von Mannschaften Königlichem General- Com- mando direct zugefertigt worden, während dieselben bestimmungsmäßig durch die Landrath samt er direct an die resp. Truppentheile gerichtet werden sollen. Die Herrn Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises haben dieser Bestimmung in Zukunft genau nachzukommen, sowie auch die Pri­vatpersonen durch bezügliche Bekanntmach­ungen auf das einzuschlagende Verfahren aufmerksam zu wachen.

Der Königliche Landrath Götz.

Römglich preußisches Lcmdwicthfchast- Cicfjes Institut zu Hof Geisberg bei Wiesbaden.

(Gegründet im Jahre 1818.)

Der theoretische Unterrichtscursus dauert nur zwei Winterhalbjahre; in dem Som­mer zwischen Beiden werden die Schüler zum Zwecke der praktischen Fortbildung auf vielen Gütern vertheilt. Die Einrichtung der ausschließlichen Winter-Cursehat ei­nen hervorragenden Werth für junge Land- wirihe, welche nicht viel Zeit und Geldmittel

für landwirthschaftliche Studien aufwenden können. Das Lehrerpersonal besteht aus folgenden Herren: Dir. Dr. Medicus, Geh. Hofrath Dr. Fresenius, Prof. Dr. Neubauer, Depart.-Bez.-Wies.-Baumeister Dr. Klaas. Der Unterricht umfaßt alle Haupt- und Nebenfächer der Landwirthschaftslehre nebst den vorbereitenden Wissenschaften. Wies­baden [bietet auch sonstige BildungSmittel aller Art. Die Eröffnung des Unterrichts findet am 15. Oktober statt. Weitere Aus­kunft gewähren Prospektus, Vorlesungen- Verzeichniß und Statuten, welche durch den Unterzeichneten oder die hiesigen Buchhand­lungen bezogen werden können.

Wiesbaden, den 1. September 1874.

Director Dr. Medicus.

Tagesbegebcnheitm.

Deutsches Reich.

Heilbronn, 3. September. Der Kron­prinz ist heute Nachmittag 3| Uhr, über Heidelberg und Jagstfeld kommend, hier eingetroffen. Prinz Hermann von Sachsen- Weimar mar demfelden 'Nansens des Königs bis zur Landesgrenze entgegengereift; außer­dem gaben der Fürst von Hohenlohe-Lan- genburg und der preußische Gesandte am Stuttgarter Hofe, Freiherr von Magnus, Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit von der Landesgrenze bis hierher das Geleite. Nach kurzem Aufenthalte auf dem hiesigen Bahnhöfe, wo die Generalität und die Be­hörden zum Empfang sich eurgefunden hat­ten, fuhr der Kronprinz durch die mit Flag­gen und Kränzen reich geschmückte Stadt nach fernem Absteigequartier bei dem Staats­rath Goppelt. Die in den Straßen .sich drängende Bevölkerung begleitete den Kron­prinzen ununterbrochen mit sympathischen Zurufen; heute Abend wirb dem hohen Gaste eine große Serenade gebracht.

Heilbronn, 3. September, Abends. Von dem hiesigen Sänger^anz und den hier vereinigten Mttttair-Musikkapellen wurde nach Einbruch der Dunkelheit dem Kron­prinzen eine Serenade gebracht, wobei die zahlreich verjammelte Bevölkerung ihren Sympathieen für den Kronprinzen durch stürmische Hochrufe abermals Ausdruck gab. Morgen früh begiebt sich der Kronprinz zur Theilnahme an den Manövern bei Lausten; morgen Nachmittag 1 Uhr ist die Ankunft der Königin von Württemberg zu erwarten.

Darmstadt, 2. September. DieDarm- städler Zeitung' meldet amtlich, daß die Markrechnung vom 1. Januar 1875 an im Großherzogthum Hessen eingeführt werden wirb.

Rußland.

Petersburg, 28.August. (Die Trau­ung des Großfürsten Wladimir mit der Herzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin.) Morgens 8 Uhr verkündeten heut fünf Ka­nonenschüsse von der Festung, daß der Hoch­zeitstag da sei. Um Mittag versammelten sich im Winterpalais die Festgäste. Unter dem Donner von 21 Kanonenschüssen setzte sich die Procession nach der Kirche in Be­wegung. Die Braut trug eine Krone auf dem Haupt und über dem Kleide einen car- moisinsammtnen, mit Hermelin verbrämten Mantel, dessen lange Schleppe von vier Kammerherren getragen wurde. Die Trau­ung nach griechischem Ritus vollzog unter dem altherkömmlichen Ceremoniel der Me­

tropolit von Nowgorod und Petersburg. Beim Schlußgebet erdröhnten 101 Kanonen­schüsse. Alsdann begab sich die Procession in den Alexandersaal, wo ein Altar errichtet war, und an diesem vollzog Bischof Richter die Trauung nach evangelisch-lutherischem Ritus. Bei dem Hochzeitsmahle wurden fünf Toaste ausgebracht und mit Kanonen­donner begleitet, nämlich dem Kaiserpaare, den neuvermählten, den Eltern der Braut, dem kaiserlichen Hause und dessen Gästen, endlich der Geistlichkeit und allen getreuen Unterthanen. Der Ball fand im Georgen- saale Statt. Nach Schluß desselben wurden die Neuvermählten von dem Kaiserpaare in glänzendem Zuge nach ihrem eigenen Palais geleitet. Drei Tage lang soll mit allen Glocken geläutet und Abends die ganze Stadt festlich erleuchtet werden. Zu der Flottenschau, welche der Kaiser am 25. August auf der Rhede von Kronstadt abgehalten hat, waren auch die Militairbevollmächiigten Deutschlands und Oesterreichs, zwei Offiziere der deutschen Flotte und die Herren vom mecklenburgischen Gefolge eingeladen.

England.

London, 3. September. Der spanische Gesandte Comyn bat seine Kreditive im auswärtigen Amte übergeben.

Relgien.

Brüssel, 3. September. Der spanische Gesandte, Herzog von Tetuan, hat seine Kreditive dem Minister des Auswärtigen überreicht.

<fran(lreicfj.

Paris, 4. September. DasJournal officiel" publicirt die Ernennung des seit­herigen Gesandten in Bern, Grafen Chau- dordy, zum Gesandten Frankreichs bei der spanischen Regierung.

Paris, 1. September. Einer aus kar- listischer Quelle ^stammenden Nachricht zu­folge hätte Alvarez den General Zabala geschlagen, als dieser den Versuch gemacht hätte, Vittoria zu verproviantiren.

Spanien.

Madrid, 3. September. Nach dem bisherigen Ergebniß der neuen Aushebung haben sich bereits 48,823 Mann znm Dienste bei der Fahne einschreiben lassen; der Be­trag der Summen, welche für Befreiung von der Verpflichtung zur Ableistung einge­zahlt worden sind, belauft sich auf 37 Mil­lionen Realen.

Perpignan, 3. September. Die Kar­listen haben die Belagerung von Puycerda aufgegeben und ihren Abzug durch das Ph- renäen-Thal von Dalp bewerkstelligt. Vor der Stadt sind keine karlistischen Truppen- abtheilungen mehr sichtbar. Die Thore sind geöffnet, viele Einwohner sind bereits in Bourg-Madame eingetroffen.

Madrid, 4. September. Das Ministe­rium Zabala hat seine Entlassung einge­reicht und ist Sagasta mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden. Die neue Ministerliste ist folgende: Sagasta Minister-Präsident und Inneres, Ulloa Aus­wärtiges, Colmenares Justiz, Serrano Be- doya Krieg, Camacho Finanzen, Arias Ma­rine, Navarro Rodrigo Handel, Romero Ortiz Kolonien.

Ueber die Vorgänge vor Puycerda bringt derJndependant des Pyrenoes Orientales" aus Bourg-Madame vom 27,