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gen-Kandidaten derart geschlagen wurden, daß sie noch vor Tagesanbruch des 16. in Banden aufgelöst und in verschiedenen Rich­tungen die Umgebung von Alcaniz verließen. Die Verluste des Feindes an Toden und Verwundeten werden auf 60 Mann angege­ben. Die Mannschaft der Garnison soll nicht gelitten haben. Sei auch letzteres wie immer, so ist dies nach unzähligen andern doch ein neuerlicher Beweis, daß die Kar­listen nur in den Bergen und hinter den dort angebrachten Verschanzungen tapfer kämpfen, daß sie aber in der Offensive nur bei vielfacher Ueberlegenheit und gegen un­tergeordnete und offene Plätze etwas aus- zurichten vermögen, und bei jeder Aktion in der Ebene immer geschlagen werden. Er­wägt man nun, daß über hundert Städte in Spanien keinenfalls dazu angethan sind, um einen karlistischen Angriff zu fürchten, und welche großen Ebenen im mittleren und südlichen Spanien mit verhältnißmäßig ge­ringen Unterbrechungen liegen, so gehört nur die notorische Unverschämtheit der gan­zen karlistischen Clique dazu, um in einem sogenannten Manifeste an diechristlichen Mächte" alle die Dinge zu behaupten, die dort enthalten sind und die in der Vorspie­gelung gipfeln, daß, wenn nur die Mächte nicht faktisch interveniren, er der Prätendent, schon mit Spanien fertig werden wird."

Die Karlisten haben wieder eine Schandthat begangen. Eine Abtheilung der­selben stieß bei Cadorna auf einen armen Bauer, der sich nach Barcelona begeben wollte, um dort Arbeit zu suchen. Von den­selben befragt, wer er sei, sagte er ihnen den Zweck seiner Reise und zeigte zugleich einen Empfehlungsbrief vor, den er für Barcelona erhalten. Die Raubmörder des Don Carlos nahmen ihm den Brief ab, nagelten denselben auf den Rücken des ar­men Mannes mit einem langen Nagel, der ihm auf der Brust herauskam, und ließen ihn dann liegen.

Feuilleton.

3 u So.

Eine Skizze aus dem letzten amerikanischen Kriege von F. Meister.

(Fortsetzung.)

II.

Die großen Rüstungen des Nordens, die unausgesetzten Arbeiten der Gießereien und Arsenale waren beinahe vollendet. Seit Wochen schon sahen wir dem Befehl zum Vorrücken entgegen, aber die Gerüchte, die heute dasselbe in nahe Aussicht stellten, wurden morgen schon widerrufen und die Große Armee blieb nach wie vor unbeweg­lich. General Heintzelmanns Korps brach, wie eine Beduinenhorde, jeden Abend seine Zelte ab und schwärmte ins Weite, aber jeden Morgen errichtete es seine luftigen Wohnstätten wieder auf derselben Stelle.

Endlich erhielt unsere Brigade die Marsch­ordre.

L-tarke brächte uns die Botschaft:Wir gehen nach Richmond, Kameraden!" schrie er ins Zelt hinein. Die Messe Sechs be­grüßte diese Kunde mit lautem Hurrah und Mützenschwenken; die Tage von Big Bethel, Bull Run und Ball's Bluff hatten uns nicht vernünftig gemacht.

Am Abend vor dem Aufbruche erstieg ich einen links vom Lager sich steil aus der

Ebene erhebenden Hügel; unter den schat­tigen Eichen und Kastanien, die seinen Gipfel krönten, hatte ich schon früher manche Stunde zugebracht; heute wollte ich einen Scheide­blick auf das ungeheure Lager werfen und noch einmal das Schauspiel genießen, wel­ches, obgleich mir's seit so langer Zeit zur Gewohnbeit geworden war, dennoch immer neue Anziehungskraft auf mich ausübte. Meilenweit erstreckten sich die Abtheilungen der kriegerischen Zeltstadt über die Hoch­ebene, der Wiederschein der Lagerfeuer- thete rings den dunklen Horizont. Tausend rothe Lichter funkelten durch die Nacht, hier in einem Thale dicht beisammen, dort das Laubwerk der Bäume wie Glühwürmchen zitternd durchblitzend, und dort zogen sie sich in langen Parallellinien oder in Curven dahin, wie die Straßenlaternen einer gro­ßen Stadt. Irgendwo in der Ferne spielte eine Regimentsmusik, und hell erklang in größerer Nähe ab und zu das silberne Ge­schmetter einer Trompete.

Plötzlich legte sich eine Hand aus meinen Arm.

Ich möchte gern ein Wort zu Ihnen reden", sagte Bladburn.

Bereitwillig rückte ich ein wenig auf dem Baumstamme hin, den ich mir zum Sitzen erkoren, und bat ihn, sich niederzulassen

Vielleicht bietet sich die Gelegenheit nicht wieder", sagte er.Sie und die Kamera­den sind freundlich gegen mich gewesen, freundlicher, als ich's verdiente; aber zu­weilen schien mir's, als ob mein Schweigen über meine persönlichen Angelegenheiten bei Ihnen die Vermuthung erregte, daß in meiner Vergangenheit nicht Alles in Ord­nung sein müsse. Sie können mir aber glauben, daß ich mit reinem Gewissen zur Armee gekommen bin."

Wir haben im Herzen niemals daran gezweifelt, Bladburn", erwiderte ich.

Ich habe keine Heimath, und weder An­gehörige noch Freunde, von wem sollte ich da Briefe empfangen und an wen sollte ich schreiben? Meine Angehörigen sind todt, wie ich Ihnen schon früher mittheilte. Doch ich muß fürchten, daß ich Sie belästige"

3iein, Bladburn. Schon oftmals drängte mich's, mit Ihnen über Sie zu reden, nicht aus Neugierde, aber in jener Regennacht, da Sie zu uns kamen, habe ich Sie lieb­gewonnen, und seitdem fühle ich mich täg­lich mehr zu Ihnen hingezogen. In einer Stunde, wie die jetzige, ist dies nicht zuviel gesagt, der Himmel weiß, wie bald viel­leicht ich's nicht mehr sagen kann, oder wie bald Sie mich nicht mehr anzuhören ver­mögen."

Sie haben Recht", sagte Bladburn,und aus demselben Grunde möchte ich mit Ihnen reden. Es ist mir, als sollte ich unsere erste Schlacht nicht überleben."

Diese Worte erschreckten mich; auch ich hatte mich unerklärlicher Weise in den letz­ten Tagen eines gleichen Vorgefühls nicht erwehren können, wenn ich an Bladburn dachte.

Sollte mir etwas zustoßen", fuhr er fort,so bitte ich Sie, meine kleine franzö­sische Grammatik hier an sich zu. nehmen; Sie haben mich wohl darin lesen sehen. Vielleicht verwahren Sie dieselbe dann spä­ter unter Ihren anderen Büchern, als eine Erinnerung an alte Zeiten. Der Gedanke, daß. sie in rohe Hände fallen oder im Lager herumgestoßen und zertreten werden sollte, würde mich schmerzen."

Er bewegte leise seine Fingerspitzen auf dem Buche, das seine Blouse auf der Brust bedeckte,

Ich glaubte nicht, daß ich jemals ein Wort hierüber zu einem Lebenden sagen würde, aber als ich Sie heute Abend hier heraufgehen sah, trieb mich's, Ihnen zu folgen. Vielleicht erfüllen Sie meine Bitte noch lieber, wenn ich Ihnen Alles erzähle."

Als der Krieg ausbrach, war ichSchul- lehrer dort unten in Maine, in demselben Dorfe, dessen Lehrer mein alter Vater bis zu seinem Tode vor mir gewesen. Ich lebte einsam und zufrieden nur meinem Berufe, die Schule war meine Freude, meine Welt. Vor acht Jahren, im Frühling, brächte man eine neue Schülerin zu mir, ein schwächli­ches Wesen, mit einem blassen, stillen Ge- sichtchen. Das Kind gewann schnell mein ganzes Herz, vielleicht weil es so schwach war, oder weil seine Pfleger es nicht gut behandelten, vielleicht auch, weil ich selbst so allein stand.

Die Zeit seit jenem Aprilmorgen, als die kleine Mary zuerst ihre hübschen, schüchter­nen Augen zu mir aufschlug, war mir wie ein Traum vergangen, eines Tages aber stand zwischen den Kindern ein schlankes, sechzehnjähriges Mädchen, zu deren jung­fräulich ernstem Auge ich kaum emporzsi. blicken wagte. Das altgewohnte Leben war vorbei. Aus dem Kinde war unbemerkt ein Weib geworden, das jetzt ihren Meister leh­ren konnte. Gott hört mich, vor jenem Tage wußte ich nicht, daß ich sie liebte!

Lange, lange schon hatten die Kinder die Schule verlassen und noch immer saß ich in dem leeren Zimmer und verbarg mein Gesicht in den Händen. Dort, über Marys Platz, dunkelten die Schatten des Nachmit- mittags. Niemals vorher war er mir leer und freudlos erschienen. Ich ging näher und stand neben ihrem kleinen Stuhle, wie schon so viele hundert Mal. Auf ihrem Pulte lagen einige zum Fortschaffen zusam­mengepackte Bücher, denn an jenem Tage hatte sie die Schule zum letzten Mal besucht. Die kleine französische Grammatik war dar­unter, in der wir gemeinschaftlich ftudirt hatten, die so oft eine Quelle kindischer Sorgen und Triumphe und fröhlicher Au­genblicke gewesen. Ich nahm das Buch in die Hand und wendete müßig und mecha­nisch Blatt für Blatt um da fand ich auf einem in den bekannten mädchenhaften Zügen Etwas mit Tinte gekritzelt. Es wa­ren die Worte:Lieber John", mit Bleistift wieder durchstrichen ich wollte, sie hätte sie nicht durchstrichen" fügte Bladburn mit gepreßter Stimme hinzu.

Er schwieg einige Minuten und blickte seitwärts nach dem Lager, in welchem die Feuer eins nach dem andern verlöschten.

Ich hatte kein Recht zu dieser Liebe. Ich war noch einmal so alt wie Mary und ein linkischer, ungeselliger Mensch, der sie ihrer Jugend beraubt hätte; ich wollte ihr nie eingestehen, was ich für sie fühlte; ich schloß die Grammatik in mein Pult, begrub mein Geheimniß in meinem Herzen und vermied jede Gelegenheit, die mich mit ihr zusammenführen konnte.

Da aber kam Mary zu mir, setzte sich wie früher still zu meinen Füßen und fragte mich, warum ich ihr zürne Gott vergeb mir's, ich sagte ihr Alles, und fragte sie, ob sie mit ihren Lippen die Worte wieder- holen wolle, die sie geschrieben sie legte sich zitternd wie ein Vögelchen in meine Arme und flüsterte die Worte wieder un immer wieder.

(Fortsetzung folgt.)