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bereits veranlaßt gesehen, ostwärts in zivi- lisirtcre Bezirke zu fliehen. General Sher- man, der bekanntlich energischen Ansichten betreffs dieser Barbarei huldigt, spottet darüber, daß man im Winter die Wilden füttere, damit sie im Sommer desto bester skalpiren und plündern können. Im Ganzen gibt es nur 65,000 Wilde; aber diese geringe Anzahl ist in Folge der ungewöhn- lichen indianischen Taktik und der bekannten Schlauheit der Führer nicht minder wie der (gemeinen im Stande, der ganzen amerikanischen Armee zu trotzen. Obwohl nur der vierte Theil der Indianer, also nicht 17,600, mit Krieg droht, sind nicht nur die ganzen Territorien, sondern das ganze Land in Aufregung. General Sherman dürfte die Gelegenheit, wenn sie sich ihm bietet, benutzen und wenig Federlesens mit der Bande machen, die jedes Jahr das ganze Land von Neuem beunruhigt.
Aus Kurhessen, 2. August. Das königl. Konsistorium in Kassel bringt, wie man den „H. St" meldet, zur Kenntniß aller Geistlichen des Bezirks, „daß begründeter Anlaß verließt, die sogen. Missionsanstalt zu Melsungen, welche in der That eigentliche Mission gar nicht zu treiben scheint, als einen Sammelpunkt und Herd der Renitenz auf kirchlichem Gebiete und als eine Begünstigen» kirchen- wie staatsfeindlicher Tendenzen zu betrachten, daß datier auch die Sammlungen von Unterstützungen für diese Anstalt und die eigene Beitragsleistung dazu mit den Pflichten eines Geistlichen der geordneten Kirchen des Landes nicht vereinbart gedacht werden kann rc. . . „Stadtrath und Bürgerausschuß in Melsungen haben, wie man dem Blatte weiter berichtet, einstimmig den bemerkenswer- then Beschluß gefaßt, die dortige Kirche vor dem Einführungsakt des neuen Metropoli- tans reinigen zu lasten, „und namentlich den für unsere Kirche unpassenden Zierrath, welcher bei Gelegenheit der in ihren Folgen so unheilvollen Wiedereinsetzung Vilmars an einer Wand befestigt worden war, ab- zunehmen.
THersfeld, 6. August. Heute, am Jahrestage der . Schlacht bei Wörth, fand auf dem Kasernenhof Zwecks Einweihung einer Erinnerungstafel für die 112 im Kriege von 1870s 71 gebliebenen Angehörigen des Füsilier-Bataillons Nr. 32 Nachmittags gegen 2 Uhr eine militairische Feier statt, zu welcher die Spitzen der Civilbe- hörden sowie die Lehrer und Die Schüler der beiden höheren Lebranstalten eingeladen waren. Der evangelische Militairgeistliche hielt eine von warmem Patriotismus ge- rragene, der feierlichen Handlung würdige Festpredigt, worauf der katholische Caplan die in einer Mauernische eingefügte und von geschmackvoller Einfastung umgebene Tafel nach Verlesung eines Gebets mit Weihwasser befprengte. Nachdem der Ba- taillons-Commandeur eine schwungvolle Am spräche an die Soldaten gehalten, wurden die üblichen Salven abgefeuert. Ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den König schloß den festlichen Act, dessen Feier durch die treffliche Militairmusik noch erhöht wurde. Hieran reihte sich ein Festesten der Offiziere, wozu blos an die Spitzen der Behörden, wie man jetzt hört, Einladung ergangen war. Für die Soldaten fanden von 5 Uhr an Festlichkeiten statt; nach eingetretener Dunkelheit wurde die Kaserne' illuminirt und
ein Feuerwerk abgebrannt. Ich schließe mit den Worten des Dichters:
„Vergiß', mein Volk, die treuen Todten nicht! Doch grab' die Heldennamen Deiner Todten Nicht nur in Deiner Kirchen Erz und Stein, Nein schreib' sie tiefer Dir in's Herz h i n e i n!"
(Hest. Morgztg.)
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Vermischtes.
Fürst Bismarck und die Kapelle des sächsischeNj Schützenregiments. Anfang Juli konzertirte die Kapelle des sächsischen Schützenregiments in Berlin und brächte bei dieser Gelegenheit dem zur Zeit auf der Reife von Varzm nach Kifsingen begriffenen Fürsten Bismark während besten kurzen Aufenthaltes in Berlin eine Tisch- mu|if, worauf sie vom Fürsten empfangen wurde. Ein Mitglied dieser Kapelle hat Aufzeichnungen über den Empfang beim Fürsten gemacht, welche der „Dresdner Anzeiger" veröffentlicht. Die Schilderung lautet wie folgt:
„In ein Zimmer geführt, fanden sich die braven 108er der Gattin und Tochter des Fürsten gegenüber, welcher sie in der leutseligsten Weise vorgestellt wurden. „Hier sind nun die Gemächer meiner Frau," erklärte der Fürst, und auf einen Schränk zeigend, fuhr er fort: „wie Sie sehen hat meine Frau die Kasse, und denen von Ihnen, die verheirathet sind, will ich den guten Rath geben, ebenfalls der Frau das Portemonnaie zu lassen und nicht mehr daraus zu nehmen, als sie Ihnen giebt. Ich habe auch von Anfang an meiner Frau das Geld überlasten und dafür in Politik gemacht, und ich habe mich recht gut dabei befunden." — Hiernach führte der Fürst seine Gäste in ein nach dem Garten zu gelegenes Zimmer, welches er als das Arbeitszimmer seiner Räthe bezeichnete und wo auch mehrere Herren arbeiteten.- Plötzlich zog der Fürst aus einer Ecke selbst einen Tisch hervor und sagte: „Hier ist auch noch etwas Merkwürdiges, was Sie sehen mästen. Dies ist nämlich der Tisch, auf welchem in Versailles der Friede unterzeichnet wurde." „Hier saßen wir nun," erzählte der Fürst weiter, „Herr Thiers, Favre und ich, und spielten alle drei Strohmann. Daß der Strohmann aber schließlich gewann, dazu haben Sie auch geholfen; denn, wären nicht Alle so tapfer gewesen, so hätte ich keine Trümpfe in die Hand bekommen. Als wir zu unterhandeln begannen, wollten die Herren mein Französisch gar nicht verstehen, weil ich nämlich zu viel forderte; darauf sprach ich deutsch mit ihnen, das wollten sie jedoch erst recht nicht verstehen; endlich verständigten wir uns aber und sie bewilligten Alles, und als sie unterschrieben hatten, dann sprach ich auch wieder französisch mit ihnen." Wir hätten schon vor 200 Jahren nicht nöthig gehabt, uns von den Franzosen t^rannifiren zu lasten, wenn wir einig gewesen wären", sprach der Fürst weiter. „Doch nun sind wir, Gott sei Dank! einig, und ich hoffe, wir werden es auch bleiben; jetzt kann uns, außer der liebe Gott, so leicht Niemand etwas anbaben. Was aber nun die Franzosen unter sich haben, das geht uns nichts an: sollten sie aber uns noch einmal verlangen, dann werden wir sie wieder auf den Stücken werfen." „Doch", unterbrach sich der Fürst, „da Sie mich nun besucht haben, so müssen wir doch
ein wenig zusammen vespern", und so führte er seine Gäste zurück nach dem chinesischen Zimmer, wo bereits eine ganze Batterie Weinflaschen und viele Torten aufgestellt waren. Auf den Wunsch des Fürsten ließen sich nun die wackern Musici nicht nöthigen und sprachen Wein und Kuchen gut zu. Auch er ließ sich ein Glas bringen und darauf die ältesten des Corps, welche den Krieg von 1866 mitgemacht hatten, zu sich rufen. Es war für Alle ein feierlicher Moment, als hierauf jeder einzelne der Vorgetretenen dem Fürsten auf seinen Wunsch die Hand reichen und versprechen mußte, daß Alles aus jener Zeit vergeben und vergessen sei. Dabei sagte der Fürst: „Sagen Sie jedem ehrlichen Sachsen, daß ich stets den Hut vor ihnen ziehe, denn sie allein hatten den Muth, uns noch einmal die Front zu zeigen, als die Andern alle den Kopf verloren hatten. Sie müssen einsehen, daß es damals so tommen mußte, wir mußten sehen, wer von uns der Stärkere sei." Hierauf ließ er sich den Corpsältesten Namens Döhler vorstellen und fragte ihn, was er wohl anfangen werde, wenn er vom Militair abgehe. „Zur Gensdarmerie oder Telegraphie denke ich zu gehen", antwortete dieser. , „Nun, wenn Sie einmal zur Telegraphie wollen, dann wenden Sie sich an mich", erwiderte der Kanzler, „denn da habe ich auch etwas mitzureden." Hierauf verabschiedete sich der Kanzler auf das Freundlichste von dem Dirigenten und den Mitgliedern des Corps."
Düsseldorf, 28. Juli. (Durchge- brannter Post-Eleve.) Wieder „D.A." mittheilt, hat die hiesige Ober-Postdirektion in den letzten Tagen einen ihrer Post-Eleven mehrere Hurdert Male photographisch „abnehmen" lasten und die hübschen Bildchen in alle Welt gesandt. Auf der Rückseite steht folgende Empfehlung des jungen Mannes in deutscher, englischer und französischer Sprache: „Post-Eleve Karl Wilhelm Vogel aus Emmerich ist mit 4000 Thlr. preußischen Banknoten, darunter 7 Stück ä 500 Thaler entwichen. Auf Ergreifung des Vogel ist eine Belohnung von 250 Thaler gesetzt."
Heldrungen, 30. Juli. In dieser Woche ist auf dem Waldwege zwischen hier und dem Dorfe Donndorf in der Nähe von Kleinrode eine gräßliche Mordthat verübt worden, ohne daß sich die Spur des Mörders bis jetzt hat entdecken lasten. Es war am vergangenen Montag, als der das Revier begehende Forstbeamte den Leichnam eines jungen Mannes nicht fern von dem Wege bemerkte und davon sogleich Anzeige machte. Dem Unglücklichen war das Haupt, wahrscheinlich mit einem Knüppel, zerschmettert und überdies fast jedes Kleidungsstück geraubt worden. Nur noch ein Hemde war übrig geblieben, in welchem sich die Bezeichnung fand, daß der Träger desselben der dritten Kompagnie des in Marburg stehenden Jägerbataillons angehört habe. Man schätzt das Alter des Erschlagenen auf 26 bis 28 Jahr, und es läßt sich aus manchen Anzeigen schließen, daß derselbe von gutem Herkommen gewesen sein müsse.
— Das Magazin und die Fabrik der Firma Faltis in Prag sind abgebrannt. Vier Frauen fanden den Tod in den Flammen; drei Frauen und ein Feuerwehrmann wurden schwer verletzt.