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d. I. Mgeschlossene Vertrag wegen gegenseitiger Auslieferung der Verbrecher ist hier ratificirt worden. Bei Gelegenheit des Austausches der Ratifikationen haben die hohen vertragenden Theile sich damit einverstanden erklärt, daß in Auslieferungs-Angelegenhei- teil, welche schleuniger Erledigung bedürfen, ein direkter Verkehr zwischen den Regierungen an die Schweiz angrenzenden deutschen Staaten und dem schweizerischen Bundesrath stattfinden darf.
— Zwei Ausspräche des Königs von Barern aus den Stunden seines jüngsten Beisammenseins mit Kaiser Wilhelm verdienen allgemein bekannt zu werden. „Künftige Geschlechter", soll der König gesagt haben, „werden vom Kaiser Weißbart singen und sagen, wie man heute des Kaisers Rothbart in Wort und Lied gedenkt." Die im Grunde so selbstlose und edelro- mantische Natur des Königs kam auch noch in einer anderen Auslassung voll und ganz zur Erscheinung, denn er soll hörbar genug ausgerufen haben: „Nein, die Weltgeschichte soll mein Gedächtniß nicht mit jenem Fluch belastet auf tue Nachwelt bringen, welcher auf dem Andenken Heinrichs des Löwen ruht." Diese Anspielung auf den Bruch der Lehns- und Reichstreue durch den großen Welsen ist verständlich genug, um den Patrioten und Ultramontanen jede Hoffnung zu benehmen, die sie etwa auf die partikulari- stischen Ideen Königs Ludwig gebaut haben.
Aus Kissiugen, 23. Juli wird an Sal. Börsenblatt berichtet: Das Allgemeinbefinden des Reichskanzlers ist gut, er schläft jetzt besser und auch das Gehen wird ihm leichter. Die Wirkung der Kur ist überhaupt günstig und werden Brunnen, wie Bäd'er voraussichtlich in vorgrschriebener Dauer hier benutzt werden. Doch ist die durch den Echußpfropsen v'erürsa chte Wunde noch nicht geheilt, sie verursacht, namentlich sobald der Fürst den Arm herunterhängen läßt, Schmerzen, und verhindert am Schreiben. Bei einem gestern "gemachten Versuch mußte der vierte Finger, der zum Schreiben sonst wenig nützlich ist, zu Hülfe genommen werden. Bei dieser Lage der Sache begnügt sich der Kanzler, mündlich zu instruiren resp, zudic- tiren und liegt den beiden anwesenden Söhnen ein nicht geringer Theil der unvermeidlichen Arbeit ob. Die Zeitungen werden im Hause mit Interesse gelesen. Daß von Zeit zu Zeit eine nervöse Aufregung durchbricht, ist bei dem Befinden des Fürsten sehr erklärlich.
— Die Rückkehr von Elsassern, die für Frankreich optirt hatten und dahin ausgewandert waren, ist nichts Seltenes mehr im Reichsland So hat der Maire von Mühlhaufen dem Gemeinderath unlängst 38 Naturalifationsgesuche solcher Personen vorgelegt. Diese Gesuche müssen dem Gesetz zufolge vom Gemeinderath genehmigt werden, und dieser erklärte, er habe keine Einwendung zu erheben, da die Antragsteller sämmtlich aus Mühlhausen oder sonstigen Ortschaften von Elsaß-Lothringen gebürtig sinn und für ihren Lebensunterhalt sorgen können.
Karlsruhe, 25. Juli. Nach einer heute im Gesetzblatts veröffentlichten amtlichen Verordnung wird die Rechnung nachMeichs- mark für das Großherzogthum Baden vom 1. Januar 1875 ab eingeführt.
Brüssel, 27. Juli. Die internationale völkerrechtliche Konferenz hat heute, nachdem sämmtliche Delegirte hier eingetroffen sind, ihre erste Sitzung ge
halten. Dieselbe dauerte nur eine Stunde. Nach der Ablehnung der belgischen Regierung, den Vorsitz auf der Konferenz zu übernehmen, wie von dem russischen Bevollmächtigten, General v. Jomini, vorgeschlagen war, wurde letzterer zum Vorsitzenden und der Kabinets-Chef im belgischen Ministerium des Auswärtigen, Borchgrave, zum Sekre- tair der Konferenz gewählt. Auf den Antrag eines Delegirten wurde dann noch be- schlossen, daß die Verhandlungen völlig geheim bleiben sollen. — Die nächste Sitzung wurde auf Donnerstag anberaumt.
Frankreich. Das 3.Kriegsgericht von Paris hatte gestern über den Fall eines gewissen Auguste Chapitel zu verhandeln, dessen die Polizei vor nicht gar langer Zeit habhaft wurde und der unter der Anklage stand, während der Kommune auf der Po- lizeipräfectur thätig gewesen zu sein und über fünfhundert Verhaftungsbefehle erlassen zu haben, darunter gegen den Herrn Planche, der im Gefängniß von La Roquette, sowie gegen die Abbe's Allard und Houillon, die am 26. Mai in der ytue Haxo erschossen wurden. Er solle sich ferner die Uhr mit Kette des Polizeikommissars Patot und die Uhr des Erzbi^chofs von Paris angeeignet haben. ChapitA verlegte sich aufs Leugnen, aber die Zeugenaussagen ließen keinen Zweifel gegen seine Schuld aufkommen; der Hauptmann von Lafond, Substitut des Re- gierungskommissärs, hielt die Anklage aufrecht und der ehemalige Gehülfe RaoulRi- gaults wnrde einstimmig zum Tode verur- theilt.
Versailles, 27.Juli, Abends. Nationalversammlung. Humbert verliest den Bericht der Jnitiativkommission, in welchem empfohlen wird, daß der Antrag Malleville'^, die Auflösung der Nationalversammlung betreffend, in Erwägung gezogen werde. Ueber den Antrag Duval's, betreffs Auflösung der Nationalversammlung soll Richard morgen Bericht erstatten. Die Versammlung beschloß, die Berathung über beide Berichte und Anträge am Mrttwoch vorzunehmen. — In Deputirtenkreisen geht das Gerücht, daß der Marschall-Präsident am Tage vor der Vertagung der Nationalversammlung eine Botschaft an dieselbe richten würde.
Madrid,24.Juli. DieNegierungs- truppen haben eine 1800 Mann starke Karlistenabtheilung in der Provinz Tarra- gona geschlagen, an den dabei gefangen genommenen Karlisten aber keinerlei Wie- dervergeltungsrecht ausgeübt.
Santa n der, 24. Juli. Die Garnison von Bilbao hat, hier eingetroffenen Nachrichten zufolge, die Karlisten nach Encarta- cianes zu zurückgeworfen. Gerüchtweise verlautet, daß General Mariones mit verhält- nißmäßig geringem Verluste die Karlisten in Navarra geschlagen und 1500 Gefangene gemacht habe.
New-Pork, 27. Juli. Nach hier eingegangenen Nachrichten hat ein Orkan, verbunden mit heftiger Sturmfluth, große Verheerungen in dem Staate Pennsylvanien angerichtet. Die Eisenbahnlinien und die Bahngebäude wurden überfluthet, die Brücken vom Wasser fortgeführt, große Steinmassen und Felsen auf die Straßen und Wege geschwemmt. Die Stadt Alleghanp wurde theilweise unter Wasser gesetzt. Der Verlust an Menschenleben ist außerordentlich groß, 55 Leichen wurden aus dem Wasser gezogen, eine sehr große Anzahl von Menschen wird noch vermißt. In den Districten von Woods
run und Sawmillrun ist die Verwüstung gleichfalls groß; die Zahl der hier durch das Wasser Umgekommenen beträgt an 50.
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Vermischtes»
Breslau, 23. Juli. Ueber ein Eisen- bahn-Unglück, welches sich gestern Vormittag auf der im Bau begriffenen Strecke Gal- lenau - Patschkau ereignete, wird berichtet: Heute Vormittag verunglückten 19 Arbeiter dadurch, daß im zweiten Hertwigswalder Schacht die Versicherung der rechten Axe an der ersten Lowry eines Kieswagengeleges absprang, wodurch die Lowry entgleiste, während die anderen Wagen aufeinander fuhren; 3 Arbeiter waren auf der Stelle todt, 6 sind schwer verwundet, 10 mehr oder weniger verletzt, 4 der Schwerverwundeten brächte man schleunigst nach Frankenstein zu den barmherzigen Brüdern. Aerztliche Hülse wurde baldigst von Kamen; herbeigeholt.
L u ck e n w a l d e, 24. Juli. (Brandunglück.) Am 22. d. M. wurde das Dorf Gottow von einem schweren Brandunglück heimgesucht. Mittag 12z Uhr brach bei dem Kos, sötten K. Feuer aus, welches bei dem starken Winde mit großer Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit 7 Koffäthen- und 8 Büdnergehöfe in Asche legte. Leider ist dabei auch viel Vieh, namentlich Kühe, verbrannt. Wie man sich erzählt, soll eine arme Dienstmagd, welche sich binnen Kurzem verheirathen wollte, und bereits die Ausstattung gekauft hatte, dabei um die mühsamen Ersparnisse von 15 Jahren gekommen sein. Ueber die Entstehung des Feuers ist noch Nichts bekannt. Große Geistesgegenwart zeigte dabei- ern ^tnube von 12 Jahren, der in Abwesenheit der Eltern, wie er sieht, daß es beim Nachbar brennt, sämmtliches Vieh losbindet und aus dem Stall treibt, ebenso auch die Betten und das Werthvollere zu retten sucht.
Gottesberg, 23. Juli. Eine furchtbare Feuersbrunst hat hier 9 Besitzungen, von denen drei sich in keiner Versicherung befinden, in Asche gelegt und 200 Personen obdachlos gemacht. Ein Theil der Letzteren hatten die verlorene Habe ebenfalls nicht versichert. Es ist bereits ein Komit4 hiesiger angesehener Männer zusammengetreten, welches einen Aufruf zur Linderung der Noth erläßt und um Einsendung von Unterstützungen bittet.
Krossen, 20. Juli. (Bubenstück.) Die Passagiere des gestern, am 19. d. M., von Leipzig kommenden Frühzuges waren sämmtlich, ohne daß sie eine Ahnung davon hatten, in der größten Lebensgefahr. Ein vierzehnjähriger Knabe aus Grüna hatte bereits 6 große Kieselsteine in gewissen Entfernungen in der Nähe von Kroffen auf die Schienen geschleppt, als er bei dem siebenten von dem dort stationirten Bahnwärter abgefaßt wurde. Kaum waren die Steine entfernt, als der Zug in raschem Tempo heranbrauste und nun glücklich in den Bahnhof einfahren konnte.
Gütersloh, 19. Juli. Die Sucht, geladene Schießwaffen mit sich zu führen, hat in dem benachbarten Dorfe Langenberg zu einem traurigen Ereigniß geführt. Gestern Abend saß der Buchhalter der dortigen Bierbrauerei bei seiner Verlobten, der Tochter der Wittwe O., welche an der Chaussee ein belebtes Wirthshaus hält. Beide waren