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laffung sowie eventuell directen Anzeige bei den Herrn Ministern.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern,

(gez.) Kühne.

An die Königl. Landräthe re.

Wird zur Anstellung von Forschungen für die Po­lizeibehörden des Kreises hierdurch veröffentlicht.

Hünfeld, am 19. Mai 1874.

Der Königliche Landrath Götz.

Hünfeld, am 21. Mai 1874.

Die Herrn Bürgermeister des Kreises haben dem Königlichen Kreisphysikus Herrn Dr. Sunkel hierselbst von jeder in ihren Gemeinden eingetretenen Vakanz einer Bezirks-Hebammen-Stelle stets sofort Anzeige zu machen.

Der Königliche Landrath Götz.

Lanvrathsamt Ziegenhain.

Ziegenhain, am 16. Mai 1874.

Zwecks Aufstellung des nächstjährigen Landwege­bauetats fordere ich die Herrn Ortsvorstände des Krei­ses auf, ein Verzeichnis der in ihren Gemeinden be­findlichen Handdienstpflichtigen, sowie des vorhandenen Anspanns an Pferden, Ochsen und Kühen binnen-8 Tagen anher einzureichen.

Der Königliche Landrath Günther.

Vermischtes.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung enthält folgenden

r beachtenswerthen Artikel betreffend:

Die Brasilianischen Colenien Theodoro und Muni;.

Die neuesten Mißerfolge Brasilianischer Kolonisationsver­suche haben in der Europäischen Presse während der letzten Mo­nate viel von sich reden gemacht. Auch die deutschen Blätter brachten wiederholt Notizen über die Kolonien Santa Leopol- bina, Muniz und Theodors und über die dort angesiedelten zahlreichen deutschen Auswanderer. Es sind dies dieselben, von Denen mehrere Hundert jene Kolonien wieder verließen, nach Rio Janeiro zurückkehrten, dort längere Zeit im Emigranten­hause zubrachten, und nachdem man sie der Mehrzahl nach neuer­dings aus letzterem verwiesen, der Mildthätigkeit der deutschen Gemeinde anheimgefallen sind.

Dem mehrfach in der deutschen Presse zu Tage getretenen Verlangen nach Mittheilung authentischer Berichte über den Zu­stand der gedachten Kolonien sind wir, in Betreff einiger der­selben zu entsprechen in der Lage, indem wir nachstehenden Brief eines Reisenden, welcher u. A. auch Muniz und Theodoro be­sucht hat, und dessen Zuverlässigkeit uns verbürgt ist, hiermit der Oeffentlichkeit übergeben. Der an einen uns bekannten deut­schen Bewohner einer Brasilianischen Hafenstadt gerichtete Brief lautet wie folgt:

: ----Indem ich mich anschickte die Kolonien Theodoro und Muniz zu besuchen, leitete mich zugleich die Absicht, mich durch den Augenschein davon zu überzeugen, ob und in welchem Grade die zahlreichen Beschwerden der dortigen deutschen Ko­lonisten begründet seien.

Ich schiffte mich am Freitag auf dem Dampfer nach Una ein, woselbst ich am nächsten Nachmittage anlangte. Von hier fährt man per Canoe den gleichnamigen Fluß hinauf und er­reicht in etwa 7 Stunden die deutsche NiederlassungTheodors". Theodors liegt in einer Niederung, nahe dem linken Arme des FlussesUna". In der Mitte der Kolonie, von den Häusern der Kolonie umgeben, befindet sich ein großer Sumpf (stagniren- tzen Wassers), voll von modernden Baumstümpfen, Pflanzen und

Faulstoffen aller Art. Mangelhafter, als die Wohnungen sind r läßt sich wohl kaum etwas denken. Ein gebäudeförmiges Holz­gerippe von geringem Umfange, erdbeworfen, überall durchlöcherte Wände, palmblütterbelegtes Dach, das ganze Haus, dessen erd- 4 nackter Boden von Sandflöhen wimmelt, dem Regen und Sturme offen: Das ist die Wohnung des unglücklichen Kolonisten. Theodoro zählt gegenwärtig 722 Seelen, fast alle Westpreußen, aus dem Kreise Stargard; von diesen sind in der Zeit vom 15. August bis Ende Dezember v. I. 150 Personen gestorben. Dieses würde nach Verhältniß der Zeit 400 Personen per Jahr 4

mithin bei Annahme einer ursprünglichen Bevölkerung von 4 1000 Personen 40 pEt. p. a. sein. Außerdem befanden sich zur * Zeit meiner Anwesenheit in Theodors 182 bettlägerige Kranke; , auch die Uebrigen litten zumeist an Fiebern, Anschwellungen des Körpers, namentlich der Füße, Geschwüren, allgemeiner Schwäche [ rc., so daß in Wirklichkeit nur sehr wenig arbeitsfähige Leute L anzutrcffcn waren.

Der Grund dieses entsetzlichen Zustandes ist einestheils im Klima und dem erwähnten Sumpfmoraste, anderntheils in den ' , schlechten, ungesunden Wohnungen, ganz besonders aber in der schlechten, ungewohnten und außerdem mangelhaften Nahrung der Leute zu suchen. Auf der Kolonie ist bis jetzt kein Korn, keine Bohne geerndtet. Sämmtliche Lebensmittel, fast nur aus Mandiocamchl und getrocknetem Fletsche bestehend (und auch diese Gegenstände fehlten zufolge der mangelhaften Kommuni­kation und regelmäßigen Beförderung nicht selten gänzlich) muß- ten demnach aus dem Magazine bezogen werden. Nun sollen P aber schon 12 Tage vor meiner Ankunft außer 12 Säcken Reis und wenigem Mehl und Zwieback keine weiteren Lebensmittel vorhanden gewesen sein, so daß die Leute Hütten hungern müs­sen, wenn ihnen nicht erlaubt worden wäre, solche aus den be­nachbarten Ortschaften herbcizuholen; oft mußten zu diesem Zwecke zwei- bis dreitägige Reisen unternommen werden. Daß den Fourageholern von der Direktion die Arbeitstage gelohnt wurden, ist ebensowohl ein Beweis für den'Mangcl der Lebens- I mitiel auf der Kolonie, wie die Bitte der Magazin-Beamten Herrn Ferd. Rosenstein und seiner 2 Kommis an den 'Kolonie- Arzt Steiner (aus Ungarn) um gefällige Uebersendung einer Portion getrockneten Fleisches zum Frühstück weil im Magazin nichts mehr vorfindlich sei. In den meisten Woh­nungen fanden wir nur Mandioca-Mehl, welches, mit kaltem Wasser.eingcrührt, den kranken Kindern zur Nahrung dient«; ja andere Kranke hatten ein Stückchen Speck im Munde, an F dem sie sogen, um den Hunger zu stillen. (Forts. folgt).

^^urch Vermittelung des Agenten Herrn Martin

zu Ziegenhain ist van der Direction der Aachener und Münchener Feuer-Versiche- rungs-Gesellschaft der Gemeinde Wiera eine zweiräderige Druckfeuerspritze mit Zubehör im Werthe von 120 Thaler geschenkt worden. Die Spritze ist nicht nur sehr schön und dauerhaft gearbei­tet, sondern verspricht ihren Zweck vollkommen zu er? füllen unv ist deshalb eine solche den Landgemeinden besonders zu empfehlen.

Wiera, am 19. Mai 1874.

Der Bürgermeister Dörinckel.

««^ie Auction auf der Domaine Eichhof soll V9 Dienstag den 26. d. Mts., und wenn nöthig am folgenden Tage, jedesmal von 9 Uhr Mor­gens ab, mit Leinen (Tischtücher, Piquetdecken, Ueber- züge ic.) Haus- und Küchengrräthfchaften aller Art insbesondre Tischen, Anrichten mit Schränken, Fässern für trockenes Obst, 1 verschließbaren Mehlkasten, 1- schrank mit Gitter, 1 Weingerüst, Kupfer, Zinn, Mes­sing, Glas, Porzellan rc. fortgesetzt werden. . ,