Kreist £>erWbz Hünfeld und Ziegenham.
JV? 84. HlSVKfeL-, Sonnabend, den 21. October 18§Z^
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 84 Sgr. pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller berechne:.
Amtlicher Theil.
Lanvrathsamt Hersfeld.
Der Schreinergeselle Johannes Kaiser zu Friedewaid hat um Ertheilung eines Reisepasses nach Amerika nachgesucht.
Hersfeld, am 20. Oktober 1871.
Der Königliche Landrald Auffartb.
Baterlänbischer
Verein zur Rettung Schiffbrüchiger.
Aufruf!
Der Geist der alten Haiffa schwebt segnend über Unserem Seewesen. Tausende von stolzen Schiffen tragen unsere Flagge hinaus bis an die fernsten Küsten des Weltmeeres. Zwanzig Tausend unserer Söhne, unserer Brüder, haben sich dem ewigen Kampfe mit den Elementen geweiht, um für das Heimathland die Segnungen des Weltverkehrs zu erringen. Blühende Städte, reiche Häuser, ein großer Theil unseres Wohlstandes und unseres Wohllebens sind die Früchte ihrer Arbeit, ihrer Mühen. Mit Stolz können wir uns zu den großen seefahrenden Nationen rechnen. Alle Erzeugnisse der Eolon^n werden uns in reichem Maaße zugeführt. Nie fehlt es in unseren Werkstätten und Fabriken an Rohprodukten, welche von Millionen fleißigen Händen zu den feinsten, schönsten Waaren verarbeitet, auf allen Märkten der Welt, von Amerika bis China, gesucht und gut bozahlt werden. Ja, unsere Seeleute sind es, welche die Erzeugnisse unserer Industrie erst recht zur Geltung, zum Absatz bringen! Sie führen ein schweres, gefahrvolles Leben, welches oft in Schrecken und Graus ein plötzliches Ende findet. Wir haben eine fast 200 Meilen lange Küste, an der im Herbst und Winter die Brandung wüthet, gepeitscht vom fliegenden Sturm. Wie mancher unserer Brüder, der nach jahrelanger Fahrt voll Hoffnung, voll Sehnsucht der Heimath zueilt, muß hier kurz vor dem sicheren Hasen scheitern und zu Grunde gehen; Ja, unsere Küste ist eine gefährliche mit ihren Riffen und Sandbänken, und wir haben die heilige Pflicht, für die Rettung der armen Schiffbrüchigen zu sorgen. Nicht allein unsere eigenen Seeleute, sondern die ganze Welt kann dies von uns erwarten, denn auch Tausende von fremden Schissen laufen in unsere Häfen ein. England hat an seinen Küsten 500 Rettungsstationen in Händen von Privat-Bercinen, Wir besitzen nur etwa den achten Theil davon.
Es ist dies ein Anfang, den wir vor Allem dem segensreichen Wirken der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, deren Vorort Bremen ist,verdanken. Viel, sehr»ielbleibt aber noch übrig zu thun. Viele Meilen unwirrhbaren Strandes sind noch unbesetzt. Wir fordern daher alle unsere Landsleute auf, sich mit uns zu vereinigen, um das Fehlende zu ergänzen. Wir beabsichtigen das Rettungswesen im weitesten Sinne des Wortes zu fördern. Es sollen Rettungsboote längs der ganzen Küste aufgestellt und die Strandbewohner zu Bootsmannschaften organisirt werden. Geld- und Ehren-Prämien für jedes gerettete Menschenleben sollen das Interesse wach erhalten.
An Punkten, wo Boote nicht anwendbar sind, werden Rck- geten-Stationen errichtet, um den Schiffbrüchigen Rettungsleinen zuzuschießen. In Roth und Elend, welches durch Unglücksfälle auf See entstanden ist, wollen wir helfen ciugreifcn. Große Mittel sind hierzu erforderlich, denn schon die Einrichtung einer einzigen Rettungsboot-Station kostet etwa 3000 Thlr. und 500 Thlr. jährliche Unterhaltungskosten.
Wer ein warmes Herz für unser Seewesen hat, der trage hier nach Kräften bei. Die kleinste Summe ist von Nutzen, .Wer sich zu einem jährlichen Beitrag von mindestens 1 Thlr., oder einer einmaligen Gabe von mindestens 25 Thaler verpflichtet, wird Mitglied' unseres Vereins mit Sitz und Stimme in der General-Rersamlmnng.
Sitte Unterzeichnete nehmen Beiträge entgegen, auch werden unsere Boten Subscriptionslisten umhertragen.
Sämmtliche Gaben werden durch die Zeitungen veröffentlicht, Berlin, 19. Mai 1870.
Adalvert, Prinz von Preußen Präsident.
Graf von Perponcher, Hofmarschall Sr. Maj. des Königs Pariser Platz 6. Vier Prnsfdent. von Wurmb, Polizei-Präsident, Molkenmarkt 1. Stellvertretender Bice-Präsident. R av en e, Geh. Commerzienratb, Rene Grünstraße 17. Schatzmeister. Berendt, Cnpitnin Lieutenant a. D., Besselstraße 2. General- seereinir. von Alten, Major und Flügel-Adjutant Sr. Maj. des KönigS. G. Bleich rüder, Geh. Commerzienratb. von D achr ö d en, Schloßhauptmann. Dr. Dov e, Geh.Regierungs- r ath und Professor. Egells, Commerzienratb. Dr. Fried- berg, Geh. Ober Fustizrath. Dr. Hag cn, Ober-Landesbau« director. F.W. K r a use, Geh. Commerzienrath. M.M a g n u s, Stadtrath. Platho, Banquier, von St. Paul Fllaire, Corvetten-Capitain unb persönlicher Adjutant er. Königl. Hoheit des Prinzen Adalbert von Preußen. Dr. Siemens. Vollgold, Commerzienrath und Stadtverordneter. R. Warschauer, Geh. Commerzienraih. Dr Zabel, Chefredakteur der National-Ztg.
Indem ich vorstehenden Aufruf des Vaterländischen Vereins zur Rettung Schiff-