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für die

Kreise Hersfeld/ Hünfeld und Ziegenhain.

^ 31 Hervfeld, Mittwoch, dB 19. April. 1811.

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Amtlicher Theil.

Landrathsamt Hersfeld.

Caffel, den 24. März 1871.

Für die älteren Provinzen des Staats besteht die Bestimmung, daß der Unterricht in den gymnastischen Uebungen einen integrirenden Theil des Volksschul-Ün- terrichts für die männliche Jugend bilden soll. Hier­mit in Uebereinstimmung enthalten auch die revidirten Schulordnungen für die Volksschulen in Nieder- und Oberhessen in §. 14 die Anordnung, nach welcher für die Knaben allenthalben Turnübungen ^NLüIichten sind.

Diese Anordnung ist indeß bis jetzt nur in sehr unvollständiger Weise zur Ausführung gekommen, und nach den angestellten Ermittelungen, hat die Betreibung des Turnunterrichts in den Volksschulen des hiesigen Regierungsbezirks, mit Ausnahme einiger Städte, sei­tens der Gemeinden noch überaus wenig Berücksichtigung und Förderung erfahren. In den Heineren Städten und aus dem Lande hat man fast überall von seiner Aufnahme in den Lehrplan Ab stand genommen und in den größeren Städten ist dieser Unterricht wenigstens Nicht auf alle Knabenschulen ausgedehnt.

Diese Vernachlässigung des Turnens muß ernstlich gemißbilligt werden. Wenn an sich schon die Wichtig­keit geregelter Leibesübungen für die physische und ethi­sche Erziehung der Jugend unzweifelhaft feststeht, so kommt noch hinzu, daß die gymnastische Ausbildung in - genauem Zusammenhang mit der Wehrhaftigkeit unse­res Volkes steht und dieser letzteren dienstbar ist. Sie hat also zugleich eine nationale Bedeutung, deren Trag­weite in den großen Ereignissen der letzten Zeit für 1 jedes Auge erkennbar geworden ist.

Hiernach wird es als die Pflicht aller Schulbehörden Ä betrachten sein, auf die Einführung, Hebung und ' Förderung des Schulturnens eifrig Bedacht zu nehmen, und alles, was sich hemmend entgegenstellt, thunlichst .^Mibeseitigen.

-Als ein solches Hinderniß sehen wir die in den Berichten über den Turnbetrieb in den Schulen unseres Berwaltungsbezirks Häusig wiederkehrende Behauptung an, als seien methodisch geordnete Leibesübungen für a'e Jugend auf dem Lande und in den kleinen Städten

völlig entbehrlich, weil es ^r an manchfacher körper­licher Bewegung und Uebung der.Körperkräfte nicht fehle, und die Feld-, Garten-und Hausarbeit ebenso kräftigend wirke als die schulmäßige Gymnastik." Diese Behauptung können wir nur als eine völlig irrige be­zeichnen. Bei den genannten Arbeiten, wie bei den ungeregelten Spielen der Jugend, werden die Körper­kräfte immer nur in einseitiger Weise in Anspruch ge­nommen, ein allseitiger Gebrauch der Gliedmaßen, eine Bewegung aller Muskeln und eine daraus hervorgehende Gewandtheit und Gelenkigkeit des ganzen Körpers wird dadurch nicht erzielt. Das zeigt sich deutlich bei der Einübung der jungen Mannschaften nach ihrem Eintritt in den Militairdienst, da- sich hierbei die ländliche Zu­meist schwerfälliger zeigt als die städtische und oft hinter dieser nicht blos an Geschick sondern auch an Zähigkeit und Ausdauer zurücksteht.

Als ein weiteres Hinderniß des Schulturnens wird in den meisten Berichten der Mangel an geeigneten Turnlehrern hervorgehoben. Bei der früher sehr unzu­reichenden Ausbildung der Seminar-Zöglinge im Tur­nen, mit welcher namentlich gar keine Anleitung zur Ertheilung des Turnunterrichts an die Schuljugend verbunden war, ist es erklärlich, daß die meisten Lehrer des Bezirks die Qualification für diesen Unterricht nicht besitzen. In den letzten Jahren ist aber hierin ein we­sentlicher Fortschritt erfolgt. Seit der Anstellung von Turnlehrern an den Schullehber-Seminarien, welche ihre Ausbildung in der Königlichen Central-Turn-An- stalt zu Berlin erhalten haben, ist dafür gesorgt, daß die künftigen Lehrer ausreichende Uebung und Anwei- sung empfangen, um bei ihrem Eintritt in das Ele- mentarlehramt die gymnastischem Exercitien der Schul­jugend zu leiten. Außerdem ist durch Abhaltung vier- wöchentlicher Turncurse an den Seminarien bereits im Amt befindlichen Elementarlehrern Gelegenheit geboten worden, sich die zur zweckmäsugen Betreibung des Turn­unterrichts in den Schulen nöthige Befähigung zu er­werben. Fünf und zwanzig jüngere Lehrer haben im vorigen Jahre von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht und sind am Schluß des Cursus mit BefähigungS- scheinen versehen worden.

Wir werden in Verbindung mit dem Königlichen Provinzial- Schul -C ollegium darauf Bedacht nehmen, daß diese Curse in dem laufenden, sowie in den näch­sten Jahren wiederholt werden, um auf diese Weise dem