Kreise Heksfeld/ Hünfeld und Ziegenham.
^ 26» HerSfeld, Sonnabend, den 1. April. 18IS.
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Eröffnung des Reichstages
am 21. März 1871.
Thronrede Sr. Majestät des Kaisers.
Geehrte Herren!
Wenn ich nach dem glorreichen, aber schweren Mampfe, den Deutschland für seine Unabhängigkeit siegreich geführt hat, zum ersten Male den Deutschen Reichstag um Mich versammelt sehe, so drängt es Mich vor Allem, Meinem demüthigen Danke gegen Gott Ausdruck zu geben für die weltgeschichtlichen Erfolge, mit denen seine Gnade die treue Eintracht der deutschen Bundesgenossen, den Heldenmut!) und die Mannszucht unserer Heere und die opferfreudige Hingebung des deutschen Volkes gesegnet hat. Wir haben erreicht, was seit der Zeit unserer Väter für Deutschland erstrebt mürbe: die Einheit und deren organische Gestaltung, die Sicherung unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer nationalen Rechtsentwickelung.
Das Bewusstsein seiner Einheit war in dem deutschen Volke, wenn auch verhüllt, doch stets lebendig; es hat seine Hülle gesprengt in der Begeisterung, mit welcher die gesummte Nation sich zur Vertheidigung des bedrohten Vaterlandes erhob und in unvertilgbarer Schrift auf den Schlachtfeldern Frankreichs ihren Willen verzeichnete, ein einiges Volk zu fein und zu bleiben.
Der Geist, welcher in dem deutschen Volke lebt, und seine Bildung und Gesittung durchdringt, nicht minder die Verfassung i des Reiches und seine HeereS-Einrichtungen, bewahren Deutsch-
I land in Mitten seiner Erfolge vor jeder Versuchung zum Miss- brauche seiner, durch seine Einigung gewonnenen Kraft. Die ' Achtung, welche Deutschland für seine eigene Selbständigkeit in Anspruch nimmt, zollt es bereitwillig der Unabhängigkeit aller anderen Staaten und Völker, der schwachen, wie -der starken. Das neue Deutschland, wie es aus der Feuerprobe des gegenwärtigen Krieges hervorgegangen ist, wird ein zuverlässiger Bürge des eurerpäischen Friedens sein, weil es stark unb “selbst« bewußt genug ist, um sich die Ordnung seiner eigenen Angelegenheiten als fein misschließlicheL, aber auch ausreichendes und zufricdrnstcllrndrü Erbtheil zu bewahren.
Es hat Mir zur besonderen Genugthuung gereicht, in bie« Sem Geiste des Friedens in Mitten des schweren Krieges, den >ir führten, die Stimme Deutschlands bei den Verhandlungen geltend zu machen, welche auf der durch die vermittelnden Bestrebungen Meines auswärtigen Amtes herbeigeführten Konferenz i in London ihren befriedigenden Abschluß gefunden haben.
Der ehrenvolle Beruf des ersten Deutschen Reichstages wird es zunächst sein, die Wunden nach Möglichkeit zu heilen, welche V > ber Krieg geschlagen hat, und den Dank des Vaterlandes denen j ?u bethätigen, welche den Sieg mit ihrem Blut und Leben bc- zahlt haben; gleichzeitig werden Sie, geehrte Herren, die Arbei- ** beginnen, durch welche die Organe des Deutschen Reiches s $UI Erfüllung der Aufgabe Zusammenwirken, welche die Verfassung Ihnen stellt, „zum Schutze des in Deutschland gültigen
Rechtes und zur Pflege der Wohlfahrt des deutschen Volkes."
Die Vorarbeiten für die regelmäßige Gesetzgebung haben leider durch den Krieg Verzögerungen und Unterbrechungen erlitten; die Vorlagen, welche Ihnen zugehen werden, leiten sich daher unmittelbar aus der neuen Gestaltung Deutschlands ab.
Die in den einzelnen Verträgen vom November v. J. zerstreuten Nerfassungs-Befrimmungen sollen in einer neuen Redaktion der Reichsverfassung ihre geordnete Zusammenstellung und ihren gleichmäßigen Ausdruck finden. Die Betheiligung der einzelnen Bundesstaaten an den laufenden Ausgaben des Reiches bedarf der gesetzlichen Regelung. Für die von der Königlich Bayerischen Regierung beabsichtigte Einführung Nordeutscher Gesetze in Bayern wird Ihre Mitwirkung in Anspruch genommen werden. Die Verfügung über die von Frankreich zu leistende Kriegs-Entschä- digung wird nach Maßgabe der Bedürfnisse des Reichs und der berechtigten Ansprüche seiner Mitglieder mit Ihrer Zustimmung getroffen, und die Rechenschaft über die zur Kriegsführung verwendete» Mittel Ihnen so schleunig gelegt werden, als es die Umstände gestatten.
Die Lage der für Deutschland rückerworbenen Gebiete wird eine Reihe von Maßregeln erheischen, für welche durch die Reichs- gesetzgebung die Grundlagen zu schaffen sind. Ein Gesetz über die Pension der Offiziere und Soldaten und über die Unterstützung ihrer Hinterbliebenen soll für das gesammte deutsche Heer die Ansprüche gleichmässig regeln, welche der gleichen Hingebung für das Vaterland an den Dank der Nation zustehen.
Geehrte Herren, möge die Wiederherstellung des Deutschen Reiches für die deutsche Ration auch nach Ihnen das Wahrzeichen neuer Größe sein;.möge bem deutschen Reichskriege, den wir so ruhmreich geführt, ein nicht minder glorreicher Reichöfrie- den folgen, unb möge die Aufgabe des deutschen Volkes fortan darin beschlossen sein, sich in dem Wettkampfe um die Güter des Friedens als Sieger 31t erweisen.
Das walte Gott!
Dank des Kaiser».
. Nach dem nunmehr glücklich beruhigten Kriege in die Hei- math zurückgekehrt, sind Mir an Meinem Geburtslage nicht mU aus sämmtlichen Provinzen der Monarchie, sondern auch aus allen übrigen Theilen des deutschen Vaterlandes von Gemeinden, Korporationen, Vereinen, Festversnmnilungen und einzelnen Personen zahlreiche Glückwünsche schriftlich wie telegraphisch zuge- kommen. Diese Kundgebungen, welche Mir als ein Beweis treuer Liebe und Anhänglichkeit gelten, haben Mich mit freudiger Bewegung und Genugthuung erfüllt. Mein Herz drängt Mich Allen Meinen aufrichtigsten und tiefgefühltesten Dank dafür auszusprechen. Ich beauftrage Sie, dirs zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Berlin, den 24. März 1871. Wilhelm.
An he» Minister des Innern.