Einzelbild herunterladen
 

- 390 -

ohne Sturm. Gott sei gedankt! Wilhelm.

2) Versailles, 5. December. General - Feld­marschall Prinz Friedrich Karl bat nach dreitägigen stets siegreichen vorschreilenden Kämpfen und nach Erstürmung des Bahnhofes und der Vorstädte von OrleanS am Abend des 4., und in der Nacht zum 5. die Stadt Orleans be­setzt. An 40 Geschütze und viele Tausende Gefangene befinden sich bis jetzt in unseren Händen. Der Feind wird unausgesetzt verfolgt. Diesseitige Verluste verdält- nißmäßig. v. Podbielski.

3) Argueil, 5. December. Von der 1. Armee hat das 8. Armeecorps am 4. verschiedene glückliche Ge­fechte nordöstlich Rouen gehabt. 1 Geschütz und 400 unverwundete Gefangene genommen. Diesseitiger Verlust

1 Todter und 10 Verwundete. v. Sper.lin g.

Dresden, 3. December. DasDresdner Jour­nal" veröffentlicht nachstehendes Telegramm des com- mandirenden Generals des königl. sächsischen Armeecorps, Prinzen Georg an den König:Gestern, (Freitag, früh 7i Ubr nahmen 2 Bataillone des 8. Infanterie-Regi­ments Nr. 107 Brie für Marne, gleichzeitig nahmen die Würtemberger Champigny durch Ueberiall. Später ent­wickelte der Feind große Massen ; das Gefecht endete ge­gen 3 Uhr mit Behauptung der Stellung, aber beträcht­lichen Verlusten besonders stark beim Schützen- und ach­ten Regiment. Diese und die anderen im Gefecht ge­wesenen Truppen fochten bewunderungswürdig; einige Hundert Gefangene gemacht.

Stuttgart, 3. December. General Obernitz Melder Lem.Köruqe: Malnouc, 3. December, 5| Uhr Morgens, Geistern fand deutscherseits ein Angriff gegen die vom Feinde besetzte Linie Champignp-Brie statt. Sehr beträchtliche Streitkräfte standen uns gegen­über. Die erste würtembergische Brigade detheiligie sich neben dem preußischen zweiten Armeecorps und der sächsischen 24. Division von Morgen« 7 Uhr bis Mittags 4 Ubr am Kampfe. Ein Theil von Chamvigny wurde genommen, die Stellung Billiers Eoenelly behauptet. Officiere und Mannschaften zeichneten sich durch hervor­ragende Tapferkeit aus. Unser Verlust ist erheblich. Die zweite und dritte Brigade befinden sich in der Stel- lung Such und Billeueuve St. George« und kamen nicht zum Gefechte.

Vermischtes.

* Hersfeld. Nach einer Mittheilung der Berliner Kreuz-Zeitung sollen die R eal schul-A bit urie nten zum UniversitätS-Sludium und StaatS-Examen und zwar für Medizin, Mathematik und Naturwissen­schaften zugelassen werden.

Amien«, 29. November. Zu einer der hervor­ragendsten Waffenthaten des diesjährigen Krieges war in der Schlacht bei Amiens dem 2. Rheinischen Husaren­regiment Rr. 9 (Garnison Trier) Gelegenheit geboten. Ein etwa 800 Mann starke« Bataillon Marincsolbaten, zu den Kerntruppen der Nordarmee gehörig, suchte durch tapferen Widerstand den Vormarsch der deutschen Ba­taillone hinzuhalten. Der ersten und vierte« EScadron

des 9. HusarenregimentS, zusammen etwa 250 Pferde stark, blieb es Vorbehalten, auch diese« Hinderniß zu be­seitigen. Mit einer "beispiellosen Wucht und Gewalt sprengten die Husaren auf das Bataillon Marinetruppen ein und vernichteten dasselbe vollständig, denn was nicht durch Anwendung der Waffen umkam, erlag den Hufen der Pferde. Leiser ist auch der Verlust des Husaren- regiments, wie es bei einer solchen Attaque nicht wohl anders sein kann, ein nicht unbeträchtlicher. Bon den 8 Otficieren, welche Antbeil daran nahmen, sind 2 verwun­det und Lieutenant Prinz Hatzfeld todt. Husaren etwa 50 todt oder verwundet.

Steffens Volkskalender für 1871. 31, Jahrgang mit 8 Stahlstichen und 4 Holzschnittillustrationen. Berlin, Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung.

Während einige Kalender das sogenannte unterhal­tende Element ganz ausschließen, ist es in diesem Kalen­der vorzugsweise vertreten. Damit ist aber die Beleh- rung keineswegs verbannt, sie tritt nur in gefälligern, leichtern Formen einher. So beschreibt im vorliegenden Kalender Udo Brachvogel in interessanter Weiseeine Fahrt mit der Pacificbahn"; Julius Rotenberg schildert Berlin vor hundert Jahren" ; G. Lewinstcm schreibt über das neue Maß und Gewicht", und Hermann Grieben giebt eineGeschichte des Kölner Karneval". Mehr der Unterhaltung gewidmet sind die Beiträge von Max Ring Beethovens Opfer", von George HlltlAus dem Leben eines Harlekins" von Otto GlagauEine alte Nummer der Vossischeu" uud vonDiucklageDer Striethast. Eine Geschichte aus dem Entstände". Auch das. nationale Element ist vertreten durch eineaußerordentliche Bei­gabe", in welcher D. Born eine kurze Geschichte des deut­schen Krieges gegen Frankreich bietet und darin seine Ur­sachen, seine Führung und seine Ziele beleuchtet. Die Skizze reicht bis zur Gefangenahme Napoleons bei Sedau.

Der Jahrgang 1870 derVictoria," Muster- und Modenzeitung, liegt nunmehr vollständig vor. Ein Blick auf die reiche Fülle von Mustern zu alle» mög, lichen Handarbeiten, die sowohl unendlich viel Neues, wie manches Bekannte in neuer geschmackvoller Form darbieten und überall die genaueste Anweisung zur Anfertigung in anschaulicher Weise darstelleu, läßt nicht verkennen, daß dieses Blatt in seiner Ausgabe das Möglichste leistet und ist eS daher erklärlich, wie dasselbe so allgemeine Ver. breitung gefunden hat, daß es nicht nur in Deutschland, sondern in allen civilisirten Ländern tn lausenden von Exemplaren Absatz findet. Aber auch der belletristische Theil des Journals bietet viel Angenehmes und Nütz. liches zugleich, wodurch daS Wanze zu einem rechten Familienblatte wird. Die Beigaben an colorirten Mode- kupfer«, wie sie diese« Blatt giebt, werden von keinem andern Journal geliefert. Dasselbe ist zu dem billige« Preise von 2 0 Sgr.pro Quartal zu haben und kann sowohl durch die Post, wie durch die Buchhand­lungen bezogen werde».

(Darkehmer KreiSblatt.)