KreisWölatt
für die
Kreise Hersfeld/ Hünfeld und Ziegenhain.
^F SO» HePÄfel-, Mittwoch, den 5. October. 1810»
Das „ÄreteHatt* erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends.'' Preis desselben bei der Expedition 8z Sgr. pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die Gar. mond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller berechnet.
Amtlicher Theil.
Landrathsamt Hersfeld.
Auf Grund einer Berfügung Königlicher Regierung und unter Hinweisung auf meine im Kreisblatt Nr. 74 veröffentlichte Bekanntmachung bringe ich zur allgemeinen Kenntniß, daß die nach dem Großderzogidum Hessen hin angeordnele Grenzsperre bis auf Weiteres ausPserde- fubrwerke dann keine Anwendung leiden soll, wenn dieielbLw.mit folgen Gegenständen., beladen sind,—deren, Einfubr nach obiger Bekanntmachung nicht verboten ist, und wenn der Eigenthümer oder Führer des Fuhrwerks durch Bescheinigung der OrtSbehörde nachweist, daß in der Gemeinde aus welcher das Fuhrwerk kommt, keine Vieh- krankbeit herrscht.
Hersseld, am 1. October 1870.
Der Königliche Landrath.
Schüler, S.-V.
Der auf den Lumpensammler Jacob Kehl vier für das Jahr 1870 ausgestellte Gewerbelegitimations- schein ist demselben angeblich in hiesiger Stadt abhanden gekommen.
Indem vor dessen misbränchlicher Benntzung gewarnt wird, fordere ich den Finder desselben aus, solchen alsbald bei mir abzuliefern.
Hersfeld, am 4. October 1870.
Der Königliche Landrath.
•Schüler, Sl.-V.
Der Schreiber Joseph Ambrosius Milkau hatte hier seit längerer Zeit daraus ein Gewerbe gemacht, daß er aus den den Amtsblättern beigefügten öffentlichen Anzeigern die Besitzer von Grundstücken zu ermitteln suchte, deren Besitzungen subhastirt worden, denselben unter dem Vorgeben, er sei Agent einer Creditbank, Darlehen in Ausstcht stellte und sie aufforderte, ihm zu diesem Bebufe einen Hypothekenschein und andere Papiere, die er näher bezeichnete, einzusenden. Nachdem er so in den betreffenden Personen die Hoffnung auf Hülfe rege gemacht, und von ihnen in der Regel Die bezeich
neten Papiere zugesandt erhalten hatte, entnahm er auf einen denselben sofort wieder zugesandten Brief mehrere Thaler Postoorschuß, welche die Briefempfänger auch in vielen Fällen in tem guten Glauben, sie werden das gewünschte Darlehn erhalten, bei der Post einzahlten. In dem Briese stellte Milkau entweder Bedingungen an die Darlehnssucher, welche diese zu erfüllen nicht im Stande waren, oder er machte ihnen andere Schwierig, leiten, so daß sie in keinem Falle Geld erhielten, wohl aber um die eingezahlten Postvorschüsse betrogen waren.
Im Mai c. wurde Milkau wegen solcher Betrügereien verbastet. Nach etwa 14tägiger Unsers» chungs- bafl aus dem Gerichtsgesängniß entlassen, setzte er die erwähnten Betrügereien fort und wurde flüchtig, als er hörte, daß er von Neuem verhaftet werden sollte. Bald bötte und las man nun von in gleicher Weise an anderen Orten, namentlich in den Regierungsbezirken Gum« binnen, Danzig und Marienwerder verübten Betrügereien. Ms demnächst auch beim hiesigen Hof-Postamte von Neuem mit dem Namen Milkau versehene Postvorschußbriese aufgegeben wurden, stellte sich bei näherer Recherche heraus, daß der Absender derselben der Bruder des flüchtig gewordenen Milkau war, der nun in Gemeinschaft mit dessen Frau dieselben Betrügereien fort* setzte. Dirigirt wurden die Betrügereien vom mehrge- nannten Jos. Ambr. Milkau, welcher aus seinem Aufenthaltsorte, den er übrigens seiner persönlichen Sicherbeit wegen häufig wechselte, die betreffenden Post- vorschußdriefe zum Jucasso hierbei an die «einigen sandte. Aus einem der in der Wohnung der Frau Milkau Vorgefundenen Briefe hatte diese den Poststempel auszu- schneiden unterlassen, und ließ sich auf diese Weise der Aufenthaltsort des flüchtig gewordenen Betrüger« ermitteln. Sein hier befindlicher Bruder hatte von einem in der Nabe von Chodziesen wohnenden Oberförster als Schreiber ein Unterkommen zugesichert erhalten. Milkau hatte sich dort unter dem Namen seines Bruders vorgestellt und diese Stelle angetreten. Er wurde daselbst auch verhaftet und nach Chodziesen gebracht. Als ein hiesiger Gendarm zu seiner Abholung dortselost eintraf, war er jedoch einige Stunden vorher aus dem dortigen Polizeigesängnisse entsprungen. Da Milkau