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Uebertretungen dieser Verordnung werden nach Maßgabe der Bestimmung im §. 307 des Sirasgeietzvuch» vom 14. April 1851 bestraft.
Caffel, am 9. September 1870.
Königliche Regierung.
(gez.) von H a r d e n b e r g.
Die Herrn Stadt- und Ortsvorstäude des Kreises haben diese Bekannimachung in'ihren Gemeinden alsbald zu veröffentlichen, und deren genaue Befolgung aus das Strengste zu überwachen.
Ziegenhaiu, den 13. September 1870.
Der Königliche Laudralb Günther.
In Folge einer Requisition des Königlichen Bezirks- Commandos zu Marburg.werden die Herrn Siadt- und Ortsvorstände des Kreises angewiesen Die nach der Verfügung vom 16 v M. von 5 zu 5 Tagen cinzureichenden Berichte und ärztlichen Atieste künsiig an die Reserve- Lazareth-Commiistou zu Marburg einzusenden.
Ziegenhaiu, am 13. September 1870.
Der Königliche Laudralb Günther.
Am 10. d. Mts. ist auf dem Wege von Leimbach nach Ransbach eine Pelzmütze mit grünem Tuch gesunden worden. — Der Eigenthümer dieser Mütze kann dieselbe bei dem Herrn Bürgermeister Glintzer zu Ransbach in Empfang nehmen.
Ziegenhaiu, den 13. September 1870.
Der Königliche Landratb Günther.
Bekanntmachung.
Cassel, den 9. Deplember 1870.
Obgleich alle von dem Kriegsschauplätze zvrückkeb- renden verwundeten oder erkranken Ofsiziere, Beamte und Soldaten grundsätzlich iii den Königlichen Reserve-Laza- retheu Ausnahme fiuden sollen ehe sie demnächst als Re« convaleScenieu in Pflege der BeMus-Lazaretbe oder in Privatpflege übergeben, haben sich viele Der Genannten sogleich in Letztere begeben.
ES ist daher. Nicht möglich ihre resp. Verwundungen amtlich zu coustatiren, was bet ipäleren Ansprüchen auf Jnvaliben-Beucsicieu unumgänglich nothwendig ist. Alle im Bereiche des l1. Armee-Corps sip ausbalieudeu dergleichen Individuen werden hierdurch ausgefordert, sich ungesäumt mündlich oder schriftlich, soweit es noch nicht geschehen, bei dem nächsten Reserve-Lazarety, Etappen- Commanbautur oder Bezirks-Commaubo anzumelden oder aunielde» zu lassen, damit sie nachträglich in die Laza« reth-Listen eingetragen werden können.
DaS Commandu des stellvertretenden 11. Armce-CorPS.
Marburg, den 12- September 1870.
Königliches Laudwehr-Bezirks-Commando.
An das Publikum.
Es ist dies erklärlich, dav die Pferde und Wagen, zu deren Heranziehung aus den zuM erreichbaren heimathlichen Ober - PostvlreciiollS - Bezirken fDarmstadt, Frankfurt, Trier, Coblenz, Evlu, Aachen) die Etappen- Postbehöiden vom General-Postamte ermächtigt waren,
erst nach einiger Zeit an die Orte MjBebarfS in Frank" reich gelangen konnten, zumal die betreffenden Telegramme wegen Störung bezwse. Ueberhäusung der Telegrapheu- Leitungen nicht selten erst nach drei Tagen ihre Adressen erreichten. Es ist außerdem vorgekommen, daß die für den Postdienst bestimmlen Pferde von den Armee-Gensdar- men aus den Ställen forlgeuommeu worden sind, um zu Transporten von Verwundeten verwendet zu werden, aus welche allerdings die erste Rücksicht zu nehmen ist. Es sind übrigens auch Vorbereitungen schon dahin getroffen, daß, sobald die Französischen Effenbahuronleu wieder betriebsfähig sind, aus denselben ambulante Feld-Eisenbahn - Postbüreaus sofort in Wirksamkeit treten können und auch unter den jetzigen Umständen ist doch schon so viel erreicht worden, daß die am 13. August aus der Heimath abgefertigten Feldposttransporte bereits am 19. in Rauch in Empfang genommen wurden.
Wenn nun trotz Dieter Hemmnisse und Fährlichkeiten der Brief, dessen Beantwortung der Absender in der Heimath schon sehr ungeduldig entgegensieht, bei der betreffenden Feldpostanstalt dennoch richtig angelangt ist, — und bei correcter Adresfirung kommen alle fast ausnahmslos richtig dorlhin, wenn auch nicht so schnell wie unter gewöhnlichen Verhältnissen — so kann immer noch einige Zeit vergehen, bevor der Adressat selbst den Brief empfängt. Daß die Feldpostchistalt nicht im Stande ist, an alle, zu einer Division gehörigen, meilenweit um den Divisionsstab herum einquarlierten, oder im Marsch oder Gefecht begriffenen Compagnien re. die Briefe hinsahreu zu lassen, leuchtet ein. Aber auch die Abholung von der Feldpost hat für die TruppentdeUe ihre bevemenden Schwierigkeiten. Nach anstrengenden Märschen, bezwic. nach hartnäckigen Gefechten kommen die Soldaten zur Nachtzeit erschöpft ins Onanier, ins Bivouac oder auf Vorposten; wo der Divsionsstab steht, wissen sie oft nicht, oder falls sie den Ort auch kennen, ist er mitunter meilenweit entfernt und kann nicht vor dem Beginne des Weilermarsches erreicht werden — also unterbleibt die Abholung wiederum bis zum nächsten Ruhetage. Und wann kommt ein Nubetag zu einer Zeit, wo innerhalb 5 Tagen drei große Schlachten geschlagen werden?
In Vorstehendem ist gleichwohl erst ein Tbeil der für die Feldpost bestehenden Schwierigkeiten in allgemeinen Umrissen dargestellt; der andere, nicht minder iuS Gewicht fallende Theil berühlt näher das eigentlich post- technische Gebiet und läßt sich darum für den Nichl-Fach- mann nur anbemen.
Die richtige Spedition der Postsendungen ist ab- Hängig von dem Vorhandensein eines zuverlässigen Spe- ditionSmaierialö. Der von Berlin nach Breslau im Ei- senbahnpostwagen fahrende Beamte weiß ganz genau, bei welchem Zuge er nach Maßgabe des Posteugauges den nachGolbberg in Schl. gerichteten Brief inHahnau, und bei welchem Zuge er ihn der Postanstalt in Licguitz ab. zugeben hat, damit der Brief auf dem schnellsten Wege an seine Adresse gelangt.
DaS SveditivnSmaterial für die nach der Armee gerichteten Feldpostsendungen dagegen kann nur die Mi- likairbebörde liefern, und soweit dies nicht geschieht, — und trotz DeS bestens Willens oftmals nicht rechtzeitig geschehen kann — müssen unabwendbar Verspätungen Eintreten. (Forts. f.)