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Anfragen, und auch Klagen, über Verspätungen von Feld« Postbriesen beruhen hauptsächlich auf zwei Ursachen: einmal, daß ein Theil des Publikums — durch die sonstige Schnelle und Regelmäßigkeit des Postverkebrs, sowie durch die Telegramme verwöhnt — nicht im Stande oder auch nicht geneigt zu sein scheint, den völlig veränderten Verhältniffen derKriegslage, welche gerade chie Verkehrs- anstalten mit ehernen Schlägen trifft, ReMung zu tragen; und sodann, daß bei der Mehrzahl eine richtige Vorstellung von den bei dem Postdienste der Armee ob» waltenden besonderen Umständen nicht vorhanden ist, auch wohl nicht sein kann.
Aus diesem Grunde glaubt daS General - Postamt, welches jede einzelne, Anfrage nach einem verspäteten Briefe zu beantworten nicht im Stande ist, den Weg be» treten zu sollen, dem Publikum die in Betracht kommenden Verhältnisse und die getroffenen Einrichtungen in Kürze öffentlich darzulegen. Dasselbe wird dabei lediglich von dem Gedanken geleitet, daß diese Darstellung, wenn die Betheiligten Zeit finden, sie durchziehen, viel- leicht dazu beitragen wird, die Beunruhigungen und unbegründeten Besorgnisse zu zerstreuen, welche durch die — unvermeidlichen — Briefverspälungen bei der allerdings sehr erklärlichen Erregung der Gemüther in der jetzigen Zeit hervorgerufen werden.
Die Grundlage für die Organisation des Feldpostdienstes bilden die mobilen Feldpostanstalten. Bei jedem der dreizehn Armee Corps bestehen: ein Feldpostamt und vier Feldpost-Expeditionen: das Feldpostamt für das Generalkommando nebst dem Stäbe und den Administra- tions-Branchen; zwei Feldpost Expeditionen für die beiden Infanterie-Divisionen; und eine Feldpost-Expedition für die Reserve (Kavallerie und Artillerie). Beim XI. Armee- Corps ist für die Großherzoglich Hessische (25) Division außerdem eine besondere Feldpost - Expedition formirt. Ferner find für das große Hauptquartier Sr. Majestät des Königs, für die Obercommando's der operirenden drei Armeen, für die sechs Cavallerie-Divisionen und für die vier Landwehr-Divisionen noch besondere Feldpostanstalten errichtet. Die sämmtlichen mobilen Feldpostanstalten, 7t an dev Zahl, mit einem Personal von ca. 1000 Kopsen und vielen hundert Pferden und Wagen marschiren stets bei dem Stäbe ihrer Division rc. mit, und haben den Postverkehr für die ihnen zugewiesenen Truppencheile und AbnzinistrationS-Branchen wahrzunehmen. Dies geschieht in der Weise, daß die mobilen Feldpostanstalten die nach der Heimath gerichteten Briefe von den Truppen entgegen« nehmen und zur Absendung bringen; die zur Armee gelangende Correspondenz aber nach Bataillonen, bezwfe. Compagnien, Schwadronen, Batterien u. s. w. sortiren und zur Abholung bereitstellen, welche durch Ordonnanzen erfolgen muß.
Zur Verbindung der in Feindesland stehenden Feldpostanstalten mit der Heimath dienen die Eiappen-Post- behörden. Für jede der drei Armeen ist ein Etappen- Postdirector mit zwei Etappen -Postinspccioren in Wirksamkeit. Sie sind den General - Etappen - Jnspeclionen zugewiesen, welche letztere wiederum die Aufgabe haben, die gesammte Verbindung einer operirenden Armee mit der OperationSbasis und dem betreffenden Staatsgebiete zu sichern. Soweit Eisenbahnen im Betriebe sind, sollen
dieselben durch die Etappenbehörden auch für die Post- beförderung nutzbar gemacht werden; aus den Landstraßen werden an geeigneten Punkten Feldpoststationen (Relais) errichtet, damit dort die Weiterspedirung der Brieksäcke:c. erfolgt; die dazu erforderlichen Transportmittel sind von der Militair Etappen-Behörde zu beschaffen.
Aus dem Gesagten erhellt bereits, daß die Leitung der Feldpostbriefe von der heimathlichen Aufgabepostanstalt aus eine wesentlich andere sein muß, wie bei den gewöhnlichen Postsendungen. Der auf den Briefadressen angegebene Bestimmungsort kann bei Briefen an die mobilen Feldtruppen für die Spedirung niemals maßge« bend sein: denn wenn der Bries nach demjenigen Orte gerichtet wird, von wo aus ein Soldat seine Nachrichten in die Heimatb zuletzt abgeseudet hat — z. B. Kaiserslautern—, so wird unter jetzigen Umständen der Adressat bereit- weit nach Frankreich vorgerückt sein, wenn jener Brief in Kaiserslautern eingeht und die Postanstalt an letzterem Orte würde, weit sie die^Marschroule jedtzs einzelnen Truppentbeils unmöglich wissen kann, außer Staude sein, die Nachsendung des Briefes zu bewirken.
Die einzige Möglichkeit, die Briefe an marschirende Truppen richtig zu leiten, besteht darin: daß die Sachen für alle in einem bestimmten DjvistonS rc. -Verbände stehenden Truppen der dieser Division zugetheilten Feldpostanstalt zugeführt werden. Hierzu gehört aber unbedingt, daß 'die Postverwaltung zuverlässige Nachricht darüber erhält, welchem tactischen Verbände jeder einzelne Truppentheil im gefammten Norddeutschen Bundesheere einverleibt ist, und welche Veränderungen hierin eintreien. Aus Grund dieses, nur mit großer Mühe und anfänglich wegen der successiven Formirung der mobilen Trnppen- körper doch nur unvollständig zu beschaffenden Materials wird alsdann von dem General-Postamte eine numero- logiich geordnete Zusammenstellung aller Stäbe, Regimenter, Abtheilungen, Kolonnen und AdministrationsBranchen mit Angabe der zugehörigen Feldpostanstalt — eine sogenannte Feldpost - Uebersicht — angefertigt und denjenigen Stellen überwiesen, welche im Julande die Bearbeitung der nach der Armee gerichteten Felbpostsen- dungen zu besorgen haben. Da nämlich nicht alle 4600 Norddeutsche Postanstalten mit den mobilen Feldpostau- stalten in direktem Kartenschluß, d. h. in unmittelbarem Austausch von Briespacketen und Briefbeuteln, treten können, und da auch die in der Feldpost-Uebersicht enthaltenen Angabe» geheim zu halten sind, mithin nur we- vigen Beamten zugänglick) sein dürfen: so sind an einigen, ihrer Lage nach dazu geeigneten Orten, zur Zeit in Berlin, Gaffel, Cöln, Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig und Saarbrücken, große DepotS — Postsammelstellen — ein- gerichtet worden, an welche die nach der mobilen Armee bestimmten Sendungen zuerst gelangen, um dort nach den Divisionen (die Geldbriese gleich nach den einzelnen Comv pagnien u. f. w) formt, tu die Karten eingetragen, ver« packt und weiter gesandt zu werden. (Forts, f.)
Landrathsamt Hünfeld.
Steckbrief.
Der geisteskranke Konrad Burckarht aus Lurghaun