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Für Konrad Weppler, 20 Jabre alt, von Komme« rode ist um Entlassung aus dem Unterthanen-Verbande zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

HerSfeld, am 24. Juni 1870.

Der Königliche Landrath Auffartb.

Bekanntmachung, die Beschädigung der Telegraphen-Antagen betreffend.

Die längs Chausseen und anderen Landstraßen ge­führten Telegraphen-Leitungen sind häuüg der muthwilligen Beschädigung, namentlich durch Zertrümmerung der Jsola« toren mittelst Steinwürfe ?c. ausgesetzt. Da durch diesen Unfug die Benutzung der Telegraphen-Anstalten verhin­dert oder gestört wird, so macht die Telegrapben-Direciion hierdurch auf die, durch die nachstehend abgedruckten §§. des Strafgesetzbuches für dergleichen Beschädigungen fest« gesetzten Strafen aufmerksam. Gleichzeitig wird hierbei bemerkt, daß demjenigen, welcher die thätet vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen an den Telegrapbenlei- tungen der Art zur Anzeige bringt, daß die Thäter zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden können, Prä- mien bis zur Höhe von 5 Thalern in jedem einzelnen Falle gezahlt werden.

Die bezüglichen Bestimmungen des Strafgesetzbuches lauten:

296. Wer gegen eine Telegraphen-Anstalt des Staates oder einer Eisenbahn-Gesellschaft vorsätzlich Hand­lungen verübt, welche die Benutzung dieser A Kalt zu ihren Zwecken verhindern oder stören, wird mit Gefäng­niß vondrei Monaten bis M drei Jahren bestraft. Handlungen dieser Art sind insbesondere die Wegnahme, Zestörung oder Beschädigung der Drabtleuung, der Ap­parate und sonstiger Zubehörungen der Telegrapben-An- lagen, die Verbindung fremdartiger Gegenstände mit der Drahtleitung, die Fälschung der durch den Telegraphen gegebenen Zeichen, die Verhinderung der Wiederherstel­lung einer zerstörten oder beschädigten Telegraphen-Anlage, die "Verhinderung der bei der Telegraphen-Anlage ange­stellten Personen in ihrem Dienstberufe.

§. 297. Ist in Folge der vorsätzlich verhinderten oder gestörten Benutzung der Telegraphen-Anstalten ein Mensch am Körper oder an der Gesundheit beschädigt worden, so trifft den Schuldigen Zuchthaus bis zu zehn Jahren, und wenn ein Mensch das Leben verloren hat, Zuchthaus von zehn bis zwanzig Jahren.

§. 298. Wer gegen eine Telegraphen-Anstalt des Staates oder einer Eisenbahn - Gesellschaft fahrlässiger Weise Handlungen verübt, welche die Benutzung dieser Anstalr zu ihrem Zwecke verhindern oder stören, wird mit Gefängniß bis zu sechs Monaten, und wenn dadurch ein Mensch das Leben verloren hat, mit Gefängniß von zwei Monaten bis zwei Jahren bestraft.

Frankfurt a. M. am 13. Juni 1870. ______________Telegraphen-Direktion.

Berlin, den 16. Juni 1870.

Bekanntmachung

Um die richtige Spedition der Postsendungen nach solchen Orten zu sichern, woselbst sich eine Postamtalt nicht befindet; ist eS zweckmäßig, daß von dem Absender außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Postan­stalt aus der Adresse angegeben werde, von welcher aus

die Bebändigung der Sendung an den Adressaten be­wirkt wird. Die unrichtige Bezeichnung der DistributionS« Postanstalt oder das gänzliche Fehlen einer bezüglichen Angabe können die rechtzeilige Ueberkunft jener Postsen­dungen in Frage stellen.

' Es empfiehlt sich daher, daß Korrespondenten, an deren Wohnsitz sich eine Postanstalt nicht befindet, dieje­nigen Personen, mit welchen sie im Briefwechsel stehen, auf das gedachte Erforderniß aitfmerff.au machen und demselben 'mittheilen, durch Vermittelung welcher Postan­stalt sie ihre Postsendung empfangen. __________________General-Postamt. Stephan.

Das massenhafte Auftreten der Herbstzeitlose und die Vertilgung dieses Unkrautes betreffend.

Wiewohl die schädliche Wirkung der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) auf den thierischen Körper al­len Landwirthen zur Genüge bekannt ist, so geschieht zu deren Vertilgung unbegreiflicher Weise doch so gut wie nichts. Hieraus erklärt sich denn auch das in jüngster Zelt auf zahlreichen Wiesen massenhafte Auftreten dickes in allen seinen Tbeile», in der Zwiebel, dem Stengel, den Blättern, Blüthen und in dem Samen, namentlich in dem letzteren, äußerst giftigen Wiesenunkrauts. Wenn nun zwar der Instinkt die Weidethiere vom Genusse der Herbstzeitlose adhält, wenn sie auch bei der Fütterung im Stalle, die im Heu enthaltenen Theile dieser Pflanze, bei sonst guter Ernährung und Pflege, in der Regel bei Seite schieben und unberührt liegen lassen, so kommt eS doch gerade nicht selten vor, daß Rindvieh, durch heftigen Hunger hierzu veranlaßt, vor dem Genusse der unter dem Heu befindlichen Herbstzeitlose nicht zurückschreckt. Die in immer stärkere Ausnahme kommenden rationellen Füt- terungSweifen, das Verwandeln des LangheueS in Häcksel, die Änfcuchtnng und Vermengung dieses mit entsprechen­den, intensiver nährenden Futtermaterialien macht es den Thieren aber geradezu unmöglich, die hierbei zerkleinerten Theile der Herbstzeitlose, ganz besonders den äußerst gif­tigen Samen liegen zu lassen. Sie sind gezwungen, ihn mit der übrigen Futtermasse zu verschlingen. Unter die- sen Umständen kann es dann nicht auffallen, daß Vergift tungssälle jetzt weit häufiger vorkommen müssen, als dies früher der Fall war. Meist werden dieselben aber ver. kanni, die wahre Ursache der stattgefundenen Vergiftung kommt dem betreffenden Viehbesitzer nur selten einmal zum Bewußtsein. Das Pferd, das Rind tc. krepirte seiner Ansicht nach an Kolik, an Darmentzündung, an Trommelsucht it. bergl., an Krankheiten, die es sich durch zu hastiges Fressen, durch den Genuß zu jungen, üppig gewachsenen oder befallenen Klees, durch Erkältung rc. zugezogen haben soll.

Bei Vergiftungen durch die Herbstzeitlose leiden zu­nächst Magen und Darmkanal unter kolikartigen Erschei- nunacu; halb wird aber auch das Gehirn ergriffen und im weiteren Verlause der Krankheit entwickelt sich Blut« zersetzung, ander die Thiere zu Grunde gehen. Der Tod tritt zuweilen schnell ein, gewöhnlich erfolgt er aber erst nach mehreren Tagen. Genesende Thiere leiden oft noch längere Zeit hindurch an Schwäche im ganzen Nerven­system, die sich unter Anderem in bald mehr, bald weni­ger heftiger auftrelender Lähmung des Kreuzes kund thut. Solchen Vergiftungen wird man dadurch einiger