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KmsWMt für die ,

Kreise Hersfeld/ Hunftld und Ziegen,Hain.

D 35* HepAfeld, Sonnabend, den 30. April. " 1870*

Das .Kreisblatt- erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und sonnabends. Preis desselben bei der Erpedition 8t Szr. >ro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die Gär- vond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller berechnet.

Amtlicher Theil.

Landrathsamt Hersfeld.

Gaffel, den 22. April 1870.

Nach Artikel 21 der Maß- und Gewichts-Ordnung für den norddeutschen Bund vom 17. August 1868 tritt dieselbe mit dem 1. Januar 1872 in Kraft; nach Arti­kel 22 ist die Anwendung der dieser Maß- und GewichtS- kOrdnung entsprechenden'Maße und Gewichte bereits vom 1. Januar 1870 an gestattet, insofern die Betheiligten f hierüber einig sind.

Es ist zu wünschen, daß von dieser Gestattung ein | möglichst ausgedehnter Gebrauch gemacht wird. Je mehr dies geschieht, desto rascher und sicherer wird sich die Ein- bürgerung der neuen Maß- und Gewichts-Ordnung voll« zieben. Die Volksschule wird hierzu sehr erheblich mit« : wirken können und müssen. Sie hat die Ausgabe, Kenntniß und Verständniß der neuen Ordnung für das bürgerliche Leben zu vermitteln, und damit sie das könne, muß sie | ihre Schüler mit dieser neuen Ordnung bekannt machen. Fortan ist in allen Schulen das Rechnen mit den neuen Maßen und Gewichten zu lehren und zu üben. In wel­cher Weise, in welchem Umfange und bis zu welcher Fertigkeit dies zu geschehen hat, darüber lassen sich all- gemeine, überall in Anwendung zu bringende Bestimmun­gen nicht treffen. Die Ansprüche, welche in dieser Be­ziehung die cinklassige Elementarschule, die HalbtagssHule mit verkürzter Unterrichtszeit und eine mebrklafsige geho­bene Stadtschule mit einer für diesen Unterricht reichlich bemessene» Stundenzahl, erfüllen können, sind so verschie­den, daß es unstatthaft erscheint, dieselben Forderungen unterschiedslos an.alle Volksschulen zu stellen. WaS aber , überall geleistet werden kann und darum gefordert wer­den muß, ist, daß daS Nothwendigste und Unentbehrlichste für den Verkehr des täglichen Lebens durch Verständniß und Uebung in den Besitz der Kinder gebracht werden.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Masse des Volkes die namentlich in der UedungSzeit erforderlichen Umrechnungen nach ungefähren NäherungSwerthen vor­nehmen und sich dabei der gewöhnlichen Brücke bedienen

wird. Diesem Bedürfniß des Lebens entsprechend, hat eS die Schule als ihre nächste Ausgabe anzusehen, hierin Kenntniß und Fertigkeit zu vermitteln. Was hier, bei von der Kenntnis der Decimalbruch- Rechnung noth­wendig ist, daS ist so einfach und so leicht, daß es überall rasch gelernt und gelehrt werden kann.

Die vollständige Kenntniß der Decimalbruchrechnung bietet aber für die rechnerische Handhabung der neuen Maße und Gewichte so wesentliche Vortheile, gewährt so erhebliche Erleichterungen und ist für genaue Berech­nungen so zweckmäßig,, daß die Einführung derselben in die Volksschule im Ganzen und Großen angestrebt und erreicht werden muß. Nachdem das Rechnen mit' Deci­malen in den Lehrplan der Seminarien ausgenommen und eine große Anzahl der im Amt stehenden Lehrer da­mit vertraut geworden ist, so wird es keine Schwierig­keiten haben, diesen Unterrichtsgegenstand in den Lehrplan der Volksschule aufzunehmen. Es wird nur darauf an« kommen, den Umfang, in welchem dies zu geschehen hat, je nach dem Standpunkte der einzelnen Schulen, richtig zu bemegen. Zu einer erfolgreichen Behandlung der Sache ist auf die thatsächlichen Verhältnisse überall die gebührende Rücksicht zu nehmen. Im Allgemeinen wird es zutreffen, daß, wo sich ein weitergehendes Bedürfniß geltend macht, auch die Kräfte vorhanden sein werden, eS zu befriedigen. Um aber zu verhüten, daß nicht zu hoch gegriffen'werde, wo die Bedingungen zur Erreichung höherer Unterrichtsziele nicht gegeben sind, oder daß zu wenig gefordert wird, wo eine vollere Leistung erzielt werben kann, wird es nothwendig, daß sich die Lehrer und Scknl-Jnspectoren darüber klar werden, was zu dem Unentbehrlichsten gehört, wie eS unter den gegebenen Verhältnissen in der nächsten Zeit erreicht werden kann, und was im concreie» Falle die einzelne Schule nach Maßgabe ihrer Einrichtung in Zukunft wird erreichen können.

Znr Orientirung in dieser Beziehung empfehle» wir diePraktische Anweisung zum Rechnen mit den neuen Maßen und Gewichten deS 9torbbeutfd)en BundeS". In leicht faßlicher Darstellung bearbeitet von A. Bültnpr, Seminalehrcr. Zweite nach den amtlichen Verhältniß- zahlen für die Umrechnung der alten Maße ,und Gewichte