Dom Fugend-Nolwerl
Ausführungsbestimmungen für die Landesarbeitsämter.
Berlin, 29. Dezember.
Im Anschluß an den Aufruf des Reichspräsidenten über das Notwerk der deutschen Jugend hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Verfügung an die Präsidenten der Landesarbeitsämter erlassen. In dieser Verfügung wird unter anderem angeordnet, daß tunlichst bald alle Stellen, die nach ihrem Aufgabenkreis Hilfe für die arbeitslose Jugend leisten, zu Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen werden sollen.
Neben dem Arbeitsamt kommen vor allem die Gemeinden, freie Wohlfahrts- und Jugendpflege, Geistlichkeit und Lehrerschaft, die Jugendverbände aller Art für diese Arbeitsgemeinschaften in Frage.
Das Notwerk soll den jungen Arbeitslosen täglich mindestens vier Stunden sinnvolle Beschäftigung bieten, hiervon sollen grundsätzlich durchschnittlich mindestens zwei Stunden täglich auf berufliche Bildungsarbeit verwendet werden. Mindestens weitere zwei Stunden täglich sind aus Leibesübungen oder auf gemeinsame geistige Beschäftigung zu verwenden, die der geistig-sittlichen Ertüchtigung dienen sollen. Nach dem Erlaß soll geprüft werden, ob Gruppen von Jugendlichen zu Helferdiensten bei Einrichtungen der öffentlichen und freien Fürsorge, die sich nicht zur Anerkennung im Freiwilligen Arbeitsdienst eignen, eingesetzt werden können. Für junge Arbeitslose, die keinen Rückhall in der Familie haben, ist die Einrichtung von Tagesheimen durch geeignete Träger zu fördern.
Für die Durchführung des Notwerkes sind die Kräfte und Mittel aller vorhandenen Stellen planmäßig einzusetzen. Nach Möglichkeit sollen alle verfügbaren Plätze in den ' Werkstätten der Berufs- und Fachschulen in Anspruch genommen und darüber hinaus geeignete leerstehende Betriebsanlagen als Schulwerkstätten benugt werden
Was die in dem Aufruf des Reichspräsidenten erwähnten Kameradschaften der jungen Arbeitslosen anlangt, sc sind zur Bildung solcher Kameradschaften alle Gemeinschafts- gruppen (Jugendverbände) berechtigt, die keine staatsfeindlichen Ziele verfolgen. Parteipolitischen Bestrebungen darf das Notwerk nicht dienstbar gemacht werden. In der Regel soll eine Kameradschaft nicht weniger als 25 Mitgliedei haben. Die beruflichen Bildungsmaßnahmen bleiben nach wie vor darauf gerichtet, die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Arbeitslosen zu erhalten und zu steigern, ihre Verwendungsfähigkeit auf den Arbeitsmarkt zu erhöhen und die Verbundenheit mit dem Beruf aufrechtzuerhalten.
Zur Durchführung des Notwerkes hat die Reichsregie- rung einen Betrag von 9 Millionen RM zur Verfügung gestellt. Aus diesen Reichsmitteln können insbesondere an freiwilligen Kameradschaften Beihilfen vor allem zu den Kosten der Verpflegung gewährt werden. Als Beihilfe kann höchstens ein Betrag von täglich je 15 bis 25 Rpf. gewährt werden, im Durchschnitt des Landesarbeitsamtsbezirkes nicht mehr als 20 Rpf. Die Beihilfen haben regelmäßig zur Voraussetzung, daß sich auch andere — private oder öffentliche — Stellen mit eigenen Mitteln an der Verpflegung und den sonstigen Aufgaben des Notwerkes beteiligen. Anträge auf Gewährung von Beihilfen sind an den Vorsitzenden des Arbeitsamtes zu richten.
Kommunistisches Warenlager entdeckt
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Punzemeumle veobachleten abends in St. Pauli, wie vier Männer eine schwere Kiste von einem Geschäftsauto abluden. Da ihnen das Verhalten der Männer verdächtig vorkam, ließen sie die Kiste öffnen und stellten fest, daß sie mehrere Gewehre und Karabiner .Modell 98, zahlreiche Pistolen, eine Granate, einen Granatzünder, eine Kugelhandgranate, acht geschliffene Seitengewehre sowie diverse Pi- stolenmunition enthielt. In einem in der Nähe gelegenen Keller wurden dann noch zwei Armeepistolen, Munition, ein Morseapparat, kommunistische Broschüren sowie zahlreiche , Flugblätter gefunden. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor.
FrnnMche Vorbehalte gegenüber Österreich ( Die Anleihebedingungen des Senats / Stellt Boncour { die Vertrauensfrage?
Paris, 29. Dezember. Der Auswärtige Ausschuß des Senats stimmte am Mittwoch unter gewissen po^ti-- schen Vorbehalten der österreichischen Anleihe zu.
Die „gewissen" Vorbehalte sind politischer und diplomatischer Natur. Sämtliche Redner erklärten in der Diskussion, es sei für Frankreich notwendig, über
die Politik Deutschlands und Italiens in der Anschlußfrage genau unterrichtet zu sein. Ueberdies könnten Oesterreich neue finanzielle Garantien nur bewilligt werden, wenn man dafür
entscheidende Garantien von Oesterreich enttäusche.
Ministerpräsident Paul-Boncour erklärte, das j politische Interesse an der geplanten Anleihe bestehe ja ; gerade in der neuerlichen Bestätigung des Protokolls von i 1922 durch Oesterreich.
Nach einem Kabinettsrat erklärte Paul-Boncour den ( Pressevertretern, ob man wegen der österreichischen An- i leihe der Kammer die Vertrauensfrage stellen wolle, sei ! noch kein Beschluß gefaßt worden; es sei jedoch wenig wahrscheinlich,
Vo'- der radikalen Kammerfraktion hat der Unter» staatssekretar für auswärtige Angelegenheiten, Cot, den Standpunkt der Regierung zur österreichischen Anleihe begründet. Mehrere radikale Abgeordnete forderten Aufhebung des Fraktionszwanges bei der Abstimmung über die österreichische Anleihe.
Reichrbürgschast für hausbesitzerlredNe
Berlin, 29. Dezember.
Die Deutsche Bau- und Bodenbank, Berlin, hat sich bereit erklärt, Kredit auf der Grundlage der dem Hausbesitz i zustehenden Steuergutscheine für die Grundsteuer zu geben, ! soweit die Steuergutscheine am 1. April 1934 und am 1. April 1935 fällig werden. Der besondere Vorteil für den Hausbesitzer liegt darin, daß auch der Anspruch auf zukünftige Steuergutscheine als Grundlage für eine Kreditgewährung anerkannt wird; die Abtretung des Anspruches auf solche Steuergutscheine soll als Sicherheit genügen.
Zur Durchführung der Kreditaktron hak der Reichs- arbeilsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen die Reichsbürgschaft übernommen. Der Kredit wird dem Hausbesitzer unmittelbar durch geeignete örtliche Kredikinstitute gegeben werden, die insoweit mit der Bau- und Bodenbank zusammenarbeiten. Daneben ist die bereits vor einigen Monaten eingeteitete Kreditbeschaffung aus der Grundlage von Jnstandsetzungswechseln dadurch weiter gefördert, daß der Reichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen Anträgen von größeren Kreditinstituten aus Uebernahme der Reichsbürgschaft entsprochen hat.
WerWrkSW der FlsNe
Panzerschiff „Deutschland" vor der Fertigstellung.
Wilßelmshaveu,, 29. Dezember.
N"« U— >— ^^-^--,..WHrtg<L»i ..ifrf,!«..»* ist -^ gefördert worden, daß es im Frühjahr 4n Wilhelmshaven in Dienst gestellt werden kann. Gleichzeitig soll der Kreuzer „Emden" aus dem aktiven Dienst zurückgezogen werden.
Zum Kommandanten des Panzerschiffes „Deutschland" ist Kapitän zur See von F i s ch e l ernannt worden, der im Kriege das Unterseeboot „U 65" führte. Erster Offizier der „Deutschland" wird der bisherige erste Offizier der „Emden", Korvettenkapitän Wurmbach, sein, der im Kriege ebenfalls auf U-Booten verwendet wurde. Von der U-Boot-Waffe stammt auch der leitende Ingenieur der „Deutschland", Korvettenkapitän Dr.-Ing. L ü t t g e.
Deutschlands Freiheitslamps Eine Aeußerung des Reichsaußenministers.
Berlin, 29. Dezember.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath veröffentlicht einen Aufsatz über Deutschlands Kamps um die Gleichberechtigung in der Wehrfrage. Nach einem eingehenden Ueberblick über die bisherigen Bemühungen Deutschlands um die Durchsetzung dieses Anspruchs schließt der Minister seine Ausführungen mit folgenden Worten: „Inzwischen ist verschiedentlich der Versuch gemacht worden, unsere Absichten in der Weltöffentlichkeit zu mißdeuten und uns des Willens zur Aufrüstung zu bezichtigen. Diese Bemühungen sind offenbar von dem Bestreben diktiert, die Aufmerksamkeit von dem wahren Sachverhalt abzulenken.
Nichk um deutsche Aufrüstung handelt es sich sondern um die Abrüstung der heute noch gerüsteten Staaten. Diese haben es vollständig in der Hand, ob und inwieweit Deutschland seinen Rüstungsstand modifizieren muß. Je weiter sie abrüsten, und je mehr sie sich dabei nach dem Muster der Versailler Entwaffnungsbestimmungen richten, um so weniger wird Deutschland an seiner gegenwärtigen Rüstung ändern müssen.
Wir haben es in Genf immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß uns jede — auch die weitestgehende — Ab- rüstungsmaßnahme recht ist, wenn sie nur in gleicher Weise für alle gilt. Der Vorwurf, wir wollten ein neues Wettrüsten entfesseln, ist völlig unbegründet und ungerecht. Die Verant: rtung dafür, ob sich die vertragliche Festlegung der Rüstungen als realisierbar erweist, ruht allein auf den hochgerüsteten Staaten, vor allem auf Frankreich. Wenn wir eine baldige Entscheidung verlangen, so sind wir dazu nicht nur durch die Verträge berechtigt, sondern auch durch Rücksicht auf die Sicherheit von Land und Volk verpflichtet."
Der vMMMche $ri6er!riti Folgenschwere Schießerei.
Sofia. 29. Dezember.
Vor dem Kömgsschlosse in Sofia kam es wieder zu einem schweren Feuergefechl zwischen den beiden verfeindeten Flügeln der mazedonischen Organisationen. Gegen 10 Uhr, als der Präsident der Kobranje zum König berufen wurde, um mit ihm über die Lösung der Regierungskrise zu be- ralen, stießen zwei starke Gruppen der Mazedonier vor dem Schlosse au'einauder. Die eine Gruppe bestand aus Anhängern Mihasisws, die andere aus Protogerowiften. Auf dem Schauplatz des Gefechtes blieben ein Toker, ein Gensdarm, und sechs schwer Verwundete. In der Stadt herrscht große Erregung.
Um der Polizei nicht aufzufallen, hatten sich die Anhänger der Protogerow-Gruppe als Jäger verkleidet, die Jagdhunde mit sich führten.
Der AMand in Hondsras Neue Kämpfe mit Aufständischen.
New Bors, 29. Dezember.
„New Bors Times" veröffentlicht ein Telegramm ihres Berichterstatters in der nikaraguanischen Hauptstadt Managua, wonach bei Santa L u c i a im Bezirk von Tegucigalpa neue Kämpfe zwischen den Aufständischen und der Nationalgarde von Honduras staüüesuuden haben. 22 Re
und 3 oer «egierunastruppen seien in den Kämpfen getötet worden.
Sie Rebellen seien gerade im Begriff gewesen, das Personal zweier von ihnen erbeuteten Eisenbahnzüge hinzu- richten, als die Regierungstruppen eingriffen und die Beamten vom Tode erretteten.
Bolimmilcher Sieg im «r«, Ehaco
Nach einer Reutermeldung bestätigt es sich, daß die Paraguayaner nach 6 Wochen erbitterter Kämpfe die Forts Saavedra, Samaclay und Murguia räumen mußten. Die Vollvraner haben sich also des ganzen Abschnittes des Pil comayo an der Gran Chaco-Front bemächtigt.
Zwei Schwestern werden glücklich
Roman von Helma von Hellermann
Copyright by Martin Fauchtwangpr, Halle (Saale)
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«Gut geschlafen, kleine Braut?"
«Wundervoll!" Die braunen Augen sahen Barbara an, groß und glänzend und doch mit einem kleinen Schimmer von Aengstlichkeit. „Du, Bärbel, heute ist mein Hochzeitstag! Ich kann es immer noch nicht fassen, daß ich Alexander Plessings Frau werden soll..." Ein leises, etwas unsicheres Lachen.
Barbara hielt das junge Ding fest, das auf einmal zu zittern begann.
„Wirst es schon fassen, wenn man dich erst .Exzellenz' nennt, du kleines Hühnchen!" Ihr lachendes Gesicht wurde ernst. „Du bekommst einen prächtigen Gatten, Gittalein, großzügig und gütig wie keiner, dem darfst du dich rückhaltlos anvertrauen. Vergiß es nicht, Kind, schaffe Klarheit zwischen dir und dem Manne, dessen Namen du nun tragen wirst. Erzähle ihm von Buchmann, ehe er's von anderer Seite hört! Gerade in diesen nächsten Tagen wird er dir am leichtesten verzeihen."
„Ich weiß, hab' mir's schon vorgenommen!"
So energisch nickte Brigitte, daß ihr die Locken um den Kopf flogen, hob sich auf die Fußspitzen, um der großen Schwester einen Kuß zu gehen, und tanzte dann, ihr weißes Nachthemd mit beiden Händen hebend, ins Badezimmer. Bald hörte man ihre trällernde Stimme. Ganz sorgloses Kind! Die lauschende Barbara lächelte still vor sich hin, gab sich dann einen Ruck und ging an die Arbeit — es gab noch viel zu tun.
Als Brigitte am Frühstückstisch erschien, rosig, frisch, in strahlendster Laune, waren die beiden Zimmer schon geordnet. Behaglich knisterte das Feuer im Ofen. Während Brigitte als letzten Liebesdienst den herrlichen Blumen, die überall herumstanden, frisches Wasser gab,
plauderte sie unaufhörlich. Je näher die Stunde kam, desto größer wurde ihre Aufregung.
„Wenn ich nur nichts verkehrt mache", meinte sie, mit sorgenvoll gekrauster Stirn zum vierten Male die polierte Platte des Tisches am Fenster abwischend. „Denk dir: wenn ich niesen müßte beim Jasagen, oder beim Essen das Messer in den Mund steckte vor lauter Aufregung! Das kommt vor, da niacfjt man die größten Dummheiten!"
„Wird alles ganz glatt gehen, nur keine Angst", beruhigte Barbara, ihr das Staubtuch aus der Hand nehmend. „Fünfmal polieren genügt, du Flederwisch", die heiße Wange küssend, Die sich wie schutzsuchend gegen die ihre schmiegte. „Geh jetzt und zieh dich an, mein Herz, ich komme gleich nach."
Als es zehn Uhr schlug, klingelte es. Brigitte, die fix und fertig am Fenster des Wohnzimmers auf die Ankunft des Wagens gewartet hatte, legte plötzlich die Hand aufs Herz. Rasend begann das zu schlagen...
Gleich darauf stand Alexander Plessing vor den beiden Schwestern, küßte Brigitte auf den roten, leise bebenden Mund, hob Barbaras Hand an seine Lippen und sprach ein paar liebenswürdige Worte Der Begrüßung. Seine Ruhe gab dem panikartig aufgewühlten Mädchen die Sicherheit zurück. Sie schmiegte ihre Hand in die seine, die er festhielt, während er mit Barbara sprach. Nun war sie geborgen — in den jungen Augen leuchtete schon wieder die Sonne.
Nur Barbara spürte die Erregung, die den großen, schlanken, so gelassen scheinenden Mann erfüllte. Nun war das lange Warten und Sehnen vorbei, holdeste Glückserfüllung lachte ihn aus den süßen Augen der jungen Braut, die nun sein eigen wurde, an.
Er half Brigitte in den Zobelmantel, der sein letztes Geschenk war. Anmutig hob sich ihr feines Köpfchen aus der seidigen Weiche des kostbaren Pelzes. Barbara sah vom Fenster aus den Abfahrenden nach, mintte den Herauf- grüßenden zu. Und stand noch lächelnd, das Taschentuch in der Hand, mit starren Augen, als der elegante Wagen schon am Portal des Standesamtes vorfuhr.
Die Trauung fand in Rolandseck statt. Es bath Plessing widerstrebt, sein neues Eheglück der Neugier der gaffenden Menge preiszugeben, kaum fünfviertel Jahre waren ja seit dem Tode seiner ersten Frau verflossen. Brigitte, liebenswürdig und gefügig wie stets, war sofort damit einverstanden gewesen, trotzdem sie heimlich von bei Pracht einer öffentlichen Hochzeit geträumt.
Es war ein kleiner, aber glänzender Kreis, der sich in den schönen, festlich geschmückten Empfangsräumen versammelte, um der Trauung des Großindustriellen mit der jungen Brigitte Pohl beizuwohnen, die in der großen Welt ebenso, unbekannt wie er berühmt war.
Ein Vetter Plessings war da, breitschultrig, mit luft- gerötetem Gesicht und blitzblauen Augen, der mit seiner Gemahlin willig der Einladung gefolgt war und sein mecklenburgisches Rittergut auf einige Tage verlassen hatte, um die schöne Stadt Dresden und seines Vetters Saschas zweite Frau kennenzulernen; einige Ehepaare, Deren Namen an Ruhm und Reichtum dem Alexander Plessings nicht nachstanden, und als einzige Bekannte der Schwestern: Doktor Unruh und seine Mutter, die eigens aus Weimar hergereist war, um zu sehen, ob die Sache zwischen ihrem geliebten „Schafskopf" und dem netten Fräulein Pohl wirklich ganz aussichtslos war.
' Schöne, gepflegte Erscheinungen alle, wundervolle echte Juwelen funkelten zwischen den Falten schimmernder Seide.
Die kleine Geheimrätin glich mehr denn je einer Marquise mit dem blitzenden Diadem im weißen, hochfrisierten Haar, dem Geschenk ihrer Schwiegereltern bei der Geburt des ersten, heißersehnten Enkels. Mit aus- gestreckten Händen begrüßte sie Barbara, die in silbcr- schimmerndem, weichfließendem Kleid ans Seidenkrepp ungemein vorteilhaft aussah und „solch schöne, rote Backen" hatte, wie die Geheimrätin erfreut feststellte.
Barbara lächelte. Wozu sagen, daß es künstliche Farbe war? 3um ersten Male in ihrem Leben hatte sie dex Schminke bedurft.
(Fortsetzung l-ust.)