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Die Unterredung Roosevelt—Norman Davis.
Albany (New Bock), 28. Dezember.
Gouverneur Roosevelt und Norman Davis erörterten bei ihrer Zusammenkunft die Abrüsturmsfrage, die Welt- wirtschaftskonferenz und die Probleme der Tarifabänderung, der Währungsstabilisierung und der Aufwertung des Silbers. Norman Davis erklärte Nach Beendigung der Besprechung: „Wir brauchen Abrüstung, um das Vertrauen wiederherzustellen, denn Vertrauen bedeutet Kreditgewährung, und Kredit ist die treibende Kraft des Handels." Er erklärte ferner, die Weltwirtschaftskonferenz werde bei ihrem Zusammentritt Anfang nächsten Sommers nur dann wirksame Arbeit leisten können, wenn sich die Hauptmächte über ihr Vorgehen geeinigt haben.
Roosevelt soll die These vertreten haben, das Gefühl der Sicherheit zwischen den Rationen werde in genau dem Maße zunehmen, in dem die Zahl der Kriegswerkzeuge vermindert werde. Er habe in diesem Zusammenhang an eine Bemerkung Llemenceaus in Versailles erinnert, daß Frankreich sicher sein werde, sobald die Gewähr bestehe, daß es mit Deutschland keinen Krieg haben werde. Davis Rorman soll erwidert haben, daß er eine günstige Aenderung in der Haltung der französischen Politik gegenüber Deutschland wahrgenommen habe.
Hinzugefügt habe er, er glaube, daß trotz des japanischen und französischen Widerstandes eine Abschaffung der U-Boote möglich sein werde. Schließlich sei Davis Norman noch für eine französisch - italienische Flottenvereinbarung entsprechend dem Londoner Vertrag, für die Abschaffung von Bombenflugzeugen, Giftgas und beweglicher, schwerer Artillerie sowie für das Verbot von Bombenangriffen eingetreten.
Amerika und die Abrüstungskonferenz
Roosevelt anerkennt Frankreichs „Sicherheits"-Verlangenl
Washington, 28. Dezember. Der Konferenz Normar Davis mit Roosevelt wird in Washington stark Beachtung geschenkt. Man schließt aus dem Hinweis Roosevelts auf seine Unterhaltung mit Clemenceau während der Versailler Verhandlungen, daß Roosevelt Frankreichs Bestehen auf Sicherheit offenbar billige und Davis von einem weiteren Einsetzen des amerikanischen Einflusses in Genf abgeraten habe, bis die Lage dort so weit geklärt sei, daß Hoovers Abrüstungsplan, mit dem Roose- velt sich vor kurzem in einem Telegrammwechsel einverstanden erklärt hatte, sachlich erörtert werden könne.
Offenbar halte Roosevelt eine Diskussion über die Herabsetzung der Rüstungen für verfrüht, solange nicht die prinzipiellen Fragen des Rüstungsausgleichs, der Sicherheit und der Begriffsbestimmung der Angriffswaffen geklärt seien. 3m Staatsdepartement wurde diese Auffassung indirekt durch die Bemerkung Stimsons bestätigt, er wisse nicht, ob Norman Davis nach Gens zurückkehren werde.
Amerikas StandPuMt unverändert
Zahlung Vorbedingung jeder Schulden-Diskussion.
Washington, 28. Dezember. Staatssekretär Stimson bedeutete am Dieustag erneut, daß Verhandlungen mit der französischen Legierung über eine Revision der Schulden zur Zeit nicht in Frage kämen. Es habe sich auck
. au-der Vorbedingung geändSrkF^aß "FrMreich zunächst die Dezemberrate zahlen müsse, bevor die Frage einer Diskussion in dieser Richtung überhaupt erörtert werden könne.
Französische Kammer brrsWgt Budgetzmölftei
Paris, 28. Dezember. Die Kammer hat den Gesetzentwurf über die Bewilligung des Budgetzwölftels für 1933 in seiner Gesamtheit mit 624 gegen 53 Stimmen angenommen.
Die Sozialisten erklärten, sie erblickten in der Bewilligung des Budgetzwölftels nicht eine budgetäre Abstimmung im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern sie wollten nur der Regierung die Möglichkeit geben, einen Monat lang zu leben. Es handele sich also um eine Ueber- gangsmaßnahme.
Füus Müsarden neue MAMWe Schatzbouds
Paris, 28. Dezember. Die Kammer hat am Dienstag die Regierungsvorlage angenommen, die zur Deckung der dringlichsten Anforde. ungen die Ausgabe von Schatzbonds in Höhe von fünf Milliarden verlangt.
Weihnachksbolschaft des englischen Königs.
In der Weihnachtsbotschaft des englischen Königs, die durch Rundfunk verbreitet wurde, heißt es: „Es mag fein, daß uns mehr als eine ernste Prüfung bevorsteht. Unsere Vergangenheit wird uns gelehrt haben, unerschütterlich standzuhalten. Jetzt sind wir alle in gleicher Weise dazu verpflichtet, innerhalb unserer Grenzen für Ruhe zu sorgen, zur Wohlfahrt zurückzukehren, ohne selbstsüchtigen Bestrebungen nachzugehen, und alle, die durch die Last der vergangenen Jahre entmutigend unterdrückt worden sind, mit uns mitzuziehen."
Aus der Heimat.
Das Telefon soll billiger werden! Im Preußischen Landtag hat die Zentrumsfraktion einen Antrag eingebracht, worin das Staatsministerium ersucht wird, auf die Reichsregierung dahin einzuwirken, daß die Telephongrundgebühr abgeschafft und, wenn dies nicht möglich fein sollte, wesentlich ermäßigt wird. In der Begründung wird ausgeführt, daß die Fernsprech-Grundgebühr für die Fernsprechteilnehmer, die nur bis zu 75 Gespräche im Monat führen, eine Verdoppelung der einzelnen Gesprächsgebühren bedeute, während im gleichen Verhältnis die Vielsprecher entlastet würden. Deshalb wirke sich die Grundgebühr dahin aus, daß sehr viele Privatleute und kleine Geschäftsinhaber ihren Anschluß aufgeben oder einen solchen nicht bestellen. Die bisherige Haltung des Reichspostministeriums fäßt leider eine Erfüllung des durchaus berechtigten Wunsches nicht erwarten.
Heimboldshaufen. Der Eichmühle, in der Nähe unseres Ortes, statteten Diebe einen nächtlichen Besuch ab. Die Hunde im Hofe meidend, schlichen sie von hinten an das HauS, stiegen zum Küchenfenster ein und ließen die neuen Schuhe des Müllers, allerlei Eßbares und auch Getränke mitgehen.
Mengshauseu. Die Eheleute Georg Wettlaufer und Frau Barbara, geb. Daube, begingen am zweiten Weihnachtstag das Fest der diamantenen Hochzeit. Die Eheleute sind trotz ihres Alters noch verhältnismäßig rüstig.
Kassel. Von der Polizei wurde ein 28jähriger Arbeiter aus der Mombachstraße festgenommen, der nebenberuflich Kassierer für den Nahrungsmittelarbeiter- Verband war. Ohne einen Auftrag bekommen zu haben, meldete er Mitglieder des Verbandes ab, zog aber trotzdem die Beiträge weiter ein, wodurch er innerhalb eines Jahres 600 Mark einstecken konnte. Die abgemeldeten Mitglieder sind durch diesen Betrug um ihre Rechte gebracht worden. — Eine 59jährige Witwe wurde in ihrer mit Gas gefüllten Küche am Töpfenmarkt tot aufgefunden. Es scheint sich um einen Unglücksfall zu handeln.
Kassel. Wie in anderen Städten, so ist man auch hier mit der Durchführung .der Amnestie beschäftigt, wobei man, um die Entlassung zu beschleunigen, ein Sonderdezernat bei der Staatsanwaltschaft eingerichtet hat. Die Prüfung der politischen Fälle ist bereits beendet. In den Strafanstalten finden fast stündlich Entlassungen statt. Das Wohlfahrtsamt und die Fürsorgestelle dürften in erster Linie für die entlassenen Strafgesangen sorgen müssen.
Rudolphshan. Während sich die Bewohner des Bürgermeisteramtes in Rudolphshan in der Christmette befanden, drangen Einbrecher in die Wohnung, erbrachen im Wohnzimmer den Schreibtisch und entwendeten einen größeren Betrag an Bargeld, Schecks und Wechsel. Aus dem Keller wurden etwa 20 Büchsen mit konservierten Flerschwaren mitgenommen. Nach Ausführung deS Diebstahls wurde in einem Nebenzimmer, in dem der Aktenschrank mit den (^iginbenatien stand, Feuer angelegt. Das Zimmer brannte vollständig aus. Ein junger Mann bemerkte das Feuer und schlug Alarm. Die sofort in Angriff genommenen Löscharbeiten hatten den Erfolg, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt und abgelöscht wurde. DaS Treppenhaus war schon in Mitleidenschaft gezogen, Treppengeländer und dsrt aufbewahrte Gegenstände angebrannt. Die Landjägereibeamten und ein Kriminalbeamter sind mit der Aufklärung des Falles beschäftigt.
Hünfeld. In der Eiterfelder Gegend wollen die Brände nicht nachlassen. Am Donnerstag früh brannten die Werkstätten des Schreinermeisters Gräbner in Buchenau nieder Das Feuer griff auf dar Nachbargehöft der Witwe Schön über. Hier fiel eine Frau, die Mobiliar retten wollte, in der Hast die Treppe herunter und zog sich erhebliche Verletzungen zu DaS Dachgeschoß sowie der erste Stock des Wohnhauses Gräbners sind fast ausgebrannt. Auch die Parterrewohnung hat schweren Wasserschaden erlitten und ist unbewohnbar geworden. Die polizeilichen Ermittlungen über die Brandursache sind noch im Gange.
Rotenburg. Am Samstag, dem 24. Dezember mittags 13.45 Uhr fuhr der Schnellzug D 197 am Ueberweg bei Block Brauch in den Schluß der Schafherde des Mühlenbesitzers Gerlach, LiSpenhausen. 11 Tiere wurden dabei getötet. Die Schuldfrage bedarf noch der Klärung.
Rasdorf (Kr. Rotenburg a. F.) In der Brandstiftungsangelegenheit wurden der hiesige Brandmeister und Sägemühlenbesitzer B. und dessen zwei Söhne
Eislauf bei jedem Wetter
Im Berliner Frivdrichghain wmde die erste Kunst-Freilust- eirbahn eröffnet, die, mit einer eigenen Kälteanlage versehen, das Schlittschuhlaufen bis weit in den Frühling hinein gestattet.
verhaftet. Inzwischen ist der eine Sohn wieder auf freien Fuß gesetzt worden. B. ist ein angesehener Mann, der tn sehr guten Verhältnissen lebt. Ob sich der auf ihm ruhende Verdacht bestätigen wird, bleibt abzuwarten. Die Vernehmungen in der Brandsache gehen weiter. Die Verhaftung des B. hat hier naturgemäß großes Aufsehen hervorgerufen. Inzwischen sind verschiedentlich Zettel mit folgender Ausschrift gefunden worden: „Wir sind unser acht, und wandern bei Tag und Nacht, wir zünden überall Feuer an, da haben wir unsere Freude dran."
Gerstungen (Werra). Beim Verladen von Holzstämmen auf Bahnhof Hönebach rollte ein etwa 25 m langer Baumstamm auf daS HauptgleiS Hönebach— Gerstungen. Den Bemühungen bei Bahnpersonals gelang es, den von Frankfurt kommenden FD-Zug 5 noch rechtzeitig zum Bremsen zu bringen. Wegen des starken Gefälles fuhr der Zug aber doch noch langsam auf den Baumstamm auf. Die Lokomotive erlitt dabei leichte Beschädigungen. Die Fahrt konnte aber fortgesetzt werden.
Holzhausen. Am 2. Weihnachtstage gegen 10 Uhr vorm verunglückte der Weichenwärter Heinr. Lohaus beim Futterholen dadurch, daß er von der Bodenleiter abstürzte. Angehörige hörten ihn stöhnen und fanden ihn schwer verletzt in bewußtlosem Zustande am Boden liegen. L. ist an diesen Verletzungen bald daraus gestorben.
Frankfurt a. M. Ein schon lange gesuchter Einbrecher, der auS Landau (Pfalz) stammende Eduard Dinse, konnte von der Frankfurter Polizei auf der Straße festgenommen werden. Dinse war einer der Hauptäter der Diebesbande, die vor einigen Wochen in Gießen und vielen Orten auftrat und die Gegend unsicher machte. Bei der Aushebung der Diebes- und Hehlerbande durch die Gießener Polizei konnte Dinse damals rechtzeitig flüchten.
Hanau. Ein furchtbares Ehedrama hat sich Sonnabend vormittag in Hanau in einem Hause der Frankfurter Straße zugetragen. Der dort wohnende in den 60er Jahren stehende Rentenempfänger Georg Merx, bei dem sich schon seit einiger Zeit geistige Um- nochtungserscheinungen bemerkbar gemacht hatten, zertrümmerte mit einem Hammer seiner im Bett liegenden, etwa 50 Jahre alten Ehefrau die Schädeldecke, Merx begab sich alsdann zur Polizei und gab an, seine Frau erschlagen zu haben. Die schwerverletzte Frau wurde sofort in8 Krankenhaus eingeliefert, wo sie in hoffnungslosem Zustand darniederliegt. Der Täter erklärte dem Untersuchungsrichter gegenüber, daß er sich auf nichts besinnen könne. Die Beweggründe der unseligen Tat sind unbekannt.
Bischhausen (Kr. Fritzlar). Nachts gegen 12 Uhr hörte eine Witwe auf ihrem Hofe ein Geräusch. Als sie sich zum Fenster hinaukbeugte, wurde sie von einem Steinwurf gegen die Stirn getroffen. Sie trug eine klaffende J^pfrouniy^güDn und mußte in bedenklichem Zustand ini Krankenhaus gebracht werden. ES soll sich um einen Racheakt handeln.
Vermischtes
Ein moderner Märchenpalast.
Eine englische Firma hat die Pläne und Zeichnungen für einen modernen Palast für den modernen Maharadschah von Jodhpur entworfen. Der Bau des Märchenpalastes hat bereits begonnen. Das Gebäude wird auf einem Hügel errichtet werden, von dem man einen herrlichen Rundblick genießt. Es wird enthalten: ein rundes Schwimmbad mit einem Durchmesser von 20 Metern, einen großen Ballsaal, ein Theater mit modernsten Bühneneinrichtungen, das 200 Besucher faßt Zu jeder zusammenhängenden Zimmerflucht gehört ein Badezimmer, so daß nicht weniger als 40 Badezimmer vorhanden sein werden. Ein besonderer Teil des Gebäudes wird lediglich für die Frauen reserviert, die auch einen eigenen großen Garten mit einem Ausblick auf die Stadt benutzen dürfen. Die Baukosten find mit fast 5 Millionen RM veranschlagt. In Europa würde ein derartiger Märchenpalast natürlich weit kostspieliger sein, aber in Jodhpur sind Arbeitskräfte und Materialien so billig, daß man mit dieser „kleinen" Summe auskommen kann. Die „zenana", der Teil des Gebäudes, der lediglich für die Frauen bestimmt ist, bietet Raum für 50 Frauen. Der Maharadschah selbst hat aber nur eine Frau, die zenana wird nur deren Verwandte und Gäste mit aufnehmen. Da alle Frauen in diesem Staate in strengem „purdah" gehalten werden — kein Mann darf sie sehen — werden die Gesellschaftsräume von der „zenana" aus durch verborgene Galerien zugänglich fein, die so angelegt werden, daß die Frauen in die Säle hineinschauen können, ohne daß sie selbst gesehen werden. Selbstverständlich hat der Palast alle nur denkbaren technischen Einrichtungen wie Telephone, Warmwasseranlagen und elektrisches Licht.
Neujahrsspende durch Wohlfahrksbriefmarken. Zum Beginn des neuen Jahres helfe jeder mit ein paar Pfennigen den vielen Notleidenden dieses Winters, indem er seine Neujahrskarten und -briefe mit Wohlfahrksbriefmarken frankiert. Die hübschen Marken zu 4, 6, 12, 25 und 40 Pfg. mit kleinem Wohlfahrtsaufschlag sind nach dem In- und Ausland gühr^ rote gewöhnliche Briefmarken.
Die Wetteraussichten.
Ueber Mitteleuropa herrscht noch allgemein hoher Luftdruck, doch setzt sich der schon begonnene Luftdrucksall weiter fort. Die Ausläufer der bei Island befindltchen Tiefdruckwirbel verursachen über England und Nord- frankreich Regenfälle. In unserem Gebiet kommt eS durch die Zufuhr feuchter ozeantscher Luftmaffen noch zu Nebelbildung und zum Auftreten starker Bewölkung, zeitweise auch zu leichtem Regen.
WitterungsauSsichten für Donnerstag: Fortdauer des meist bewölkten, verhältnismäßig milden WetterS, aber noch unbeständig und stellenweise etwas Niederschlag.