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pflegung, körperliche Uebungen und' geistige Fortbildung zu verschaffen.

Studentenwerljahr und Bauernhilse

Zwei weitere Dinge gedenkt die Reichsregierung im kom­menden Frühjahr in Angriff zu nehmen: das Freiwillige Werkhalbjahr der Abiturienten und die Freiwillige Bauern- Hilfe. Das Freiwillige Werkhalbjahr der Abiturienten soll dem Nachwuchs aller überfüllten Hochschulen Gelegenheit geben, im Zusammenhang mit dem Freiwilligen Arbeits­dienst, der Erntehilfe, dem Geländesport und dem Notwerk der deutschen Jugend, gemeinsam mit Altersgenossen aller Volkskreife diese in praktischer Tätigkeit zu schulen und einen beispielhaften Volksdienst abzuleisten. Die Freiwillige Bauernhilfe soll jugendliche städlische Erwerbslose auf dem Lande in solchen Bauernwirlschaften, die sich bezahlte Ar­beitskräfte nicht halten können, als mitarbeilende Haus- und Familiengenossen unterbringen.

Ich habe oben von der allgemeinen Wehrpflicht gespro­chen. Das führt mich zu unserer Stellung in der

Abrüstungssrage

Unser Standpunkt war und ist so einfach, einleuchtend und unangreifbar, daß ich nicht nochmal darauf einzugehen brauche.

Was die Ausrüstung anbetrifft, so habe ich immer wie­der betont und tue das auch heute, daß wir bereit sind, unsere Wehrmacht nur noch mit Messer und Pappschild auszurüsten, wenn unsere Nachbarn desgleichen täten. Das sieht nicht gerade nach Aufrüstung aus. Ich habe aller­dings auch mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß das deutsche Volk nicht gewillt sei, sich wehrlos den hals ab- schneiden zu lassen, daß seine Wehrmacht ihm also dieselbe Sicherheit garantieren müßte, wie jedem anderen. Ein Volk, das in der Wehrsrage unter Ausnahmerecht steht, ist nicht souverän, und der italienische Regierungschef, der un­seren Anspruch aus Gleichberechtigung in jeder Verhand- lungsphase wärmstens unterstützt hat, wofür ihm das deutsche Volk Dank weiß, hat ganz recht, wenn er in diesem Zusammenhang einmal äußerte, daß das Gewehr für den Deutschen ein Symbol bedeute, das Symbol des freien Mannes auf freier Scholle. Ich bin überzeugt, daß wir durch die Genfer Vereinbarung einen großen Schritt vor­wärts gemacht haben und daß wir dem Herrn Reichsaußen- minifter dankbar fein müssen für die zähe und erfolgreiche Verteidigung deutscher Interessen.

Freitzett und Gleichheit!

Im übrigen sind sich über die Ziele, die wir in der Außenpolitik zu verfolgen haben, im Grunde alle Deutschen einig. Das deutsche Volk will als freie, gleichberechtigte und geachtete Ration im Kreise der Völker den Platz einnehmen, auf den es nach seiner Größe, seiner Vergangenheit und sei­ner Leistungsfähigkeit Anspruch hak. Um diesen Anspruch zu verwirklichen, wird die Reichsregierung in ruhiger Ent­schlossenheit und Stetigkeit an die großen Aufgaben heran- gehen, die sich aus der augenblicklichen Lage ergeben.

Sie weiß, daß den deutschen Lebensinteressen, die hier­bei auf dem Spiele stehen, nicht mit gewagten politischen Experimenten, nicht mit abenteuerlichen politischen Kombina­tionen, gedient sein kann. In nüchterner Würdigung der politischen Realitäten, zugleich aber auch im Vertrauen auf die gesunde innere Kraft unseres Volkes sind wir bereit zur aufrichtigen freundlichen Zusammenarbeit mit allen den Re­gierungen, die auch ihrerseits gewillt sind, eine Lösung der betroffenen internationalen Probleme auf dem Wege gerech­ter und williger Verständigung zu suchen.

Ich werde nicht aufhören, an dem Zusammenschluß aller gutwilligen Kräfte zu arbeiten, die gerade einem Prä- sidialkabinett für seine Arbeit den Rückhalt und Widerhall im Volke geben müssen. An Verbände, Gruppen und Par­teien möchte ich aber in dieser Stunde die Mahnung richten, Daran zu denken, daß sie nicht Selbstzweck sind und ihre Da­seinberechtigung verlieren, wenn sie sich der Mitarbeit am Staate entziehen.

Die von mir geführte Reichsregiecung wird für ihre Ar­beit den besten Molkke-SpruchErst wägen, dann wagen" zur Richtschnur nehmen.

Tiefer Eindruck der Schleicher-Rede

Der Appell an Alle / Der Miliz-Gedanke. /

Berlin, 16. Dezember. Die Rundfunkrede des Reichs­kanzlers von Schleicher hat in politischen Kreisen einen außerordentlich günstigen Eindruck gemacht. Die Rede zeigt, daß sich am sachlichen Regierungskurs nichts ge­ändert hat. Das Wesentliche ist aber der Unterschied in der psychologischen Behandlung der Probleme. Der Reichs­kanzler hat mit der Feststellung geschlossen, daß Wille und Mut allein nicht genügen, um sie zu meistern, son­dern daß auch Verständnis für das Volk erforderlich ist.

Gleichgültig ist, wer zu der Lösung beiträgt, Haupt- sache, daß die Aufgabe überhaupt erfüllt wird.

General von Schleicher ließ aber auch keinen Zwei­fel darüber, daß seine Regierung gegen gewerbsmäßige Unruhestifter und ähnliche Klüngel mit aller Schärfe vorgehen werde.

In außenpolitischer Beziehung sind zwei Dinge be­sonders interessant: die Würdigung des Genfer Erfolgs und die Aeußerung des Generals von Schleicher, daß er schon immer den Gedanken einer allgemeinen Wehrpflicht im Rahmen der Miliz vertreten habe. Mit dieser Erklä­rung hat der Kanzler

den Teil V des Versailler Vertrags in die überholte Vergangenheit verwiesen.

Es ist der Erfolg von Genf, daß er so sprechen kann. So sensationell dieser Passus der Schleicher-Rede im ersten Augenblick vielleicht auch wirken mag, er bringt aber doch nur zum Ausdruck, was auch in dem französischen sogenannten konstruktiven Plan steht, der denselben Ge­danken einer Miliz enthält.

3m ganzen genommen bringt man in unterrichteten , Kreisen das in der Rede vorgetragene Programm auf die Formel, daß es die Bestrebungen unterstützt, das deutsche Volk durch sich selbst regeren zu lassen, aber zugleich auch alle Maßnahmen bereit hält, um einer Schwächung der Staatsautorität zu begegnen.

AmmN hörte Schleicher l

New Port, 16. Dezember. Die Rundfunkansprache des bei en Reichskanzlers am Donnerstagabend jjt überall in den Vereinigten Staaten verbreitet worden. Sie kam ausgezeichnet herüber, jedes Wort war klar ver­ständlich.

ZiWMierungsiAMut und Tilgungslasie

Berlin, 16. Dezember. Wie WTB.-Handelsdienst er­fährt, haben abschließende Besprechungen des Banken- kuratoriums mit Sachverständigen aus den Kreisen der Banken und Bankiers über die GesellschaftenDeutsches Finanzieruugsinstitut A.-G." undTilgungskasse für ge­werbliche Kredite" stattgesunden. Besprechungen mit Ver­tretern der Industrie werden sich anschließen.

Es ist in Aussicht genommen, demnächst ein Grün- dungskonsortium unter Beteiligung der maßgebenden deutschen Bantwelt ins Leben zu rufen.

Deutschlands Anbendaudel

82 Millionen Ausfuhrüberschuß.

Berlin, 16. Dezember.

Im November hat die Einfuhr (393 Mill. RM) gegen über dem Vormonat um 5 Millionen RM abgenommen Die Rohstoffeinfuhr ist um 8 Millionen RM gestiegen, da­gegen wird die Lebensmitteleinfuhr um 12 Mill. RM niedriger ausgewiesen. Auch die Ausfuhr (475 Mill. RM) verzeichnet gegenüber dem Vormonat eine leichte Abnahme, und zwar um annähernd 8 Mill. RM. An dem Ausfuhr­rückgang find jedoch die Fertigwaren nicht be * teiligt, deren Absatz sich auf Vormonatshöhe gehalten hat, vielmehr beruht die Abnahme auf der Minderausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren um fünf Mill. RM und von Lebensmitteln um 1,5 Mill. RM.

Die Handelsbilanz schließt im November mit einem Ausfuhrüberschuß von 82 (Oktober 84) Mill. RM ab. Für die elf zurückliegenden Monate dieses Jahres ergibt sich Ä Aiwfuhrüberschuß von 1012 Mill. RM gegenüber 2624 Mill. RM im Vorjahr.

Regierung und Parteien

Die Haltung der Nationalloriaiilten

Zu den Beratungen im Haushaltsausschuß des Reichs­tages schreibt die nationalsozialistische Korrespondenz, wenn der Nationalsozialist Reinhardt bestimmte Vorschläge ge­macht habe, so sei dies lediglich geschehen, um der furcht­baren Not der Arbeitnehmermassen zu steuern und unter Ablehnung einer sturen Verneinung Wege zur Behebung dieses Elends zu weisen. Hierdurch solle keineswegs dem Kabinett Schleicherein Ausweg aus der Situation" ge­bahnt werden.

Es werde vielmehr jetzt der Reichsregierung Gelegen­heit gegeben, diesozialen Sünden ihrer Vorgängerinnen wieder gutzumachen". In welchem Maße dies geschehe, da­von werde die Stellungnahme der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion im Januar abhängen. Verweigere sich das Kabinett Schleicher dieser nationalen und sozialen Pflicht, dann werde allerdings die Entwicklung zur Auf­lösung des Reichstages führen.

Alles andere seien Phantasien. Damit erledige sich auch die Kombination, die Nationalsozialisten würden mit Hilfe des Reichstagspräsidenten Göring versuchen, die Ta­gung des Reichstages bis in den März hinein aufzuschieben, um auf diese Weise der Notwendigkeit einer Stellungnahme zur Regierung Schleicher enthoben zu sein.

Eine deutlPnationale Erklärung

Der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. Hugenberg, beschäftigt sich in einem Artikel mit der Frage, ob eine neue Präsidialregierung durch das Kabinett vor. Schleicher geschaffen worden sei, oder ob die Gefahr eines Rückfalls zum parlamentarischen System" drohe.

Dr. Hugenberg erklärt es für möglich, daß unter dem Druck der Verhältnisse auf dem Gebiet der nächstliegenden Agrarfragen dem Kabinett ein Schritt nach vorwärts ge­linge.

Aber wenn zwei Menschen so wenig miteinander hat­ten arbeiten können, wie im zurückgetretenen Kabinett der Wirtschafts- und der Ernährungsminister, und wenn dann beide im neuen Kabinett säßen, so seien Bedenken am Platze. Dr. Hugenberg geht auch auf die Befürchtung ein, daß das Kabinett Schleicher nur ein Uebergangskabinett fein könne. Parlamentarische Parteien konnten die Pro­bleme der Gegenwart nicht lösen, insbesondere nicht die Wirtschaftsfragen. Die Seele des Volkes wolle aber von der Seite der Arbeit und des wirtschaftlichen Glaubens her beruhigt fein. ,

Gescheiterte Koalitionsverhandlungen Regierungsvorschlag der NSDAp. in Preußen abgelehnt.

Berlin, 16. Dezember.

Der Vorsitzende der deutschnationalen Landtagsfrak­tion, Dr. von Winterfeld, hat dem Landtagspräsi­denten Kerrl, der mit den Deutschnationalen über ihre Be­teiligung an der Regierungsbildung in Preußen verhan­delt hatte, folgende Mitteilung zugehen lassen:

Die deutschnationale preußische Landtagsfraktion ist aus grundsätzlichen Erwägungen zu einer Beteiligung an der vorgeschlagenen Regierung in Preußen zur

Zeit nicht bereit.

Die Frage der Möglichkeit einer gufammemirTilnrTt^^ Zentrum, mit dem Verhandlungen unsererseits nicht statl- gefunden haben, braucht hier nicht erörtert zu werden. Denn die Ablehnung der Regierungsbeteiligung muß schon des­halb erfolgen, weil

wegen der grundsätzlichen Oppositionsstellung der s NSDAP. gegen das Reichskabinett * nicht die Gewähr dafür gegeben ist, daß mit Bildung der geplanten preußischen Regierung kein meuer Gegensatz zwischen Reich und Preußen und kein neues verhängn: 5- oolles Gegeneinander der Reichsrezierung und der preu­ßische^ Regierung wieder in Ersehe'mmg treten würde.

Die Vollsitzung des Reichsrats am Donnerstagabend leitete zum ersten Male der neue Reichsinnenminister Dr. Bracht. Er stellte sich mit einer kurzen Ansprache vor. Die Beratung der Amnestie wird im Reichsrat erst in der kom­menden Woche erfolgen.

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Zwei Schwestern werden glücklich

Roman von Helma von Hellermann

Copyright by Marti« Fauchtwanger. Halle (Saale)

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Das Kind in ihren Armen regte sich. Barbara fuhr auf aus ihrem trüben Sinnen. Aber die Kleine hatte nur den Kopf auf die andere Seite gelegt, ruhig schlief sie weiter in den Armen der fremden Frau. Behutsam beugte ste sich herab und küßte die kleine Haartolle, die auf dem Wirbel keck und lustig in die Luft ragte. Ach, so ein süßes, zärtliches Geschöpfchen sein eigen nennen und lieben dürfen die kleinen Arme um ihren Hals, die Lippen auf ihren eigenen spüren Mütter wußten gar nicht, wie reich sie waren!

Barbara hob den Kopf. Da klangen schnelle Schritte auf dem knirschenden KiesI Ein Mann, mittelgroß, schlank, in hellem Regenmantel mit einem Trauerflor um den linken Aermel, eilte zwischen den Gräberreihen auf die Bank zu, auf der sie mit dem Kinde saß; er blieb vor ihr stehen, zog den weichen Filzhut:Verzeihung, gnä' Frau haben mein Töchterchen hier gefunden*

Barbara bejahte mit grüßendem Kopfneigen.Die Kleine wollte ihre ,Mami' aus dem Grab herausholen", erklärte sie leise.Ich besuchte hier in der Nähe das Grab meiner Eltern und hörte Weinen. Da ging ich dem Ton nach und fand sie, ganz außer sichN

Der Blick des Herrn wanderte zu der Grabstelle, ge­wahrte die Unordnung.

Sie hat die Erde aufwühlen wollen* In seinen Zügen zuckte es. Er wandte sich ab, preßte hart die Kiefer aufeinander.

'Es gelang mir, das erregte Kindchen zu trösten und zu beruhigen", berichtete Barbara leise weiter, taktvoll die tiefe Bewegung des Mannes übersehend, indem sie glättend über die dunklen Locken strich.Gewiß" wird sie erfrischt ^in, wenn ste erwacht. Ich überlegte, was zu tun sei. Der

Wärter hätte mir ja Auskunft geben können, falls Die Kleine in der Aufregung Name und Adresse vergessen hatte, aber das Hin- und Herreden und Fragen hätte sie wohl wieder erregt oder gar geängstigt. Wie gut, daß Sie kamen!"

Welch warme, gütige Frauenstimme! Der Fremde, der sich wieder gefaßt und umgewandt hatte, verneigte sich tief.

Wie soll ich Ihnen danken, gnädige Frau? Ich war außer mir, als ich von einem Geschäftsgang heimkam und mein Kind mir nicht wie sonst entgegensprang. Nirgends war es zu finden. Wir suchten das ganze Hotel ab. Da sagte mir auf einmal eine innere Stimme, daß Nelly hier­her gelaufen sei. Es sind ja nur wenige Straßen, aber was konnte ihr auf dem Wege alles zugestoßen sein das Kind ging doch nie ohne Begleitung aus!"

Er hatte sich neben Barbara auf die Bank gesetzt, bückte sich nun und küßte die kleine Kinderhand, die auf Barbaras Arm lag. Diese machte eine Bewegung, als wollte sie die Kleine wecken, hielt aber im halben Anruf inne.

Es tut einem so leid, sie zu wecken nicht wahr?" meinte sie mit um Verzeihung bittendem Lächeln zu dem Herrn, dessen brünettes, schöngeschnittenes Gesicht ihr irgendwie bekannt vorkam.

Nun traf sie sein aufmerksam belichtender Blick, da er zustimmend nickte. Wo hatte sie diese dunklen, ernsten Augen schon gesehen?

Sie wohnen im Hotel? Das ist eigentlich kein rechtes Heim für so ein liebes Kindchen!" Die Freundlichkeit der Frage nahm ihr jeden Tadel.

Ich bin nur ganz kurze Zeit hier, gnädige Frau!" Er sah ihr Interesse.Ich bin Sänger", fügte er erklärend hinzu, die Finger seines Kindes sacht umspannend,und gastiere einige Abende hier im Zentraltheater ..."

Ein leiser Laut der Ueberraschung entfuhr dem Mädchen. Ah, nun weiß ich!" sagte sie lebhaft.Sie sangen neulich im .Land des Lächelns' nicht wahr?"

Wieder betrachtete er sie aufmerksam.Ja, gnädige Frau, ich vertrat meinen plötzlich erkrankten Kollegen. Und nun weiß ich auch, weshalb mir Ihr Gesicht gleich so

bekannt vorkam: Sie saßen in der Fremdenloge links, ganz nahe der Bühne."

Haben Sie mich wirklich gesehen?"

Ja! Warum .wirklich'?"

Weil ich vermeinte, daß es so war", gestand Barbara leise, ein Grübeln im voll auf ihn gerichteten Blick.Mir war, als mahne mich Ihr Lied, ein Leid zu verschweigen, das über mich kam, als sprächen Sie von eigenem Gefühl, nicht die Zufallsworte einer Operettendichtung."

Seltsam!" Der Ernst in den schönen, noch jungen Manneszügen vertiefte sich. Interessiert betrachtete er feine. Nachbarin.Entschieden bestand ein unsichtbarer Kontakt zwischen uns, denn mir ging es ähnlich! Die Worte meines Auftrittsliedes bergen für mich tatsächlick eine tieftraurige Wahrheit und als ich sie an Jenen Abend sang, bemerkte ich plötzlich, wie Ihr Gesicht sich mit zuwandte. Ich sah Ihre Augen und spürte: Da ist ein Mensch, der auch leidet!"

Er sah vor sich hin auf den Grabhügel, über dessen Kränze soeben raschelnd der Wind fuhr.Ob Sie wirklich ahnen, was das heißt: lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen? Ich habe es gelernt."

Teilnahmsvoll sah Barbara ihn an.Ihre jung« Frau?"

Er nickte.Sie starb an den Folgen schwerer Unter­ernährung. Hat wie eine Heldin in den bösen Zeiten durch­gehalten, um zusammenzubrechen, als der Erfolg kam."

Wie unsagbar traurig!" Die grauen Augen standen auf einmal voll Tränen.

Wohl, das war es!" Ein seufzendes Atemholen.An Mangel ging sie zugrunde. Und nun ersticke ich im Ueber* fluß. Gibt es eine grausamere Ironie des Schicksals?" Und da der tränenverschleierte Blick der Frau in teil­nehmend bittender Frage an ihm hing, sprach er weiter.

Meine Frau heiratete mich gegen den Willen ihrer Eltern. Sie stammte aus einer alten Offiziersfamilie, ich aus kleinen Beamlenkreisen. Als Buchhalter in einet Bank entdeckte man meine Stimme, Stipendien ermög­lichten ihre Ausbildung. lKortievuna total.)