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Das deutsche Bolkreinkommen

Realeinkommen 22 v. H. unter Vorkriegshöhe.

Um einen richtigen Maßstab zur Beurteilung der gegen­wärtigen Verhältnisse zu gewinnen, ist es wichtig, eine län- , gere normale Wirtschaftsperiode der Vorkriegszeit mit der Nachkriegsentwicklung zu vergleichen.

Das Volkseinkommen vor dem Weltkriege.

Seit Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist das deutsche Volkseinkommen bis zum Ausbruch des Welt­krieges insgesamt von rund 25 auf 50 Milliarden RM. ge­stiegen. Dieser jähe Aufftieg ist jedoch zum überwiegenden Teil lediglich Ausdruck des gesunkenen Geldwerts. Bei Ausschaltung der Kaufkraftveränderungen ergibt sich, daß in Wirklichkeit das Wohlstandsniveau in diesem Zeitraum nur um etwa 10 Prozent gestiegen ist.

Die Rachkriegsentwicklung.

Das deutsche Volkseinkommen, das 1913 im alten Reichs­gebiet rund 50 Milliarden Mark damaliger Kaufkraft betrug, ist im jetzigen Gebiet von 1925 bis 1929, dem bisherigen Höhepunkt der Nachkriegsentwicklung, nominal von rund 60 Milliarden auf 76 Milliarden RM. gestiegen. Diese Nominalziffern enthalten jedoch, wie das Deutsche Statistische Reichsamt in einer grundlegenden Untersuchung feststellt, vergleichsstörende Faktoren.

Geringer Kaufkraftzuwachs.

Wenn man die genannten Ziffern auf die Kaufkraft des Jahres 1928 umrechnet, ergibt sich, daß die Kaufkraft von 1913 bis 1929 nur um 8 Prozent zugenommen hat. Wenn man die Bevölkerungsdichte zu der Berechnung hinzunimmt, schrumpft der Kaufkraftzuwachs zwischen 1913 und 1929 sogar auf 1 Prozent zusammen. Das Statistische Reichsamt zieht dann die Reparationsabgaben und den veränderten Altersaufbau der Bevölkerung heran und kommt zu dem Schluß, daß auch vor Einbruch der Wirtschaftskrise das

Wohlstandsniveau der Vorkriegszeit niemals erreicht wurde, da die tatsächliche Kaufkraft jeVollperson" um 8 Prozent unter dem Vorkriegsstand lag. Inzwischen hat das Volkseinkommen durch die Wirtschaftskrise einen schwe­ren Rückschlag erfahren. Für das Jahr 1930, in dessen Ver­lauf die Krise mit voller Schärfe einsetzte, kann noch ein nominaler Betrag von rund 70 Milliarden RM. angenom­men werden, während nach den vorläufigen Ergebnissen für 1931 mit einem Absinken des Volkseinkommens auf etwa 57 Milliarden RM. gerechnet werden muß.

Kaufkraftschwund in der Krisenzeit.

Gegenüber dem Höhepunkt von 1929 bedeutet dies einen Nominalausfall von rund 25 Prozent. Dieser wird zwar zum Teil durch die Preisbewegung kompensiert, da der Lebenshaltungsindex um 12 Prozent gesunken ist, es ver­bleibt aber doch ein Kaufkraftschwund des Volkseinkommens gegenüber 1929 um 15 Prozent in der Gesamtsumme und von 16 Prozent jeVollperson" Nach dem Stande von 1931 liegt der Versorgungsgrad der deutschen Bevölkerung an dem Realeinkommen gemessen um 6 Prozent unter dem Stande von 1925 und um 22 Prozent unter dem Vorkriegsniveau. Die Entwicklung für 1932 laßt sich noch nicht zahlenmäßig übersehen, bringt aber natürlich gegen 1931 noch weitere Ausfälle.

Drei LoSesmtelle in lerem

Das Schwurgericht Torgau verurteilte die wegen Er­mordung des 28jährigen Arbeiters Otto Thieme Angeklag­ten, den 21jährigen Schmiederefellen Willi Beruht und den 24jährigen Arbeiter Otto Pietzschke 3 um Tode und zu dau­erndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, die Mutter des Ermordeten, die Witwe Thieme, wegen Anstiftung zum Morde gleichfalls zum Tods und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, schließlich die 18jährige Schwester des Ermordeten, Emma Thieme, wegen versuchter Anstif­tung zum Mord zu einem Jahr Gefängnis. Der 28jährige Arbeiter Max Pietzner wurde freigesprochen.

Die Verhandlung entrollte ein trauriges Bild des Fa­milienlebens der Thiemes. Zwischen der Mutter und ihrem Sohn war es oft zu harten Auseinandersetzungen gekom­men. Gegenüber Berndt, Pietzsche und Pietzner äußerte sich

Für die mir anläßlich meines

25 jährigen Jubiläums

erwiesenen Aufmerksamkeiten spreche ich hiermit meinen herzlichsten Dank aus.

Hermann Geißler

Hersfeld, im Dezember 1932

Weihnachtsbitte für Hephata

Die Evangelische Frauenhilfe bittet auch in diesem Jahr um

Weihllllchtsglibell jeglicher Art für die Anstalten Hephata und das Kinder- trantenhaus:Zum Kind von Drabant".

Die Gaben werden am 12. und 13. Dezember von 917 Uhr im

Psirrhaiis I, KirGlatz 2

entgegengenommen.

Die Mutter, am besten wäre es, ihren Sohn um die Ecke zu bringen; dann krähe kein Hahn mehr nach ihm. Den An­stoß zur Tat gab die von Thieme eingelegte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Wittenberg, das ihm wegen wiederholter Diebstähle drei Jahre Gefängnis auferlegt hatte. Berndt und Pietzschke, die bei den Diebstühlen mit­gewirkt hatten, aber nicht angeklagt worden waren, befürch­teten, daß Thieme sie in der Berufungsverhandlung ver­raten könnte. Am 8. Juni d. I. lockten sie Thieme in den frühen Morgenstunden nach einem Teich, wo sie angeblich fischen wollten. Berndt gab dort vier Schüsse aus einem Militärgewehr auf Thieme ab und versetzte ihm mit dem Gewehrkolben noch mehrere Schläge. Als Thieme tot war, warfen sie die Leiche in den Teich. Bei Begehung der Tat hat Berndt unter dem besonderen Einfluß von Pietzschke ge­standen, der ausdrücklich mitgekommen war, um die Durch­führung der Tat zu überwachen.

Allerlei Neuigkeiten

Ein welkeres Todesopfer in Premnlh. Das schwere Explosionsunglück in dem Premnitzer JG.-Farbenwerk hat jetzt nachträglich noch ein Todesopfer gefordert. Der Werks­arbeiter Hing ist im Krankenhaus feinen schweren Verletzun­gen erlegen.

Explosionsunglück. In der Hirschbrauerei in Ottobeuren bei Memmingen ereignete sich ein Explosionsunglück. Ein großes Lagersaß explodierte plötzlich beim Auspichen. Durch den Luftdruck wurden die dabei beschäftigten Personen in weitem Bogen fortgeschleudert. Ein Küfermeister blieb mit schweren Verletzungen tot liegen, während ein Braumeister am Arm, im Nacken und am Becken schwere Verletzungen erlitt. Der Besitzer der Brauerei kam mit dem Schrecken davon. Der ausbrechende Brand konnte noch rechtzeitig gelöscht werden.

Beim Rettungsversuch ertrunken. Die 21jährige Kassie­rerin Marie Seibold sprang in der Nacht in selbstmörderischer Absicht in Passau in den Jnn und ertrank. Ein Obergefreiter des Passauer Reichswehrbataillons Nr. 20, der zur Rettung des Mädchens in den Fluß gesprungen war, ging ebenfalls nach kurzer Zeit unter. Die Leichen konnten bis zur Stunde nicht geborgen werden.

Rotlandung. Ein aus Barcelona kommendes Flugzeug der Deutschen Luft Hansa, das in Genf eine kurze Zwischen­landung vorgenommen hatte, mußte oberhalb Morges am Genfer See infolge des schlechten Flugwetters und einer , Motorstörung eine Notlandung vornehmen. Die beiden In­sassen des Flugzeugs, der Pilot Robert Raez und der Bord­funker Walter Lorenzen, blieben unverletzt. Das Fahrgestell des Flugzeugs wurde beschädigt und der Propeller zertrüm­mert. Das Flugzeug muß an Ort und Stelle abmontiert werden.

Tödlich abgestürzt. Best einem Versuchsflug mit einem französischen Militärapparat stürzte unweit des Flugplatzes Villacoublay südwestlich von Paris ein Fliegerleutnant töd­lich ab. Propellerbruch scheint die Ursache des Unfalles ge­wesen zu fein.

Grotzseuer in Ahldeü

Seebad Ahlbeck, 11. Dezember. 3m Kurparkhotel in der Dünenstraße brach abends Feuer aus, das sich sehr schnell auf das anliegende Skrandkino ausbreitete. Obwohl die ein- heimische Feuerwehr rasch zur Stelle war, brannte das Ho­tel bis auf einen Seitenteil nieder. Das Strandkino wurde völlig eingeäschert; nur ein geringer Teil der Möbel konnte gerettet werden. Die Ursache des Brandes ist noch un­bekannt.

Mutter wirst ihre Kinder ins Wasser

Essen, 11. Dezember. In ihrer Verzweiflung über zer­rüttete Familienverhältnisse hat in Altenessen Frau Mar­garethe Konzilia ihre drei Kinder in den Kanal geworfen. Das jüngste Kind, ein fünfjähriger Knabe, konnte als Leiche geborgen werden, die beiden anderen, zwei Mädchen im Alter von 6 und 7 Jahren, sind bis jetzt noch nicht gefunden worden. Frau Konzilia wurde dem Amtsgericht zugeführt.

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Autisa-VsrsammlUKg aufgelöst

Bremen, 12. Dezember. Die Polizei hob am Sonntag früh eine von rund 160.Personen besuchte Versammlung des Kampfbundes gegen den Faschismus aus. Die Maß­nahme wird damit begründet, daß der Verdacht der Vor­bereitung des Hochverrats gegeben war. Umfangreiches Material wurde beschlagnahmt.

S»II,erei Milchen SA. «Nd Stahlhelm

Alton«, 12. Dezember. Lm Vestibül des HotelsKai» serhof" kam es am Sonntag wegen politischer Meinungs­verschiedenheiten zu einer schweren Schlägerei zwischen 25 Nationalsozialisten und Stahlhelmern. die in dem Hotel eine Weihnachtsfeier abhielten. Fünf Personen wur­den verletzt. Ein 16jähriges SA-Mitglied wurde festge­nommen. Erheblicher Sachschaden ist angerichtet worden.

Volkswirtschaft

Berliner Effektenbörse.

Das Geschäft an Der Berliner Effektenbörse vom Sonnabend war, selbst wenn man berücksichtigt, daß es sich um einen Wochen- schlußverkehr handelt, sehr klein. Die zu Tage tretende freund­liche Grundstimmung ist wohl in erster Linie auf die zunehmende innenpolitische Beruhigung zurückzuführen. Die Kursbildung war zwar nicht einheitlich doch überwogen die Kursbesserungen. Das Interesse wandte sich hauptsächlich dem Rentenmarkt zu, während Aktien im allgemeinen vernachlässigt waren, so daß die berufs­mäßige Spekulation daraufhin auf diesem Markt zu Abgaben schritt. Am Montanaktienmarkt stellten sich Leopoldsgrube um 11s Prozem Mansfeld sowie Rheinstahl um je 7/s Prozent und Bubiag um % Prozent höher. Schwächer lagen im allgemeinen nur Stollberger Zink ( l7/e Prozent) Die sonstigen Kursver­luste bewegten sich im Rahmen von % Prozent. Bei den Kali­werten setzten Salzdetfurth ihre Abwärtsbewegung um 2 Prozent fort. Westeregeln notierten 2% Prozent niedriger. I. G. Farben verloren % Prozent und Oberkoks 1% Prozent Am Markte der . Elektrowerte konnten sich REW um 1% Prozent befestigen, wäh­rend Siemens um ebensoviel nachgaben. Dessauer Gas setzten um ( 7/s Prozent höher ein. Kunstseidenwerte waren etwas gesucht, | und zwar stiegen Aku und Bemberg um je 1 Prozent. Papier- und ' Zellstoffe waren meist höher, so Feldmühle (+ 1^ Prozent), Schiffahrtsaktien bröckelten bis etwa % Prozent ab. BEW gewan­nen 1 % Prozent, während Reichsbank um 1% Prozent nachgab.

Die Sätze für Tagesgeld blieben mit 4,25 bis 4,12 Prozent - und darüber unverändert. Privatdiskonte waren eher etwas ge­sucht, Notierungen wieder 3,87 Prozent.

Die englische Währung erfuhr international eine kräftige Er­holung (gegen New Mrk auf 3,255, gegen Reichsmark auf 13,665).

Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund 13,68 13,72, Holl. Gulden 169,23 169,57, Belga (Belgien) 58,28 58,40, ital. Lira 21,55 21,59, dän. Krone 70,93 7107, norm. Krone 70,43 70,57, franz. Franken 16,43 16,47, tschech. Krone 12,465 12,485, schweiz. Franken 80,92 81,08, span. Peseta 34,39 34,45, schwed. Krone 74,58 74.72, österr. Schilling 51,95 52,05, nichtamt­lich Polen 47,15 47,35.

Berliner Produktenbörse.

An der Berliner Produktenbörse vom Sonnabend setzte sich zum Schluß eine leichte Befestigung durch. Das Geschäft bewegte sich jedoch in ruhigen Bahnen, was z. T. durch den geringen Um­fang des angebotenen Materials bedingt wurde. Die Forderungen lauteten am Promptmarkte allgemein höher, da es aber an An­regungen im Mehlgeschäft mangelt, erhöhten sich die Preise nur etwa um 1 RM. Im Lieferungsgeschäft ergaben sich Preisbesse­rungen um 11% RM, wobei die Tendenz zur Erweiterung der Reports bestehen blieb. Weizen- und Roggenmehl hatten Hei» nes Bedarfsgeschäft. Hafer und Gerste lagen ruhig, aber behauptet.

Notierungen vom

I

Für 1000 Kg.: Weizen, märk. 190192

Roggen, mark. 153155

Braugerste * 169179 Futtergerste 160167

Hafer, mark, neue Ernte 119124

Für 100 Kg.: Weizenmehl 24,0026,70 Erdnußkuchen 10,60 Erdnußkuchenmehl 10,80 Roggenmeyl 19,6021,80 Weizenklei« 9,309,60 Roggenüeie 8,709,00

10. Dezember 1932? Viktoriaerbsen Kl. Speiseerbsen Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken Lupinen, blaue Lupinen, gelbe Serradella Leinkuchen Trockenschnitzel Sojaboynenschrot

ab Hamburg ab Stettin

21,0026,00 20,0022,00 14,00-16,00 13,0015,00 13,5015,50 14,0016,00

9,0011,00 12,00-13,50 18,0025,00 10,0010,10

8,80

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