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Preubische Präsidenllchaftssrage vertagt

Die Hintergründe der Gerüchte um Gregor Strasser. '

Berlin, 9. Dezember. Die Mitteilung der Reichspartei­leitung der NSDAP, daß Gregor Strasser einen drei­wöchigen Krankheitsurlaub antritt, hat in politischen Krei­sen lebhaftes Aufsehen erregt. Nach der Annahme po­litischer Kreise liegen die Dinge so, daß in der national­sozialistischen Führung eine Aussprache über die grund­sätzliche Haltung der Partei zu dem Problem einer Re­gierungsbeteiligung stattgefunden hat. Anlaß dazu scher- nen die Verhandlungen mit anderen Parteien über Die Regierungsverhältnisse in Preußen gegeben zu haben. Diese Besprechungen sollen ziemlich tr^it gediehen gewesen sein, so daß man mit der Bildung einer Koalition zwischen Nationalsozialisten, Zentrum und vielleicht Deutscher Volkspartei in Preußen rechnete.

Die Wahl des Ministerpräsidenten hielt man im Ja­nuar für recht wahrscheinlich. Man sprach auch davon, daß der preußische Ministerpräsident dann zugleich Vize­kanzler im Reiche werden sollte, und daß dieses Projekt nur noch der Zustimmung Adolf Hitlers bedürfe. Daraus scheinen sich nun gewisse Schwierigkeiten ergeben zu haben. Vielleicht gehen sie von der Erwägung aus, daß Hitler, wenn er entweder für seine Person oder für, Gregor Strasser seine Zustimmung zur Wahl gäbe, damit gleich­zeitig auf den Anspruch auf das Reichskanzleramt ver­zichten würde. Das ist ein Problem, das für die NSDAP eine große grundsätzliche Bedeutung hat. Man weiß seit einiger Zeit, daß Gregor Strasser der erste Verfechter einer praktischen Regierungsbetätigung der Partei ist, und so entstanden wohl die parteiamtlich dementierten Gerüchte, Strasser habe seine Parteiämter Hitler zur Verfügung gestellt.

In politischen Kreisen entnimmt man aus diesem Kommunique, daß die Entscheidung über die Frage der Regierungsbeteiligung zunächst bis zum Januar vertagt ist. Inzwischen werden sich die Anschauungen innerhalb der Parteiführung gewiß klären.

Ausreise des Kreuzers „Köln"

Zu einer einjährigen Weltreise.

Wilhelmshaven, 8. Dezember.

Von Wilhelmshaven aus hat der Kreuzer „Köln" die Ausreise zu seiner einjährigen Weltfahrt angetreten.

Auf der Mole zur dritten Einfahrt, von wo der Nord- jee-Stationschef. Vizeadmiral Förster, an Bord ging, um sich von Schiff und Besatzung zu verabschieden, wohnte eine riesige Menschenmenge dem Auslaufen des Kreuzers bei. Um 10.30 Uhr begann die kurze Abschiedsfeier. Die Mann­schaft hatte auf dem Achterdeck Aufstellung genommen. Dort richtete der zweite Bürgermeister der Patenstadt Köln einige Worte an die Versammelten Nach ihm sprach der Chef der Nordseestation, der etwa ausführte, der Kreuzer habe die Aufgabe, die deutsche Flagge draußen in Ehren zu zeigen, Zeugnis abzulegen von deutschem Wollen und Können und den deutschen Brüdern in Uebersee die Grüße der Heimat zu bringen. Die Mannschaft möge nie vergessen, daß sie als Vertreter Deutschlands gewertet werde. Sie solle die Schön­heiten der Welt in diesem Jahre genießen und wiederkehren mit um so heißerer Liebe zum Vaterland. Deutschland und dem Reichspräsidenten von Hindenburg galt das Hoch des Admlrals. Danach erklang das Deutschlandlied. Letzte Ver-

S^un. y<.iu<.u/ft:u. letzte wiutjtuuue flogen hinüber und herüber, der Stationschef und seine Begleiter gingen von Bord, die Verbindungen zum Land fielen, und und unter den Klängen des Liedes „Wem Gott will rechte Gunst erweisen" trat der Kreuzer seine Ausreise an.

Am 12. Dezember 1933 soll das Schiff wieder in der Heimat eintreffen. Weihnachten wird in Spanien verlebt. Die nächsten Stationen sind Italien, Aegypten, Indien, l Australien. Dann folgt ein kurzer Abstecher nach Amerika, { wonach die Reise nach Japan, China, Niederländisch-Jndien ! und wieder Italien führt. Ueber Portugal und Spanien er- lolgt die Rückkehr. Die Besatzung ist 550 Mann stark. Un­ter den mitfahrenden Seekadetten befinden sich auch die Ueberlebenden des' Schulschiffes „Niobe".

Restlose Gleichberechtigung!

Neuraths Antwort an Herrlot.

Genf, 9. Dezember.

Die Fünfmächtekonferenz über die Abrüstungsfrage ist fortgesetzt worden. Vorher fand eine Besprechung zwischen Paul-Boncour und Norman Davis über den amerikanischen Plan statt. Die Aussichten für eine Annahme dieses Planes durch Frankreich scheinen immer geringer zu werden. Selbst die geringfügigen materiellen Rüstungsbindungen, die der Plan enthält, gehen der französischen Delegation zu weit und werden von Frankreich unter dem Vorwand. daß seinen Sicherheitssorderungen in diesem Plan nicht entsprochen werden solle, abgelehnt. Im Vordergrund des Interesses stand die Antwort von Neuraths auf die französische Sicher- Heits- und Gleichberechtigungsformel.

Freiherr v. Neurath legte in der Sitzung die beiden fol­genden Fragen vor:

1. Wird die Gleichberechtigung praktische Anwendung in der künftigen Konvention in jeder Beziehung finden, und ist sie infolgedessen der Ausgangspunkt der künfti­gen Erörterungen der Konferenz bezüglich der abge­rüsteten Staaten?

2. Schließt der Ausdruck „System, welches Sicherheit al­len Nationen verschafft" das Element der Sicherheit ein, das in der allgemeinen Abrüstung beruht, so wie es von der Völkerbundsversammlung anerkannt worden ist?

Zu diesen beiden Fragen gab Freiherr von Neurath einige ergänzende Erläuterungen. Er erklärte, daß zunächst diese Fragen in befriedigendem Sinne beantwortet werden müßten. Die Bezugnahme in der Erklärung Herriots, daß die Anerkennung der Gleichberechtigung eines der Ziele der Konferenz fein solle, könne dahin mißverstanden werden, daß die Gleichberechtigung nur ein Prinzip darstellen soll.

Es käme aber nur eine volle Auswirkung in Frage. Die Konvention müsse eine praktische Auswirkung in allen Rü- stungselementen finden. Deshalb sei es notwendig, daß bei Erörterung aller Fragen auf der Konferenz künftighin die Gleichberechtigung von vornherein zum Ausgangspunkt ge­nommen werde. Falle die Beantwortung dieser Frage nicht positiv aus, so habe die Teilnahme Deutschlands an der Ab­rüstungskonferenz keinen Sinn, da Deutschland sonst ja nicht wüßte, ob und inwiefern die gefundenen Lösungen auf Deutschland Anwendung fänden.

Zu der zweiten Frage bemerkte Freiherr v. Neurath, diese könne nicht mißverstanden werden, und er nehme an. daß das Sicherheitsproblem, das in herriots Erklärung er­wähnt sei, auch die Sicherheit umfasse, die durch die allge­meine Entwaffnung herbeigeführt würde. Er bestehe aber darauf, daß diese Auffassung ihm ausdrücklich bestätigt werde.

Nach den Ausführungen des deutschen Außenministers erklärte der französische Kriegsminister Paul-Boncour daß Herriot die Formel über die Gleichberechtigungsfrage selbst ausgearbeitet habe, und daß ihm infolgedessen auch die vom deutschen Außenminister vorgelegten Fragen zur Stel­lungnahme übermittelt werden müßten. Paul-Boncour fragte sodann noch den deutschen Außenminister, was er ge­nau unter Gleichberechtigung verstehe. Freiherr von Neurath stellte dem französischen Vertreter in Aussicht, daß er auf diese Frage in den weiteren Verhandlungen genau antwor- t"*' <i>„^„shr„ wurde di- Ctt)ung auf F ertrag ver­tagt.

Mandjchnrei-KsnWt »erschürft Vorstoß Japans, das mit Austritt droht.

Genf, 8. Dezember.

Die Aussprache der Völkerbundsversammlung brächte eine dramatische Zuspitzung des Ostasienkonflikts, indem der japanische Delegierte Watsuoka in einer sehr entschiedenen Erklärung gegen die Entschließung der spanischen irischen, schwedischen und tschechoslowakischen Delegation protestierte. Diese Entschließung hat in ihren wesentlichen Teilen folgen­den Wortlaut:

Die Versammlung stellt fest, daß die vom Völkerbunds­rat ernannte Untersuchungskommission in ihrem einstimmi­

gen Bericht erklärt, daß bei den Streitfragen zwischen den beiden Parteien die Mittel friedlicher Streitregelung am 18. September 1931 nicht erschöpft waren, daß die Bezie­hungen zwischen China und Japan die eines verschleierten Kriegszustandes sind, und daß die von den japanischen Trup­pen seit dem 18. September 1931 unternommenen militäri­schen Operationen, die diese Zustände herbeigeführt haben, nicht als Notwehrmaßnahmen betrachtet werden können.

Sie stellt außerdem fest, daß nach Erklärung der Unter- luchungsrommission das gegenwärtige Regierungssystem in der Wandschurei nickt als das Ergebnis einer spontanen und unbeeinflußten Unavhängigkeitsbewegung betrachtet werden kann. Sie stellt außerdem fest, daß das in der Mandschurei errichtete Regierungssystem sich nur dank der Anwesenheit japanischer Truppen durchsetzen konnte. Die Anerkennung des gegenwärtigen Regierungssystems in der Mandschurei ist daher mit den bestehenden internationalen Verpflichtun­gen nicht vereinbar.

Zu dieser Entschließung erklärte der japanische Dele­gierte M a t s u o k a, der außerhalb der Rednerliste das Wort erhielt, die Entschließung enthalte eine einseitige Ver­urteilung Japans, gegen die sich der Vertreter Großbri­tanniens und andere Delegierte ausgesprochen hätten. Der Wortlaut der Entschießung sei unvereinbar mit dem Bericht des Untersuchungsausschusses und mit dem Geist und den Aufgaben des Völkerbundes, die in einer friedlichen Beile­gung des Streites beständen.

Der Text sei offenbar in einem Geiste der Anklage ab- gefaßt worden, und vielleicht hätten sich seine Urheber die schweren Folgen, die er für den Völkerbund haben könne, nicht überlegt. Der japanische Delegierte forderte die Urheber des Entschließungsentwurfs auf, ihn im Interesse des Völker­bundes zurückzuziehen. Sei das nicht der Fall, so bitte er den Präsidenten, ihn alsbald zur Abstimmung zu bringen, damit Japan die wirkliche Auffassung der Völkerbundsversamm- I lung kennenlernte.

Der Präsident der Versammlung erklärte, die Bemer­kungen des japanischen Delegierten erforderten eine einge­hende Prüfung. Inzwischen wurde die Aussprache fortgesetzt.

Snpingwe» und Ma ausgelielert?

London, 9. Dezember.

Nach einer Reutermeldung aus Tfitfikar haben die Sow­jetbehörden den vor einigen Tagen auf sowjekrusfisches Ge­biet geflüchteten und internierten chinesischen General Su- pingwen zusammen mit 40 chinesischen Soldaten den japa­nischen Militärbehörden in Mandschuria ausgeliefert. Unter den Ausgelieferlen soll sich auch General Matschangtschan befinden.

Wie Reuter aus Tokio meldet, verlautet in japanischen militärischen Kreisen, daß der von Sowjetrußland an die Japaner ausgelieferte Supingwen wahrscheinlich zum Tode verurteilt werden wird.

Empsang der „Karlsruhe"

Kiel, 9. Dezember.

Zum Empfang des nach einjähriger Auslandsreise in den Heimathafen zurückgekehrten Kreuzers „Karlsruhe" hatten sich Tausende von Angehörigen der Besatzung auf der Blücherbrücke eingefunden. Weitere Menschenmengen hielten die umliegp.ndpn Würfen unb don ^«-ondm<>q>-b<svtst^ 'wäh* rend im Hafen zahlreiche Dampfpinassen und Motorboote dem einlaufenden Kreuzer entgegenfuhren

Bei seinem Eintreffen im inneren Hafengebiet begrüßte der Kreuzer die Flagge des Chefs der Marineleitung, der am Vormittag noch in der Strander Bucht eine Besichtigung des Schiffes vorgenommen hatte, später jedoch wieder von Bord gegangen war, mit 17 Schuß Salut. Gleichzeitig stieg am Mast bes. Schiffes der mit dem Eisernen Kreuz geschmückte weiße Heimatwimpel empor. Nach einer Schleife im Hafen legte der Kreuzer an der Brücke an. Die Mannschaft hatte auf Deck Aufstellung genommen-

Don den etwa 2500 Teilnehmern an dem Hungermarsch nach Washington, die hier am 4. Dezember eintrafen, be­finden sich, nachdem die Mehrzahl bereits wieder abmar- schiert ist, nur noch wenige in der Stadt.

Zwei Schwestern werden glücklich

Roman von Helma von Hellermann

Copyright by Martin Feuchtwanger. Hallo (Saale)

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Das leise Lächeln in seinen Augen vertiefte sich.

„Ihre Schwester steht leider noch recht angegriffen aus — Sie dagegen blühen wie Ihre Blumen", mit leichter Handbewegung auf die Rosen deutend, die auf dem Tischchen am Fenster zwischen den Mullgardinen ihre rote Pracht entfalteten. „Sie sollten ein paar anstecken, Fräu­lein Brigitte. Jugend und Blumen passen gut zusammen !"

Das Mädchen errötete.

„Ich wollte es gern, aber dann tat es mir leid um die schönen Rosen", erwiderte sie schüchtern, „sie verwelken so schnell."

„Welken sie, so muß man eben für Ersatz sorgen", meinte Plessing freundlich und erhob sich, um von dem Strauß zwei köstliche, halb erschlossene Blüten geschickt ab- zubrechen.

Brigitte sah auf seine Hände. Wie stark und schön sie warem schlank und doch kraftvoll... Ein seltsames Flim­mern wogte vor ihren Augen, als Plessing nun auf sie zutrat und ihr die Rosen reichte. Ihre Finger berührten sich. Wie ein elektrischer Schlag durchfuhr es das Mädchen, das jäh und ungewollt zusammenzuckte.

Forschend ruhte der Blick des Mannes auf ihr, die ge­senkten Hauptes die dargereichten Blumen am Ausschnitt ihres Kleides mit einer kleinen Nadel befestigte. Wie Blutstropfen lagen die roten Blätter auf der zarten weißen Haut, unter der die Adern sichtbar pulsierten. Sie mußte starkes Herzklopfen haben. Erregte seine Nähe sie so?

Wie jung sie noch war, wie kinderjung und hold in dieser reizenden Scheu, deren Abwehr mit Anziehung kämpfte. — Marion war selbstsicherer gewesen in diesem Alter. Und doch glichen sich beide in ihrer unberührten

Jugendreinheit. Er durfte sie nicht erschrecken mit allzu un­gestümer Werbung.

Ruhig begab sich Plessing wieder an seinen Platz, bat höflich um Erlaubnis, rauchen zu dürfen — und freute sich, daß Brigitte die ihr angebotene Zigarette ausschlug. Er mochte das Rauchen nicht bei jungen Damen. In­stinktiv hatte Brigitte das erraten und abgelehnt. Erich Buchmann hatte sie das Rauchen gelehrt, aber das durfte weder Barbara noch dieser schöne große Mann mit der angeborenen Liebenswürdigkeit, Eleganz und Vornehm­heit erfahren. So weit war sie schon, die kleine Brigitte, daß sie Alexander Plessings scharfgeschnittene Züge, das silberne Haar an den Schläfen über die Maßen schön fand.

Er fragte nach Tun und Treiben, nach Tageslauf und Berufswahl, lachte amüsant, als Brigitte in einer An­wandlung vertraulicher Offenheit naserümpfend den Kopf schüttelte und erklärte, Schreibmaschine und Kontorsessel feien nun einmal nicht „ihr Fall", sie könne sich Schöneres denken!

„Nun, was denn zum Beispiel?" ermunterte er.

Sprachen und Musik studieren, reisen, fremde Länder kennenlernen, träumte das Mädchen und hatte große, glänzende Augen.

„Aber", bedauernd die Achsel zuckend, „davon wird unser Braten nicht sehr fett! Den stiftet schon Bärbel, da muß ich doch wenigstens die Soße beisteuern."

Wieder lachte Plessing. Und in den tiefen, wohl­lautenden Klang mischte sich Brigittes Heiterkeit wie fröh­liches Vogelgezwitscher.

Barbara, die Hand auf der Türklinke, vernahm es mit bitterem Lächeln. Die zwei schienen sich ja schon prächtig zu verstehen! Dann riß sie sich zusammen, zwang einen freundlichen Ausdruck auf ihr Gesicht und trat ein. Und spürte sofort mit der Feinfühligkeit der Liebenden die neue Vertrautheit, die zwischen Mann und Mädchen auf­gekeimt war. Wenig Zeit brauchte die Liebe...

„Nun habe ich Sie um den gewiß geplanten Sonntag- vormittagsspaziergang gebracht", meinte Plessing endlich, auf die Uhr sehend und sich erhebend.

Er sah sich in der Stube um, entdeckte den lauschigen Winkel, den Brigitte mit vieler Mühe und feinem Ge­schmack vor den letztjährigen Ferien geschaffen. Bunte Seidenreste waren geschickt zu Kissenüberzügen in selbst- ausgedachten Mustern zusammengestellt worden, ein zart­farbiger Schirm deckte die alte Hängelampe, feine Filet- arbeit den Tisch.

„Wie hübsch!" bemerkte er.

„Gittas Werk", erklärte Barbara. „Sie hat viel Ge­schmack für dergleichen. Aus alten Seifenkisten könnte sie, wenn nötig, eine ganze Wohnungseinrichtung machen!"

Er nickte anerkennend der jungen Künstlerin zu, die verlegen ihr Werk betrachtete und es heimlich mit dem herrlichen Heim verglich, das so stolz auf der Höhe über Stadt und Strom thronte.

„Da liegen Ihre schreibmaschinenfeindlichen Talente wohl eher auf häuslichem Gebiet, Fräulein Brigitte. Das wäre gar keine zu verachtende Soße zum Alltagsbraten!"

Nun mußte sie doch lachen. Mit einem heiteren Wort auf den Lippen verabschiedete sich Plessing von den beiden Schwestern.

„Darf ich Sie dieser Tage einmal zu einer kleinen Fahrt mit dem Wagen abholen?" fragte er beim Hinausgehen. „Das schöne Wetter muß man ausnützen, und Ihnen be­sonders, liebes Fräulein Barbara, wird die frische Lust gut tun."

Die neigte nur dankend den Kopf. Wozu sich wehren, es kam ja doch alles, wie es vom Schicksal bestimmt war.

Tage traumhaften Glücks folgten für die junge Brigitte Pohl, die die nahende Wirklichkeit kaum zu fassen ver­mochte — Tage schmerzlichster Qual für Barbara, die Zeuge der aufblühenden Liebe zwischen der Schwester und jenem Manne sein mußte, der sie selber ungewollt und ahnungslos die Liebe gelehrt. Jene tiefe, mit jeder Faser ihres Seins verwachsene Liebe, die nicht mehr zu töten war, Die nur die allbarmherzige Zeit in geschwisterliche Neigung verwandeln konnte, lSoriieüuna ialat.) .