Deuttchtm in 11
Zum Abstimmungsergebnis in Lupen-Malmedy.
Berlin, 30. November.
Das katholische Organ „Germania" weist in ihrer Würdigung des Wahlergebnisses von Eupen-Malmedy darauf hin, daß die Parteien, die für eine Wiederholung der Abstimmung in den abgetrennten Gebieten eintreten, eine Zweidrittelmehrheit erzielen konnten. Das Blatt schreibt dazu u. a.: Diese Abstimmungsparteien haben insgesamt nur den geringen Rückgang von 200 Stimmen zu verzeichnen. Wenn man aber die erheblich höhere Wahlbeteiligung gegenüber dem Jahre 1929 in Rechnung stellt, und sich vor Augen hält, daß die belgische katholische Union ihre Stimmen auf einen Schlag nahezu verdoppelt hat, so geht man nicht fehl, wenn man nach besonderen Gründen für diese überraschende Erscheinung sucht.
„Es liegt klar aus der Hand, daß diese Kräfteverschie- bung durch den ungewöhnlichen Eingriff des Bischofs von Lütlich verursacht worden ist, der durch die Unterstützung des Kardinals von Mechsli^eme noch schärfere Unterstreichung erfuhr. Es verdient besonders erwähnt zu werden, daß der katholische Klerus in Eupen-Malmedy überwiegend aus den allbelgischen Gebieten entnommen wird, so daß dem bischöflichen Erlaß über seine bloße Kundgebung hinaus noch besonderer Nachdruck durch die pfarramtliche Autorität verliehen werden konnte. Man muß leider feststellen, daß in der Frage der kirchlichen Betreuung das Deutschtum in Eupen-Malmedy noch schlechter gestellt ist als in Süd-Tirol, wo wenigstens die Betreuung durch deutsche Pfarrer trotz aller behördlicher Einmischungsversuche sichcrgeslellt ist."
Wir haben bereits unserer Erwartung Ausdruck gegeben, daß man sich an höherer kirchlicher Stelle auf Grund des dringenden Gesuches der Christlichen Volkspartei an den Kardinalstaatssekretär Pacelli mit dem Vorgehen des belgischen Episkopates beschäftigen wird, und wir glauben, daß auf Grund des Wahlergebnisses diese Frage besondere Dringlichkeit beansprucht. Die Christliche Volkspartei, welche die kulturpolitischen Traditionen des deutschen Zentrums weiterführt, bedarf auf kulturpolitischem Gebiete gewiß keiner Zurechtweisung oder Ergänzung. Wir hoffen, daß bis zu den neuen Abstimmungen, die in Eupen-Malmedy beoos- stehen, die unzulässigen moralischen Bindungen von kirchlicher Seite weggefallen sind, und der deutschen katholischen Bevölkerung ein Bekenntnis zu ihrer eigenen Partei freigegeben wird.
BerMmg der Weltmeiinmg
Eine tendenziöse amerikanische Rundfunkrede.
Berlin, 30. November.
Der demokratische Senator Pat Morrison (Mississippi), 5er im kommenden Kongreß Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats sein wird, sagte in einer- Rundfunkrede, m Falle einer völligen Streichung der Kriegsschulden würde sich die Erbschaft des Krieges, das heißt eine Last von 54 Milliarden Dollar in folgender Weise verteilen:
Deutschland würde möglicherweise mit einem Prozent davontommen. Es würden weiter entfallen auf Italien zwei Prozent, Frankreich acht Prozent, die Vereinigter Staaten neununddreißig Prozent und auf Großbritannien!! MtzÄMM^Daraus würden Folget erEchfLU, die man sich kaum vorstellen könne. Deutschland wurde alsdann frei von Schulden künftig im Konkurrenzkampf der Welt an erster Stelle stehen. Auch Italien und Frankreich feien dabei in Rechnung zu ziehen. Die amerikanische Regierung habe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die kommende Generation nicht zu wirtschaftlicher Sklaverei verurteilt werde.
Die Rundfunkrede hat in Berliner politischen Kreisen starke Verwunderung erregt. Wenn der Senator davon spricht, daß bei einer Verteilung der Erbschaft des Krieges, das heißt einer Last von 54 Milliarden Dollar, Deutschland mit einem Prozent davonkommen und dadurch frei von Schulden im Konkurrenzkampf der Welt an erster Stelle stehen würde, so kann demgegenüber nur mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß Deutschland auf keinen Fall in Zukunft frei von Schulden sein wird. Vielleicht könnte man davon im Hinblick auf die politischen Schulden sprechen. Aber auch bei diesen muß beachtet werden, daß, wie es der Baseler Sachverständigenbericht vor einem Jahr ausdrücklich festgestellt hat,
ein sehr erheblicher Teil der privaten Auslandsverschuldung, nämlich über zehn Milliarden Mark, in Form von Reparationszahlungen wieder an das Ausland zurückgeflossen ist, also in den privaten Schulden eine indirekte politische Verschuldung enthalten ist. Dazu kommen noch die Verpflichtungen aus dem Lau- sanner Abkommen. Es bleibt unerfindlich, wie man bei der allgemein anerkannten Schwäche unserer wirtschaftlichen Lage behaupten kann, daß wir im Wettkampf der Welt mit Amerika uns messen könnten.
Bluttat litauischer Räuber
Memel, 30. November. In Piktupönen drangen nacht- Banditen in die Wohnung des Gastwirts Geniß. Auf die Frau des Gastwirts wurden mehrere Schüsse abgegeben, die Frau G. tödlich verletzten. Es kam dann zu einem furchtbaren Kampf zwischen dem Gastwirt, seinem Sohn und den Verbrechern, in dessen Verlaus der Sohn erschossen und der Vater schwer verletzt wurde. Darauf flüchteten die Täter und konnten auf litauisches Gebiet entkommen. Man nimmt an, daß es sich wieder um litauische Räuber handelt, die es wahrscheinlich auf die fn der Gastwirtschaft untergebrachte Raiffeisenkasse abgesehen hatten.
Aus der Heimat.
Das Handwerk will eine Vertretung im Reichskabinett.
Wie wir erfahren, hat der Kurh. Wald. Handwerkerbund e. V. zu Kassel sich mit folgendem Telegramm an den Herrn Reichspräsidenten gewandt:
„Wir bitten in Uebereinstimmung mit dem Reichs- verband des deutschen Handwerks Ew. Exzellenz als Ehrenmeister des deutschen Handwerks bei Kabinetts- bildurkg einen Vertreter des Handwerks zu ernennen. Das Handwerk in seiner wirtschaftlichen und seelischen Not und Verzweiflung wartet auf dieses sichtbare Zeichen seiner Berücksichtigung.
In Ehrerbietung
Kurh. Wald. Handwerkerbund e. V. zu Kassel.
G. Stühler Vorsitzender. Dr. Hartmann Syndikus."
Durch diefe Handlung unterstützt der Kurh. Wald. Handwerkerbund e. V. die erst vor einigen Tagen wieder vom Reichsverband des deutschen Handwerks betonte und mit Recht begründete Forderung des Handcherks auf Berücksichtigung im Reichrkabinett. Das Handwerk will mit dieser Forderung sich eine Sicherheit dafür schaffen, daß endlich die kommende Wirtschaftspolitik des Reichskabinetts auf das Handwerk Rücksicht nimmt und es nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zum Mittelpunkt des Handeln- macht.
* Obstbaum Zahlung. Am 1. Dezember d. Js. findet in Preußen eine Obstbaum-Zählung statt. Die Zählung dient ausschließlich der Förderung des deutschen Obstbaue- unb Obstabsatzes und darf nicht zu irgendwelchen steuerlichen Maßnahmen benutzt werden. Es liegt mithin im eigenen Interesse sämtlicher Obstbaumbesitzer — Pächter und Verwalter —, wenn sie die von ihnen erbetenen Auskünfte bereitwillig und wahrheitsgemäß erteilen.
* Zur Vorsicht beim Umgang von Schußwaffen mahnt ein Unfall, der sich in Baltenberg zutrug. Ein 18jähriger junger Mann wollte mit einem Tesching Spatzen schießen. Da der Verschluß der Waffe anscheinend nicht in Ordnung war, schlug die Ladung zurück und verletzte den Schützen erheblich. Er mußte sofort der Augenklinik in Marburg zugeführt werden
Hersfeld. (25jähriges Berufsjubiläum.) Auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Georg Börner, Asphalt-, Dachpappenfabrik und Teerdestillation, hier, kann Herr Prokurist Hermann Geißler am morgigen 1. Dezember zurückblicken. Seit dem Jahre 1907 stellte er seine Kräfte der Firma zur Verfügung und hat großen Anteil an dem Aufschwung, den die Firma im Laufe dieser Jahre genommen hat. Zweifel- !o< werden an seinem Jubeltage Herrn Geißler, der sich allseits größter Hochachtung erfreut, nicht nur von seiner GeschäftSleitung und seinen Mitarbeitern, sondern auch von allen Freunden und Bekannten zahlreich?. Glückwünsche zugehen, denen auch unser hinzugefügt sei.
Hersfeld. Wir verweisen auf die heutige Bekannt- machung deS Christlichen Hilfswerk, wonach in der von diesem eingerichteten Nahstube sämtliche defekten Kleidungsstücke und Wäsche die für das Christliche Hilfswerk gespendet werden, dort instandgesetzt werden. Es wäre zu wünschen, daß in großem Umfange der- ai tige Sachen im Auguste-Viktoriahaus abgegeben würden, um dem dringenden Bedürfnis an Bekleidung und Wäsche abzuhelfen.
Hersfeld. Verkleidung von Fach werk 8- gebäuden. Vom Landratsamt wird unS geschrieben : Es ist in Letzter Zeit die Wahrnehmung gemacht worden, daß Fachwerkgebäude ohne Genehmigung wieder mit Blechschindeln verkleidet und dadurch ganze Orts- und Straßenbilder verschandelt werden. Viad} § 1 A e her Baupolizeiverordnung vom 2. 9. 1925 bedarf es hierzu der Erlaubnis der Baugenehmigungsbehörde (Landrat). In den Fällen, in denen die Blechschindeln verunstaltet wirken, muß die Genehmigung versagt werden. Die Baugenehmigungsbehörde ist auch berechtigt, die Beseitigung derBlechschindeln, die bereits ohne Genehmigung angebracht sind ur.ö für die eine nachträgliche Erlaubnis nicht gegeben werden kann, zu fordern. Die Land- jägereibeamten sind angewiesen, jede Uebertretung der Baupolizeiordnuug zur Anzeige zu bringen. Als äußere ; Verkleidung von Fachwerksgebäuden hat sich. Holz- { schindelung gut bewährt und ist deshalb vorzuziehen. Genehmigung muß auch hierfür nachgesucht werden.
Fulda. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich an der Rangstraße an der Kurve zum Kessel. Ein nach Frankfurt fahrender Fernlastzug auS Charlotteyhurg begegnete dort einem Motorradfahrer. Der Führer bei Motorrades geriet gegen den Randstein und stürzte. Als der Lastwagen vorüber war, .fand man den Ver
unglückten mit schweren Kopfverletzungen bewußtlos auf. Ihm war ein Rad des Anhängerwagens über den Kopf gegangen. Er wurde ins LandeSkrankenhauS gebracht, wo er, ohne daS Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verschied. Es handelt sich um den 37jährigen Landwirt Karl Birkenbach vom Hof Halsbach bei Lütter. Der Führer des Lastkraftwagens hatte von dem Unfall nichts gemerkt.
Kassel. Am Sonnabend gegen 3.50 Uhr fand ein Polizeibeamter beim Begehen der Vorhalle des Haupt- bahnhofeS den Schaukasten der Firma Arthur Wertheim unverschlossen vor. Die näheren Feststellungen ergaben das Fehlen eines Damenmantels im Werte von 20 Mark. — Am Freitag gegen 1 Uhr nachts geriet ein Opelwagen in der Mönchebergstraße in Höhe bei Landeskrankenhauses beim Ueberholen eines Straßenbahnwagen« in eine Straßenausbruchstelle. Dabei wurde der Personenkraftwagen so stark beschädigt, daß er abgeschleppt werden wußte. Während der Führer des Wagens mit dem Schrecken davonkam, trug der Beifahrer eine größere Schnittwunde über dem linken Auge und eine schwere Schienbeinverletzung davon.
Kassel. Kulturamtspräsident Boddin, Kassel, ist als Ministerialdirigent in das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft nach Berlin berufen worden. Boddin wird sich mit der Durchführung der Siedlung im Osthilfegebiet befassen, wofür bereits 300 000 Morgen Land zur Verfügung stehen.
Frankfurt a. M. Zur Zeit versuchte in den Orten der Umgebung ein angeblicher Schriftsteller van hier folgenden Trick: Er bricht auf der Straße bewußtlos zusammen. Hilfsbereite Personen finden dann bei ihm einen Bries mit der Aufschrift: „Bitte öffnen!" In diesem Bries steht dann, daß er ein stark wirkendes Gift genommen habe und um ein anständiges Begräbnis bitte. In daS Krankenhaus gebracht, erholt sich der Vergiftete bald wieder unb läßt eS sich bei guter Verpflegung einige Tage wohl sein. Sobald er auS dem Krankenhaus entlassen ist, versucht er den Trick von neuem.
Frankfurt a M. Ein Motorradfahrer au« Wehrheim im Taunus fuhr in voller Fayit gegen eine Dreschmaschine. Bei dem Aufprall wurde der Benzintank des Rades zertrümmert. Der Inhalt des Tanks ging in Flammen auf. Da der Fahrer unter das Motorrad geraten war, verbrannte er Sein Beifahrer, der vom Rad heruntergeschleudert wurde, kam mit dem Leben davon.
Witzenhauseu. In daS Wochenendhaus in den Weinbergen, das einem Einwohner von Dingelstädt gehört, wurde in der Nacht eingebrochen und daS HauS ausgeraubt. Fast das gesamte Mobiliar, Radioapparat, Photoapparat und weitere Gegenstände wurden gestohlen. Allem Anschein nach haben die Diebe die Gegenstände über die Bayngr ise weggeschleppt
Friedrichsfeld (Kr. HofgeiSmar). In Friedrichsfeld sind 15 Personen, hauptsächlich Kinder, an Masern erkrankt. Es besteht die Möglichkeit der Schulschließung. Auch aus Trendelenburg und Deisel werden Maserner- krankungen gemeldet.
Hanu Münde». Die Weserdampfschiffahrt kann in diesem Jahr auf ein 90jähriges Bestehen zurückblicken. Im Jahre 1842 eröffnete die „Vereinte Weser-Dampf- schiffahrtsgesellschaft" die Schiffahrt mit zwei Dampfern. Die ersten regelmäßigen Fahrten begannen im Oktober 1843 mit dem Dampfer „Hermann" zwischen Hameln und Hann.-Münden. Der Dampfer „Wittekind", der im Frühjahr daraus in Dienst gestellt wurde, fuhr zwischen Hameln und Bremen.
Eisenach. In Schweina (Krs. Eisenach) kam ein 3jähriger Knabe in einem unbewachten Augenblick dem Ofen zu nahe, so daß seine Kleider Feuer fingen. Das Kind erlitt, ehe Hilfe kam, so schwere Brandwunden, daß es bald nach seiner Einlieferung inS Krankenhaus starb.
Die Wetteraussichten.
Ueber dem Kontinent herrscht im Bereiche hohen Luftdrucks ziemlich heiteres Wetter. Die Temperaturen dürften in der Nacht vielfach unter den Gefrierpunkt gehen und vielerorts auch Bodennebel eintreten. Bis an die Fkstlandsküste heran erstreckt sich jedoch der Einfluß der weit im Norden liegenden Zyklonen, die eine sehr lebhafte Westströmung über Nordeuropa veranlassen. In höheren Schichten ist auch bei unS diese Westströmung noch wirksam, sodaß nach stärkerem Druckfall schon am Mittwoch wieder mehr Bewölkung auftreten dürfte. Auf eine länger dauernde Besserung der Wetterlage kann man daher nicht schließen.
Aussichten für Donnerstag: Wieder mildes und unbeständiges Wetter, später auch mit Niederschlägen. ■— I—W ■IIBMM—
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