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Der Anfang

Erfolge der Arbeitsbeschaffung. '

Berlin, 20. November.

Amtlich wird mitgeteilt:

Die Maßnahmen der Reichsregierung zur Arbeitsbe­schaffung haben neben den sonstigen Mitteln zur Belebung der Wirtschaft den Arbeitsmarkt merklich entlastet. Die Zahl der Arbeitslosen, die im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt werden, hat jetzt bereits 250 000 überschritten.

Der erste Abschnitt des Arbeitsbeschaffungsprogramms in Höhe von 135 Millionen RM, das die Reichsregierung sofort nach ihrem Amtsantritt entworfen hat, ist in voller Durchführung begriffen. Mit dieser Summe, zu der noch etwa 25 Millionen RM Ersparnisse an Arbeitslosenunter­stützung kommen, sind bisher insgesamt 10 Millionen Ar­beitertagewerke für Arbeitslose bereitgestellt worden. Hierbei sind nur die Tagewerke mit eingerechnet, die an der Bau­stelle selbst geleistet werden. Daneben ist aber auch noch die mittelbare Entlastung des Arbeitsmarktes durch die Liefe­rung von Baustoffen usw. zu berücksichtigen.

Auch die Arbeiten an dem zweiten Teil des Arbeitsbe- schaffungsprogramms in Höhe von 207 Millionen RM sind zum Teil bereits im Gange oder werden in nächster Zeit begonnen. Dieser Abschnitt umfaßt u. a. Straßenbauten, landwirtschaftliche Meliorationen, landwirtschaftliche Sied­lung und vorstädtische Kleinsiedlung, den Bau von Eigen­heimen, ferner eine Aktion zum Abwracken veralteten Schiffsraumes und den Bau von Heringslagern. Soweit diese Arbeiten als Notstandsarbeiten oder im Wege des Freiwilligen Arbeitsdienstes ausgeführt werden, treten auch hier noch verlorene Zuschüsse aus Mitteln der Reichsanstalt dazu. Nach den Ergebnissen der bisherigen Maßnahmen kann man damit rechnen, daß sich hier zusätzliche Arbeits­gelegenheiten in Höhe von weiteren 15 Millionen Arbeits­losentagewerken zuzüglich der mittelbaren.Entlastung des Ar­beitsmarktes ergeben.

Für das notleidende Baugewerbe ist vor allem ganz be­sonders wertvoll die Hilfsaktion des Reiches für die Durch­führung der Jnstandsetzungsarbeiten, für die 50 Millionen Reichsmark und Mittel des Hausbesitzes selbst zur Verfü­gung stehen. Zur Förderung des Eigenheimbaues hat übri­gens auch der Vorstand der Reichsanstalt noch 5 Millionen Reichsmark Arbeitslosenunterstützung bereitgestellt.

Von größter Bedeutung ist endlich für wichtige Teile der Wirtschaft die Bereitstellung zusätzlicher Arbeiten durch die Reichsbahn und die Reichspost in Höhe von über 300 Millionen RM, die zum großen Teil ebenfalls schon im Gange sind.

Die Arbeiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms wer­den zum großen Teil als öffentliche Notstandsarbeiten oder im Wege des Freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführt. Um die Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramms einer möglichst großen Anzahl von Arbeitslosen zugute kommen zu lassen, soll ein Arbeitsloser nicht länger als ein Vierteljahr bei diesen Maßnahmen beschäftigt werden.

Die Anzahl der Arbeitskräfte ist eine wichtige Aufgabe der Arbeitsämter und geschieht nach sozialen Gesichtspunkten, insbesondere müssen auch langfristig Arbeitslose bevorzugt werden. Bei den genannten Arbeiten werden dabei doppelt soviel Krisenunterstützte beschäftigt als Empfänger der Ar- bett^lufe11u111elstützrmg. Aber auch die WohlfahAserwerbs- losen werden weitgehend berücksichtigt. Bei dem ersten Ab­schnitt des Arbeitsbeschaffungsprogramms werden 20 Pro­zent der Notstandsarbeiter aus den Reihen der Wohlfahrts- erwerbslofen entnommen werden, beim zweiten Abschnitt ist dieser Anteil auf 45 Prozent erhöht worden. Dadurch wer- ■ den bei den Gemeinden gleichzeitig entsprechende Mittel frei, die sie für die anderweitige Beschäftigung von Wohlfahrts- erwerbslosen verwenden können.

In ihrer Gesamtheit genommen, bedeuten diese Arbetts- beschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung eine Mehrbe- schäftigung von mehreren hunderttausend Arbeitslosen, wenn man nur die unmittelbare Beschäftigung berücksichtigt. Min- destens ebenso wichtig ist aber die weitere Auswirkung dieser Maßnahmen, die zusammen mit der Ausgabe der £ ^euerguk- scheme in Höhe von insgesamt 2,2 Milliarden RM zu einer nachhaltigen Belebung der Wirtschaft in weiterem Umfange fuhren muß.

Wahlergebnis amtlich sektgeftellt

Ein Zentrumsabgeordneter mehr im neuen Reichstag.

Berlin, 20. November.

Der Reichswahlausschuß hielt eine öffentliche Sitzung zur Feststellung des amtlichen Endergebnisses der Reichs- tagswahl vom 6. November ab. An der Mandatszahl ist insofern noch eine Aenderung eingetrelen, als das Zentrum noch einen weiteren Sitz zugebilligt erhielt. Die Zentrums- fraktion im neuen Reichstag wird damit 70 Abgeordnete um- fassen. Die Gesamtziffer der Reichskagsabgeordneken erhöht sich auf 584.

Zur Stunde steht noch nicht endgültig fest, wer das dem Zentrum zugesprochene weitere Mandat ausfüllen wird. Als Nachfolger nach der Aufstellung der Reichsliste würde der frühere Wirtschaftsparteiler Drogist Petzold in Frage kommen. Doch besteht durchaus die Möglichkeit, daß einer der auf der Reichsliste gewählten Kandidaten das Mandat in dem Wahlkreis annimmt, in dem er zu wählen war. In diesem Falle würde der nachrückende Abgeordnete gleichfalls von der betreffenden Wahlkreisliste zu entnehmen sein. Die Entscheidung über diese Frage steht unmittelbar bevor.

Nach dem endgültigen amtlichen Ergebnis verteilen-sich die 584 Reichstagsabgeordneten wie folgt auf die einzelnen Fraktionen: Nationalsozialisten 196, Sozialdemokraten 121, Kommunisten 100, Zentrum 70, Deutschnationale 51, Deut- Volkspartei 11, Thüringer Landbund 1, Bayerische Volkspartei 20, Wirtschaftspakte! 1, Staatspartei 2, Christ­lich-Sozialer Volksdienst 5, Deutsch-Hannoveraner 1, Deut­sche Bauernpartei 2, Landvolk 1 und Württemberaische Bauern und Weingärtner 2.

Alterspräsident des neuen Reichstags wird der national- fozral'.stische Abgeordnete Exzellenz Lrhmann, der bereits den preußischen Landtag als Alterspräsident eröffnet hat.

£öii6?5üervüter verurteilt

Spionage für Polen.

Berlin, 20. November.

Der erste Strafsenat des Kammergerichts verhandelte gegen sechs Angeklagte wegen Zuwiderhandlung gegen das Reichsgesetz gegen den Verrat militärischer Geheimnisse vom 3. Juni 1914.

Es wurden verurteilt wegen vollendeten Verbrechens der Landwirt Jfidor Stiles aus kramzig und der frühere Reichswehrunteroffizier, spätere Postschaffner Georg Vorwerk aus Guben; ersterer zu acht Jahren Zuchthaus, letzterer zu zehn Jahren Zuchthaus; ferner wegen versuchten Verbre­chens der Landwirt Vinzenz Situcinfti aus Kramzig zu drei Jahren Zuchthaus, der Fleischergeselle Johann Sulek aus Berlin zu zwei Jahren Gefängnis; schließlich wegen Anknüp- fung von Beziehungen zu polnischen Nachrichtenagenten der ehemalige Reichswehrobergefreite Robert Seifert aus Zülli- chau zu vier Jahren Gefängnis, der Bürohilfsarbeiter August yanschke aus Wartenberg zu drei Jahren Gefängnis.

Gegen die Angeklagten Jfidor Sulek und Vorwerk wurde außerdem auch auf zehn Jahre Ehrverlust erkannt. Auch die Zuläffigkeit von Polizeiaufsicht wurde ausgesprochen. Die Angeklagten Jsidor Sulek und Vorwerk hatten deutsche Reichsangehörige den polnischen Agenten zum Zweck der Verwendung im pointlchen den polnischen Behörden gehennzuhaltende Nachricbten über die deutsche Wehrmacht überbracht. Die anderen Ängeklag- hatten sich in ähnlicher Weise betätigt ohne daß es zur Vollendung eines Verbrechens gekommen war.

Kommunistische Terrorvlime

Enthüllungen über eine Sitzung des Politbüros.

Berlin, 20. November.

Die „Kreuz-Zeitung" berichtet in sensationeller Auf­machung über Terrorpläne der Kommunisten, die am 14. August in einer Sitzung des Moskauer Politbüros er­örtert worden fein sollen. In dieser Sitzung habe der Ver­treter der IH. Internationale, Manuilsky, einen ausführ­lichen Vortrag über die politische Entwicklung in Deutschland gehalten, in oem er als die arökte Gefahr eine Koalition

zwischen Zentrum und Nationalsozialisten unter bestimmen­der Führung des Zentrums bezeichnet habe.

Ueber die Gegenmaßnahmen der Kommunisten habe Manuilsky gesagt, daß die Geheimagenten innerhalb der SA. befriedigend ihre Pflicht vor der Revolution täten. Die soziale Zusammensetzung der SA. erleichtere diese Arbeit, und einige ganze Abteilungen könnten schon heute für kom­munistische Aktionen verwandt werden.

Im Anschluß an diesen Vortrag hat dann der „Kreuz- Zeitung" zufolge der Vorsitzende der Revolutionären Ge­werkschaftsinternationale, Losowsky, gesprochen, der ge­sagt habe, die KPD. müsse die Fähigkeit zeigen, die künftige Situation auszunützen. Nicht nur mit den Methoden Torg- lers, sondern auch mit den Methoden Hölz' und Skobo- lewskys In dem Moment, wo der administrative Apparat des deutschen bourgoisen Staates schwach werde, müsse man sofort die Verwirrung und den Verfall durch die Organi- sati'-n von Streiks, Sabotage und der Anwendung der Me­thoden des Massen- und des individuellen Terrors verstär­ken.

Zum Schluß habe dann Stalin gesprochen, der zu aller- / erst festgestellt habe, daß die KPD. bei den bevorstehenden | revolutionären Ereignissen eine maximale Festigkeit und Schonungslosigkeit zeigen müsse. In der Liste des indivi­duellen Terrors, die er durchgesehen habe, fehlten mehrere Dutzend Leute, die als erste den Beginn der revolutionären Kämpfe spüren und rechtzeitig von der Bildfläche verschwin­den müßten.

Es sei nicht genügend Aufmerksamkeit den Führern des Zentrums und den süddeutschen Führern gewidmet, die, das könne nicht oft genug gesagt werden, die gefährlichsten Feinde der Kommunisten seien

Gegen die neue Breutzen-BerordNWg

Braun will im Landtag Stellung nehmen.

Berlin, 20. November.

Das preußische Kabinett Braun beschäftigte sich in einer mehrstündigen Sitzung mit der neuen Notverordnung über den Konflikt zwischen Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung. Als Ergebnis der Kabinettssitzung wird folgendes offizielles Kommunique von der Regierung Braun zur Verfügung gestellt:

„Die preußische Staatsregierung stellte in ihrer heuti­gen Staatsministerialsitzung einstimmig fest, daß die gestern auf Antrag der Reichsregierung erlassene Verordnung auf Grund von Artikel 48 Absatz 2 der Reichsverfassung dem Wortlaut und Geist der Entscheidung des Staatsgerichtshofs nicht entspricht. Ministerpräsident Dr. Braun wird in der nächsten Vollsitzung des Landtags am Donnerstag, den 24. November, zu der dadurch geschaffenen Sachlage Stellung nehmen."

Neue KomMumfLenveehastungen in Gens

Genf, 21. November. In Genf wurden der Leiter der Roten Garde in Genf, ein Redakteur der Genfer Roten Fahne.^und „ein Cchauffeur verhaftet. Die Verhaftungen, stehen im Zusammenhang mit dem sozialistischen Aufruhr vom 9. November.

SchiKchtsteuer in Braunschweig

BraunMchekg, 21. November. Das Braunschweigische Staatsmini ieriu a hat, wie verlaust, beschlossen, durch Notverordnung zum 1. Dezember im Freistaat Braun» schweig die Schlachtsie.er einzuführen.

KirchereinsturZ in Warschau

Warschau, 21. November. In der an der Haupt­verkehrsstraße Marschaus ge.cgenen HMigen-Kreuz-Kirche brach während des SonntagK-Gottesdienstes'der steinerne Fußboden ein. Zwölf Personen stürzten in die vier Meter tiefer gelegene Gruft und wurden schwer verletzt.

Zwei Schwestern werden glücklich

Roman von Helma von Heilermann

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)

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In behaglicher Wortfaulheit saßen sie einander gegen­über und blickten auf das glitzernde Wasser des Stroms, auf dem die Dampfer wie weiße Schwäne langsam dahin- glitten. Ein Kätzchen saß auf der Steinmauer unweit des Tisches und putzte sich emsig im Sonnenschein. Von fern tönte der hohe dünne Pfiff der Eisenbahn.

„Schön ist das hier", sagte Barbara leise, als fürchte sie, die Stille des Mittagszaubers zu stören. „Schön..

Wieder traf sie der warme Blick des Mannes.

„Ja, schön ist es", erwiderte er, „und wird gleich noch schöner werden: dort naht unser Ganymed mit dem Essen. Ich habe einen Mordshunger, Sie hoffentlich auch!"

Barbara lachte über den noch nie gehörten lustigen Ton in der sonst so kühlen Stimme. Also war auch er froh! Geschäftig machten sie sich über das ausgezeichnete Essen, das ihnen prächtig schmeckte, saßen dann noch ein Weilchen beim Wein, der kühl und golden in grünem Galse perlte.

Dann traten sie gemächlich den Weg zur Bastei an durch die märchenschöne Heimlichkeit des Uttewalder Grundes, der in mäßiger Steigung zu dem berühmten Aussichtspunkt der Sächsischen Schweiz führte. Zu Füßen der moosbewachsenen Felsen rieselte leise plätschernd ein Büchlein. Bäume mit seltsam gewundenen Stämmen wuchsen aus den Steinritzen, einten sich oben zu gold- durchschimmertem Blätterdach...

In staunender Bewunderung schritt Barbara an der Seite des großen, schlanken Mannes dahin, der nun auf einen flachen, kaum kniehohen Stein zuging und, seinen Mantel darüber breitend, seine Begleiterin zu kurzer Rast aufforderte. Mit gefalteten Händen saß Barbara da und blickte andächtig umher.

„Wie ist das alles herrlich", sagte sie endlich, „als wolle die Natur die Größe und Güte ihres Schöpfers preisen."

„Das tut sie überall, auch im geringsten Blümchen und Sandkorn", erwiderte Plessing. „Jeder Schritt unter freiem Himmel bringt uns ihm näher, der uns schuf und die Erde schenkte. Aber es ist altmodisch geworden, an Gott zu glauben" — um den schönen, festgeschnittenen Mund zuckte ein bitter spottendes Lächeln —, „dafür beten wir die Technik an."

„Ich glaube", erwiderte Barbara leise, ganz in träu­mendes Schauen versunken, „weil ich glauben muß, um glücklich zu sein."

Da legte sich eine Hand auf die ihre, warm und be­hütend.

„Mit Ihnen ist gut wandern, Barbara Pohl", tönte die tiefe, klingende Stimme neben ihr. „Man meint, Ihnen zu schenken — und wird beschenkt. Ich freue mich über den Zufall, der unsere Pfade sich kreuzen hieß in der traurigsten Zeit meines Lebens."

Plessing erhob sich, reckte die Schultern und nickte der erglühenden Barbara zu. Und als sie gemächlich die letzte steile Höhe erklommen, begann er von seiner Frau zu erzählen:

„Sie war sechzehn, ich vierundzwanzig Jahre alt, als wir uns kennenlernten — ein zartes, schlankes Ge- schöpfchen von geradezu ätherischer Schönheit und von jener bestrickenden Liebenswürdigkeit, die alle Herzen ge­winnt. Von der ersten Stunde an fühlten wir, daß wir füreinander bestimmt waren. Es dauerte noch manches Jahr, ehe Marions Vater, ein englischer General, sich entschließen konnte, sein einziges Kind einem Ausländer zu geben. Aber da wir unentwegt aneinander festhielten, Marion mehrere glänzende Partien ausschlug und meine Privatverhältnisse auch für englische Begriffe günstig waren, mußte zuletzt sein Widerstand unserem Wunsche weichen. Gottlob hat meine Marion es nie bereut, mich geheiratet zu haben. Wir waren unendlich glücklich, sech­zehn Jahre lang. Dafür muß man dankbar sein."

Schweigend lauschte das Mädchen. Und wiederum

empfand der in Rückerinnerung versunkene Mann diese stille Teilnahme, die der Worte nicht bedurfte, um sich zu offenbaren, unendlich wohltuend.

Als sie aus dem Walde heraustraten auf den gitter- umfriedeten Felsenvorsprung der weltbekannten „Bastei", griff Barbara, ohne es zu wissen, nach dem Arm ihres Be­gleiters, so überwältigend war der Anblick, der sich ihnen bot. Nackte Felsblöcke stürzten in jähem Fall herab, wuchsen zu stumpfen Kegeln oder spitzen Steinnadeln empor, ballten sich zu riesigen Klumpen, barsten, wie aus dem Erdinnern herausgeschleudert, in klaffenden Rissen auseinander, zwischen denen schaurige Abgründe gähnten.

Als sie in der engen Straße hielten, deren steile Häuser­reihen die Sonne schon verdrängt, dankte Barbara mit wenigen, Worten für den schönen Tag. Aber aus den grauen Augen brach ein Leuchten, das mehr verriet als sie ahnte. Des Mannes Blick jedoch war mit Blindheit ge- schlagen.

Plessing sah das Leuchten noch vor sich, als er Heim- wärts fuhr. Fast hatte es ihn gerührt. Wie wenig Freude mochte diese kluge, gütige Frau in ihrem arbeitsreichen Dasein erlebt haben, daß ein Ausflug sie so erfreuen konnte! Und im Impuls des Augenblicks tat er ein übriges, ließ vor einem großen Geschäft halten und von dort einen Korb mit allerlei Delikatessen an Barbaras Adresse mit seiner Karte senden.

„Zur Stillung des durch unser schönes Wandern hoffentlich vorhandenen Appetits! Mit bestem Gruß d. O.", las sie, als ihr kurz darauf der Korb abgeliefert wurde. Und sie neigte den Kopf und küßte die Zeilen, die neue Güte des geliebten Mannes offenbarten.

Lange lag sie schlaflos vor Glück in dieser Nacht.

Arme Barbara — sie glaubte, an der Schwelle des Paradieses zu stehen — und sah nicht das flammende Schwert, das ihr den Eintritt wehrte. Sie sah nicht, daß Brigitte, die, wie sie sagte, mit Meta Stark im Kino ge­wesen war, ebenfalls mit weit geöffneten Augen und zer- küßlen Lippen dalag und verschwiegen ins Dunkel lächelte.

* * * (Forts. folgtH