Dr. 272
Umfelder cageblan
2. Blatt.
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Gedanken zum Totensonntag
„Und er sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet an Gott und glaubet an mich. In meines Va- ers Hause sind viele Wohnungen." Aus der Fremdlings- chaft des Erdenlebens weist der Heiland feine Jünger hin- iber zu der ewigen himmlischen Heimat. Um ihnen das Äer- tändnis dafür zu erschließen. bezeichnet er die Welt, die einst )en müden Pilger aufzunehmen bestimmt ist, mit einem Namen. der in jedem tieferen Gemüte Anklang finden mußte, er nennt sie sein Vaterhaus. Es ist ein geheimnisvoller Zug, der den Menschen aus allen Fernen immer wieder gerne zurückblicken läßt zu seiner ersten Heimatstätte, wo seine Wiege stand, wo er seine Kindheit verlebte, wo er zu Hause war. Die Sehnsucht nach der Heimat erwächst zutiefst aus den Schmerzen des Fremdlingsgefühls, sie ist im Grunde ein Ausdruck jenes Verlangens, von dem die Schrift sagt: „Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige, die suchen wir." Wir suchen sie, wir schauen sehnsüchtig nach ihr aus, wir tasten forschend umher, ob wir sie fänden. Diese Heimatsehnsucht ist ihrem Wesen nach ein Begehren nach dem Fortbestand des Lebens und der Liebe. Das irdische Leben ist ein vorübergehendes. Wie die Blume des Feldes ist es bald abgeblüht. Einen Fortbestand will uns das Wort des Herrn sicherstellen, darum nennt er die Heimat ein Haus, eine Ber- gungsstätte, wo der Mensch, nachdem seine Leibeshülle im Tode in Trümmer zerfiel, sich selber in einem schöneren und gesicherten Leben wiederfinden darf. Aber der Mensch begehrt auch noch den Fortbestand der Liebe, von welcher der Apostel sagt: „Sie höret nimmer auf". Darum spricht der Herr in unserem Worte vom Vaterhaus. Da sollen wir aus dem Urquell der Liebe schöpfen, die wir einst in schwachem Abglanz als Vater- und Mutterliebe gekostet haben, sollen wiederfinden, um die wir nun Traurigkeit haben, weil wir von ihnen geschieden sind, und sollen wieder Kinder werden, Kinder Gottes und Erben seines himmlischen Reiches. Dort ist der Heiland zu Hause. Von dorther ist er zu uns gekommen. Dorthin ist er wieder heimgekehrt. Nach dorthin hat eruns die.Stätte bemiii, LL.M.LÜZ Leben, und wem dies Leben aufgegangen ist. dessen Seele hat die Heimat gefunden. die bleibende Statt, über den hat der Tod seine Macht verloren. Seine Liebe mag immerhin denjenigen nachtrauern, die der Tod ihm hinwegnahm, aber sein Glaube wird diesem Schmerze den Stachel nehmen. — Wo Ewig- keitsgedanken und Ewigkeitshoffnungen die Seele durchziehen, da hat auch die Todesfurcht keinen Raum mehr, und wer den Tod nicht fürchtet, wer in gläubiger Zuversicht seiner harren kann als einer befreienden Gottesmacht, der hat ihn auch überwunden. Gott fei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Christum!
016 Mall 168 Todes
Der Gedanke ans Sterben und an den Tod ist für den Menschen noch immer von geheimen Schauern umwoben, und es ist kein Wunder, daß sich Sage und Dichtung der Menschen in mannigfaltigster Art mit der Gestalt des Todes beschäftigt hat. Uns liegt die Frage nach der Gestalt des Todes in deutscher Sage und Dichtung am nächsten. Das Leben der alten Germanen lag in Händen Hel's, der Erdmutter, die zugleich die Todesgöttin war, sie war nicht etwa ein finsteres Wesen sondern die gütige Freundin des wege- müden Leibes. — Hel, die Tochter Lokis, des erwärmenden Feuers und einer Riesin hatte ihre Heimat in Nilkheim, dem Lande des Nebels. Mit der Zeit wurde das Bild der Todesgöttin immer grausiger und schon in der jüngeren Edda hieß ihr Saal Elend, Hunger ihre Schüssel, Gier ihr Messer, Träg ihr Knecht, Langsam ihre Magd, Einsturz ihre Schwelle, Kümmernis ihr Bett und Unheil ihr Vorhang Jedoch Hel führte nur diejenigen ins Reich der Toten die auf dem rühmlosen Bette des Siechtums entschlafen waren, den gefallenen Helden auf blutiger Walstatt ward besseres Geleite in den herrlichen Walküren, aber auch Wotan selbst ist als Todeskünder bei den alten Germanen zu finden
In alten deutschen Sagen tritt der Tod auch als Jäger auf, der den Menschen anschleicht. ihn überfällt. und in ein Netzgarn lockt, und wie ein abgehetztes Wild kämpft der Mensch den letzten Kampf des Lebens, aber wer könnte diesem Jäger widerstehen.
Eine der schönsten Vorstellungen vom Tode begegnet uns in dem alten Volkslied:
„Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Hat Gewalt vom höchsten Gott!"
Wie bange den Bümelein vor diesem Schnitter auch sein mag, das Lied hat einen Ausklang, der schon Charakterstärke gegenüber dem Tode verrät:
„Trutz Tod kumm her, ich fürcht dich niti
Trutz kumm und tu deinen Schnitt!
Wenn die Sichel mich letzet, So werd' ich versetzet
In himmlischen Garten
Darauf wir alle warten!
Freu dich, schön's Blümelein!"
Auch als Gärtner treffen wir den Tod an, der im Garten des Lebens die ausgehenden Pflanzen ausjätet, und der Tod, der die Blumen des Lebens wartet, ist ein höchst
zu THEisoiirai
Otto Boettger-Seni.
Wir haben alle irgendwo ein Grab. — vielleicht schmückt es kein Stein Und keine Blume —
Es liegt vielleicht
Dort nicht einmal ein Mensch Begraben. —
Und doch —
Wir haben alle irgendwo ein Grab.
Wir haben alle irgendwann auch eine Stunde, in der wir nackt, Ganz nackt und ohne Maske Etwas beweinen, Das wir weh verloren.
Das blütenfrisch
Als hoffen einst geboren.
wir haben alle — alle Irgendwo ein Grab.
sinnvolles «Symbol, und ergreifend schön ist die Sage von der Mutter, die ihr Kind durch das Opfer ihres Augen- | lichtes vom Tode befreien will. Ihr zeigt der Gärtner Tod zwei Gärten, in einem sind die Pflanzen der Zeitlichkeit und in dem anderen die wundersam erblühten Blumen der Ewigkeit, unter denen sich auch das gestorbene Kindlein befindet, und die Mutter ist getröstet, denn sie weiß ihr Kind geborgen
Später finden wir den Tod auch als Spielmann, der auf einer Fiedel seine Gemeinde sucht. Früher war es Sitte, das fahrende Volk der Spielleute zu Botendiensten zu benutzen. und so war es bald der germanischen Vorstellung nicht fremd, den ernstesten Boten in jenes heitere Gewand zu kleiden, zugleich zum Zeichen der Ueberraschuirg, mit der der Tod mitten unter uns tritt
Es ist nur ein kleiner Schritt weiter, der von hier zu den Anschauungen der Totentänze führt, die ironische Kraft und gesunde Lebensauffassung oft drastisch wirksam zur Darstellung bringen Diese in Versen und Bildern überlieferten Totentänze betonen als Trost für alle Sterblichen, daß der Tod alle Unterschiede auslischt
Im Mittelalter trifft man den Tod auch in Gestalt eines schwarzen Ritters auf Turnieren, oftmals als Rächer einer Blutschuld, die der vom Speer des Todes Getroffene noch als Sterbender bekennt. Auch die Sage vom Gevatter Tod ist vielen bekannt, in der ein armer Mann nur den Tod als Paten für sein Kind findet, dafür erhält das Kind die Gabe daß es den Tod am Bett iedes Kranken sehen kann,
steht er zu Füßen, bedeutet es Genesung, steht er am Kopfende des Kranken, bedeutet es den Tod
Die stärkste Darstellung des Todes ist der Tod als öfelett mit Sense und Stundenglas, die oft in deutschen Kunstwerken erscheint Diese Vorstellung ist durchaus einseitig. So grauenvoll der Tod oft auch erscheinen mag, er ist uns auch Freund und Erlöser An uns selbst liegt es, wie wir sein Kommen einst empfinden werden Wer fest in sich und seiner Pflicht verankert steht, fürchtet den Tod nicht, denn er wird immer vorbereitet sein An unseren alten Sagen und Geschichten, am Volkslied und tm Märchen erkennen wir aber, welche Vorstellung von der Gestalt des Todes unsere Vorfahren hatten, und gerade aus diesen Zeugnissen erkennen wir die Gemütstiefe unserer Väter, aus der auch der Künstler, sei es Dichter oder Bildner, unvergängliche Werte für die Neugestaltung des Todes finden kann.
Stören den Gräbern
3 mit di en den Gräbern ist Frieden. Er breitet sich dort aus wie der Tau auf blumigen Wiesen, wenn der Nachthauch kalt darüber hinging. Er legt sich auf die stummen Hügel und steigt höher und höher, bis er den ganzen weiten Raum zwischen Himmel und Erde ausfüllt. Und er geht nicht an uns vorüber. Er schleicht sich in unsre Herzen und füllt bald
unsere Seelen ganz aus.
Zwischen den Gräbern ist Frieden Die dort unter den stummen Hügeln und Kreuzen ausruhen vom irdischen Kampf, haben Frieden miteinander geschlossen für die ganze lange Ewigkeit. Wer bist du? Tatest du mir weh im Leben? Liebtest du mich oder war ich dein Feind? Ach! — hier seid ihr verstummt, ihr törichten Fragen.
Zwischen den Gräbern ist Frieden!
Wir stehen am Tag der Toten dort und legen Blumen und Kränze auf die Hügel. Da ist es uns, als hätten mir Den Menschen, der sonst in uns wohnt, draußen vor der stillen Pforte stehen lassen und schritten nun als ein ganz anderer Schmerz und Gebendem von Wehmut lind Trost zugleich er füllt unsere Seele. In den Bäumen rauscht der Novemberwind sein tonloses Lied. Nebelschwaden hängen über den Fluren, von denen der Duft der Schollen über die Stätte des ^' dens streicht. Gestern noch hat der Landmann dort die Pflugschar geführt. Heute ruht feine Arbeit. Vielleicht steht auch der Landmann heute an einem der Gräber und läßt seinen Blick auf dem Hügel ruhen, unter dem der Tod seine Ernte eingebracht.
Vielleicht eilen seine Gedanken wieder nach dem Acker zurück. Er sieht sich hinter dem Pflug schreiten mit Huh und Hott. Er atmet den frischen würzigen Geruch der Erdscholle, die die Pflugschar umwirft. Vielleicht sieht er im Geiste schon neue Frucht aus der Erde sprießen, und selig und groß geht durch seine Seele das Ahnen vom ewigen Kommen Gehen. Säen und Ernten.----
Zwischen den Gräbern ist Hoffnung.
Friede und Hoffnung erfüllen beide unsre Seelen Tage der Toten. Sie werden um uns sein und in weben und schaffen bis in den grauen Alltag hinein, bald wieder um uns ist.
Wenn auch die Blumen und Kränze auf den Hügeln verbleichen unter der harten Faust des Winters. Frieden und Hoffnung aber werden nicht welken. Sie werden fein, so lange die Sonne über Frühling und Winter ihre 2W'0CM und des Landmanns Hand sät und erntet ... E. 25.
und
am uns der
Zum Tutnnoiintaq.
DaS Grab der Besatzung des Kreuzers „Königsberg", die im Kongogebiet am 11. Juli 1915 nach heldenmütigem Kampf ihr Leben für das Vaterland lassen mußte. Der Kreuzer wurde von der übermächtigen Feindesschar im Rufijifluß versenkt.