O bedenk das End
Eine Kur - Mainzer Geschichte von Fritz Ritzl, Mainz .
(i.Fortsetzung.)
„Unseres Kindes guter Ruf ist sein höchstes Gut. Muß auch vor falschem Schein bewahrt bleiben. An einem dünnen, dünnen Fädchen hängt einer Jungfrau Ruf und Ehr'. Wirst schon die richtigen Worte finden, Mutter, wenn du mit dem Iungherrn redest."
Damit ging der Sprecher in seine nebenan befindliche Werkstätte, während die Mutter sich kopfschüttelnd nach der Küche begab und Ruperta sich an das zwischen den Fenstern stehende Spinnrad setzte und zu spinnen begann. Aber die Arbeit wollte heute nicht vom Flecke kommen, und mehrmals verstummte das Surren des Rädchens, wenn die Spinnerin hinaus in das schmale Goldschmiedsgäßchen sah, in das die über der Liebfrauenkirche stehende Maiensonne ihre goldenen Strahlen warf. Den Hausgenossen sollte sie künftig entbehren, bei dessen Anblick sich immer ein warmes Empfinden ihrer bemächtigte, wie es bis jetzt choch kein Mann in ihr zu erwecken vermocht hatte. Lag in seinem Auge nicht immer eine stumme Frage, wenn er ihr begegnete und seinen ehrfurchtsvollen Gruß bot? Aber fort mit diesen fruchtlosen Gedanken. Der Vater wollte, daß der Hofmusikus das Haus verließ,und ihrStolz gebot ihr,des Vaters Gründe zu billi
erhält jeder millionste Fahrgast
STADT FRANKFURT
Das große Los in der Straßenbahn
Auf eine sehr originelle Weise macht die städtische Straßenbahn in Frankfurt am Main den Versuch, ihren Verkehr zu beleben. Jeder millionste Fahrgast soll eine Prämie von 10 Mark erhalten, die sofort in bar ausgezahlt wird. Man hat berechnet, daß wöchentlich zweimal eine solche Prämie ausgestellt wurde. (A.P.)
gen. War Herr Lotharius Gollnauer erst aus dem Hause, dann würde sie auch ihre innere Ruhe wieder gewinnen.
2. Die Werbung
„Warum so verstimmt heute, junger Freund?" fragte der alte Hoskapellmeister, Herr Klaus Hermanus, seinen ersten Geiger, Herrn Lotharius Gollnauer, als die Probe einer Palestrinaschen Messe in einem Saale der Martinsburg eben zu Ende gekommen war. Habt auch bei dem Pianissimo mehrmals falsch eingesetzt, was ich doch sonsten nimmer an Euch gewohnt bin. Und macht ein Gesicht, wie das Kätzlein, wenn es donnert. Habt doch' keine bösen Nachrichten von Euerm Alten in Frankfurt bekommen? Oder seid Ihr gar von Amors Pfeil getroffen worden? Mir, Eurem väterlichen Freund dürft
Fhr schon vertrauen." Der Gefragte, Herr Lotharius Gollnauer, ein schlanker, junger Mann mit einem feinen, von dunklen Locken umwallten Gesicht, sah den Sprecher mit seinen blauen Augen traurig an und schüttelte trübselig den Kopf, während eine heiße Röte seine Wangen überflog.
„Trügt mich mein erfahrenes Auge nicht, so habe ich recht geraten", fuhr der alte Herr lächelnd fort. „Ihr habt einem Iüngferlein zu tief in die schönen Augen gesehen und findet keine Erhörung. Ist es nicht so?"
„Eure Ehren erweisen mir zu viel Güte, wie ich sie kaum verdiene", stammelte der junge Geiger befangen.
„Zu viel Güte, Lotharius?" siel der alte Herr ein. „Seid mein Patenkind und mir als Sohn meines Jugendfreundes an das Herz gewachsen und mein Augapfel, weil ein wahrer Künstler in Euch steckt, der zu Großem berufen ist. Deswegen hab' ich Euch in Frankfurt geholt und freu' mich dessen, denn Ihr habt alle meine Erwartungen erfüllt. Hab' aber auch Eurem Alten, meinem lieben Wolfgang, in die Hand hinein versprechen müssen, Euch all- hier zu betreuen und wohl darauf zu passen, daß Ihr die rechten Wege gehet. Drum jetzt
heraus mit der Sprache. Was bekümmert Euch?"
„Nichts weiter, Euer Ehren, als daß ich von meinem Wirte des Heims verwiesen wurde, in dem ich mich wohl fühlte", gestand der Gefragte.
„Euer Wirt, Meister Sebastian Wendlinger, hat Euch des Heims verwiesen?" fragte Herr Klaus Hermanus. „Ja — aber warum denn, mein Lieber?"
„Weil er meine Kammer für eine alte Muhme benötigt, die künftighin bei ihm hausen soll."
„Na — wenn es weiter kein Unglück ist — dem läßt sich doch abhelfen", meinte der alte Herr. „Wird Euch anderswo auch behagen. Und deshalb seid Ihr so betrübt? Das will mir nicht recht in Kopf." Und die Hand an das glattrasierte Kinn legend und einige Augenblicke nachsinnend, fuhr der Sprecher fort:
Der neue Generalsekretär des Völkerbundes
der Franzose Avenol, wurde als Nachfolger des bisherigen Generalsekretärs Sir Eric Orummond bestimmt. Avenol war schon seit Jähren stellvertretender G rcralsekretär. Frankreich hat sich große Mühe gegr ., seinen Kandidaten durchzubringen. (Scherl.)
Moritz O orni er
der Bruder und Mitarbeiter des bekannten ^Flugzeugkonstrukteurs, ist in München an den Folgen einer Operation gestorben. Er hat den Amerikaflug der Do X mitgemacht. (Scherl.)
HelmerRosting
wurde als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Italieners Gravina auf den Posten eines Völker- bundskommiffars nach Danzig berufen. Helmer Nosting hatte in Genf bisher schon immer die Dan- ziger Angelegenheiten bearbeitet. (Keystone.)
............................
179