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wohl aber erkannte er das fremde Zimmer, in dem er lag und sah Zilla an seinem Lager.

Diese rückte ihn sanft in die Kissen zurück und erklärte ihm, was geschehen sei.

„Der Doktor hat dir's Sprechen verboten, bis die Wunde a bissel verheilt ist. Aber er hat g'meint, du habest a starke Natur und werdest dö Sach' scho überhauen. Del' Mutter ist bis vor aner Stund dag'wesen, jetzt ist sie heim, um die Arbeit ^tun, wird aber bald wieder kommen. Hans, jetzt mußt schön ruhig liegen bleiben, nachher wirst bald wieder g'sund sein. Hast den Täter nit erkannt?"

Hans Glöckner schüttelte den Kopf und flüsterte: „Es ist ganz dunkel g'wefen, aus ein­mal rennt einer hinter dem Schmied sei'm Haus außer auf mi' zu, i’ spür' an Stoß im Rücken, dann ist der Kerl gleich wieder verschwunden, i' hab' . ihm nach wollen, aber da ist mir so g'spaßig worden, und nachher weiß i' nix mehr."

Bald darauf trat Wundfie- ber ein. Als Mutter Glöckner wieder kam, war Hans schon nicht mehr bei klarem Bewußt­sein, er phantasierte und re­dete irr und wirr kunterbuntes Zeug durcheinander. Es kamen bange Stunden und schwere

Raketenstart in Berlin

Start einer Rakete des Konstrukteurs T illing - Osnabrück auf dem Tempelhofer Feld in Berlin. (A. P.)

Tage. Der Arzt kam regelmäßig jeden Vormittag. Seiner Kunst und der aufopfernden Pflege Zillas, die Tag und Nacht kaum einen Schritt vom Krankenlager wich, die Pflege nie­manden überlassen wollte und sich nur notgedrungen dann und wann eine kurze Ruhe gönnte, war es zu danken, daß Hans Glöckner die schwere Verletzung überwand, und zwar so, daß der Arzt eine völlige Gesundung ohne irgendwelche schädlichen Folgen in sichere Aussicht stellen konnte.

Sobald Hans Glöckner wieder bei Bewußtsein war, be­richtete ihm Zilla, daß der Krämer Naz ihn gestochen habe.

„Er hat z'erst leugnen wollen, es hat ihm aber nit viel g'nützt, nachher hat er's eing'standen, und jetzt sitzt er hinter Schloß und Riegel. So a heimtückischer Mensch."

Da murmelte der Glöckner Hans: „Alsdann sind der Krämer Naz und i' quitt."

„Wär' noch schöner", ereiferte sich Zilla, „was sagst du, Hans, ihr seid quitt. Zu so aner heimtückischen Tat hat der Naz koa Recht nit g'habt, du hast für dei' Tun scho 'büßt."

Da mußte der Kranke über diesen Eifer lachen. Zilla sah es und mußte ebenfalls lachen.

„Weil's wahr ist", schmollte sie.

„Zilla, wär's dir leid g'wesen?"

In des Mädchens Gesicht stieg eine brennende Röte.

„Hans, frag' nit so!"

„Zilla", fragte Hans Glöckner mit leiser, zager Stimme, „könntest du vergessen, was g'schehen ist, i' mein', du weißt schon, hast mi' no a bisserl gern, die Mutter hat g'sagt, bös sei'st du mir nit mehr."

Hans Glöckner las die Antwort aus Zillas Blicken.

„Hans", sprach das Mädchen voll Glück, „frag' jetzt nit so viel, du muht jetzt schlafen, der Doktor hat's befohlen. Lang und tief schlafen, dann bist wieder g'sund. Und dann ..."

„... dann, Zilla?"

„... kannst mi' wieder fragen", lachte Zilla voll Schelmerei, „und jetzt gut' Nacht!"

Da schloß Hans Glöckner gehorsam die Augen, und bald verkündeten seine tiefen, regelmäßigen Atemzüge, daß er den Schlaf der Genesung gesunden habe.

Nachdem Hans Glöckners Riesennatur die Krisis über­wunden hatte, machte seine Genesung solche Fortschritte, daß

der Arzt darüber am erstaunte­sten war. Hans konnte bald schon wieder das Bett verlassen und in sein Häuschen übersiedeln. Er dankte Zillas Eltern in ebenso schlichten wie herzlichen Worten für die Aufnahme und gute Pflege. Freilich wollten Müllers von dem Danke nichts wissen, es sei ja selbstverständ­lich gewesen, was sie getan hätten, allein Hans Glöckner wiederholte den Dank, bis der alte Meister Müller endlich rief: „Aber, Hans, was machst aus der einfachen Sach' für a Wesen, wir g'hören ja doch z'sammen."

„Vater", rief Hans froh, „dös war a Wort, i' will's gel­ten lassen." —

Hansens Kräfte nahmen nun, da er, wie man zu sagen pflegt, über dem Berge war, außerordentlich rasch wieder zu, so daß er in kurzer Zeit wieder in deren Vollbesitz war.

Inzwischen war es Mai ge­worden, ein herrlicher Blüten- monat. Überall sah man die leuchtenden Farben des Früh­lings, Burgneuhofen war in ein Meer von Kirsch-, Birn- und Apfelblüten versenkt. Und mit den Obstgärten blühten alle Fliedersträucher in den Hausgärten um die Wette und ihr süßer Duft war im ganzen Dorfe.

An einem solchen schönen Maiabend kam Hans Glöckner, wie gewohnt, zur Stubet.

„Zilla", sprach er, nachdem er gegrüßt hatte, „heut' war i' beim Herrn Pfarrer, unser Aufgebot zu bestellen, in sechs Wochen ist Hochzeit. Wir haben alles schon ausg'macht, und der Mutter ist's recht, sie freut sich riesig."

„Aber, Hans!" rief das überraschte Mädchen errötend, „so schnell."

,,I' mag nimmer länger warten, es hat koan Zweck, oder magst du nit?"

Da nickte das Mädchen überglücklich.

Anfangs Juni stand der Kramer Naz vor dem Schwur­gerichte, mit einer längeren Freiheitsstrafe hatte er seine Rache­tat zu büßen.

Und drei Wochen später führte Hans Glöckner Zilla als sein Weib in das kleine Häuschen vor dem Dorfe, das Zillas Freundinnen und Hansens Freunde wieder so reich bekränzt hatten wie damals, als Hans in die Heimat zurückgekehrt war.

Die kleine Stube konnte wieder die Gäste kaum fassen, die Hansen und Zillas Ehrentag mitfeierten.

Der beste und liebste Gast aber an einem solchen Tage, der weilte unsichtbar unter ihnen, doch war seine Anwesenheit leicht festzustellen, wenn man in die Augen des jungen Paares sah, es war das Glück ...

Weisheit des 18. Jahrhunderts.

Wer es nicht geduldig ertragen kann, daß er abnimmt und ein anderer seines Berufes wächst, der sitzt in der Schule der Weisheit noch in der untersten Klasse.

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Niemand sollte sich schämen, zu gestehen, daß er Unrecht gehabt hat. Denn dies heißt nur mit anderen Worten, daß er heute weiser ist als gestern.

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Viele alte Leute möchten uns durch das beständige Lob ihrer Jugendzeit gern überreden, daß es in jener Zeit keine Toren gegeben habe. — Aber zum Unglück sind sie selbst als Beispiele davon übriggeblieben.

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