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Gertrud Bindernasel t

Berlin, 4. November. Die Opernsängerin Gertrud Bindernagel, die vor kurzem von ihrem Wanne, dem ehe­maligen Bankier Hintze, nach einer Aufführung in der Städ­tischen Oper in Berlin durch einen Revolverschuh schwer ver­letzt worden war, ist im Krankenhaus an Embolie gestorben.

Der Doppelraubmord in Köln

Köln, 3. November. Zu dem bereits gemeldeten Doppel­raubmord im Hause Rudolsplatz 10 wird noch mitgekeilt, dah der erschossene Geldbriefträger 2800 Mark bares Geld und einen Werkbrief über 100 Franken bei sich frug. Die gräß­liche Tak kam dadurch ans Tageslicht, daß in den späteren Abendstunden ein Reffe der Ulla Körte dieser einen Besuch cbstallen wollte und auf wiederholtes Klingeln keinen Ein­laß in die Wohnung fand. Schlimmes ahnend rief er einen Schlosser herbei, der die Wohnungslür gewaltsam aufbrach. Den Ginfrefenben bot sich ein furchlbares Bild. In einem Zimmer- fand man Fräulein Korke in einer Blutlache liegend, neben ihr hingestreckt den Geldbrieflräger, dessen Geldtasche leer war. Der Umstand, daß die Tat erst zehn Stunden später aufgedeckt wurde, erklärt sich daraus, daß der Geld- brieslcäger durchgehenden Dienst hatte und erst gegen 5 Uhr nachmittags vermißt wurde.

Der Gemeindewald wird abgeholrt Selbsthilfe kommunistischer Erwerbsloser.

Thale (Harz), 4. November.

Der hiesige Magistrat hatte einen Antrag der Erwerbs­losen auf Ueberlassung von Brennstoff abgelehnt. Darauf ftellien die Erwerbslosen dem Magistrat ein Ultimatum, in dem sie ankündigten, daß, falls nicht zu Anfang der Woche das verlangte Brennmaterial bewilligt würde, ein Gemeinde­wald abgeholzt werden würde. Der Ankündigung folgte die Tat. Am Donnerskagmorgen zogen etwa 100 Erwerbslose in den Gemeindewald und begannen mit dem Abholzen der Bäume. Als die Polizei eintraf, waren bereits 25 starke Bäume umgelegt.

Der Rädelsführer, ein Kommunist, wurde verhaftet. Gegen dreißig weitere Personen wird das Verfahren wegen Landfriedensbruches eingeleitet werden. Nach diesem Vorfall kam es in der Stadt mehrfach zu Ansammlungen, die aber bald wieder zerstreut werden konnten.

Werbellugzeug abgestürzt

München, 4. November. Das Leichtflugzeug 1673, mit dem der Pilot Morzik 1930 den Europa-Flug gewann, wurde bei Oberankenreule von einem heftigen Schneesturm an einen Fabrikschornstein geschleudert und stürzte aus be­trächtlicher Höhe ab. Die rechte Tragfläche ging vollständig in Trümmer, die Steuerung wurde zertrümmert und der Motor aus der Maschine gerissen. Der Flugzeugführer Pummer aus München erlitt ebenso wie sein Fluggast Pfitzer außer einer Gehirnerschütterung schwere andere Verletzun­gen. Die Maschine, die das nationalsozialistische SA.-Aeichen trug, war zu einem Werbeflug nach Friedrichshafen einge­setzt; auf dem Rückfluge nach München ereignete sich das Unglück.

Die Flugzeuglatastrophe im SveNart

Frankfurt a. M., 3. November. Das furchtbare Flug­zeugunglück bei Echterpfahl im Spessart ereignete sich genau 1.29 Uhr mittags. Das Flugzeug, das um 11.55 Uhr in Fürth gestartet war, hatte kurz hinter dem Frankfurter Flughafen durch Morfezeichen feinen Standort gemeldet. Von da ab ließ es nichts mehr von sich hören. Ein Wald­arbeiter aus Weibersbrunn vernahm kurz vor 1.30 Uhr Motorengeräusch, das Flugzeug war aber wegen des dichten Nebels über der Talmulde nicht zu sehen. (

Um 1.29 Uhr hörte der Arbeiter einen leichten Knall, dem wenige Sekunden später ein starkes Krachen folgte. Die Absturzstelle liegt mitten in dichtem Tannenwald. Es dauerte lange, bis man an die Unglücksstelle herankam. Erst gegen 6.15 Uhr konnten die ersten Leichen geborgen werden. Es ist anzunehmen, daß alle fünf Insassen sofort tot waren.

Allerlei Neuigkeiten

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Donnerstag um 15.03 Uhr in Friedrichshafen glatt gelandet. An Bord be­fanden sich 21 Passagiere. Die Führung hatte Kapitän Leh- mann.

Raubüberfall. In der Wohnung eines Grundstücksver­walters in der Lutterothstraße in Hamburg wurde ein Raub­überfall verübt. Drei Männer, von denen einer eine Post­beamtenmütze trug und vorgab, die Telephonleitung prüfen zu wollen, überfielen die allein anwesende Frau des Ver­walters und raubten 500 RM Mietsgelder. Zwei der Täter find entkommen; der dritte, der auf der Flucht Revolver­schüsse auf die Verfolger abgab und einen jungen Mann durch einen Armschuh verletzte, konnte gefaßt und verhaftet werden.

Güterzug führt in eine Arbeiterkolonne. Unweit der Elbbrücken ist in Aamburg ein Güterzug in eine Arbeiter- kolonne hineinaefabren. Drei Arbeiter wurdest getötet, zwei haben schwere Verletzungen erlitten.

Zwei Todesopfer einer Eifersuchtstragödie. Im Geraer Stadtteil Tinz erstach der 43jährige Artist Maurer mit einem Küchenmesser seine Braut, eine 38jährige Artistin. Nach der Tat durchschnitt er sich die Halsschlagader. Man fand ihn tot auf. Maurer hatte vor einigen Wochen ein Engagement in Thüringen angenommen und war auf die Behauptung einer Kartenlegerin hin, seine Geliebte sei ihm untreu ge­worden, nach Gera gekommen, um Rache zu nehmen.

Selbstmord eines Liebespaares. Ein 22jähriges Mäd­chen, das aus angesehenen Dresdner Gesellschaftskreisen stammt, ist gemeinsam mit ihrem Geliebten, einem ^jäh­rigen Mann in Koblenz, aus dem Leben geschieden. Die bei­den haben seit einiger Zeit dort gewohnt. Motiv ihres Selbstmordes waren, wie es heißt, unüberwindliche Schwie­rigkeiten, die sich der Verehelichung entgegenstellten. Die Leichen wurden in die Heimat übergeführt.

Während der Urteilsberatung vom Schlagausall getrof­fen. Vor dem Schwurgericht Dresden wird seit mehreren Tagen gegen die Frau des im Februar ermordeten Kauf­manns Knebel wegen Anstiftung zum Morde verhandelt. Der Mörder Pogacnik wurde bereits im März zum Tode verurteilt. Nun beantragte die Staatsanwaltschaft gegen die Angeklagte gleichfalls die Todesstrafe. Während der Urteils­beratung wurde Landgerichtsrat Schreiber von einem hef­tigen Unwohlsein befallen, so daß die Sitzung abgebrochen werden mußte. Da Lähmungserscheinungen festgestellt wur­den, handelt es sich vermutlich um einen Schlaganfall.

Achtung, Sie hören, am Sonnabend, 5. November

Welle 1634,9 Königswusterhausen (Deutschlandsender).

6.35, 12.15 und 14: Konzert. 11: Stunde der Unter­haltung. 15: Kinderbastelstunde. 16: Warum im Herbst die Blätter fallen? 16.30: Konzert. 17.50: Literarische Vi­sionen. 18.05: Musikalische Wochenschau. 19.40: Christus, die Sehnsucht und das Aergernis der Welt. 20: „Süd­funkmischung". Ein bunter Abend. 22.40: Tanzmusik. 21: „Die Schule der Welt". Kom. von Friedrich dem Großen.

Welle 283,5 Berlin II-Magdeburg-Stettin.

6.35, 11.30 und 14: Konzert. 15.20: Jugendstunde. 15.40: Muß Politik den Charakter verderben? 16.05, 18.20 und 19.35: Konzert. 19.20: Für den Siedler. 20.30: „Der Waffenschmied". Kom. Oper von Lortzing. 22.30: Tanzmusik.

Welle 389,6 Leipzig.

6.35, 10.10, 12 und 13.15: Konzert. 14.30: Kinder­stunde. 16: Musikberatung. 16.30: Konzert. 18.50: Kon­tingentierung und Ionenspektrum. 19.30: Beginn und Ende des Weltalls. 20: „Südfunkmischung". Ein bunter Abend. 22.35: Tanzmusik.

Welle 360,6 Mühlacker.

7.05, 10. 12.20, 12.40, 13.30, 15 und 17: Konzert. 15.30: Jugendstunde. 18.50: Deutsches Bankwesen. 19.30: Demosthenes. 20: „Südfunkmischung". Ein bunter Abend. 22.45: Nachtmusik.

Motorrad-Weltrekord wieder in deutschem Besitz

Deutschlands größter Motorradfahrer Ernst Henne hat für fein zähes Aushalten und seinen unermüdlichen Tatendrang die schönste Belohnung erhalten. Am Donnerskaq gelang es dem Münchener auf feiner 750 - Kubikzentimeter - BMW - Maschine den absoluten Schnelligkeits-weltrekord für Motorräder für Deutschland zurück- zuerobern.

Henne der bereits vor zwei Tagen für die Dreiviertelliter- Klasse mit 239.680 Stundenkilometer eine neue Welthöchstleistung herausgefahren hatte. setzte auf der Betonstrecke bei Tat in der Nähe von Budapest seine Versuche fort Der Münchener durch­brauste den Kilometer mit fliegendem Start nach der elektrischen Keitmessung in 14,73 Sekunden, bedeckte dabei in der Sekunde 67,8 Meter und erzielte dabei den phantastischen Stundendurchschnitt von 244,399 Kilometer.

Henne erreichte den neuen Weltrekord beim zweiten Start. Durch die enorme Geschwindigkeit wurde der Protektor des Rei­tens völlig zerrieben, so daß er zu seinem dritten Versuch über eine englische Meile (1609) Meter) einen neuen Pneu auslegen mußte Henne gelang es auch, über diese Strecke einen neuen Schnelligkeitsrekord auszustellen denn er bn-chfuhr die Meile in 24,44 Sekunden, holte damit einen Stund-''rchschnitt von 237,054 Silometer heraus und übertraf seine im Vorjahre mit 234,173 Stundenkilometer aufgestellte Höchstleistung ganz beträchtlich.

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Volkswirtschaft

Die gewerblichen Karlosselstärkefabriken haben sich, soweit es ihre Aufnahmefähigkeit zuläßt, erneut bereit erklärt, für Fabrik­kartoffeln, die zur Herstellung von Kartoffelstärkemehl, nicht zur Herstellung von Dextrin oder anderen Stärkederivaten dienen, den den Kartosfelslockenbetrieben auferlegten Stützungspreis von 9 Pfg in Stärkeprozent frei Fabrik ebenfalls zu zahlen. Diese Regelung gilt aber nur für Fabrikkartoffeln, die den Stärkefabriken bis zum 15 November angeboten werden.

Berliner Effektenbörse.

An der Berliner Effektenbörse vom Donnerstag wirkte der Berliner Verkehrsstreik stark verstimmend. Da jedoch das Publi­kum mit größeren Verkaufsaufträgen zurückhielt, wirkte sich die Einstellung der Börse weniger in den Kursen als in der Stimmung selbst aus. Kleinere Abgaben der Spekulation genügten jedoch, um eine Senkung des Kursniveaus um durchschnittlich 1 Prozent her- beizuführen Am Elektromarkt gingen die Abschläge sogar über diesen Durchschnittsverlust hinaus. Chade sanken um 4% M„ Elektr. Licht und Kraft 2 Proz und Gesfürel 1 Proz I. G, Farben verloren 1 Prozent. Montanwerte büßten durchschnittlich 1% Pro­zent ein. Kaliwerte waren ebenfalls durchweg abgeschwächt Reichsbankanteile notierten rund 1 Prozent niedriger. Am Kunst- seidenmarkt betrugen die Abschläge 1—2 Prozent.

Am Geldmarkt ist eine weitere Erleichterung eingetreten. Tagesgeld war bereits mit 4,5 bzw. 4,37 Proz. und darüber reich­lich zu haben. Monatsgeld etwa 5—7 Prozent.

Die Prioatdiskontnotiz erfuhr keine Veränderung.

Am Devisenmarkt ergaben sich recht lebhafte Schwankungen des Pfundkurses. Gehandelt wurde London gegen Kabel zu Kur­sen, die einer Markparität von 13,85 bis 13,95 entsprechen.

Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund 13,85 13,89, Holl. Gulden 169,63 169,97, Belga (Belgien) 58,52 58,64, itaL Lira 21,56 21,60, dän. Krone 72,18 72,32, norm. Krone 70,28 70,42, franz. Franken 16,54 16,58, tschech. Krone 12,465 12,485, schweiz. Franken 81,19 81,35, span. Peseta 34,52 34,58, schweb. Krone 72,73 72,87, österr. Schilling 51,95 52,05.

Berliner Produktenbörse.

An der Berliner Produktenbörse machte sich am Donnerstag eine nervöse Stimmung bemerkbar, die sich auch in starken Kurs­schwankungen auswirkte. Am Markt der Zeitgeschäfte konnte Weizen bei der Eröffnung 1 M. gewinnen. Dieser Gewinn ging jedoch bei der Schlußnotiz wieder verloren. Prompter Weizen konnte um 2 M anziehen. Roggen eröffnete am Markt der Zeit­geschäfte 1—1% M. schwächer und ging im Verlaufe der Börse noch weiter zurück. Am Promptmarkt wurde Roggen unverändert notiert. Das Mehlgeschäft ist wieder ruhiger geworden. Die Hafernotiz gab um 1 M. nach.

3. November 1932.

Für 1000 Weizen, märt. Roggen, mark. Braugerste Futter- und Industrie-Gerste Hafer, märt., neue Ernte

Notierungen vom

Ka.: 200-202 156-158 170—180

162—169

. 134—139

11,20 20,60—22,75 9,00-9,40 8,25—8,60 22—26 20—23

Erdnußkuchen-Mehl Roggenmeyl Weizenkleie Roggenkleie Viktoria-Erbsen Kleine Speiseerbsen Futtererbsen Leinkuchen

14—16

10,10

Mliiche Bekanntmachungen

Biehseuchenpolizeilicke Anordnung.

Nach amtstierärztlicher Feststellung der Maul- uud Klnuenfeudje in Gittersdorf wird zum Schutze gegen diese Seuche aufgrund der §§ 18 ff. des Vieh- feuchengesetzes vom 26 6. 1909 (RGBl. S. 519) und der viehseuchenpolizeilichen Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten vom 6. 6. 1932 — Reg. Amts­blatt S. 165/166 - folgendes bestimmt:

Sperrdezirk im Sinne dieser Anordnung ist das Seuchengehöft von Konrad Croll in Gittersdorf.

Seobachtuugsgediet im Sinne dieser Anordnung ist der Dit und die Gemarkung Gittersdorf.

Für diese gelten die Vorschriften der viehseuchen­polizeilichen Anordnung vom 6. 6, 1932, die in dem genannten Ort durch Anschlag erneut bekannt gegeben werden.

Hersfeld, den 3. November 1932. Der Landrat.

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