Allerlei Neuigkeiten
Las Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Montagmorgei zu seiner letzten diesjährigen Südamerika-Fahrt unter Führung von Kapi.tän Lehmann aufgestiegen. An Bord befinden sich 12 Passagiere. Von Pernambuco geht die Fahr weiter nach Rio de Janeiro.
Ein Toter der „Riobe" geborgen. Ein Fehmarnei Fischer barg einen Toten der „Niobe". Der Tote ist der Obersignalgast Saeckel aus Reichenbach im Vogtland. Du Leiche ist nach Kiel Überfahrt worden, wo sie im Marine- lazarett aufgebahrt wurde.
Der Todesschutz im Wohnwagen. Unter dem bringe«' den Verdacht, ihren Ehemann, den 62 Jahre alten Schau- steiler August Zeranski, in dem gemeinsamen Wohnwagen in Berlin erschossen zu haben, ist die 64 Jahre alte Schau- stellerin Marie Zeranski festgenommen worden. Es ist indessen auch möglich, daß der Ehemann, der in der letzter Zeit ein bedrücktes Wesen zeigte, durch ständigen Streb mit seiner Frau zermürbt, selbst Hand an sich gelegt hat
Word aus Eifersucht. In der Nacht wurde die 20jährig< Gertrud Kluge in Oels erschossen aufgefunden. Die Ermittlungen führten zur Festnahme des 21jährigen Kutschers Wandelt aus Oels, der die Tat wahrscheinlich aus Eifersuchi verübt hat. Der Festgenommene behauptet, daß Selbstmord vorliege und die Waffe von einer anderen Person fortgenommen wurde.
Die Veruntreuungen bei der Dresdener Ortskranken kaffe. Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Dresden war man durch den Selbstmord des Ober- sekretärs Hentsche erheblichen Veruntreuungen auf die Spur gekommen. Im Zusammenhang mit der Untersuchung dieser Vorfälle hat die Ortskrankenkasse größere Personalveränderungen vorgenommen. Neun Beamte wurden vorläufig ihres Dienstes enthoben, darunter auch der Hauptkassierer und der Leiter der Prüfungsabteilung. 45 Beamte wurden an andere Dienststellen versetzt. Die Ortskrankenkasse teilt mit, daß sie für die veruntreuten Gelder Sicherstellung erlangt habe.
Explosion bei den Eonkinenlal-Werken. In den Betrieben der Continental-Werke i« aHnnover explodierte ein Vul- kanisierapparat. Zwei Arbeiterinnen wurden tödlich verletzt. Die Ursache der Explosion konnte noch nicht festge- stellt werden.
Tränengas in Arefelder Einheitspreisgeschäften. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, wurde in den Krefelder Einheitspreisgeschäften „Ehape" und Woolworth der Betrieb erneut durch Tränengasbomben gestört. Die Räume des „Ehape" mußten eine halbe Stunde geschlossen werden. Obwohl die polizeilichen Ermittlungen sofort einsetzten, gelang es nicht, der Täter habhaft zu werden.
Totengräber als Mörder. Der Landwirt und Totengräber August Rüdinger in Stellen bei Heilbronn (Neckar) wurde unter dem dringenden Verdacht, die seit etwa einer Woche vermißte 63jährige Witwe Josephine Bopp aus Stet- ten ermordet zu haben, verhaftet. Rüdinger leugnet bisher die Tat; seine eigene Frau aber hat ihn durch ihre Aussagen stark belastet. Die Leiche der Frau Bopp konnte bisher nicht gefunden werden.
Fährunglück auf dem Mississippi. Ein schweres Unglück ereignete sich auf dem Mississippi bei Natchez. Als ein vollbesetzter Autobus den Fluß auf einer Fähre überqueren wollte, stürzte er aus unbekannter Ursache in den Strom. 18 Neger fanden in den Fluten den Tod.
Ausplünderung einer Kirche
Säckingen (Baden), 25. Oktober. In der Nacht ist in die Säckinger Kirche „Fridolins Münster" ein Einbruch ver- übl worden, bei dem eine große Anzahl wertvoller Kunstwerke entwendet wurde. Die vorläufig unbekannten Täter stahlen das Meßgewand des heiligen Fridolin, ein Messer, dessen Handgriff mit Steinen besetzt ist und dessen Schneide
spätgotische Aanken-ornamenta aufweist, ein Agnesenkreuz, ein Hilariuskästchen, eine silberne Kassette mit Barock-Ornamenten und verschiedene andere wertvolle Gegenstände. Die Säckinger Polizei hält es nicht für ausgeschlossen, daß in der Kirche die gleichen Verbrecher tätig waren, die vor wenigen Tagen das Zittauer Skadtmuseum ausplünderten. Vorläufig fehlt von ihnen de Spur. Der Wert der entwendeten Stücke soll sehr h sein, da es sich um lauter auserlesene Kunstwerke Hände x
Tragödie einer Kammersängerin
Revolveranschlag auf Gertrud Bindernagel.
Berlin, 25. Oktober. Kurz nach Beendigung der Aufführung von Richard Wagners „Siegfried" in der Städtischen Oper ereignete sich am Bühnenausgang eine blutige ' Tragödie. Als die 38 Jahre alte, weitbekannte Kammersängerin Gertrud Hintze, geborene Bindernagel, auf die Straße hinaustreten wollte, begegnete sie ihrem Ehemann, dem 53 Jahre alten Bankier Wilhelm Hintze, mit dem sie in eine Auseinandersetzung geriet, die bald sehr heftige Formen an- nahm. Plötzlich zog hintze eine Pistole aus der Tasche und sagte seiner Ehefrau, die sich in diesem Augenblick umgedreht hatte um wieder in die Oper zurückzukehren, eine Kugel in den Rücken. Frau Binderstagel brach mit einem Aufschrei zusammen. Der Täler wurde von Polizeibeamten festge- .wwmcn. Frau Hintze-Bindernagel wurde nach dem Kran- i vhaus Westend geschafft, wo eine Operation vorgenommen wurde. Die Kugel ist Frau Bindernagel in den Rücken ge- Brunnen und in der Rierengegend steckengeblieben. Ihr Zustand tfi lebensgefährlich.
Nach den Aussagen der Tatzeugen — drei Männer und eine Fron — hat der Bankier, nachdem er auf seine Gattin geschossen balle, sofort die Flucht ergriffen. Die Behauptung Hintzes, er habe Selbstmord verüben wollen, scheint nicht zu stimmen, da kein Zeuge gesehen hat, daß der Bankier die Pistole gegen sich selbst richtete.
Das Motiv zur Tat sollen Familienstreitigkeiten sein, die baren« entstanden, daß die Sängerin ihre Mutter und ihre beiden Schroestern gegen den Widerspruch ihres Mannes W flä beherbergte. Dies habe zu ständigen Zerwürfnissen .^wischen Frau Bindernagel und ihrem Mann, dem Bankirk Huue geführt.
Mitzglückter Tauchversuch.
Aus Madrid wird berichtet, daß ein spanischer Erfinder namens Ruiz auf dem See von Casa de Campo vor 15 000 Zuschauern einen Unterseeboottank vorgeführt hat, für den der notwendige Sauerstoff durch elektrolqtische Zersetzung des Wassers gewonnen wird. Ruiz fuhr mit seinem Fahrzeug zunächst einmal um den See, dann ließ er den Unterseeboottank tauchen. Nach 95 Minuten mußte der Tank durch einen Schlepper gehoben werden, da Wasser in das Boot einzudringen begann. Die Versuche sollen fortgesetzt werden.
Aus dZM Gerichts fast
Künstler als Falschmünzer.
Vor der 11. Strafkammer beim Landgericht III Berlin begann ein großer Falschmünzerprozeß. Den Falschmünzern wird vorgeworfen, in den letzten Jahren englische 100- Pfund-Noten und amerikanische 500-Dollar-Noten hergestellt, und in Verkehr gebracht zu haben. Hauptangeklagter ist der 59jährige russische Kunstmaler Iwan Niassojedoff. Er war vor dem Kriege mehrfacher MillioE und hatte sitzungen auf der Halbinsel Krim. Angeklagt sind ferner der Kaufmann Basil Namonoff, der Kaufmann Arkardy Ural- sky-Udinzeff und der Journalist Alexander Nelidoff. Die Russen waren in der Mehrzahl Offiziere weißgardistischer, Armeen, die sich später in Deutschland als Kaufleute darch- zuschlagen versuchten. Miassojedoff ist bereits 1922 wegen Falschmünzereei zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
Volkswirtschaft
Berrechnungen im Anslands-Marenverkehr
In den letzten Monaten sind mit verschiedenen Ländern, in denen eine Devisenbewirtschaftung besteht oder die Bezahlung deutscher Waren aus anderen Gründen erschwert ist, Vereinbarungen zwischen der Reichsbank und der Zentralnotenbank des betreffenden Landes geschlossen worden, um die Bezahlung des deutschen Exports sicherzustellen. Zur Durchführung dieser Vereinbarungen hat der Reichswirtschaftsminister angeordnet, daß alle Reichsmark- zahlungen. die für Warenlieferungen aus diesen Ländern im Rahmen der Devisengenehmigungen geleistet werden, auf das bei der Reichsbank Berlin bestehende Girokonto der betreffenden ausländischen Notenbank geleistet werden müssen. Ist Zahlung in der Währung des Lieferlandes vereinbart, so kann der deutsche Schuldner den geschuldeten Betrag bei der Reichsbank kaufen und im Auslande an den betreffenden Exporteur auszahlen lassen. Dagegen sind Zahlungen in dritter Valuta im allgemeinen ausgeschlossen.
Berliner Effektenbörse.
An der Berliner Effektenbörse vom Montag war die Spekulation ganz auf sich angewiesen, da jegliche Publikumsaufträge fehlten. Kleinste Zufallsorders bestimmten schon die Tendenz, die vorwiegend leicht abgeschwächt war. Chade sanken um 10 Mark auf 151 Am Elektromarkt gaben Gesfürel um 2 Prozent aus 68% nach. Siemens und AEG, lagen etwa I Prozent schwächer. Besser gehalten waren Tarifwerte. Kaliwerte wenig verändert. I. G Farben gingen um % Prozent zurück. Am Montanmarkt begannen Deutsche Erdöl 1 Prozent fester. Mansfeld stiegen um % Prozent und Ilse um 1 Prozent Reichsbank erhöhten sich um % Prozent Schiffahrtswerte lagen % Prozent niedriger.
Der Geldmarkt war wenig verändert, Tagesgeld 4,25 bzw. 1.12 ProzsM und darüber. Monatsgeld 5—7 Prozent
Am Devisenmarkt wurde das englische Pfund gegen Kabel zunächst mit 3,3637 genannt Im Verlaufe trat ein weiterer Rückgang auf 3,3550 ein Die Markparität des Pfundes beträgt demnach etwa 14.00 Kabel New Park war ebenfalls schwächer. Es wurde aus Paris mit 25,38 aus Amsterdam mit 2.48 und der Schweiz mit 5.1887 gemeldet
Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl Pfund 14,13 14,17, hall Gulden 169,83 170.17, Belga (Belgien) 58,54 58,66 ital Lira 21,55 21,59. dän Krone 73,33 73,47 norm Krone 71,43 7157 franz Franken 16 57 16.61, tschech Krone 12,465 12,485, schweiz Franken 81,39 81,55, (pan Peseta 34,49 34,55, schwed Krone 73.03 73.17 osterr Schilling 51,95 52.05.
Keine Schliedung der Berliner Produktenbörse
Der Börsenvorstand Abteilung Produktenbörse, hat einstimmig folgende Entschließung angenommen:
1 . Der Börsenvorstand Abteilung Produktenbörse, hat die Pflicht, für das ungestörte Funktionieren der ihm unterstellten Börse im Interesse der deutschen Volkswirtschaft zu sorgen. Von dieser Pflicht kann er durch unsachliche Vorstöße, die in der Des» fentlichkeit gegen die Börse unternommen werden, nicht abgelenkt werden
2 Die Notwendigkeit des handelsrechtlichen Lieserungegeschäfts mi-b von keiner fachkundigen Seite mehr bestritten. Deshalb ist auch, nachdem am 13 7 31 der Zahlungsverkehr ins Stocken geratet) war, die Notiz für das handelsrechtliche Lieferungsgeschäft auch auf Verlangen' der Vertreter der Landwirtschaft im Börsenvorstand zum erstmöglichen Zeitpunkte wiederhergestellt worden. Eine Auseinandersetzung mit den erwähnten Angriffen kommt demnach für den Börsenvorstand zu Berlin, Abteilung Produktenbörse, nicht in Betracht. Dagegen erwartet er, daß die zuständigen Instanzen Preußens und des Reichs die Börse gegen unberechtigte Angriffe schützen wird.
Berliner Produktenbörse.
Die Geschäftstätigkeit hielt sich an der Berliner Produktenbörse vom Montag in engen Grenzen Das Angebot an Brotgetreide ist gering«*«#^ Am Promptmarkt blieben die Rolle» rungen für Weizen und Roggen unverändert. Am Markt der Zeitgeschäfte lauteten die Notierungen um 1 Mark schwächer. Mehlmarkt unverändert. Hafer kaum stetig Gerste schwer abzusetzen.
Kotierungen vom 24. Oftober 1932:
Für 1000 Kg.: Weizen, märt. 196—198
Roggen, mark. 154—156
Braugerste 172—182
Fultergersie. 164—171
Roggenmehl Weizenkleie Roggenkleie Viktoriaerbsen Kl. Speiseerbsen
19,75—22.25 9,00—9,50 8,25—8,75 22,00—26,00 20,00—23,00
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