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Mus der Heimat

Das „Lollsfiehrche" brennt nicht mehr.

Jil @?genivait von Bürgermeister Schafft sowie Vertretern der städtischen Körperschaften und einer großen Zuschauermenge wurde gestern Nachmittag um 6 Uhr dak Lullusfeuer wieder „begraben". Feuermeister Hans Post hielt hierbei folgende Ansprache:

Bürger von Hersfeld, Freunde unserer Lullusstabt!

In wenigen Minuten soll unser Lollsfeuer wieder ausgelöscht und begraben werden, nachdem es 3 Tage und 3 Nächte ge­brannt und seine alte Anziehungskraft auf Hergeloffene und Einheimische bewiesen hat.

Das Anzünden unseres „FiehrchenS" ist, wie üblich, nicht ganz ohne kleine Zwischenfälle abgelaufen. Während der Rebe deS Bürgermeisters versagte der Lautsprecher und unser verehrtes Oberhaupt mußte drahtlos weitersprechen. Unsere Stadtväter zerbrechen sich nun den Kopf über die Frage, ob die Zahlung für die Lautsprecheranlage auch nun „drahtlos" erfolgen kann.

Mit dem Anzünden deS Feuers hatten wir unsere alte Lollsfreiheit für 3 Tage und, was noch wichtiger war, auch für 3 Nächte wiedererlangt. Die Polizei durfte es wohl­tuend empfinden, von den lästigen Runden zur Berkündung der Polizeistunde befreit zu sein. Diese Runden sollen sich übrigens auch in Wirtekreisen keiner besonderen Beliebtheit erfreuen, und der Ankurbelung der Wirtschaft, wie sie die Wirte auffassen, hindernd im Wege stehen. Das war nun am Montag nicht der Fall und die Ankurbelung hatte auch entsprechend eingesetzt. Einige haben in edler Begeisterung so stark gekurbelt, daß körper­liche Schäden nicht ausgeblieben sind.

Das sind so kleine Mängel dieser Freiheit, die wir trotz und alleöem nicht missen möchten, auch nicht das Recht zu einem freien Wort an dieser Stelle, von dem wir gern Gebrauch mache». Kritik soll ja nicht schädigen und verletzen, sondern fördernd und befruchtend wirken. Wir haben aber in letzten Kritiken erlebt, die das Gegenteil bewirkten.

Zuweilen ist es blauer Dunst, Schreibt einer über Musik oder Kunst. Fand manches auch des Volkes Gunst, Schon hat der Kritikus beflissen Den Künstler in den Dreck gerissen. Er muß es eben besser wissen!

Dem Künstler aber ruf ich zu: Bewahr in Zukunft dir die Ruh! Laß deine Bilderwie sie hingen Und denk wie Götz von Verlichingen!

So verhält es sich auch mit einer Kritik an den Ehrungen, die in letzter Zeit bedeutenden Männern zuteil wurden, die in ihrem Wicken und Schaffen zu unserer Lullusstadt in besonderer Beziehung standen. Man hat da von Steinzeit und Siegesallee gemeckert und doch etwas wesentliches übersehen. Diese Denk­mäler, die Aufstellung gefunden haben oder noch finden sollen, sind doch die Meilensteine auf der großen Landstraße deutschen Kultur- und Geisteslebens, auf der Straße, die zu den Höhen unseres Bolkstums führen; freuen wir uns, daß eine so große Strecke dieser Straße durch unsere Stadt führt und baß die rechten Wegewärter sich ihrer annehmen.

Unsere hohen Behörden beweisen immer wieder ihre Ge- schäftstüchtigkeit. Zur Hebung der Finanzlage der Stadt sollen jetzt die städtischen Teiche in den Anlagen und im Kurpark an Fischereiliebhaber verpachtet werben. Man will eben mit allen Mitteln eine Erhöhung der Bürgersteuer vermeiden. In diesem edlen Bemühen will auch die Bau- und Betriebsverwaltung nicht zurückstehen. Sie hat beschlossen, ihr erhebliches Lager in Stranb- badekarten in einem großangelegten Saisonschlußverkauf zu ver- äußern, da man annimmt, baß der von mir am Montag bereits erwähnte Brachtsche Erlaß, der am 1. November in Wirkung tritt, noch zu einer Belebung in dieser Branche führen wird. In diesem wässerigen Zusammenhang will ich nicht unerwähnt lassen, daß diese Lex Bracht insofern eine Milderung erfahren hat, als der Rückenausschnitt nunmehr bis zur Taillenlinie gestattet ist. Wenn das mit den Milderungen so weiter geht, bann werben sich uns zur kommenden Badesaison wohl erfreuliche Perspektiven eröffnen.

Nun muß ich unseren geschätzten Stadtvätern noch eine bereits etwas verstaubte Bitte vortragen und gebührend unterstteichen: Streicht den Anstrich des Rathauses nicht immer wieder aus dem Etat. Es muß doch mal gestrichen werden. Sonst sehe ich es noch kommen, daß der 1200jährige Geburtstag ohne Anstrich verstreicht und diesen Streich würden nicht nur die Anstreicher übelnehmen. Ich hoffe gern, daß nun bald der letzte Strich unter diese Angelegenheit gezogen wirb.

Nun noch eine Bitte und Warnung zugleich an unsere Jugend, vor allem an unsere Schuljugend. ES ist schmählich für alle guten Hersfelder, daß der Lollsruf tagsüber immer seltener zu hören ist. Damit ist es nicht getan, baß ber Ruf erst bann auflebt, wenn der ruheliebende Bürger die Vorhänge seines Schlafgemachs schließt. Auch nicht damit, baß nach' mitternächtliche KirmeSständchen prominente Persönlichkeiten an ber Ruhe schaben. Wir wollen den echten LollSruf von einer Jugend hören, wie wir es früher gewohnt waren. Laßt eS Euch von Euren Eltern erzählen, und wenn eS gar nicht mehr geht, muß in der Schule der Lollsruf als Pflichtfach eingeführt werden.

Volksgenossen, Bürgersleute!

Unsre schönste Lullusfreube, Die uns heilig ist und teuer, Unser einzig Lullusfeuer, Soll mit Wasser, soll mit Erben Ausgelöscht, begraben werben!

Was den Flammen warb zum Raube, Asche ward — bedeckt vom Staube Soll's nun breimalhundertzwounbsechzig Tage Ruhn im dunklen Schoß der Erde, Die eS hüte, die es trage. Bis ein neuer LollStag werde!

Schüttet in den Flammenschein Nun des Wassers TobeSstrahl, Und mit Erbd decket ein Feuer und verkohltes Holz, Während wir zum letzten Mal Rufen unser Bruder LollS!

Noch einmal schallten die letzten Bruder-LollSrufe

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über den Marktplatz, dann verlöschten mit dem Glocken- i schlag 6 die Flammen des Feuers. Hoffen und wünschen wir, daß das nächstjährige LulluSfeuer unter besseren Verhältnissen emporlodern möge.

Aus dem Hersfelder Gerichtssaal

Der Gespannführer B. von hier hatte im August die Lust bekommen, einmal Wein zu trinken. Er war deshalb in die hiesige Weinstube gegangen und hatte dort mehrere Stunden Wein getrunken. Als er auf die Straße kam, fing er an zu grölen und zu singen und außerdem vorbeigehende Frauen anzurempeln. Die Polizei hatte dies mitangesehen. Er hatte deshalb eine Strasverfügung über 6 M. erhalten. Gegen diese Strafverfügung hatte er Antrag auf gerichtliche End- scheidung gestellt. Gestern gab er an, von der ganzen Sache garnichts zu wissen. Der als Zeuge vernommene Polizeibeamte bestätigte die Anklage. B. behielt seine Geldstrafe von 6 M.

Die Gebrüder R. von Friedlos hatten im August dieses Jahres eine Bierreise nach hier unternommen, um Wiedersehen zu feiern. Sie hatten Schnaps in ge­höriger Menge getrunken und wollten dann noch im S. H. Bier trinken. Der Wirt verabreichte ihnen nichts mehr, und forderte sie auf, das Lokal zu verlassen. Sie taten das nicht und der jüngere Bruder ging auf den Wirt loS. Die ältere Bruder wurde von eitvm Gast abgehalten, sodaß er nichts unternehmen konnte. Der jüngere Bruder war nur zur Verhandlung gekommen, der andere war von der Verpflichtung zum Erscheinen entbunden, da er in Liegnitz wohnt. Auf Grund der Beweisaufnahme erhielt der jüngere R. eine Geldstrafe von 40 M. und der ältere eine Gefängnisstrafe von einer Woche, weil er ein gehörige» Vorstrafenverzeichnis hatte.

In der folgenden Privatklagesache hatten sich 2 verwandte Frauen beleidigt. Die Angeklagte bestritt, die Aeßerung getan zu haben. Ein Zeuge bestätigte jedoch die Beleidigung. Er hatte den Streit von An­fang an mitangehört. Die Angeklagte B. erhielt eine Geldstrafe von 25 Mark.

Her-feld. (Wählerlisten einsehen!) Wie bereits mitgeteilt ist, liegen die Wählerlisten für die am 6. November d. Js. stattfindende ReichStagSwahl bis einschließlich Sonntag, den 23. Oktober d. Js. im Rathause aus. Nur derjenige kann wählen, der in eine Wählerliste eingetragen ist. Es wird jedermann dringend empfohlen, sich davon zu überzeugen, daß sein Name in der Wählerliste aufgeführt ist.

Connefeld. Mittwoch mittag hat sich hier beim Dreschen in der Scheune des Landwirts Bingemann eine schrecklicher Unglücksfall ereignet. Während einer kurzen Einlegepause wollte das 19jährige Dienstmädchen Marie Kerste aus Wichte den Dreschtisch abkehren. Dabei sah sie nicht, daß sich die Schutzvorrichtung zu der Einwurftzstelle verschoben hatte. Bei einem Fehl- . .14^*^^ && MWdeu-r-üswärts urit dem Lutten Bein in die lausende Trommel. Obwohl Hilfe sofort zur Stelle war, und das Mädchen wieder herausgezogen wurde, war ihr doch bereits das Bein bis fast ans Knie abgerissen. Der mit dem Schuh bekleidete abge­quetschte Fuß kam dann zwischen dem Stroh wieder zum Vorschein. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde die schwer Verletzte nach dem Melsunger Kranken­haus gebracht.

Oberscheden. Zwischen Wellersen und Scheden gingen bei dem vom Landwirt Otto Wagener gelenkten und mit vier Frauen besetztem Wagen plötzlich die Pferde durch, wobei der Landwirt zu Boden gerissen wurde, Während zwei der Frauen sich durch Abspringyn retten konnten und nur leichtere Verletzungen erlitten, stürzten die beiden anderen Frauen ab, wobei sie schwer verletzt wurden. Die eine Frau erlitt einen schweren Schädelbruch und einen Bruch des Schulterblattes, die andere einen Beckenbruch.

Frankenberg. Nachts stiegen Diebe in das Haus des Spirituosengroßhändlers Dillhof ein. Riesige Mengen Kornsprit, Steinhäger, Eisenkannen mit Brannt­wein, auserlesene Weine, Sekt, Exttakte hießen die Burschen mitgehen. Einen großen Teil Dessertweine, Malaga, Extrakte usw. ließen sie einfach aus den Fäffern auslaufen und verschwanden mit reicher Beute für etwa 3000 Mark.

CarlShafen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Wege von Rheder nach dem in der Nähe liegenden Orte Tiedelsen. Der hiesige Bierverleger Ludwig Mushoff war mit einem Fuder Stroh unterwegs gewesen und wurde aus der Landstraße von einem Land­wirt in schwer verletztem Zustande aufgefunden. M. war von seinem eigenen Fuhrwerk überfahren werden und hatte eine starke Brustquelschung erlitten. Er w«rde in das Beverunger Krankenhaus gebracht, wo er an seinen schweren Verletzungen gestorben ist.

Das EirZsturzunglütt in St. Margrethen

Zehn Todesopfer des Unglücks.

.. St. Ma^rethen, 21. Oktober. Zu der Einsturzkata- strophe in der Kuhlhaus-A.-G. wird noch mitgeteilt, daß nn Lagerhaus etwa 49 Personen mit dem Rupfen von Suhnern beschäftigt waren, als plötzlich unter dem Druck gewaltiger Mengen von Mais die Decke zusammenbrach mrd aus d:e unten arbeitenden Personen niederstürzte. Die Menschen sind zum Teil erstickt und zum Teil durch Herab­sturzende Balken erschlagen worden.

Unter den Trümmern wurden bis jetzt zehn Todcs- opfer geborgen. Bei 15 Verletzten müssen die Verletzungen als schwer bezeichnet werden.

AusgekSärte Eisenbahnanschlöge

Die verhafteten Reichsbahnbeamten schon 1930 im Verdacht.

Berlin, 21. Oktober.

Zu der Verhaftung des Reichsbabninspektors Nord und des Reichsbahnsekretars Neth, die im Verdacht stehen, im Jahre 1930 die Anschläge auf der Strecke Braunschweig—Magdeburg angestiftet oder gar selbst verübt zu haben, werden folgende Einzelheiten bekannt: Im Jahre 1930 ereigneten sich auf der genannten Strecke immer wieder Anschläge, die zwar keinerlei Schaden anrichteten, aber doch zu einer allgemeinen Beunruhigung beitrugen.

Es wurden Schüsse auf Züge abgegeben, Steine und sonstige Hindernisse auf die Gleise gelegt.

Die Reichsbahn zog damals ein besonderes Bahnschutzkom­mando bei Braunschweig zur Bewachung der Strecke zu- ammen. Diese Dienststelle unterstand dem Reichsbahnin- pektor Nord bei der Reichsbahndirektion Magdeburg, bei )em auch der Reichsbahnsekretär Neth arbeitete. Trotz chärfster Ueberwachung konnten die Urheber der Attentate nicht ermittelt werden.

Es war aber ausgefallen, daß di Attentate aufhörten, wenn sich die Kriminalpolizei an den Ermittlungen be­teiligte, und daß sie wieder anfingen, wenn der Bahn- schutz allein arbeitete.

Merkwürdigerweise hörten sie ganz auf, als Nord bei der Auflösung der Reichsbahndirektion nach Berlin versetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft erließ Ende 1930 Haftbefehle gegen Nord und Neth, weil man den Verdacht hatte, daß die beiden Beamten die Attentate angestiftet oder in einigen Fällen auch selbst verübt hätten.

um die Daseinsberechtigung ihrer Dienststelle nachzuwei- sen und die nicht unerheblichen Zulagen für den umfang­reichen nächtlichen Streifendienst einzukassieren.

In den Verhören bestricken Nord und Neth jedoch jede Schuld und mußten wieder freigelassen werden. Nord war weiter in Berlin, Neth in Braunschweig tätig. Als nach der Auflösung der Reichsbahndirektion Magdeburg die Ge­schäfte dieser Behörde auf die Reichsbahndirektion Hannover übergingen, stellte man dort im Sommer bei einer Nach­prüfung der Bücher fest,

daß bei der von Reichsbahninspeklor Nord seinerzeit ge­leiteten Dienststelle der Bahnüberwachung zahlreiche Lohnlisten gefälscht waren. Die Veruntreuungen be- liefen sich aus etwa 10 000 Mark.

Weitere Ermittlungen führten zu dem dringenden Verdacht, daß Neth an den Unterschlagungen beteiligt war und falsche Lohnquittungen ausgestellt hatte, um die Veruntreuungen seines Vorgesetzten zu verschleiern. Nord wurde Anfang September auf'Grund eines Haftbefehls der Staatsanwalt­schaft Braunschweig verhaftet und nach Braunschweig über* führt, wo auch Neth festgenommen worden war.

Beide haben jetzt ein Geständnis abgelegt.

Es ist aber selbstverständlich, daß nach Aufdeckung dieser Ver­fehlungen jetzt auch die 1930 im Zusammenhang mit den Eisenbadnatteniaten gegen die beiden Beamten erhobenen Vormürfe wieder mit zum Gegenstand der Untersuchung ge­macht merben.

Einbruch in das Zittauer Stadt-Museum

Zittau, 21. Oktober. Das hiesige Stadt-Museum wurde in der Rächt von Einbrechern heimgesucht, denen Mufeums- gegenstände von unschätzbarem Wert in die Hände fielen. Besonders zu beklagen ist der Verlust von sechs wertvollen Taschenuhren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, die zum Teil in Silber und Gold getrieben und mit Emaillezifferblät- tern versehen sind. Meiler wurden zwei große goldene, mit Diamanten besetzte Monstranzen und ein goldener Kelch mit Deckel gestohlen. Außerdem nahmen die Einbrecher zahl­reiche Schmuckgegenstände — goldene Halsketten, Armbön- " Broschen usw. — mit, die es in Deutschland in dieser isführung nur in wenigen Stücken gibt.

Die Wetterausfichte«.

Die Ausläufer des nordatlantischen Tiefdruckgebietes beherrschen noch weiterhin unser Wetter, sodaß wir bei lebhaften Luftdruckschwankungen rasch zwischen Auf­heiterung und Trübung wechselnde Witterung behalten.

Witterungsaussichten für Samstag: Fortdauer des veränderlichen und zu Niederschlägen neigenden Wetters.

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Sammelbildern'

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