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Hersfel-er Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfel-

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckeret in Hersfeld, Mitglied des BDJV.

Nr. 245

Dienstag, den 18. Oktober 1932

82. Jahrgang

Englischer Appell an Deutschland

MacDonald zur Abrüstungsfrage

London, 18. Oktober.

Der Ausschuß der Nationalen Labour-Party gab zu ' Ehren des Premierministers ein Frühstück, das dadurch seine besondere Bedeutung erhielt, daß mit Ausnahme Runci- mans sämtliche Kabinettsmitglieder dazu erschienen waren.

Bei diesem Frühstück hielt MacDonald eine bedeut­same politische Ansprache, die er selbst als n e u e Erklä­rung der britischen Reg ierungspolitik in der Abrüstungsfrage bezeichnete. Die Regierung, so führte der Premierminister aus, könne sich Europa und die Welt ohne Völkerbund nicht vorstellen, und die englische Regierung wolle, daß die Abrüstungskonferenz einen tat­sächlichen Beitrag zu dem so dringenden Problem der Frie­denssicherung leiste; denn der Angelpunkt der britischen Politik sei nicht Wiederaufrüstung sondern Abrüstung.

Deutschland wisse genau, erklärte MacDonald, daß Eng­land sich seinem Anspruch auf die Gleichberechtigung nicht widersetze. Deutschland habe aber auch gewußt, daß England bestrebt war, die Gelegenheit zu nutzen, zwischen ihm und seinen Nachbarn Beziehungen stärkeren Vertrauens herzu­stellen. Das müsse jetzt im Interesse der Abrüstung und des Friedens geschehen. Der Premierminister betonte sodann, daß alles auf die Notwendigkeit hindeute, zu einer Verein­barung in der deutschen Forderung und aller ihrer einzelnen Punkte zu kommen.

Deutschland sollte an der Vorbereitung und dem Zu­standebringen dieser Vereinbarung sehen, daß seine Anwesen­heit an den Verhandlungen erforderlich ist, um mit allen Beteiligten Ansichten austauschen zu können und die Infor­mationen zu geben, die nötig sind. Deutschlands Abwesen­heit schließe die Gefahr in sich, daß seine Stellungnahme miß­verstanden werden kann.

Der einzige Wunsch, den die nationale Regierung habe, sei, daß Deutschland mitkomme, dam-t am Ende der Be- »MMmng-NWW iwwiii »w Avkupungsnmserenz geyen könnten, um zu sagen: Ihr seid steckengeblieben, da euch ge­wisse Dinge verhindert haben, vorwärts zu kommen. Wir haben die Hindernisse gemeinsam beseitigt, nun fällt eure Entscheidung!

Der Premierminister.betonte dann noch, daß Italien und Großbritannien die gleiche Ansicht über diesen Punkt haben. Auch Frankreich habe schließlich zugestimmt, mit Deutschland, Italien und Großbritannien zusammenzukom- men. MacDonald bedauerte zum Schluß, daß Deutschland nicht nach Genf gehen wolle. Er fügte hinzu, den Grund dpr deutschen Weigerung nur schwer verstehen zu können. Er hoffe aufrichtig, daß Deutschland sein letztes Wort noch nicht gesprochen habe.

Erneute Einladung - erneute Ablehnung

i Berlin, 18. Oktober.

Der englische Geschäftsträger Newton ist wieder beim Reichsaußenminister gewesen, um ihm nochmals die Einla­dung zu der Wächtezusammenkunft in Genf zu überbringen. Der Reichsaußenminister konnte ihm aber nur die frühere Antwort wiederholen, daß Deutschland aus den bekannten Gründen Gens als Ort der Konferenz ablehnen müsse.

Äusllaug in Gens Abschluß der 13. Völkerbundsversammlung.

Gens, 18. Oktober.

Die 13. Völkerbundsversammluntz hielt ihre Schluß­sitzung ab, in der zunächst die Berichte über das Budget und die Reform des Völkerbundssekretariats unverändert ein­stimmig angenommen wurden. Vor schwach besetztem Hause hielt sodann der Vorsitzende der Versammlung, P o l i t i s- Griechenland, die Schlußrede, in der er einen Ueberblick über die Arbeiten der Versammlung gab, dem scheidenden Gene­ralsekretär Sir Eric Drummond und den von ihren Posten zurücktretenden Untergeneralsekretären Dufour - - r o n c e - Deutschland und P a o l u c c i - Italien den Dank des Völkerbundes aussprach und zum Schlüsse kurz auf den Konflikt des Fernen Ostens und die Abrüstungskonferenz einging. Aus der Gegenüberstellung der verschiedenen Ten­denzen, die sich bemerkbar machten, ergebe sich, daß das Ab- rüstungsproblem drei Hauptgesichtspunkte aufmeife, die eng miteinander verbunden seien und die angepackt und gemein­sam gelöst werden müßten. Diese drei Punkte seien:

1. Maß der eventuellen quantitativen und qualitativen Rüstungsherabsetzungen gemäß den Ideen, die nach dem Hoover-Plan in der Resolution der Abrüstungskonferenz vopi 23. Juli dieses Jahres ihren Niederschlag gefunden ha­ben.

2. Organisierung des Friedens auf solchen Grundlagen daß die erzielten Rüstungsherabsetzungen in der Praxis be­achtet werden können und daß die Staaten in Allgemeinen Garantien ein Aequivalent für die besonderen Sicherheiten auf die sie verzichten würden, erhalten.

3. Der Grundsatz der juridischen Gleichheit, auf der das neue militärische Statut aller Staaten ohne Ausnahme be­ruhen werde, und dessen Tragweite und Anwendung genau bestimmt werden müßten. Bezüglich der Sicherheitsgaran- tien erwähnte Kolitis noch, daß es sich vor allem darum handele, die juristischen Konsequenzen aus dem Kellogg-

Ausklang in Genf

Pakt zu ziehen. Man sei nunmehr zu der Hoffnung berech­tigt, daß jetzt eine Verständigung über die Frage nicht mehr allzulange auf sich warten lassen werde.

FranMch-snaMe Entente?

Spanien soll Waffenlager des Völkerbundes werden!

London, 18. Oktober.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" glaubt mikteilen zu können, daß der französische Ministerprä­sident Herriot beabsichtige, bei seinem Besuche in Madrid Ende dieses Monats eine neue Entente zwischen Frankreich und Spanien zustande zu bringen.

Herriot hoffe, daß die hieraus sich ergebende diploma­tische Zusammenarbeit beider Länder nicht nur in Marokko, sondern auch in Genf und bezüglich der Sicherheit Frank­reichs im Mittelmeer Früchte zeitigen werde. Es werde er­wartet, daß Spanien auf der Abrüstungskonferenz bald als einer der wichtigsten Befürworter des Abrüstungs- und Si- cherheitsplanes Herriots auftreten werde.

In diesem Zusammenhangs sei es nicht bedeutungslos, daß französischerseits gerade Spanien als geeignetstes Arse­nal des Völkerbundes für schwere Geschütze, Tanks und Bombenflugzeuge vorgeschlagen worden sei!

Knndgebnng Mussolinis

Zum zehnten Jahrestag der faschistischen Erhebung.

Rom, 18. Oktober.

Auf der von schätzungsweise 25 000 Personen dicht ge­füllten Piazza Venezia hielt Mussolini eine Rede, in der er daran erinnerte, daß vor zehn Jahren, am 16. Ok­tober 1922, in einer von ihm selbst einberufenen Versamm- lung in Mailand die Erhebung beschlossen wurde. Die kürz- ltchen pol irischen Erfahrungen in einigen Ländern Europas zeigen uns, so rief Mussolini aus, wie unsere Stärke damals wie stets von Weisheit begleitet war. Mussolini führte dann aus, daß unter allen Erhebungen der neueren Ge­schichte die faschistische Erhebung die blutigste (?) gewesen sei, wobei er auf den Sturm auf die Pariser Bastille im Jahre 1789 und auf die russische Revolution hinwies. Die faschi­stische Revolution habe während dreier Jahre große Opfer an Blut gekostet, und dies erkläre und rechtfertige die abso­lute politische und moralische Jntransigenz der Faschisten. Nun, da man in das zweite Jahrzehnt des faschistischen Re­gimes eintrete. seien neue Marschdirektiven erforderlich. Ich bin, so betonte Mussolini, Euer Führer und bin wie stets be­reit, jede Verantwortlichkeit auf mich zu nehmen. Wir müssen hart gegen uns selbst sein, treu unserer Lehre und unserem Eide.

Alle diejenigen, welche die Krise durch Wundermittel beseitigen zu können glauben, befinden sich auf einem Irr­wege. Entweder ist dies eine periodische Krise im System, und dann wird sie behoben werden, oder es ist eine Krise des Systems, und dann stehen wir vor dem Uebergang aus einer Epoche der Zivilisation in eine andere. Dort, wo man vom Privatkapikalismus zum Staatskapitalismus über­gegangen ist, ist das allgemeine Elend einfach furchtbar.

Avenol Eeveralfelretär

Genf, 17. Oktober.

Der Völkerbundsrat hat in einer geheimen Sitzung den tellvertretenden Generalsekretär Avenol (Frankreich) zum Generalsekretär des Völkerbundes als Nachfolger Sir Eric Drummonds einstimmig gewählt. Die Bestätigung der Wahl wird durch die Vöikerbundsverfammlung im November er­folgen.

Dienstag Entscheidung in Leipzig?

Abschluß der materiellen Verhandlungen.

Leipzig, 18. Oktober.

Die materiellen Verhandlungen im Verfassungsstreit Reich Preußen wurden gestern abend beendet. Präsi­dent Bumke teilte mit, daß die Entscheidung nicht vor Dienstag nächster Woche verkündet werde. Er könne aber noch nicht saaen, ob überhaupt eine Entscheidung ergeben werde, oder ob die Verhandlung wieder eröffnet werden müsse.

In der Montag-Sitzung des Staatsgerichtshofes ver­trat Ministerialdirektor Dr. Schütze als Vertreter des Reichskanzlers in dessen Eigenschaft als Reichskommissar den Standpunkt, daß die preußische Staatsregierung die Klage nicht gegen den Reichskommissar, sondern gegen die kommissarische preußische Regierung hatte richten sollen. Er beantragte, die Klage der Minister gegen den Reichs­kommissar als unzulässig zurückzuweisen. Diesem Stand- punkt schloß sich auch Professor Iacobi an.

Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen kam es zu einem Zusammenstoß. Professor Schmitt von der Reichs­vertretung erhob sich zu einer Erklärung, die an Professor Heller gerichtet war. Er betonte, daß die Frage der soge­nannten Formalien in diesem Prozeß den Kernpunkt bilde. Er wies darauf hin, daß-es über die Landesgrenzen hin­weg straff organisierte Parteien gebe, die eine Bedrohung der Selbständigkeit des Einzellandes bedeuteten. (Große Unruhe bei der bayerischen und preußischen Vertretung.) Professor Heller rief:Das ist unerhört!".

Professor Schmitt fuhr darauf fort: Wenn der Reichs­präsident sich gezwungen sehe, gegen solche Gefahren vor- zugehen, dann handele er nicht im Widerspruch mit der Selbständigkeit des Landes. (Erneute Unruhe bei der bayerischen und preußischen Vertretung.)

Nachdem noch die Vertreter des Reiches und der Län­der ihren Standpunkt dazu erläutert hatten, wurde die Sitzung geschlossen.

Dr. Brüning spricht in Münster

Münster, 18. Oktober. Bei der Kundgebung der Deut­schen Zentrumspartei, in deren Mittelpunkt die Rede des E auM»-^. B. r u. u i u ü in Woci. Als der Versammlungsleiter nach den Ausführungen Dr. Kaas' eine kurze Pause ankündigen wollte, wurden die Rufe nach Dr. Brüning immer lauter, so daß dieser sich genötigt sah, das Podium zu einer kurzen Ansprache zu betreten. Er führte dabei u. a. aus: Ich kann es nicht für erforderlich ansehen, in einem Augenblick, wo es noch um die Existenz von Millionen geht, allzu abrup^an die Verfassungsreform Heranzugehen. Es ist nicht möglich, einem Volke die Staatsform mit Gewalt aufzuzwingen. Nichts ist wichtiger in Augenblicken wirtschaftlicher Gefahr, als gerade in bezug auf verfassungspolitische Entwicklungen klare und wohlbegrenzte Wege zu gehen. Das ist die Auf­gabe, für die wir in diesem Wahlkampf kämpfen müssen.

von Hoesch macht Abschiedsbesuche

Paris, 18. Oktober. Botschafter v. Hoesch ist von seinem Urlaub nach Paris zurückgekehrt. Er wird am Freitag vom Präside iten de Republik in Abschied amienz empfangen. Am Mittwoch Veranstalter Herriot zu seinen Ehren ein Frühstück, feilte verabschiedet sich Botschafter von Hoesch von der deutschen Kolonie in Paris. Am Montag begibt er sich dann nach Berlin. Er wird seinen Posten in London Ende des Monats antreten.

Wieder Krise in Rumänien

Das neue Kabinett zurückgetreten.

Sinaja, 18. Oktober.

Ministerpräsident Vajda hat dem König die Gesamt demisfion des Kabinetts, die vom König angenommen wurde, überreicht.

Nach der Audienz erklärte Ministerpräsident Vajda. daß der König ihn bis zur Bildung der neuen Regierung mit Der Wetterführung der Geschäfte betraut habe. Der König hat alsbald die Besprechungen zur Lösung der Krise begonnen und den früheren Innenminister Mihalaka zur Audienz ge rufen.

Vor einem Kabinett Maniu?

Bukarest, 18. Oktober. Der ehemalige Innenminister Mihalache erklärte nach der Audienz beim König, . er habe die Bildung eines Kabinetts Maniu als einzig mögliche Lösung empfohlen. Maniu wurde daraufhin er­sucht, nach Sinaia zu kommen, wo er morgen vormittag eintreffen wird. Wie in politischen Kreisen verlautet, ist es möglich, daß Maniu den Auftrag der Kabinettsbildung annimmt.

Wcrlmusmitgliti) filier Sanalg und Korridor

London, 18.Oktober. Das Parlamentsmitglied Eroß- ley schilderte in Manchester mit Bezug auf Danzig und den polnischen Korridor die erschreckenden Eindrücke, die er während einer Reise nach Ostdeutschland und Danzig er­halten habe. Croßley wies auf die Demüttgungen hin, die sich aus der Grenzziehung im Osten für Deutschland ergeben und betonte, daß in den letzten Jahren nicht weniger als 93 Grenzzwischenfälle vorgekommen seien. Er betonte, es sei Englands Pflicht, Frankreich zu zeigen, daß es gerade die Politik verfolge, die Deutschland zum Angriff treiben müßte. _