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Hersstlöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerel in Hersfelb, Mitglied des VDJV.

Nr. 240

Mittwoch, den 12. Oktober 1932

82. Jahrgang

Mekrrisntzliiij des geeinten Reiches

Bekenntnis des Reichskanzlers in München zum Förderalismus

Ä? Kderaliktischem Standpuvtt

Der Kanzlerbesuch in München.

München, 11. Oktober.

Reichskanzler von Papen traf, begleitet von Staats­sekretär Planck von der Reichskanzlei, Ministerialdirektor Marcks, dem Leiter der Presseabteilung der Reichsregierung, Ministerialrat Pukas und dem bayerischen Reichsratsbevoll­mächtigten Dr. von Pregsr, mit dem fahrplanmäßigen Schnellzüge um 8.20 Uhr im Münchener Hauptbahnhof ein.

Vor dem Empfangssalon hatten sich zur Begrüßung Ministerpräsident Dr. Held, Staatssekretär Neumayr vom Reichspostmimsterium und zahlreiche sonstige hohe Beamte eingefunden. Ministerpräsident Dr. Held begrüßte den Kanzler beim Verlassen des Wagens herzlich und stellte ihm die zum Empfang erschienenen Herren vor. Der Kanzler begab sich hierauf tzu Kraftwagen, begleitet vom Minister­präsidenten, zum Haus des Ministerpräsidenten, wo er Woh­nung nahm. Um 10 Uhr fand im Ministerium des Aeußeren die Vorstellung der bayerischen Staatsregierung statt.

Ministerpräsident Dr. Held bewillkommnete den Reichskanzler herzlich und fuhr fort:Mit dem Besuch bei der bayerischen Staatsregierung verknüpft sich das Be­kenntnis des Reichskanzlers wofür ich herzlich danke, das Bekenntnis, daß man in Berlin in der Reichsregierung un­ter Ihrer Führung die Selbständigkeit der Länder aner- kennt und achtet. Wir erblicken in dem Besuch des Reichs­kanzlers das Bestreben, die Fühlung mit den einzelnen Län­derregierungen zu übernehmen und zu halten in der Zeit der großen und geistigen wirtschaftlichen Not des deutschen Volkes.

M_^L^'MM W.iZM^"ll"°^ ausötud, daß das gesamte deutsche Volk zusammenstehen muß, wenn es gilt dieser Rot Herr zu werden. Ein zersplittertes Deutsch­land wird sie niemals meistern können. Außenpolitisch hängt alles von unserer absoluten Einigkeit ab. Rnr durch treues Zusammenarbeiten und Zusammenstehen ist das große Ziel zu erreichen, Deutschland außenpolitisch zu befreien und in- nenpolitisch zu einem wahrhaft einigen und glücklichen Volk zu machen."

Reichskanzler von Papen dankte für die freundlichen Worte und erklärte:

Mein Besuch soll mehr sein als eine formale Höflich­keit; er soll sein ein Symbol dafür, daß in der Tat gerade jetzt in den vielleicht schwersten Stunden der Rachkriegszeit wir nur dann zu den großen gemeinsamen Zielen weiter­schreiten können, wenn wir die Einigkeit zwischen dem Reich und den Ländern wiederherstellen, wie sie einstens gewe­sen ist.

Sie wissen, daß es von Anbeginn meiner Regierung an mein großes Ziel gewesen ist. mit den Ländern und durch die Länder, deren außerordentliche Wichtigkeit und Bedeu­tung in kultureller und völkischer Beziehung ich nie über­setzen und stets hoch anerkannt habe, das neue Reich zu bauen. Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, den paffenden Kontakt mit den Ländern zu pflegen und in offener Aus­sprache über die schwebenden Fragen die Meinungen aus- zutauschen, die auf dem schweren Wege vor uns liegen."

Der Reichskanzler empfing sodann im Ministerium des Aeußeren. In Gegenwart des Leiters der Presseabteilung der Reichsregierung, Ministerialdirektor Marcks, die Ver­treter der reichsdeutschen Presse. In einer kurzen Ansprache betonte der Kanzler, daß der Besuch, den er als Chef der Reichsregierung Bayern abstatte, eine sym­bolische Bedeutung habe. Die Reichsregierung sei sich dessen bewußt, daß die Lösung der großen und schweren Aufgaben, die vor uns liegen, nur möglich sei bei Zusammenfassung aller der wertvollen Kräfte des deutschen Volkes, die insbe­sondere aus der alten tausendjährigen Kultur der deutschen Länder strömten.

Die Reichsregierung habe vom ersten Tage an betont, daß sie bewußt auf föderalistischem Standpunkt stehe, daß die Lösung der großen Aufgaben, die ein neues Deutschland schaffen sollen, nur möglich sei, wenn man alle Kräfte zur Mitarbeit heranziehe. Richt ein öder Unitarismus oder Zentralismus, sondern nur ein Reich, das aus der Addition aller gewachsenen Kräfte geschaffen werde, sei die Parole der Reichsregierung.

Der Kanzler würdigte weiter die große Aufgabe der Presse, an dem großen Ziele mitzuwirken, das allen ge­meinsam sei, das Reich neu und größer auf einer Volksge­meinschaft aus dem Erlebnis des großen Völkerringens wiederaufzubauen. Weiln sein Besuch, so schloß er, dazu beitragen könne, so würde er darüber besonders erfreut sein.

Vom Ministerium begab sich der Reichskanzler nach dem Landtag zum Besuch des Landtagspräsidenten. Land­tagspräsident Dr. S t a n g begrüßte den Kanzler mit einer Ansprache, in der er besonders die Wirtschaftsnot unter­strich. Reichskanzler von Papen erwiderte, die Herren dürften gewiß sein daß die Belange Bayerns in Berlin immer ein offenes Ohr finden würden. Das Reich sei leider so arm wie die Länder; aber wenn es sich irgendwie ermög­lichen ließe, werde bestimmt den Ländern geholfen werden.

Der Kanzler besuchte weiter die Stadtverwaltung, den päpstlichen Nuntius und den Kardinal Faulhaber. Er legte auch einen Kranz am Gefallsnen-Denkmal nieder. An ein Frühstück beim Ministerpräsidenten schloffen sich politische Besprechungen mit der Bayerischen Staatsreaieruna an.

Papen; Appell an Die Länder s Empfangsabend beim Ministerpräsidenten Dr. Held.

München, 12, Oktober.

Im Palais an der Königin-Straße wurde vom Mi­nisterpräsidenten Dr. Held ein Empfangsabend zu dem Zwecke veranstaltet, eine Fühlungnahme des Reichskanzlers mit den Vertretern der bayerischen Wirtschaft, Wissen­schaft, Politik, Kunst und Schrifttums zu ermöglichen. Der Reichskanzler erklärte, die Reichsregierung sei entschlossen, aus den kulturellen Kräften der Länder den Nutzen zu ziehen, der aus ihnen gezogen werden müsse, wenn das deutsche Volk den Weg nach aufwärts wieder . finben solle. Dieser Weg erfordere die Zusammenfassung * aller Energie. Der Reichskanzler gab zum Schluß seiner Erwartung Ausdruck, daß die Krise bald überwunden sein werde und daß es Deutschland vergönnt sein könnte, die junge Generation wieder einer besseren Zukunft entgegen zu führen.

Ausschuß gegen Regierung

Die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. 1

Berlin, 12. Oktober.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags trat zusam­men, um über Lausanne, Abrüstungsfrage und Völkerbunds­tagung zu beraten. Den Vorsitz führte Abg. Dr. Frick (Äaifüöj. Don der Regierung war fein Vertreter erschienen, ' dagegen nahmen von den Ländervertretern Hamburg und Thüringen an der Sitzung teil. Von den Parteien fehlten allein die deutschnationalen Ausschußmitglieder, während alle übrigen Parteien Vertreter entsandt hatten. Vom Zentrum war nur der Abg. Dr. Bell erschienen. 1

Der Vorsitzende Dr. Frick (Nat.-Soz.) gab Kenntnis von dem Schreiben in dem er den Reichsaußenminister zu der Ausschußsitzung eingeladen habe, sowie von der Antwort des Reichsaußenministers, in der dieser darauf Hinweise, daß die Tagung der Völkerbundsversammlung noch nicht beendet sei, daß er aber auch sonst nicht im Ausschuß erscheinen könne, solange nicht die bekannte Frage der Teilnahme der Reichsregierung an den Ausschüssen des Reichstags ge­regelt sei.

In der Geschäftsordnungsaussprache, die sich daran i schloß, wurde von verschiedenen Fraktionen der Standpunkt vertreten, daß eine sachliche Aussprache über die Beratungs- gegenftände ohne Anwesenheit der Reichsregierung nicht dem Sinn und Zweck des Auswärtigen Ausschusses entspre­chen würde.

Der Ausschuh nahm schließlich eine Entschließung an, in her die Regierung wegen ihres Fernbleibens scharf ange­griffen wird. Das Wohl der Ration verlange die alsbaldige Beendigung des jetzigen Zustandes.

Für diesen Antrag stimmten außer den Antragstellern auch die Sozialdemokraten, die dazu erklärten, es sei eine eigenartige Feier des Harzburger Tages, daß die Sozial- bemofraten in die Lage versetzt würden, einem von den Na­tionalsozialisten gegen eine sogenannte nationale Regierung eingebrachten Antrag zuzustimmen. Die Kommunisten er­klärten, daß sie sich an der Abstimmung nicht beteiligen würden.

Ein amtliches Dementi

Berlin, 12. Oktober. Zu Mitteilungen über angebliche Beziehungen zwischen der Reichsregierung und der kürzlich aus privater Initiative hervorgegangenen Werbezentrale Volksdienst" wird von amtlicher Seite erneut festgestellt, daß zwischen amtlichen Stellen und der Werbezentrale Volksdienst" weder organisatorische noch finanzielle Zu­sammenhänge irgendwelcher Art bestehen. Der kurze Be­such des Reichskanzlers von Papen auf der Montag-Ta­gung der Werbezentrale in Berlin entsprach lediglich einer Höflich^eitspflicht gegenüber der Einladung der Beran- stalter.

Wieder einmal Crenziideefliegung

Trier, 12. Oktober. Ein französischer Militärdoppel­decker, der aus Richtung Dieteuhofen kam, überflog Diens­tag, kurz nach 16 Uhr, den deutschen Grenzort Perl an der Mosel. Nach mehrmaligem Kreuzen über Ober-Perl flog der Apparat über luxemburgisches Gebiet nach Frankreich Sinnet Der Vorfall "wurde den deutschen Behörden ge­meldet.

*

Wie die amtliche Grenzflugüberwachungsstelle mit- teilt, ist dort von einer Ileberfliegung Perls durch einen französischen Militärdoppeldecker nichts bekannt. Miller- dings sei es leicht möglich, daß junge französische Flieger die Grenzecke bei Perls überfliegen.

LMmer Aussprache erweitert?

Angeblich Einladung des Reichsaußenministers.

Paris, 12. Oktober.

Wie aus London gemeldet wird, habe man in offiziellen englischen Kreisen die Ansicht geäußert, daß der englisch» Premierminister MacDonald im verfolg seiner Fühlung­nahme mit dem französischen Ministerpräsidenten Herrioi vielleicht Reichsaußenminister von Reurath einladen werde, nach London zu kommen. Auch beabsichtige der englisch» Ministerpräsident, mit der italienischen Regierung durch Vermittlung des italienischen Botschafters in London, Grandi, Fühlung zu nehmen.

Einzelheiten des französischen Planes

Ueber den Inhalt des französischen Planes berichtet der in Genf weilende Außenpolitiker desPetit Parisien". die Bestimmungen des Planes erinnerten an das Locarno- Abkommen. Der französische Plan enthalte zurzeit fünf Ele­mente, und zwar

1. ein allgemeines Abrüstungsabkommen,

2. einen allgemeinen Konfultaliopakt,

3. ein regionales Abkommen über den Beistand, die Sicherheit und die Kontrolle,

4. ein Abkommen über die allmähliche Schaffung einet internationalen Streitmacht,

5. ein Protokoll über die Anwendung des Grundsatzes der Gleichberechtigung.

Petit Parisien" hebt von den Einzelbestimmungen des ranzösischen Planes hervor, der Plan mache den vertrag- chließenden Teilen zur Pflicht, im Konfliktssalle nicht nur ofort zusammenzutreten, um die Lage zu prüfen sondern n dem Falle, daß die kriegführenden Staaten auch zu den Unterzeichnern des neuen Paktes zählen würden, binnen 48 Stunden die Feindseligkeiten einzustellen. Wenn die am Konflikt beteiligten Staaten dem nicht nachkämen, würden sämtliche obligatorischen Verpflichtungen, die alle vertrag­schließenden Teile binden, in Kraft treten. Für die euro­päischen Staaten würde es sich natürlich um die in verschie­denen bereits bestehenden Pakten vorgesehenen BecklvndL- maßnahmen (Völkerbvndsstatüt, Locarno-Abkommen, regio­nale Beistandsabmachungen) usw. zugunsten des Staates handeln, der ein Opfer eines nicht provozierten Angriffes wäre; für Amerika würde es sich darum handeln, aus den Vorteil und das Vorrecht der Neutralität zu verzichten. Uebrigens stelle der französische Plan den Grundsatz auf, daß die vertragschließenden Teile sich nicht vor eine vollendete Tatsache stellen lassen sonnten. _ _

London, 12. Oktober. Der amerikanische Delegierte aus der Abrüstungskonferenz, Norman Davis, hatte eine ein- stündige Besprechung mit MacDonald, deren Gegenstand die Erörterung der Unterschiede zwischen dem britischen Abrüstungsplan und dem tzoover-Plan gewesen sein soll, Die politischen Kreise bringen den Besuch mit der geplan­ten Vier-Mächte-Konferenz in Verbindung und meinen, er werde für diese förderlich sein.

Das Hauptinteresse konzentriert sich jedoch auf den b«> vorstehenden Besuch Herriots, der heute abend in London erwartet wird. Wie verlautet, hat sich auch die gestrige Kabinettssitzung in erster Linie mit der deutschen Gleichbe­rechtigungsforderung befaßt.Evening Standard" weiß zu berichten, daß Herriots Besuch in London weniger der Erörterung der deutschen Gleichberechtigungsforderung dienen solle, als der Information MacDonalds über die Einzelheiten des neuen französischen Abrüstungsvorschla­ges. Das Blatt wendet sich dagegen, daß irgendwelche ,, O st l o c a r n o p I ä n e " in die Debatte geworfen würden.

Daubmann ist ein Schwindler!

freiburg, 12. Oktober. In der Angelegenheit des Os« a u b m a n n aus E n d i n g e n scheint eine sensatio­nelle Wendung eingetreten zu sein. 3m Verlaufe der letz­ten Zeit haben sich mehrere Persönlichkeiten bei den be­hördlichen Siesten gemeldet, darunter ein ehemaliger Fremdenlegionär aus Essen a. d. Ruhr, dem Oskar Daub­mann am Montag abend in Eudingen gegenübergestellt wurde. 8m Verlaufe der weiteren Feststellungen wurde Daubmann gestern auf einer Vortragsreise ermittelt und zur Vernehmung auf die Polizeidirektion Freiburg i. B. gebracht. Ueber diese Vernehmung durch die Beamten des Landespouzeiamtes Karlsruhe wurde amtlich noch nichts mitgeteilt, doch dürfte mit größter Sicherheit feststehen, daß die Vernehmung die

Unrichtigkeit der Angaben Daubmanns ergeben hat. Es wird sogar angedeutet, daß Oskar Daub­mann gar nicht der wirkliche Oskar Daubmann ist, sondern ein Schwindler, der es verstanden hat, Viele zu täuschen. Das Gerücht, daß Daubmann in Polizeigewahrsam ge­nommen wurde, dürfte ebenfalls zutreffen. Jedenfalls haben die verschiedenen Gegenüberstellungen Daubmanns mit anderen Persönlichkeiten ihn außerordentlich schwer belaste». Ein besonderes Beweisargument dafür, daß Daubmann nicht Oskar Daubmann sein solß sollen auch Fingerabdrücke sein, die bezüglich der wirklichen Person des Daubmann gewisse Schlüsse zulasfen.

*

Freiburg, 12. Oktober. Wie aus zuverlässiger Quelle verlaute', hat der angebliche Oskar Daubmann bei sei­nem Verhör durch Beamte des Landespolizeiamtes Karls­ruhe gestanden, nicht der wirkliche Oskar Daubmann zu sein. Er gab zu, daß feine Angaben nicht in allen Teilen auf wirklichen Erlebnissen beruhen.Oskar Daubmann" ist verhaftet worden.