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Das Gesicht als Spiegel des Erlebens!

Haben Sie jemals in einem Theater während der Vor­stellung nicht nur die Darsteller und deren Mimik, sondern auch die Gesichter der Zuschauer be­trachtet? Das ist, wenn man nur recht genau beob­achtet, wirklich ein Theater innerhalb des Theaters!

Freude, Schmerz, Wehmut und Sehnsucht der han­

Das Kind vor dem Gabentisch: Das Gesscht- chen zeigt die erfüllte Erwartung

delnden Schau­spieler spiegeln sich getreu im Ausdruck des Publikums. Zwar sitzen ihre Körper ruhig und scheinbar vollkom­men beherrscht auf den Bänken aber die Gesich­ter! Da ver­folgt zum Bei­spiel einer aus der Menge mit ^wachsender Spannung — auf dem Antlitz

deutlich lesbar — den Gang der Spielhandlung: Wird der Heldendarsteller seine Feinde besiegen? Die ihm gestellte Falle bemerken? — Nun der Höhepunkt des Spiels! Und die Augen des Zuschauers werden starr, und saugen die Bühne gleichsam ein, die Faust ballt sich un­bewußt. Das Kinn wird vorgestreckt. Der Hals eingezogen. Die Zähne zusammengebissen: Wird er siegen? Er muß siegen! Er siegt wirklich!! Und wohlig ermattet gleiten mit ihm hundert Zuschauer wieder auf die Sessel, ihre Gesichter werden verschlossen und beherrscht.

Noch deutlicher spiegeln die Gesichter die Erregung und Gespanntheit ihrer Besitzer bei großen sportlichen Veran­staltungen, auf denen die Losung: Rekord! heißt. Da ver­folgt so mancher die Loopings unb Rollings und Sturz­

flüge der Kunstflieger mit einer Gebanntheit, die geradezu erschreckend wirkt. Den Kopf nach oben gerichtet, die erlo­schene Zigarette noch im Mund, versteinert schließlich das Antlitz zu einer Art Starre, durch die doch jeder eine nur mühsam gebändigte Erregung spürt.

Autorennen: Die schmalen, weiß und rot lackierten Renn­wagen donnern ohrenbetäubend Kurve um Kurve, schwer fällt es, in diesen rasenden Gefährten noch den Menschen wahr­zunehmen, der das beherrschende Steuer umkrampft. Wir wissen um die Gefährlichkeit dieser Jagd mit dem Tod — und der Zuschauer auch. Der Rumpf zwar steht fest und sicher auf seinem Platz — doch das Antlitz kennt nicht sich selbst: Unab­lässig verfolgen die Augen Runde um Runde, in ihnen spiegelt sich jede gefährliche Sekunde, und schließlich weicht die atem- heklemmende Spannung mühsam verhaltenem Jubelgeschrei, wenn es so aussieht, als „mache" der geheime Favorit das Rennen.

Ganz anderer Art, aber nicht geringer ist die Erwartung derer, die sich im großen Ziehungssaal der Preußisch-Süd­deutschen Klassenlosere eingefunden haben. Hier sitzen sie ja gleichsam an der Quelle des Glücks, und in jedem einzelnen Gesichte spiegelt sich die berechtigte Frage: Warum soll ich nicht dieses Mal das Glückskind sein, bem Fortuna für ein paar Mark Einsatz ein kleines Vermögen schenkt? Vor der

Vor dem Lautsprecher: Der Zuhörer ist völlig im Bann der Worte, die aus dem Trichter strömen

großen Lostrommel ist alles gleich . . .

Vielleicht am ausdrucksvollsten aber ist der Ausdruck des kindli­chen Antlitzes. Wer kennt nicht die Gesichter unserer Kleinen, wenn sie schüchtern-freudig durch die Türspalte den Tannenbaum betrachten in seinem gleißenden Kerzenlicht, wenn sie vor dem Gabentisch stehen und die Herr­lichkeiten bewundern, die nun ih­nen gehören sollen. Staunend und still können sie fast ihr Glück nicht fassen.

Gespannt blicken die Passanten nach dem Flieger, der über dem Häusermeer ver­wegene Loopings schlägt

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