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Dr 23i.

Reisfelder Tageblatt

2. Blatt.

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Hindenburgs Ehrentag

Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hinbeuburg vollendet sein 85. Lebensjahr

Hitler Hindenburs!

Zu seinem 85. Geburtstage am 2. Oktober 1932.

Man kann es nicht besser sagen und nicht kürzer aus­drücken, was Hindenburg unserer Zeit, unserem Volke und seiner Geschichte bedeutet, als mit den zwei Worten: Unser Hindenburg! Darin sind eingeschlossen die Liebe, die Ver­ehrung, die Hochachtung und die Bewunderung vor der Größe dieses Mannes, der in die Geschichte des deutschen Volkes hineinragt wie eine Eiche, sturmerprobt, festwur- ' zelnd, ein Sinnbild von Kraft und Stärke, Treue und Aus- ; dauer, Bewährung und Schutz. Seit jenen schicksalsbangen > Stunden in Ostpreußen sind der Name und die Persönlichkeit Hindenburgs zum Symbol geworden und es geblieben: über die Schlachtfelder des Weltkrieges hinweg, während der grauenvollen Erschütterungen eines gigantischen Zu- sammenbruchs dann, als es galt, unser Volk durch die Nach­wehen der großen Katastrophe zu bringen, und erst recht heute wieder, wo wir nicht nur um unsere Weltgeltung ringen, um unseren guten Namen als Kulturvolk, sondern auch um des Leibes Nöte, um Arbeit und Brot.

Es geht eine eigenartige Wirkung von seiner Persön­lichkeit aus: eine Ruhe, die nicht Schlaffheit ist, sondern im Bewußtsein seiner Sendung verharrende Kraft; Güte, die sich nicht in einem freundlichen Lächeln erschöpft, sondern väterlich sein will, und schließlich jenes tiefe Wissen um Men­schen und Dinge, das nicht die bloße Summe von Erfahrun­gen eines reichbewegten Lebens auf der Höhe der Mensch­heit ist, sondern Weisheit wurde in dem Sinne, wie die Alten von der Weisheit als göttlicher Tugend sprachen. Wir spüren es: hier ist nicht etwa nur ein Programm, sondern ein Begriff; hier ist ein Mann, ein Führer!

Als militärischer Führer trat Hindenburg erstmalig in das Bewußtsein Deutschlands und der Welt. Als militäri­scher Führer hat er das Größte erlebt, was ein Heerführer immer nur erleben kann: Siege, vor denen die Welt stau­nend stand, und die für alle Zeiten in der Menschheits­geschichte eingegraben sind. Aber auch das Schwerste ist ihm nicht erspart geblieben, nämlich mit seinem Namen die größte Niederlage der Weltgeschichte verknüpft zu sehen. Und hier zeigt sich die wahre Größe Hinden­burg s, hier wird offenbar, daß er ein Führer ist, für den der Name „Führer" nicht nur eine Rangbezeich­nung bedeutet, sondern dem die Führerschaft eine gottgesetzte Aufgabe ist, die nicht nur in glücklichen Stunden gelöst zu werden braucht, sondern gerade in der. ganz dunklem und dann erst recht. Andere, nicht mindergränzende Sterne am Himmel militärischer Füh'reffchaft sind darüber zchammen- gebrochen, haben mit dem Schicksal kleinlich gehadert, sich grollend zurückgezogen, zeigten sich in schwersten Stunden bar gerade der letzten Führerqualität, hatten nicht dieses „Im Unglück nun erst recht!" Hindenburg stand. Er er­trug das Schicksal, und so trug ihn das Volk. Auch in den kritischsten Stunden des Zusammenbruchs brauchte ein Hin­denburg vor dem Volke nicht zu zittern. Auch nach der Katastrophe blieb ihm jenes Vertrauen, das ein Volk un­abhängig vom äußeren Erfolg oder Mißerfolg immer dä schenkt, wo es instinktiv fühlt, daß da trotz allem und allem ein Mann steht, der nicht sich sucht, nicht seine Person, son­dern die Sache, das Vaterland, das Volk.

So war es eigentlich auch nur eine innere Logik, wenn sich das Volk diesen Mann an die höchste Stelle berief, die es zu vergeben hat, und ihn zum Reichspräsidenten erwählte. Und nicht nur ein Mal, sondern auch zum zweiten Male. „In Treue zu dienen bis zur letzten Kraft!" Damit, ist das Präsidentschaftsprogramm Hindenburgs er­schöpfend umrissen. Zu dienen, nicht zu herrschen und zu beherrschen: diese tiefste Auffassung von Menschenführung und Menschenlenkung hat Hindenburg auch als Reichsprä­sident zum Leitstern sich erwählt. Dienen heißt, innerlich demütig sein, auch an der höchsten Stelle; dienen heißt, treu sein, nicht sich suchen, sondern die Pflicht, nicht boS Wohl einzelner, sondern des ganzen Volkes, nicht nur in glück­lichen Umständen, sondern gerade in Zeiten der Not. Wer ohne Voreingenommenheit das politische Geschehen auch unserer Tage daraufhin überprüft, wird voller Ueberzeu­gung sagen können, daß ein Hindenburg zu diesem seinem Präsidentschaftsprogramm gestanden hat und steht

Aus dieser Geschlossenheit seines Charakters und Wol- lens fließen die Kraftströme, die Hindenburg befähigt ha-

-Unsere VerleidigyMMttel unzureicheNd".

ben, seine geschichtliche Sendung am deutschen Volke zu er­füllen, nämlich ein Symbol unserer Einheit zu sein. Es bedarf nicht erst der Geschichtsforscher späterer Zei­ten, wir sind uns jetzt schon über diese historische Wirkung Hindenburgs auf unser Volk klar. Uns genügt die Erwä­gung, was wohl gewesen wäre, wenn nicht ein Hindenburg in so mancher kritischen Stunde als getreuer Eckart auf der Wacht gewesen wäre. Wo er war, hatte man auch in noch so zugespitzter Lage die beruhigende Gewißheit, daß da ein Mann steht, der, getreu seinem geschworenen Eide, nur die eine Sorge kennt, dasWohl desVolkes und seine Einheit!

Wenn wir so heute seiner an seinem 85. Geburtstage gedenken, geschieht es mit dem Wunsche für ihn und für uns: noch lange zu bleiben, was er ist:

Unser hindenburg! v •

„Ich muß noch einmal die Schlacht von Tannenberg schlagen." Mit diesen Worten gab Hindenburg im Frühjahr dieses Jahres seine Entscheidung bekannt, noch einmal zur Präsidentenwahl zu kandidieren. Er hat es — vielleicht zum ersten Male in seinem Leben — erst nach langem Ringer mit sich selbst getan, da er sonst immer ein Mann kurzer Entschlusses ist. Auch bei den allerschwersten Entscheidunger bedurfte es meist nur weniger Sekunden der Ueberlegung um seinen Entschluß zu fassen. Wir wissen alle, aus welcher Gründen er damals sich für ein Verbleiben auf dem Präsi­dentenposten entschied. Er hatte nur ein Ziel, das ihm Zeit seines Lebens vor Augen stand: dem Vaterland zu dienen. Das hat vor Jahren einst der Madrider „Herold" mit den Worten treffend gesagt: „Kein Deutscher kann Hin­denburg etwas vorwerfen. Er ist Soldat, d^h. ein Mann der auf jedem Posten, auf den er gestellt wird, seine Pflicht tut."

Es ist richtig: Hindenburgs Name, seine Person und seine bisherige Arbeit traten erst mit Tannenberg in das Blickfeld der großen Oeffentlichkeit. Aber mit Tannen­berg war Hindenburg der Retter, der Schlachtenlenker, er war der Mann in Deutschland, dem man auf allen Seiten unbegrenztes Vertrauen entgegenbrachte. Als im August 1916 die militärische Lage Deutschlands im Westen alles andere denn befriedigend, zudem die Ernte außerordentlich schlecht war, berief der Kaiser Hindenburg in das Große Hauptquartier. Der Kaiser legte ihm in einem längeren Vortrag die militärische Lage auseinander und fragte ihn, ob er bereit sei, als Chef des Stabes die Leitung im Westen zu übernehmen. Hindenburg traf dies Angebot überraschend. Seine Antwort war nach nur sekundenlanger Ueberlegung ein kurzes Kopfnicken. Der Kaiser, von der Schwere der Aufgabe überzeugt, die Hindenburg auf sich zu nehmen be­reit war, sagte ihm das mit dem Hinzufügen: „Bisher waren Sie nur Sieger, Exzellenz!" Die Antwort, die Hindenburg darauf gab, ist kennzeichnend für feine ganze Einstellung im Dienste am Vaterland, wenn er sagte: „Meine Person ist ohne jede Bedeutung. Es geht nur um Deutsch­land!"

So haben wir Hindenburg als Heerführer kennengelernt, und so hat er sich uns in den Jahren seiner Präsidentschaft gezeigt. Alle seine Ueberlegungen, alle seine Entscheidungen, alle seine Mahnungen und Warnungen entsprangen nur immer dem einen Wunsch: dem Vaterland, dem deutschen Volke zu dienen. Wer Gelegenheit gehabt hat, Hindenburg in der Vorkriegszeit kennenzulernen, der kennt von ihm den einen wesentlichen Charakterzug: Ob es Offizier oder Soldat war, wenn der Betreffende eine Erklärung für sein Handeln zu geben wußte, wenn also eine Tat, eine Handlung einer klaren Ueberlegung entsprang, dann mochte sie selbst falsch sein, sie fand doch die Anerkennung Hindenburgs. Er mochte keine Maschinen, kein mechanisches sondern über­legtes Handeln. Bei Truppenübungen und Truppenbesichti- gungen fand er immer freundliche Worte für die Soldaten besonders dann, wenn sie nach der Erfüllung schwerer Auf­gaben stramme Haltung und jenen urwüchsigen Soldaten­humor erkennen ließen, der bekanntlich den deutschen Sol-

oaten noch immer ausgezeichnet hat. Gefürchtet war die Kritik Hindenburgs. Dem Armeeführer, der während einer Uebung oder während eines Manövers fast wortlos den Bewegungen der Truppen zuschaute, war nichts entgangen, vor allem nichts, was sich im Ernstfälle als schwerer tak­tischer Fehler ergeben hätte. Jedes vorwitzige Hervortreten eines Unterführers aus der notwendigen Deckung gegen Sicht war von dem scharfen Auge Hindenburgs wahrgenom­men worden und wurde in der Kritik zur Sprache gebracht.

Hindenburgs Person hat in den letzten Monaten stark im Vordergrund allen politischen Geschehens gestanden. Es ist versucht worden, ihn gewissermaßen parteimäßig auf ein Programm festzulegen. Er hat das in seiner bekannten Rundfunkansprache vom 10. März mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Er will das Symbol der Einheit des Deutschen Reiches, des Willens zu deutscher Freiheit sein. Dafür will er seine letzte Kraft hergeben. Wenn einer von sich sagen darf, daß er seiner Auffassung, seiner Aufgabe und seinem Ziel treu geblieben ist, dann Hindenburg. Parteien haben ihre Meinungen und ihre Ziele geändert, Hindenburg nie. Er ist sich und dem deutschen Volke immer treu geblieben. Auch dort, wo sich die Mei­nungen trennten, hat er niemand zurückgestoßen, der für des Vaterlandes Beste sich einsetzte.

Kann das deutsche Volk seinen Hindenburg je vergessen? Diese Frage ist vielleicht da und dort erhoben worden in einer Zeit, in der alles im Ausbruch, in Gärung, in Um­bildung begriffen ist. Wer je über Hindenburgs Ziel im unklaren sein sollte, der sollte an die Stätte sich begeben, wo Hindenburg seine entscheidenden Taten zur Rettung des Vaterlandes aus Feindesnot begann, wo das wuchtige Denk­mal für die Tapferen der Tannenbergschlacht von der über­ragenden Größe deutschen Kämpfermutes, deutschen Frei- Heitswillens und deutschen Einheitsgedankens Kunde gibt.

In der Zusammenfassung aller nationalen Kräfte liegt das Geheimnis des Erfolges, wie wir ihn auf den ostpreußl- schen Fluren von Tannenberg erlebten. Zäher Wille, klares Ziel und unwandelbare Treue zu Volk und Vaterland find notwendig, um die Freiheit Deutschlands zu erreichen. Das alles liegt in dem Wort Hindenburgs, mit welchem er feine Entscheidung, die schweren Pflichten des Reichspräsidenten über seine erste Amtszeit hinaus weiter zu übernehmen, bekanntgab: „Ich muß noch einmal die Schlacht von Tan­nenberg schlagen!" Es liegt in der Eigenheit des Deutschen, daß er den Wert seines Besitzes nicht erkennt oder aner- ÄÄ^^ fonlichkeit das deutsche Volk in Hindenburg besitzt, weil seine Person, seine Taten und sein abgeklärtes, treffendes Urteil die Weltgeschichte in positivem Sinne beeinflußt haben. Neben Bismarck und dem alten Kaiser hat das deutsche Volk wohl kaum einen Staatsmann, eine Persönlichkeit hervor­gebracht, die so die deutsche Nation in ihrem Wollen und ihrem Tun, in ihrer Freiheitssehnsucht und in ihrem Frei- Heitskampf versinnbildlicht hat wie Hindenburg Welch star­ker Glaube in Hindenburg an das deutsche Volk lebt, hat er in einem Brief niedergelegt, den er in Deutschlands ernstester Schicksalsstunde schrieb: „Ich habe das Helden­ringen meines Vaterlandes gesehen und glaube nie und nim­mer, daß es sein Todesringen gewesen ist."

Und weil Hindenbyrg uns in der Treue zu feinem Volk all die Jahre von Tannenberg an die Wege geebnet hat, weil er nichts kennt als die Pflicht und die Freiheit Deutschlands, deshalb sollte das deutsche Volk an feinem 85. Geburtstag nur einen Wunsch und ein Gebet kennen: Der Himmel erhalte uns noch lange unse­ren Hindenburg!