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Hersfslöer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfetd, Mitglied des BDIV.

Nr. 227

Dienstag, den 27. September 1932

82. Jahrgang

DieAbrüstungsarbeiten vertagt

Schwierigkeiten wegen Fernbleibens Deutschlands zusammenkunst Herriot mit Simon

Gens, 27. September.

Das Büro der Abrüstungskonferenz beschloß, die Ar­beiten vorläufig bis zum 10. Oktober zu unterbrechen.

Henderson teilte mit, daß der Vorsitzende des Luftfahrt­ausschusses der Konferenz de Madariaga beauftragt worden sei, bis zur nächsten Sitzung einen Bericht über das Verbot der Luftangriffe gegen die Zivilbevölkerung und im Zu­sammenhang damit über Kontrollmaßnahmen für die Zivil­luftfahrt vorzulegen.

Eilige Abreise Simons aus Genf

Herriot gibt ausweichende Auskünfte.

Genf, 27. September.

Die angecündrgte Besprechung zwischen dem englischen Außenminister Sir John Simon und dem französischen Ministerpräsidenten Herriot fand gestern abend kurz nach der Ankunft Herriots im Hotel der französischen De­legation statt. Die Besprechung dauerte etwa dreiviertel Stunden. Simon begab sich unmittelbar darauf in größter Eile zum Bahnhof. Man hatte den Eindruck, daß die Besprechung nicht zu Ende geführt wurde. Der englische Außenminister ist mit dem Nachtzug nach London zurück­gekehrt. Er wird für Ende der Woche wieder in Genf zurückerwartet.

Herriot wich Fragen, die nach Schluß der Bespre­chung an ihn von Pressevertretern gestellt wurden, aus. Auch auf die Frage, ob er den deutschen Außenminister sehen we de, gab er keine bestimmte Antwort. Er erklärte, daß er für seinen Aufenthalt in Genf noch kein bestimmtes Programm habe. Es scheint auch noch keine Entscheidung darüber getroffen zu sein, ob Herriot in der Völkerbunds-, versammluna red^n Ed. ÜX^^>

uno enoguitige Negekung Des Streites bilden und daß bei Völkerbund siegreich aus diesem Konflikt hervorgehen werde Sehr ausführlich setzte sich de Valera sodann mit der Kritil auseinander, die in immer stärkerem Maße an der Tätig­keit des Völkerbundes geübt werde.

Sie Well, so erklärte de valera, werde ungeduldig, und m-an beginne, sich zu fragen, eh die mageren Ergebni^e die maleriellen Aufwendungen noch lohnten. Man rönne ruhig zugeben, daß ein Teil der Vorwürfe unberechtigt sei, aber der Völkerbund befinde sich nun einmal gegenüber der öffent­lichen Meinung in der Rolle des Angeklagten. Das einzige Mittel, um die Kritiker zum Schweigen zu bringen, erklärte de Sstera, fei, zu zeigen, daß der Völkerbundspakk ein feier­licher Vertrag fei, dessen Verpflichtungen sich kein Staat enk- ziehen dürfe. Das Wettrüsten könne nur vermieden werden, wenn die nationalen Rechte gesichert werden, was nur durch eine vorbehalilose Anerkennung der Grundsätze des Völker- bundspaktes zu verwirklichen sei. Die Existenz des Völker- bundes fei bedroht, wenn die Rüstungen nicht weiter her­abgesetzt werden. Der Erfolg der Abrüstungskonferenz fei infolgedessen von allergrößter Bedeutung für den Völker bund.

Sehr entschieden setzte sich de Valera bann für einen Er­folg der kommenden Weltwirtschaftskonferenz ein. Zürn Schluß machte de Valera eine knrze Anspielung auf die Po­litik seines Landes und erklärte: Wenn man uns Jrlän- dern die Freiheit laßt, so wird der Weg, den wir gehen werden, der des Friedens sein, frei von allen egoistischen Forderungen: territorialen Amprüchen und kleinlichen Be- strebungen.

Neue AsrmMM

Landwirtichafts-Vrogromm der Reichsregierung

München, 27. September.

In der Rede, die der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Freiherr von Braun. auf der Voll­versammlung des Bayerischen Landwirtschaftsrats in Mün­chen hielt, wies er einleitend darauf hin, daß das Wirt- ichaftsprogramm der Reichsregierung nur wenige Maß­nahmen enthält, die die Landwirtschaft unmittelbar berüh­ren. Es soll der industriellen Arbeitslosigkeit steuern. Sie spiegelt sich wider in mangelnder Kaufkraft der Bevölkerung und ungenügendem Absatz landwirtschaftlicher Produkte.

Das Arbeitslosenproblem der Städte ist auch ein agra- rifdjes Problem. Es ist leicht, zahlenmäßig nachzuweisen, wie stark der Konsum an Milch, Butter und Käse, an Obst und Gemüse infolge dieser mangelnden Kaufkraft zurück, gegangen ist. Aber allein mit Erhöhung der Kaufkraft des Städters ist die Jtof der Bauern nicht zu bannen. Unser der Fron untragbarer Zinsen und dem Druck von Schleuder­preisen der Deutschland überschwemmenden landwirtschaft­lichen Erzeugnisse des Weltmarktes kann der Bauernstand auf die Dauer die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes nicht gewährleisten.

Das Absinken unserer Veredelungswirtschaft ist nicht zuletzt eine Folge der einseitig auf Förderung der Export- industrie bedachten Handelspolitik der Nachinflationszeit. Dre Ueberflutung des inländischen Marktes mit ausländi­schen Agrarprodukten war die Folge. Der Minister sch derte dann, wie nach Jahren schwerer Verluste die Au Hebung der Getreidezollbindungen Deutschland inst

id

Nach der Rehe de Saleraf etfolgte die Feststellung, daß von den 56 Mitgliedstaaten des Völkerbundes, 53 .Pensen

?m

MleebMsversammlung triftet

De Valeras Antrittsrede.

Genf, 27. September.

Die 13. ordentliche Völkerbundsversammlung wurde durch den Präsidenten des Völkerbundsrats eröffnet. Als Vertreter Deutschlands nahm der deutsche Reichsaußenmini­ster Freiherr von Neurath an der Eröffnungssitzung teil. Die weiteren deutschen Delegierten sind der Gesandte in Stock­holm von Nosenberg und Ministerialdirektor Dr. G a u ß. Nach Erledigung der geschäftsordnungsmäßigen Formalitäten hielt de Valera die Eröffnungsrede.

De Valera beschränkte sich auf eine Hervorhebung bei wesentlichsten Ereignisse des vergangenen Jahres. Er wie- zunächst auf die Abrüstungskonferenz hin und meinte, baf ein gewisser Fortschritt bereits verwirklicht worden sei, be tonte aber mit aller Entschiedenheit, daß die bisherigen Er­gebnisse weit hinter den Erwartungen der Völker zürückge- blieben seien. Das zweite große Ereignis des vergangener Jahres sei die Konferenz von Lausanne gewesen. Wenr es guch noch zu früh sei, die endgültige Bilanz dieser Kon­ferenz zu ziehen, so werde ihr Aktivum groß fein, wenn sn den Weg zu einer endgültigen Regelung der internationaler Schuldenfrage bereitet hätte. Es sei heute schon sicher, baf das kommende Jahr, das die Weltwirtschaftskonferenz uns die Fortsetzung der Abrüstungskonferenz bringe, einer bei wichtigsten Zeitabschnitte in der Geschichte des Völkerbundes fein werde.

Ganz kurz ging de Valera sodann auf den chinesisch­japanischen Konflikt ein. De Valera erwähnte kurz den Be­richt der Lytton-Kommission und gab der Hoffnung Aus­druck. daß dieser Bericht die Grundlage für eine gerechte

^t AtÄ)ityrtgE Minbesverfamralung. wurde der griechische Gesandte in Paris, Politis, gewählt.

Wird Papen Herriot antworten?

Reichskanzler von Papen wird nach Beendigung seiner Ostpreußenreise heute vormittag wieder in Berlin erwartet. Es ist anzunehmen, daß auch der Reichsernäh- rungsminister ungefähr gleichzeitig wieder in der Reichs« Hauptstadt eintrifft, während Freiherr von Neurath ja noch einige Tage in Genf bleibt, um etwa am Donners­

tag zurückzukehren.

Der Kanzler wird sich nach seinem Eintreffen in Berlin natürlich zunächst über die politische Lage Bericht erstatten lassen und mit seinen Ministerkollegen vor allem bespre­chen, ob auf die Rede Herriots auch eine offiz' " lungnahme der Reichsregierung erfolgen soll, wird sich wohl erst im Laufe des Abends etwc tes sagen lassen.

Am Nachmittag findet die Sitzung des Neberwa- chungsausschusses statt, in der der Kanzler, der Reichsinnenminister und Staatssekretär Planck als Zeu­gen über die Reichstagsauflösung gehört werden sollen. Große politische Bedeutung mißt man jedoch dieser Ver­nehmung nicht bei, zumal ja nicht nur nach Auffassung der Reichsregierung, sondern auch von Kreisen, die ihr nicht gerade nahestehen, die Auflösung des Reichstages vollkom­men zu Recht erfolgt ist und die Abstimmung keine staats-

rechtliche. Bedeutung hat.

rette Stel-

Darüber

etwas Bestimm

oerte dann, wie nach Jayren schwerer Verluste die Auf­hebung der Getreidezollbindungen Deutschland instand setzte, im Gegensatz zu früher in der Vrotgetreideversorgung den Eigenbedarf selbst zu decken. Es oewann auch in der Futter- getreideverforgung ein früher nicht für möglich gehaltenes Maß von Unabhängigkeit. Die deutsche Landwirtschaft hat also JMUo. ------""-. vuy sie,

geschützt gegen aMmnotsthe Ueberflutung, die Nahrungs- mittelnersoroung aus eigener Scholle ohne weiteres sicher- zustellen vermag. Leider hat man die gleichen durchgreifen­den Maßnahmen wie bei Getreide nicht auch bei der Ber-

als:

D

Die Eröffnung der Völkerbundstagung.

Ewe nstwWöige MchtiMSmg

Gouverneur Schnee antwortet Herriot.

Berlin, 27. September.

Bei einem Empfang, den der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände für seinen aus^Ostasien zurückgekehrten Präsiden­ten Gouverneur Schnee gab, nahm Dr. Schnee auch Stel­lung zu der Rede, die der französische Ministerpräsident Her­riot am Sonntag in Gramat gehalten hat. Dr. Schnee er­klärte u. a., selbst der Beredsamkeit des französischen Mini­sterpräsidenten w? de es nicht gelingen, der Welt einzureden.

Frankreich ab rüst uns,

Auf der Abrü-

Durch den irischen Staatspräsidenten de Valera wurde in Genf die 68. Ratstagung, die der Völkerbundssitzung voranging, eröffnet. Unser Bild zeigt die Eröffnungssitzung. Von links nach rechts: Reichsaußenminister von Neurath, der italie­nische Delegierte Aloisi, Paul-Boncour und Präsident de Valera.

stungskonferenz fei jeder praktische Äbrüstungsvorschlag auf den Widerstand Frankreichs gestoßen.

Die Rede Herriots fei der offenbare Vr such, Deutsch­land in der AbrüstungZfraZe m c der Weitöffenll hkeit ins Anrecht zu setzen. Es sei geradezu grotesk, daß die einzig abgerüsteie Großmacht, also Deutschland, von der stärksten Militärmacht der Welt, nämlich von Frankreich, dafür ver­antwortlich gemacht werden sollte, daß Sie Well nicht «brüste. Deutschland fordert auf Grund einwandfreier Rechtstitel nach wie vor die allgemeine Abrüstung und die deutsche Gleich­berechtigung. Man gebe Deutschland die V'VichberechUr-u:m, und seine Teilnahme an den weiteren Verhandlungen der Abrüstungskonferenz sei fic ergssteN.

»Ä des ölterreichischen Sicherheitsministers

Wien, 27. September. Der Bundesminister für Sicher­heit, Dr. A ch, hat beim Bundeskanzler mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand um seine Amtsenthebung nach- gesucht. Bundeskanzler Dr. Dollfuß wird heute dem Bun- despräsidenten einen Vorschlag über die Neubesetzung des Ministerpostens unterbreiten.

ebefuna^nairt^ insbesondere bei Vieh und Viehproduk- 'en, bei Gemüse, Obst, getroffen, wie andere Länder das schon !an^e netan haben.

Ne-zsMsWMmO der BerLdeMNgswirtlcha't

Der Niedergang unserer vered?lungswirtschaft wiegt um so schwerer, als in Deulschland die Verkaufserlöse für Vieh unb viehprodukie allein etwa Las Z^fache der Ver- faufserföfe von Getreide und Kartoffeln zusammen aus- machen. Heute sieht der 3^-'ü Weh auf 68 Prozent . res Friedenspreises, der Index der landwirtschaftlichen Be­darfsartikel mit Ausnahme der Düngemittel dagegen auf 110, der Bekleidungsgegenstände auf 115,3, der Soziallasien auf 300 Prozent der Vorkriegszeit. Das sind Zustände, die zum Uymgen Zufammenbruch des bei weitem größten Zweiges, der Landwirtschaft, unweigerlich führen müssen, Zustände, die ferner den verzweifelten Versuch der Vieh- wirte nach sich ziehen, sich wieder auf Getreide umzustellen. Dieser Prozeß hat sich bereits in diesem Jahr fühlbar ge­macht. Wir stehen im kommenden Jahr bei einer mittel­guten Ernte bereits vor der Gefahr, daß wir eine Ueber- probuftion an Getreide haben, die es nur mit erheblichen Reichszuschüssen möglich macht, die Getreidepreise auf aus- kömmlichem Niveau zu halten. Das würde zum Zusammen- bruch auch dieses Zweiges der Landwirtschaft führen.

Gegenüber Ausfuhrfanatikern wies der Redner darauf hin, daß wir den Export nicht in der Hand haben. Er fuhr fort: Der Rückgang der Exportwerte von 1929 auf 1932 wn 14% auf 6% Milliarden Mark spricht eine klare und eindeutige Sprache. Ich schätze die Bedeutung des Exports sehr hoch ein. Ich wünsche dringend, daß der Export sich kräftigen und steigern möge. Aber diese Rechnung allein auf Kosten der Landwirtschaft aufzustellen, wäre mit den Gefahren desReiters auf dem Bodensee" zu verglAichen.

Sitte durch Kontingentierung

Die Reichsregierung ist sich dieser Gefahren bewußt. Sie ist daher entschlossen, zum Schuhe einheimischer Produktion die Uebereinfuhren vom Ausland, deren mir mit Zöllen nicht Herr werden können, von unseren Grenzen fernzuhalten und hat beschlossen, dle Einfuhr folgender landwirtschaftlicher Er­zeugnisse zu kontingentieren: Verschiedene Sorten kohl, To­maten, Zwiebeln, Schnittblumen, Tafeltrauben, die wichtig­sten Sorten Obst, Nadelschnittholz und Papierholz, Schlacht- rinder, Speck und Schmalz, käse, Butter (vorbehalklich der besonderen Verhandlungen mit einzelnen Ländern), Karp­fen, Erbsen, Reisabfälle.

Die Reichsregierung hat für diese Erzeugnisse bereits bestimmte Kontingentssätze festgelegt. Vor deren Veröffent­lichung ist sie mit Rücksicht auf die handelspolitische Lage, mit den beteiligten Ländern in Verbindung getreten. Da­bei ist man auf größtmögliche Beschleunigung bedacht, die E r l e d i g u n g i st i n k ü r z e st e r Z e i t z u e r w a r t e n. Sodann wird die Reichsregierung unverzüglich die durch die außerordentlichen Notstände in unserer Landwirtschaft un­aufschiebbar gewordenen Anordnungen treffen. Die mitge» teilte Liste stellt keine lückenlose Kontingentierung dar. Die Reichsregierung glaubt edoch, eine Handelspolitik damit ein« zuleiten, die bei aller Rücksicht auf die Arbeitslosenfrage in der Exportindustrie auch der deutschen Landwirtschaft wie,