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Nachprüfung der Auslösung |

Die Auseinandersetzungen im Ueberwachungsausschuß.

Berlin, 23. September

Der Ausschutz zur Wahrung der Rechte der Volksvertre­tung hielt als Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Vor­gänge in der entscheidenden Reichstagssitzung am 12. Sep- tember seine erste Sitzung ab.

Vor Beginn der Verhandlung gab Oberregierungsrat Dr. R a d l a u e r von der Presseabteilung der Reichsregie- rung, der seit 12 Jahren die Ausschußberichte für die Reichs- regierung ständig bearbeitet hat, die Erklärung ab. daß er die Regierung gebeten haöe, ihn zur Disposition zu stellen, da der politische Kurs der jetzigen Reichsregie- rung seiner politischen Ueberzeugung widerspreche. Der Vor­sitzende Lobe gab dann bekannt, welche Fragen der Aus­schuß prüfen solle.

Erstens soll untersucht werden, zu welcher Zeit sich der Reichskanzler in der Sitzung des Reichstages vom 12. Sep­tember zum Worte gemeldet hat, um die Verordnung des Reichspräsidenten über die Auflösung des Reichstages zu verlesen, ob vor oder nach Eintritt in die Abstimmung. Zweitens soll festgestellt werden, wann die Auflösungrur- kunde dem Präsidenten des Reichstages übergeben wurde, und wie er sich bei der Uebergabe verhalten hat.

Der Vorsitzende teilte dann mit, daß er persönlich die Vorladung vor den Untersuchungsausschuß an den Reichs­kanzler und die Regierungsmitglieder mündlich überbracht habe und stellte fest,

daß die Regierungsmitglieder sich bei der gegenwärti­gen Sachlage geweigert hätten, vor dem Untersuchungs­ausschuß zu erscheinen,

daß die Weigerung keine absolute sei, daß sie aber auch nicht etwa die Regierungsmitglieder von der Zeugenpflicht entbinden könne. In nichtöffentlicher Sitzung wurde be­schlossen, nunmehr alle Zeugen auf dem durch die Straf­prozeßordnung vorgesehenen Wege schriftlich laden zu las­sen. Sodann begann die

Zeugenvernehmung.

Der deutschnationale Abgeordnete Laverrenz er­klärte an Hand von noch am gleichen Abend gemachten Auf­zeichnungen. daß der Reichskanzler sich zweimal zum Wort zu melden versucht habe und daß dazwischen noch der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Planck, sich bemüht habe, den Reichstagspräsidenten Göring auf die erste Wort­meldung aufmerksam zu machen. Göring habe davon keine Notiz genommen.

Nachdem die beiden nationalsozialistischen Abgeordneten Schwarz und Lindner kurz ausgesagt hatten, der Reichskanzler habe sich erst zum Worte gemeldet, nachdem der Reichstagspräsident die Abstimmung eröffnet hatte, wurde

Neichslagsprssident Wrmg

ausführlich vernommen. Er sagte aus: Als er die zweite Sitzung eröffnete, habe er gewartet, bis die Regierung wie­der erschienen war und Platz genommen hatte. Schon dar­aus gehe hervor, daß er keine Ueberrumpelung der Regie- -Lunn b-abüchtiat habe..

Erst nachdem er erklärt yave, Oufy su ASft-^-.-n»^ »<. öffnet fei und nachdem Abgeordneter Torgler zugerufen habe:Namentlich!" habe er bemerkt, daß der Reichskanzler sich erhoben habe. Der Reichskanzler habe ein Wort gesagt, das er für die Wiederholung des Wortesnamentlich" ge- halten habe, das aber wohl amtlich heißen sollte. Dann habe der Staatssekretär Planck dem Präsidenten gesagt, daß der Reichskanzler um das Wort bitte. Er habe diese Wortmel­dung angenommen, aber da die Abstimmung bereits im Gange gewesen sei, erst für den Augenblick nach Beendigung der Abstimmung.

Auf eine Frage des sozialdemokratischen Abgeordneten Högner, ob das Gerücht wahr sei, daß der Reichstagspräsi­dent Göring absichtlich vor Wiedereröffnung der Sitzung einen anderen als den gewöhnlichen Eingang benutzt habe, um eine Begegnung mit dem Reichskanzler zu vermeiden, der ihn dort erwartet hätte, erklärte Göring, das sei nicht

oer yau. isr yave gar nichts davon gewußt, daß der Reichs­kanzler ihn erwartete.

Es wurde darauf der Direktor des stenographischen Büros des Reichstags, Eckermann, vernommen, der erklärte, er habe wohl bemerkt, wie der Reichskanzlei die Hand er­hoben habe, eine ausdrückliche Meldung mit Worten sei aber vom Reichskanzler nicht zu vernehmen gewesen. Diese Mel­dung sei erst erfolgt, nachdem die Abstimmung vom Präsi­denten bereits eröffnet worden sei. Nach seiner Erinnerung allerdings vor dem Zuruf:Namentlich!"

Es folgt die V o r f ü h r u n g d e r S ch a 11 platten- aufnahme von den Vorgängen in der Reichstagssitzung vom 12. September. Schon die ersten Worte des Präsidenten Göring kündigten die Abstimmung an. Vorsitzender Löbe stellt fest, daß die Schallplattenausnahme nichts Neues er­geben könne, und bemerkte, man müsse wohl das nächste Mal eine Tonfilmaufnahme herstellen.

Es werden darauf mehrere Journalisten als Zeugen aufgerufen. Die Oeffentlichkeit wurde dann wiederum aus­geschlossen, weil der Ausschuß über weitere Zeugenverneh­mungen und über das weitere Vorgehen beschließen wollte.

Zeuge stellvertretender Ehefredakteur Harnisch sagt aus: Wir ist in Erinnerung, daß der Reichskanzler sich, ehe der | Reichstagspräsident sagte:Wir stimmen ab" zum ersten Male durch Gesten zum Wort meldete. Bei dieser Gelegen­heit blickte der Reichstagspräsidenk scharf nach links. 3$ habe weiter genau beobachtet, daß, nachdem der Reichslags- präfident die WorteWir stimmen ab" gesprochen hatte, nach einem dazwischenliegenden Zeitraum, der Reichskanz­ler erneut den Arm erhob und sagte:Amtlich, Herr Reichs- tagspräsident!"

Der Ausschuß beschloß, sich auf nächsten Dienstag, nach­mittags 3 Uhr zu vertagen und zu dieser Sitzung alle vor­geschlagenen Zeugen einschließlich der Regierungsmitgliede: schriftlich zu laden.

Der gefahrvollste Punkt überwunden

Der Kanzler zur Winterhilfe.

Berlin, 23. September.

Reichskanzler von Papen hielt im Rundfunk zum Be­ginn der Winterhilfe eine Ansprache, in der er ausführte: Heute wendet sich das Winterhilfswerk an Sie und das ganze deutsche Volk mit der dringlichen Bitte, es auch im kommenden Winter durch freiwillige Spenden aller Art bei der Betreuung bedürftiger Volksgenossen zu unterstützen. Die Reichsregierung macht sich gern durch mich zum Für­sprecher dieser Bitte, welche die in der Deutschen Liga der Freien Wohlfahrtspflege zusammengefaßten Wohltätigkeits- organisationen, an alle, die helfen können, ergehen lassen.

Auf unserem deutschen Vakerlande liegen noch immer dunkle Schalten. Wohl lassen manche Anzeichen erkennen, daß sich in der Welt hier und dort gewisse Aufhellung ver­breitet. Es regen sich neue Hoffnungen, daß nach der grau­samen Zerstörungswut, mit der Krieg und Nachkriegszeit alle Kontinente der Erde überschwemmt haben, neuer Grund auf­tauchen wird, auf dem wirtschaftliches Leben wieder ge­deihen kann. Die Ueberzeugung festigt sich, daß, wenn auch nicht das Ende aller Auswirkungen des ungeheuerlichen Wirtschastsniederbruches erreicht ist, so doch der gefahrvolle Vunki überwunden ist ü^ lwor Tok öfter Cohw entscheidet.

Die Reichsregierung hat für den Zeitpunkt, an dem sich eine neue, aufstrebende Entwicklung anbahnt, ihrerseits Maßnahmen getroffen, um die deutschen Wirtschaftskräfte aus ihrem Erstarrungszustande wieder zu neuer Entfaltung zu bringen. Sie hat damit den Kampf gegen die Arbeits­losigkeit als eine der offenbarsten Erscheinungen des unver­schuldeten Elends von Millionen darbender Volksgenossen und ihrer Familien mit Entschlossenheit ausgenommen. Sie erwartet zuversichtlich, daß sich ihre Maßnahmen schon in den nächsten Monaten heilsam auswirken werden, und daß das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Ratlosigkeit, von der manche Volkskreise zu Zeiten erfaßt gewesen sein mögen bald einer zuversichtlicheren Betrachtung weichen wird

Ein derart stetiger Gesundungsprozeß erfordert jedoch > seine Zeit. Deshalb wird auch der kommende Winter dem Gemeinschaftssinn des deutschen Volkes neue große Aufgaben stellen. Bei der Massenhaftigkeit der Verarmung reichen 1

trog Des größten Aufwandes öffentlicher Mittel die staat­lichen und gemeindlichen sozialen Einrichtungen nur eben hin, um einen äußersten Lebensbedarf sicherzustellen.

Um fo größerer Anstrengungen wird es bedürfen, um mit den Sammlungserträgnissen gegenüber dem Vorjahre nicht zurückzustehen. Aus den Grundbindungen jedes natio­nalen Zusammenhalts, Familie, Heimat, Vaterland, ergibt sich aber die Pflicht zum persönlichen Dienst des einen am anderen. Auch das Winterhilfswerk ist Dienst am Vater- lande!

Das letzte Winterhilfswerk hat den Beweis erbracht, wie groß und stark sich deutsche Opferbereitschaft und deut­scher Opfersinn trotz allem erhalten haben. Für das letzte Hilfswerk find vom deutschen Volk rund 100 Millio­nen in Geld und Sachspenden aufgebracht worden. Allen denen, die daran mitgewirkt haben, spreche ich den Dank des Reiches aus. Ich bin überzeugt, daß auch der diesmalige Appell an die Opferbereitschaft nicht vergeblich sein wird. Der erbarmungslose Lebenskampf des einzelnen ist ja nur ein Teil des großen Kampfes, in dem Deutschland als Gan­zes steht, in dem es um seinen Bestand, fern Dasein, seine Zukunft ringt. Es ist ein Befreiungskampf, wie ihn Preußen toor 120 Jahren gekämpft hat.

Jeder gebe daher nach Kräften, und fei es die unschein­barste Spende! Sie wird den notleidenden Volksgenossen ein Zeichen dafür sein, daß auch in dem leidenschaftlichsten Streit der Meinungen ein unzerreißbares Band menschlicher Verbundenheit alle die umschließt, die sich Deutsche nennen.

Das Ganze halt!

Unentbehrlichkeit der motorisierten Waffen bewiesen.

Frankfurt a. 0., 22. September.

Die großen Herbstmanöver sind beendet. Die Entschei­dung fiel am Donnerstagvormittag, nach allgemeiner Auf­fassung zugunsten der roten Partei, die dank der Motori­sierung ihrer Streitkräfte insbesondere mit Hilfe der Tanks zumindest erhebliche örtliche Erfolge erzielt hat.

In der Nacht hatte die blaue Partei in der Gegend von Reppen sich dadurch etwas Entlastung verschafft, daß die nur angenommene 2. Division auf dem rechten Oderufer einen Gegenstoß unternahm. Am Donnerstagvormittag hatten die blauen Truppen die Linie von Tzschetzschnow LichtenbergSieversdorf besetzt. Die roten Kavallerietrup­pen standen etwa gegenüber in der Linie LossowBiegen Petersdorf.

Die motorisierten Aufklärungskräfte der roten Truppen gingen am linken Flügel in Richtung Wilmersdorf vor. Ge­gen 9 Uhr entwickelten sich heftige Kämpfe in der Nähe von Petersdorf auf dem Höhenzuge zwischen Alt-Madlitz und Wilmersdorf. Rote Kavallerie kam in die Flanke des rech­ten Flügels der blauen Truppen, so daß die Gefahr des Aufrollens bestand. Das verstärkte Pionierbataillon 3 wurde diesen Kräften entgegengeworfen, und es entwickelte sich eine lebhafte Gefechtstätigkeit.

Der Reichspräsident, der feit den frühen Morgenstunden im Manövergelände weilte, sah von der Höhe westlich von Petershagen dem Verlauf des Gefechtes zu und ließ sich Be­richt erstatten. Zu feiner Umgebung, zu der eine Reihe Of­fiziere des Führerstabes gehörte, gesellte sich dann noch der Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein.

Um 11.30 Uhr befand sich die rote Kavallerie im Angriff uuf oie blauen Truppen, als deren linker Flügel die Linie FalkenhagenPetershagenTremplin erreicht hatte. Dann erschallte das Signal:Das Ganze Halt!", das die diesjähri­gen Herbstmanöver beendete.

Die anschließende Besprechung fand im Frankfurter Schutzenhause statt, wohin sich die Heeresleitung und sämt­liche Stäbe begaben. Nach einer Fahrt durch die festlich geschmückte Stadt Frankfurt, deren Straßen von Tausenden bevölkert waren, begab sich der Reichspräsident ins Schützen­haus, wo er an der Kritik teilnahm. .

Die kommunistischen Mitglieder des Auswärtigen Aus­schusses des Reichstags haben die sofortige Einberufung des Auswärtigen Ausschusses beantragt, und zwar mit folgender Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu der durch die deutsche Rüstungsnote an Frankreich geschaffenen Lage; 2. Bericht über die Lausanner Konferenz.

Roman von fflarllso Sonnehorn

(ERIKA FORST)

" Copyright by Martin Feachtwanger, Halle (Saale) 1931

* Die Gedanken erfüllten Frau Barbara, während die Orgel ihre brausenden Akkorde durch die hohe Halle der Kirche strömen ließ und der alte Pfarrer seine Rede hielt.

So war ihr nicht aufgefallen, daß Hell, nach kurzer Ent­schuldigung an seine Dame, so vorsichtig wie möglich sich fortbegeben hatte.

Nun aber, als das Amen des Pfarrers erklang, ehe noch die Einsegnung begann, durchzog ein Laut von wunder­barer Feinheit und Innigkeit den weiten Raum klar, rein, schwebend schlössen sich weitere an, gebaren eine herr­liche Melodie, die über die erstaunten Festteilnehmer sich legte mit der Süße eines verwehten Rosenduftes, mit der Kraft eines durch die Wolken brechenden Sommersonnen­strahles. Sie erkannten fast alle an der Melodie die zu­grunde liegenden Worte und jedenfalls war Hell gewiß, Haß Alice sie kannte; hatten er und sie in den fernen, schönen, vergangenen Zeiten dies Lied doch so manches Mal miteinander gespielt, gesungen, sich tief, schelmisch, ernsthaft suchend, künftigen Glücks sicher, dabei in die Augen gesehen.

-Ich liebe dich, so wie du mich, Am Abend und am Morgen, So war kein Tag, da du und ich Mcht teilten alle Sorgen..."

Hell hielt sich nicht ganz an den großen Komponisten.

Er blieb auf dem ersten Satz hängen.

^ch liebe dich.. .*

Kunstvoll variierend, in prachtvollen Akkorden, wieder­holte er die Töne, die diese Worte umrankten, immer von neuem. Sie er war dessen sicher empfand für ihn nichts mehr als Gleichgültigkeit. Bestenfalls! Vielleicht sogar Abneigung, Haß, Verachtung, Ueberdruß.

Hell wußte wohl, daß auch sein Herz nicht untröstlich bleiben würde.

Hatte er auch all die kleinen Flirts und Scharmützel auf dem Fechtboden der Liebe in den letzten Jahren mehr aus Trotz und Verzweiflung als aus Pläsier an der Sache gehalten, war die Liebe zu Alice in ihm gewesen wie ein hartnäckiger Eigensinn des Herzens, solange noch ein Funken Hoffnung blieb, daß eine Versöhnung zustande kommen könnte nachdem er es sich abgerungen hatte, ihr die Treue seiner Seele in einem abschiednehmenden Be­kenntnis zu offenbaren, Denn er war ja sicher, daß es sie nicht erschüttern, vielleicht kaum rühren würde ...: nach alledem war er sich darüber klar, daß er einen Strich zu machen haben würde unter das Gewesene.

In seinen Gedanken hatte sich in letzter Zeit zuweilen freundlich und tröstlich ein schmales, dunkles, knabenhaftes Mädchengesicht mit flammenden Augen und heischendem, korallenrotem Mund geltend gemacht.

Und Hell war sechsundzwanzig Jahre alt. Er fühlte sich ein wenig des Kampfes müde, des Kampfes um seine Ideale, die zu haben er sich niemals selber so recht gestand. Einen tapferen Kameraden an seine Seite ziehen miD mit ihm Wege und Ziele beraten!

Seine Geige sang ihr wundervolles Lied, sang dem verflossenen Jugendtraum, sang der heranziehenden Zu­kunft, der Zukunft der (siebten dort am Altar an der Seite eines anderen, den sie zweifelsohne - aus voller und reiner Liebe gewählt. Und ach, war es nicht der bessere Mann? Sang ein wenig auch der eigenen Zukunft. Leiden­schaft ist süß. Kameradschaft ist besser.

Ich liebe dich, so wie du mich, Am Abend und am Morgen, Noch ward kein Tag, da du und ich Nicht teilten alle Sorgen ...

Drum Gottes Segen über dich, Du meines Lebens Freude...

Leise verklangen die letzten Akkorde, wie berbfc 'nde Lichtstrahlen, die bewegten und berauschten Zuhörer um­spielend, sie verlassend.

Eine Minute schien das tiefe Schweigen, das diese ver­ebbenden Töne hinterließen, die Halle der Kirche zu durch­rauschen. Dann riß sich der Pfarrer wie alle anderen durch das herrliche Geigenspiel umfangen wie von einem Traum los und begann die Einsegnung zu vollziehen.

Es achtete eigentlich keiner so recht auf die Braut.

Bleich, bleicher noch als zuvor, regungslos und ohne die Lider zu heben, hatte sie die Töne sich umfluten lassen. Sie hätte, auch wenn Hell ein anderes Lied gewählt, seine Botschaft verstanden. Wer besser als sie wußte, was es ihn kostete, mit seiner Kunst hervorzutreten? Dies Opfer war ein Opfer der Liebe. Dies Spiel ein Geständnis. Dieser Abschied ein Abschied in Tränen. Und ein eisiger Schmerz, ein unausdenkliches Grauen preßte ihr Herz zusammen.

Sie waren aneinander vorbeigegangen, von Miß­verständnis zu Mißverständnis, waren voneinander fort- gewandert, bis es kein Zueinander, kein Sichverständigen mehr gab - sie blieben getrennt ein ganzes langes Leben hindurch durch ihre Schuld; sie allein war die Trotzige ge­wesen, Die Harte, Die Beleidigte, die Unversöhnliche. Sie wußte wohl: allgemein gab man Hell die Schuld an ihrem Zerwürfnis. Und lächelnd hatte er sie auf sich genommen. Sie hatte gemeint: aus Gleichgültigkeit. Aber nun sprach dies Lied zu ihr, dies Opfer, das er brächte, Dies Geständ- nis, Das sein wundervolles und zartes Geschenk enthielt; es riß die letzten Nebel von ihren Augen hinweg und sagte ihr, unerbittlicher, als Hell es ahnte: Deine Schuld Deine Schuld allein, wenn du hier an der Seite eines dir fremden Mannes vor dem Altar stehst, wenn du untreu werden mußt, ehe du noch vermählt bist, wenn du ein ganzes langes Leben, so viele, viele Jahre - denn du bist noch so jung - ohne ihn leben mußt, ohne ihn, ohne ohne ihn!

Mechanisch sprach sie ihrJa".

Mechanisch verließ sie am Arm ihres Gatten die Kirche. Draußen stand allerlei Volk herum.

Allerlei Laute und Worte klangen an ihr Ohr.

Sie empfand, daß es nicht Worte der Teilnahme, der Güte waren. Aber sie beachtete sie kaum. (Fort,. kolatu