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Hindenburg im Manöver

Fürstenberg a. d. O., 21. September.

Reichspräsident von hindenburg traf am Dienstagnach­mittag kurz nach 14 Uhr zur Teilnahme an den Manövern der I. und III. Kavalleriedivision und der III. Division auf dem Bahnhof Fürstenberg a. d. O. ein. Der Bahnhof war weit und breit von Menschenmassen belagert. Richt enden- wollender Jubel empfing den Herrn Reichspräsidenten.

Nach Begrüßung durch die Uebungsleitung und die Behörden begab sich der Reichspräsident im Kraftwagen auf das Manöverfeld, um von dort aus den Gang der Kampf­handlungen, die sich im Laufe des Nachmittags in der Ge­gend von Fürstenberg entwickelten, zu verfolgen.

*

Die Kampwmidlungen

Das 2. Kavalleriekorps, das in der Nacht mit seiner Masse weiter vorgedrungen war, trat am 20. früh den wei­teren Vormarsch über Sternberg und aus Gegend westlich Skampe nördlich an Crossen vorbei auf Reppen an. Es sollte versuchen, den in dem Oder-Warthe-Bogen stehenden Feind zu schlagen und Küstrin zu nehmen. Motorisierte Auf- klrungskräfte von Rot, die am Abend des 19. noch Müllrose erreicht hatten, klärten am 20. vormittags auf dem west­lichen Oderufer auf. Gegen Mittag des 20. erreichten An­fänge des roten Kavalleriekorps die Gegend ostwärts von Reppen und südostwärts von Ziebingen. Um diese Zeit er­hielt das Kavalleriekorps den Befehl, mit der Masse in Ge­gend Fürstenberg die Oder zu überschreiten, um die blaue Oderverteidigung bei Frankfurt aufzurollen und durch Vor­gehen westlich der Oder Küstrin zu nehmen.

Radfahrerabteilung auf dem Marsch.

Ein besonders interessantes und bewegtes Bild bot das Uebersetzen der motorisierten Aufklärungsabteilung der I. Kavalleriedivision in Gegend Schönfeld-Wassow. Die aus den Kraftwagenabteilungen des Reichsheeres für dieses Manöver besonders zusammengestellte motorisierte Aufkiä-

rungsabteilung errichtete gemeinsam mit den Pionieren eine große auf Pontons aufgebaute Fähre zum Uebersetzen der schweren Fahrzeuge. Für die Motorräder und leichten , H , I Fabr.ieuae,iMM^MMst- ^". ■?;;::''.'.'■ '■-/------- - j wurden" Zweckd

vierten Brettern Behelfsfähren Hergsstsllk, so daß in uner- Täter, für beffe müdlicher Arbeit die Fahrzeuge herübergeschafft werden können. Motorisierte Schützen der Kraftschützenkompagnie, die als erste bereits in der vergangenen Nacht übergefetzt

wurden sichern das Vorgelände

Motorisierte Tankattrappen

Die blaue III. Division setzte am 20. September früh den Vormarsch aus der Gegend Reppen auf Sternberg fort, erhielt aber bald darauf Befehl, den Vormarsch einzustellen und mit Front nach Osten und Südosten die Linie Reppen— Drossen zu halten. Da nach der Entwicklung der gesamten Lage mit einem Aebergang der roten Kavallerie auf das westliche Oderufer gerechnet werden mußte, bekam die Division im Laufe des Vormittags weiter den Befehl, in Gegend Lebus eine Kriegsbrücke über die Oder zu bauen, um gegebenenfalls Kräfte auf das westliche Ufer werfen zu können. Am Ra Mtag des 20. September kam es in der Gegend von Reppen zu leichten Kämpfen zwischen schwachen Teilen der I. roten Kavalleriedivision, die aus südostwärtiger Richtung vorfühlte, und dem 7. Infam erie-Regiment der blauen III. Division. Auch unmittelbar füdostwärts Frank­furts fühlten rote Kraftradfahrer gegen das 9. Infanterie- Regiment der blauen III. Division vor, das westlich des In­fanterie-Regiments 7 beiderseits von Kunersdorf mit Front nach Süden eingesetzt war. Die rolsn Kraftradfahrer würd m unter erheblichen Verlusten nach Südosten zurückgeworfen. Vom roten Kavalleriekorps erreichte die Masse der I. Kaval­leriedivision bis abends ohne Kampf den Baum Reichen­walde—Sandow—Groß-Gandern. Die IL Kavalleriedivision kam ebenfalls ohne Kampf in den Raum Ziebingen—Bal- kow—Tammendorf. Die motorisierten Aufklärungskräste der roten Kavalleriekorps wurden südlich von Fürstenberg in Gegend Weiserberge mit Fähren weiter auf das Westufer der Oder übergesetzt.

Aus der Heimat.

Sitzung der Industrie- u. Handelskammer in Mühlhausen.

Die aus dem Zusammenschluß der Handelskammer Kassel und Mühlhausen hervorgegangene „Jndustrie- und Handelskammer Kassel-Mühlhausen, Sitz Kassel" hiAtihre erste Sitzung in den Mauern der Stadt Mühl­hausen ab. Der Präsident der Kasseler Industrie- und Handelskammer, Bankier Dr. h. c. Karl L. Pfeiffer, Kassel, eröffnete die Sitzung und sprach über das Thema „Probleme der Geld- und Kreditpolitik im Wirtschafts­und Finanzprogramm der Reichsregierung". Mit einem Vortrag über die Stellung des Außenhandels zur gegen­wärtigen Wirtschaftspolitik, den Kaufmann Fuckel, Schmalkalden, hielt, wurde die Tagesordnung geschlossen. Die Teilnehmer besichtigten hierauf unter kundiger Führung die Sehenswürdigkeiten der alten Stadt Müht Hausen. An der Sitzung nahmen zahlreiche Vertreter von Behörden aus Kassel, Erfurt und anderen Städten teil. Der Mühlhäuser Magistrat hatte jedoch keinen Vertreter entsandt. Wie verlautet, steht der Magistrat Mühlhausen auf dem Standpunkt, daß die Vereinigung der Handelskammern Kassel und Mühlhausen noch nichts Endgültiges darstelle.

* Lockerung der Vorschriften betreffend Tausch von Altwohnungen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, veröffentlicht die Preußische Gesetz­sammlung demnächst die Verordnung des Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt über Lockerung der Vor­schriften betreffend den Tausch von Altwohnungen. Es ist danach die vorherige Genehmigung des Wohnungs­amtes für den Tausch von selbständigen benutzten Wohnungen dann nicht mehr erforderlich, wenn die Tauschwohnungen in ein und demselben Hause l'egen. Der Vermieter hat in solchen Fällen von der Durch­führung des Tausches dem Wohnungsamt lediglich unverzüglich Anzeige zu erstatten.

* Dienstkleidungsverbot für politische Ver­sammlungen. Im Anschluß an den Beschluß der Reichsregierung, der den Reichsbeamten verbietet, außer­halb des Dienstes in Dienstkleidung an politischen Ver­sammlungen teilzunehmen und daß im Zweifelsfalle darüber, ob eine Veranstaltung politisch ist, die Ent­scheidung des Dienftporgesetzten einzuholen ist, ordnet die Hauptverwaltung der Reichsbahn an, daß diese Bestimmungen auch für die Reichsbahnbeamten Geltung haben, daß aber auch Reichsbahnarbeiter, die berechtigt oder verpflichtet sind, Dienstkleidung oder Dienstmütze zu tragen, den gleichen Bestimmungen unterworfen sind.

Hersfeld. In der Nacht vom Montag auf Dienstag wurde im Strandbad eingebrochen. Der Dieb hatte es wohl nur auf Geld abgesehen, da er aber keins vorfand, hat er sonst nichts mitgenommen. Beim Einschlägen einer Fensterscheibe muß er sich erheblich verletzt haben, da ziemlich

Täter, für dessen Ermittlung seitens des Magistrates

eine Belohnung ausgesetzt ist, nimmt die Polizei entgegen

Marburg. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich Diettstag nachmittag bei den Auskusserungsarbeiten an der Macburger Frauenklinik. Der 50 Jahre alte Maurer­polier Schmidt aus Schröck, Kreis Marburg, der an einem Materialaufzug beschäftigt war, stürzte durch einen unglücklichen Zufall aus 12 Meter Höhe ab, schlug auf einen unten stehenden Karren und zog sich sehr schwere Kopf- und Brustverletzungen zu. Der Bedauernswerte wurde sofort in die na egelegene Klinik transportiert, wo er eine Stunde nach seiner Einlieferung feinen schweren Verletzungen erlag.

Niederhone. Auf dem Bahngleis zwischen Nieder­hone und Bahnhof Albungen wurden Dienstag morgen gegen 5 Uhr von einem Eisenbahner eine unbekleidete, furchtbar verstümmelte männliche Leiche gefunden. Kleidungsstücke und einige Glieder wurden in einem Abschnitt von 200 Metern verstreut aufgefunden. Aus den vorgefundenen Papieren konnte festgestellt werden, daß es sich um den 17jährigen Weißbinderlehrling E. aus Neuerode handelt. Man fand ferner eine an die Angehörigen gerichtete Karte, auf der er mitteilt, daß er nicht länger leben könne. Was den jungen Menschen in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt.

Creuzbürg. Am Sonntag Vormittag wollte ein Eisenacher Auto in der Bahnhofstraße einem Kinde ausweichen, das gerade die Straße überquerte. Infolge zu scharfen Bremsend geriet der Wagen ins Rutschen, fuhr gegen die Bordkante des Bürgersteiges und über- schlug sich. Von den vier Insassen wurden Herr Böttger und Frau Hoßbach aus Eisenach so schwer verletzt, daß sie kurz darauf starken. Herr Hoßbach erlitt leichtere Verletzungen, während Frau Böttger mit dem Schrecken davonkam.

Landau. Das hiesige dreijährige Söhnchen des Maurers Wilhelm Wolle wurde das Opfer eines schweren Unfalls. Beim Ueberqueren der Fahrstraße lief der Kleine in ein vorüberfahrendes Auto, das er nicht be­merkt hatte. Das Auto schleifte den Jungen eine längere Strecke mit. Mit schweren Verletzungen wurde er in bedenklichem Zustand abtransportiert.

Biedeukvpf. Bekanntlich wurde am 12 Sept. die Scheune des Landwirts P. Wagner in Herzhausen bei Gladenbach durch einen Brand in Asche gelegt, nachdem in fast gleichen Abständen von je 14 Tagen vorher in den Anwesen von dessen Geschwistern der rote Hahn gewütet hatte. In allen drei Fällen wird, den merk­würdigen Begleitumständen nach zu urteilen, Brand­stiftung vermutet. Wegen Brandstiftungsverdachtes wurde nunmehr der Landwirt Wagner verhaftet. Man hat eine Prämie von je 1000 M. zur Ermittlung des Täters bei jedem Brand, insgesamt 3000 M. ausgesetzt.

Marburg. Ein Schadenfeuer entstand in dem Hause des Landwirtes L. im KreiSorte Hohenwepel. Das Haus ist seit einiger Zeit nicht mehr bewohnt, da der Besitzer nach Oberschlesien verzogen ist. Das ganze Haus brannte nieder. Schon am Abend wurde die 72jährige Frau L. von einem Landjäger und einem Kriminalbeamten unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet und in das Gerichtsgefängnis zu Paderborn überführt.

Paderborn. Erschossen aufgesunden wurde Sonntag der Förster S. von der Oberförsterei in Altenbeken. Der Tote lag in einem Tannenwald, und man vermutete zunächst ein Verbrechen. Die von der Mordkommissisn der Bielefelder Landeskriminalpolizei angestellten Er­mittlungen ergaben jedoch, daß es sich um einen Selbst­mord Handel. Der Förster, der Linkshänder war, hatte sich einen Kopfschuß mit seiner Dienstwaffe beigebracht. Das Motiv der Tat ist in gekränktem Ehrgeiz zu suchen. Er hatte auf die Uebertragung einer Försterstelle ge­hofft, die jedoch mit einem anderen Anwärter besetzt worden war.

Mulsrei zu Hindenburgs Geburtstag

Berlin. Der mit der Wahrung der Geschäfte des preußischen Kultusministers beauftragte Staatssekretär Dr. Kommers hat bestimmt, daß zur Feier des 85. Geburts­tages des Herrn Reichspräsidenten von hindenburg am 1. Oktober oder, soweit dieser Tag in die Ferien fällt, am letzten Schultage der Unterricht ausfällt.

Ei» greiser Serien Beeiigs Der Tod des Grafen Gravina.

Danzig, 20. September

Die Leiche des Grafen Gravina ist aus dem Kranken­haus zur Aufbahrung in das Palais des hohen Kommissars überführt worden. Dort wird am Donnerstag oder Freitag eine Trauerfeier veranstaltet werden. Der Senat hat ange­ordnet, daß die offiziellen Gebäude die Flaggen auf halb­mast fetzen. In gleicher Weise haben die fremden Konsulate Trauer angelegt.

RüAu? dZZ SeMZ

Der Senat der Freien Stadt Danzig hat dem verstor­benen hohen Kommissar des Völkerbundes Grafen Gravina folgenden Nachruf gewidmet:

Der hohe Stommiffar des Völkerbundes, Graf Manfred Gravina hat fein hohes richterliches Amt seit dem Jahre 1929 innegehabt und hat es in vorbildlicher Gestalt und mit eindringendem Verständnis in die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Freien Stadt Danzig ausge­übt. Die volle Hingabe an seine Aufgabe und seine große Begabung als Staatsmann und Diplomat haben ihm die Führung des schwierigen Amtes erleichtert. Seine vornehme, ritterliche Gesinnung und die hervorragenden Gaben seines Geistes und Charakters haben auf alle, denen ^er nahe kam, einen tiefen Eindruck gemacht.

Achtung, Sie hören: am Maustag, rl. September __

—Welle W4,y KönchSwusterhattsen fDeutschlandsender).

6.20, 12.13 und 14: Konzert. 15: Musikalische Kinder­stunde. 15.45: Frauenstunde. 16.30: Konzert. 18: Zeit­genössische Klaviermusik. 19: Wir wollen helfen. Auftakt zur Winterhilfe. 20: „Othello", Trauerspiel von Shake­speare. 21.30: Konzert. 22.15: Von Wien: Tanzweisen.

Welle 283,5 Berlin II-Magdeburg—Stettin.

6.20, 11.30 und 14: Konzert. 15.20: Was man in U.S.A. alles erfindet. 16.05: Illusion und Wirklichkeit. 16.30: Konzert. 17.55: Musikalische Jugendstunde. 18.15: Prosa von A. Manns. 18.35: Erinnerung an Weddigen. 19: Wir wollen helfen! 20: -Mandolinen-Konzert. 21: Orchesterkonzert. 22.30: Von Wien: Tanzweisen. 24: Erntefest in den Masuren.

Welle 259,3 Leipzig.

6.20, 12 und 13.15: Konzert. 14.30: Filme der Woche. 15: Jugendstunde. 16: Konzert. 18: Hygiene-Funk. 18.35: Erinnerungen an Weddigen. 19: Wir wollen helfen. 20: „Die Herrmannsschlacht", von Grabbe. 21.30: Musik für zwei Klaviere.

Welle 360,6 Mühlacker.

7.05, 10, 10.30, 12, 13.30, 16 und 17: Konzert. 15: Stunde der Jugend. 18.35: Erinnerung an Weddigen. 19: Wir wollen helfen! 20: Unterhaltungskonzert.

Welle 276,5 Heilsberg.

6.30, 11.30 und 13.05: Konzert. 15.30: I. Grimm zum Gedenken. 16: Jugendstunde. 16.30: Konzert. 18.30; Landwirtschaftsfunk. 19: Wir wollen helfen! 20.05: „Die Entführung aus dem Serail", Kom. Oper von W. A. Mozart.

Die Wetterausfichte«.

An der Rückseite des skandinavischen TiefdruckwirbelS ist kalte Luft nach dem Kontinent vorgestoßen. In ihrem Bereich herrscht in Nord- und Mitteldeutschland wolkiges bis heiteres und im ganzen auch trockenes Wetter. Demgegenüber werden in Süddeutschland und Alpengebiet noch hochsommerliche Temperaturen be­obachtet. In der Berührungszone der beiden Luftmassen, die am Dienstag Nachmittag etwa längs der Mainlinie liegt, kommt es zu heftigen Gewittern, die sich noch etwas weiter nach Norden hin ausbreiten werden. Die im Norden beobachtete Wetterbesserung wird aber dann voraussichtlich auch auf unser Gebiet sich ausdehnen.

Aus sichten für Donnerstag: Wetterlage sehr unsicher, doch voraussichtlich nach anfänglicher weiterre Besserung wieder unbeständigeres Wetter.

Born Büchermarkt.

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