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ChrUicher CrwerMaftsko»greb

Stellungnahme zu den Regierungsmaßnahmen.

Düsseldorf, 20. September.

In der Städtischen Tonhalle begannen die Verhandlun­gen des 13 Kongresses der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Der Vorsitzende des Verbandes, Otte, schil­derte die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in den letzten drei Jahren. Die Christlichen Gewerkschaften aner­kennen, daß nicht alles an sozialpolitischen Errungenschaften in dieser furchtbaren Krise hätte erhalten werden können. Das bedeute aber nicht, daß sie mit allen Einzelheiten der Regierungsmaßnabmen einverstanden seien. Die Senkung der Produktionskosten könne nicht durch Herabsetzung der Löhne erreicht werden, sondern nur durch Abbau der hohen Steuern, Zinsen und der zu hoch bezahlten Verwaltungs- bürokratie.

Der Landesgeschüftsführer Kaiser betonte, daß die Volkserneuerung nur aus den breiten Schichten des Volkes kommen könne. Pflicht der deutschen Arbeiterschaft sei es, gesamtdeutsches Volksbewußtsein zu pflegen. Arbeiterschaft und deutsches Volk seien eins.

Der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald erklärte, wir müßten verfassungspolitisch zu einem Aus­gleich kommen, der weder in Parlamentsdiktatur, noch in Regierungs- oder Bürodiktatur bestehen dürfe. Er polemi­sierte scharf gegen die Reichsregierung, lehnte es aber aus­drücklich ab, das ganze Wirtschaftsprogramm der Reichsre­gierung zu kritisieren.

Stresaer KonventionsentAurs angenommen

Bildung eines Agrarfonds beschlossen.

Strefa. Der von dem österreichischen Delegierten Schüller ausgearbeitete Bericht des Wirtschaftskomitees wurde vom Gremium der Konferenz einstimmig angenom­men.

Der Schwerpunkt des Berichts liegt in dem Konven-- tionsentwurs, her einen Agrarfonds von 75 Millionen Schweizer Goldfranken zur Revalorisation des Getreides vorsieht. Diese Revalorisation, die auf Grund des Exports der Agrarländer während der letzten drei Jahre festgesetzt worden ist, soll 16 Millionen Doppelzentner Weizen, 15 Millionen Doppelzentner Futtergerste, 13,5 Millionen Doppelzentner Mais umfassen. Für die zweite Kategorie, an der Deutschland nicht beteiligt ist, werden folgende Quantitäten festgesetzt: 4,9 Millionen Doppelzentner Rog­gen, 3 Millionen Doppelzentner Braugerste und 1 Mil­lion Doppelzentner Hafer. Die Revalorisationsprämien betragen zwei Schweizer Goldfranken je Doppelzentner für den Weizen und je 1,50 Franken für die anderen Ge- treidearten.

Der Fonds soll durch ein Komitee verwaltet werden, das seinen Sitz voraussichtlich bei der BIZ. haben wird. Als Gegenleistung der Agrarländer werden eine liberale Handelspolitik und möglichst weitgehende kommerzielle Erleichterungen für die Geberstaaten gewünscht. Deutsch­lands Beitrag besteht in durch bilaterale Verträge gewähr­ten Präferenzen für Weizen, Futtergerste und Mais, und zwar ausschließlich für die vier notleidenden südosteuro- päischen Agrarstaaten.

Allerlei Neuigkeiten

_ Beim Spielen mit einer Gasmaske erstickt. In Berlin- Steglitz ereignete sich ein tragischer Vorfall. Der Polizeibe­richt meldet, daß dort der 18jährige Kurt Ottmann beim Spielen mit einer Gasmaske, die fein Vater aus dem Kriege mitgebracht hatte, erstickt sei. Man nimmt an, daß der Ver­unglückte sich die Gasmaske übergezogen hatte, ohne sich zu vergewissern, ob das Verschlußstück in Ordnung sei. Die Sauerstoffpatrone war jedoch nicht mehr in Ordnung. Da der junge Mann anscheinend mit der Handhabung der Maske nicht vertraut war, konnte er sich nicht mehr rechtzeitig ihrer entledigen und fand so den Erstickungstod.

Tödlicher Unfall im Landheim einer Versuchsschule. Im Landheim Mütze! (Kreis Jerichow II) der Maadebura-Wil-

Helmstädter Versuchsschule ereignete sich ein tödlicher Un- fall. Unter Aufsicht eines Lehrers spielten die Kinder auf einem zum Landheim gehörigen Sandberg. Sie hatten sich dort eine Höhle gegraben, in der sich zwei Kinder versteckten. Plötzlich gab die Wand der Höhle nach und begrub die beiden Kinder unter sich. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, konnte nur noch eines der Kinder lebend geborgen werden, das andere, ein zehnjähriger Knabe, war schon erstickt.

Durch einen Hund zerfleischt. Im Bernburger Vorort Waldau mürbe ein Mann von seinem großen Hund ange­fallen und so schwer zugerichtet, daß er in der Klinik trotz sofort vorgenommener Operation starb.

Rätselhafter Tod auf der Jagd. Der Wirt Landerer aus Winkel bei Lenggrieß hatte sich vor acht Tagen in sein Re­vier auf die Jagd begeben. Als er bis Sonnabend nicht zurückgekehrt war, wurde das Gebiet abgefucht. Landerer wurde in einem fremden Revier tot aufgefunden. Er war an einem Oberschenkelschuß verblutet. Jagdgewehr und Feldstecher fehlten. In der Nähe lagen zwei fremde Hüte, wie sie in der Gegend von den Einheimischen getragen wer­den. Der Tod dürfte schon am Dienstag oder Mittwoch ein­getreten sein. Eine Untersuchung ist im Gange.

Rotlandung eines deutschen Posiflugzeuges. Das plan­mäßige Postflugzeug BerlinSaloniki mußte im Riesenge­birge nahe der tschechoslowakischen Grenze bei starkem Nebel i zwischenlanden. Dabei wurden das Fahrgestell und der Mo­torvorbau des Flugzeuges beschädigt. Eines der drei Be» satzungsmitglieder erlitt einen Oberschenkel- und Knöchel­bruch; die beiden anderen blieben unverletzt.

Tod in den Bergen. In den Seewänden ist der Ver- sicherungsangestellte Karl Schöne aus Magdeburg tödlich abgestürzt. Er unternahm mit einem Begleiter eine Tour auf die Wengenköpfe und von dort zum Seealpsee, von wo die beiden ins Oytal absteigen wollten. Dabei verstiegen sie sich in den Seewänden. Schöne stürzte 80 Meter tief ab und konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Der Be­gleiter wurde durch Bergführer, nachdem er eine ganze Nacht in den Wänden verbracht hatte, zu Tal gebracht.

Schmuggler von Zollbeamten angeschoffen. In der Nacht stießen in Hebelermeer (Kreis Meppen) im südlichen Zipfel des Hauptzollamtes Leer Zollbeamte auf Schmuggler, die, soweit sich in der Dunkelheit erkennen ließ, sämtlich Packen trugen. Auf den Haltruf der Beamten flüchteten die Schmuggler und blieben auch nicht stehen, als die Beamten schössen. Beim Absuchen des Geländes fanden die Beamten die abgeworfenen Packen mit Schmuggelware und in einiger Entfernung davon eine Frau, die auf der Flucht einen Ober­schenkelschuß erhalten hatte und von ihren männlichen Schmuggelgefährten im Stich gelassen worden war. Die Frau wurde ins Krankenhaus in Meppen eingeliefert.

Schweres Autobusunglück in Lyon. In der Nacht fuhr ein Autobus in voller Fahrt gegen einen Lastwagen, der völlig zertrümmert wurde. Der Autobus, der feine rasende Fahrt fortsetzte, zerschellte schließlich an einem haltenden Straßenbahnwagen. 20 Personen wurden verletzt, von denen zwölf ins Krankenhaus übergeführt werden mußten.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist in Pernambuco zur Rückreise nach Friedrichshafen gestartet.

Revolte im Erziehungsheim

Limburg, 20. September. 3m Erziehungsheim Schloß Dehrn" brach infplae politischer Verhetzung eine Revolte ; aus. L>ie Zöglinge zertrümmerten Fenster, Türen und Ein- - richtungsgegenstände und versuchten zu flüchten. Feuerwehr i und Landjägerei stellten die Ordnung wieder her. Zahl­reichen Zöglingen ist die Flucht gelungen. Fünf Rädels­führer wurden verhaftet. Der Schaden soll etwa 3000 RAl. betragen. 3m vorigen Jahre wurde das Heim schon einmal durch Brandstiftung zweier Zöglinge schwer geschädigt.

Um sechs Millionen betrogen

Brünn, 20. September. Beim Tabaks-Hauptverlag ist die Polizei einem großen Betrug auf die Spur gekommen. Mehrere Personen wurden verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich u. a. auch die Frau eines Kriegsinvaliden, der Gesellschafter des Tabaks-Hauptverlages ist, sowie dessen Sohn. Die Frau des Invaliden versah die Funktionen einer '

Kassiererin. Es wurde festgestellt, daß sie'Zahlkarten mit falschen Stempeln und Unterschriften, auf Grund deren Tabak abgeholt wurde, unterschrieb. Auch ein anderer Ge­sellschafter des Hauptverlages, ebenfalls ein Kriegsinvalide, wurde verhaftet. Die Polizei hat an den von der verhafte­ten Frau angegebenen Stellen in den Wäldern der Um­gebung einen Meter unter der Erde vergraben einen Betrag von etwa 2 600 000 tschechischen Kronen gefunden, der in 13 Handkassen verteilt war. Das übrige Geld es handelt sich um einen unterschlagenen Gesamtbetrag von 6 Millionen Kronen wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Die Unter­suchungen werden fortgesetzt.

Met geMtet

Berlin, 20. September. Nach einer Meldung aus Godhavn ist der Flieger Udet, der 4 Tage verschollen war, im Lager Dr. Fancks gesichtet worden. Ein seit mehreren Tagen wüten­der Sturm verhinderte jedoch die Landung in der Nähe des Expeditionslagers. Udet zog mit seinem Flugzeug in gerin­ger Höhe über dem Lager mehrere Schleifen und gab durch Winken von seinem Wohlergehen Kenntnis. Er ist dann weitergeflogen, um in erheblicher Entfernung vom Lager einen von ihm schon häufig benutzten Landepläh aufzusuchen.

Volkswirtschaft

Berliner Effektenbörse.

Die Berliner Effektenbörse eröffnete am Montag in ungewöhn­lich stiller Haltung Die Spekulation zeigte keine Lust zum Ein­gehen neuer Engagements Auch das Publikum erteilte nur ge­ringfügige Kaufaufträge. Schließlich trug eine kräftige Erholung in AEG-Aktien einen freundlichen Grundton in die Gesamtbörse AEG stiegen bis auf 33% Prozent. Maschinenaktien waren durchweg gut gehalten, nur Schubert & Salzer sanken um 5% Prozent. Siemens unD Schuckert verloren %1 Prozent. Am Kalimarkt konnten Salzdetfurth einen anfänglichen Verlust von 3% Prozent teilweise wieder ausgleichen. I. G. Farben setzten etwas höher ein, bewegten sich aber später wieder auf der Basis des Vortages. Am Elektromarkt waren Tarifwerte meist voll ge­halten. Reichsbank leicht abbröckelnd. Schiffahrtswerte gut be­hauptet.

Am Geldmarkt war Tagesgeld eher etwas steifer. Es wurde mit 5,75 Prozent und nur in Ausnahmefällen mit 5,62 Prozent und darüber genannt Manatsgeld 68 Prozent.

Als Vorläufer der Diskoniermüßiguna ist die Ermäßigung der Privaidiskoninotierungen um 0,5 auf 4 Prozent, also auf den voraussichtlich zukünftigen Stand des Reichsbankdiskonts, anzu- sehen.

Am Devisenmarkt waren Veränderungen nicht festzustellen. London gegen Kabel New Pork wurde mit 3,4725 gehandelt.

Devisenkurse Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund. 14,62 14,66, Hall. Gulden 169,23 169,57, Belga (Belgien) 58,31 58,43, ital. Lira 21,61 21,65, dän. Krone 75,77 75,93, norm. Krone 73,53 73,67, franz Franken 16,49 16,53, tschech. Krone 12,465 12,485, schweiz. Franken 81,14 81,30, span. Peseta 34,17 34,23, schwed. Krone 94,92 95,08, österr. Schilling 51,95 52,05.

Berliner Produltenbörfs.

Das Geschäft an der Berliner Produktenbörse vom Montag war sehr gering. Das Angebot ap Weizen war ausreichend, wäh­rend Roggen in geringerem Umfange als in der Vorwoche zur Verfügung stand. Für Roggen blieben die Notierungen unver­ändert. Auch bei den W?izennotierunaen waren die Veränderun­gen gering Das MMMMfi war sehr klein. Hmer und Gerste

Notierungen vom 19. September 1932:

Für 1000 Kg.: Weizen, märk. 207209 Roggen, märk. 160162 Braugerste 174184 Futtergerste 167173 Hafer, mark., neue Ernte 137142

Für 100 Kg.: Weizenmehl 25,0030,00

Erdnußkuchen 11,50

Erdnußkuchenmehl 11,70 Roggenmehl 21,4023,75

Weizenkleie Roggenkleie Viktoriaerbsen Futtererbsen Ackerbohnen Wicken Leinkuchen Trockenschnitzel Sojabohnenschrot ab Hamburg ab Stettin

Kartoffelflocken

9,8010,20

8,50-8,90 21,0024,00 14,00-17,00

17,0020,00 10,4010,50

, 9,209,50

10,90

11,90

14,2014,50

Lremer LaumwoUkurse. Eröffnung vom 19. September. Ok­tober 7,60 G 7,73 B, Dezember 7,73 G 7,77 B, Januar 1933 7,80 G 7,82 B, März 7,88 G 7,91 V, 7,99 G 8,01 B, Juli 8,08 G 8,13 V. Loko: 8. Tendenz abgeschwächt.

Amtliche Bekanntmachungen

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises, welche meine Verfügung vom 29. 4. 1932 be­treffend Mussührungsanweisung zur poliAeiver- orduung über die feuerschau vom 13. 6. 1927 (Amtsbl. S. 139) noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist von 48 Stunden erinnert.

Hertzseld, den 19. Sept. 1932. Der Landrat.

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