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Freie MlmKMW :

Der deutsche Antrag in Basel angenommen.

Berlin, 20. September.

Der Verwaltungsrat der BJZ. hat den deutschen An­trag auf Abänderung des Paragraphen 29 Absatz 3 des Reichsbankgesetzes, der verschreibt, daß eine Diskonisenlung unter fünf Prozent nicht erfolgen darf, solange sich die Golddeckung unter 40 Prozent bewegt, angenommen.

Die Leitung der BJZ. teilt über die Verhandlung hin­sichtlich des deutschen Begehrens folgendes mit: „Der Ver- maltungsrat nahm Kenntnis von der Mitteilung des Reichs- wirtschaftsministers, in der die Aussetzung der Anwendung des Paragraphen 29 Absatz 3 des Deutschen Reichsbankge­setzes b i s 3 0 September 1 934 in Vorschlag gebracht wird. Nachdem der Verwaltungsrat gemäß den besonde­ren Bestimmungen der Anlage 5a des Neuen Planes die Frage geprüft hatte, ob der Vorschlag der Reichsregierung mit dem Neuen Plan vereinbar ist, ermächtigte er seinen Vorsitzenden, dem Reichswirtschaftsminister zur Kenntnis zu bringen daß die BJZ. gestützt auf die besonderen Be­stimmungen der Anlage 5a keinen Einspruch gegen den in der Mitteilung des Miwsters vom 8. September 1932 ent­haltenen Vorschlag erhebt.

Der Verwaltungsrat hat auch von der am 5. d. M er­folgten Erneuerung des Anteiles der BJZ. an dem der Reichsbank gewährten Kredit für drei Monate, nachdem die anderen drei beteiligten Banken ebenfalls eingewilligt hat­ten, ihren Anteil zu erneuern, Kenntnis genommen.

Der Verwaltungsrat der BJZ. tagte unter dem Vorsitz feines Präsidenten MacGarrah. An der Sitzung nahmen deutscherseits Reichsbankpräsident Dr. Luther, Generaldi­rektor Reufch, Bankier Dr. Melchior und Geh. Oberfinanz­rat Dr. Vocke teil. Den Reichsbankvertretern ist es gelun­gen, die Bedenken zu zerstreuen, die von Gläubigerseite gegen eine deutsche Diskontsenkung vorgebracht wurden.

Berordmag des MchrmWMm

Der Reichspräsident erläßt auf Grund des Artikels 48 eine Verordnung, durch die die Bestimmung des § 29 des Reichsbankgesetzes, wonach der Diskontfah bei Anieefckrei- tung der 40prozeni?gen Deckungsgrenze nicht unter 5 Pro­zent gesenkt werden darf, zunächst für die Dauer von zwei Jahren außer Kraft gesetzt wird.

Damit erhält also die Reichsbank volle freie Verfügung über ihre Diskontpolitik. Die Verordnung lautet: § 1? Die Vorschriften des § 29 Absatz 3 des Bankgesetzes bleiben für die Seit bis zum 30. Sept mber 1934 außer Anwendung. § 2: Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft. Die Verordnung trägt den Namen des Reichs­präsidenten, auch die Unterschriften des Reichskanzlers, des Reichsinnenministers, des Reichswirtschaftsministers und des Reichsfinanzministers.

Kerrl bei SindenSurs

Berlin, 20. September.

Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Hinden- burg empfing im Beisein des Reichskanzlers von Papen den Präsidenten des preußischen Landtags, Kerrl, welcher dem --WWtzM»M MIttW WW die Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen und das von diesem bisher geübte Verfahren darlegte.

Wssier und Held beim Kanzler

Reichskanzler von Papen hatte eine lange Aussprache mit dem Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Slaais- rat Achäffer, und dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held.

In politischen Kreisen nimmt man an, daß es sich dabei memger um die Fragen der Reichsreform als die aktuellen ^inge handelt, die mit den Wahlen im Zusammenhang ~ nationalsozialistische Gauleiter von Berlin, Dr. Goebbels,-sprach in einer nationalsozialistischen Ma senver- lammlung in Wien-Hernals. Die Versammlung ist voll­kommen ruhig verlaufen. a 1 !

Beratungen des Reichslabinetts

Berlin, 20. September.

Das Reichskabinett hielt eine Sitzung ab, in der die Fragen der Kontingentierung und der Zinsherabfehuchg weiterbehandelt wurden.

Natürlich wurde in der Kabinektsfihung auch die außen­politische Frage besprochen, die durch die englische Note ge­geben ist. An dem deutschen Standpunkt wird jedoch nichts geändert werden. Schließlich berichtete der Kanzler dem Kabinett noch über die innerpolitischen Besprechungen, die er am Montag gehabt hat.

Preußische Gemeindewahlen sollen am 6. November slattfinden.

Berlin, 20. September.

Der Gemeindeausschuß des preußischen Landtags hat einen nationalsozialistischen Antrag mit den Stimmen der Antragsteller und der Kommunisten angenommen, wonach die Vertretungen der preußischen Gemeinden und Gemeinde- verbände am 6. November, also zusammen mit den Reichs- s kagswahlen, neu gewählt werden sollen.

Wahlberechtigt sollen alle 20 Jahre alten Gemeindean- ! gehörigen, die ab 1. November in der Gemeinde wohnen, , sein. Der Antrag wird am Mittwoch das Landtagsplenum beschäftigen und voraussichtlich auch dort angenommen wer­den. Es bleibt abzuwarten, ob der Staatsrat Einspruch gegen den Beschluß einlegt. In diesem Falle würde der Beschluß durch eine % Mehrheit des Landtags bestätigt werden müssen. Auch dann ist die Durchführung des Be­schlusses noch fraglich, da die kommissarische preußische Re­gierung die Auffassung vertritt, daß sie an keinen Landtags- Veschluß gebunden ist.

Schweden hat gewählt

Die Regierung bereits zurückgekrelen.

Stockholm, 20. September.

Das vorläufige Endergebnis der Wahlen zur zweiten Kammer ergab für die Konservativen 563 740 Stimmen gegen 692 434 im Jahre 1928, Bauernbund 351 055 (263 501), Liberale 40 859 (70 820), Freisinnige Volkspartei 247 092 (303 995), Sozialdemokraten 1 013 176 (873 931), Schwedische Kommunisten 130 882 (151 567), Internationale Kommu­nisten 73 508, Nationalsozialisten 14 845. Es sind somit ge­wählt 58 Konservative (15 Sitze verloren), 36 Bauernbündler "(neun gewonnen), vier Liberale (unverändert), 20 Freisin­nige Volkspartei (acht verloren), 104 Sozialdemokraten (14 gewonnen), sechs schwedische Kommunisten (zwei verloren), zwei Internationale Kommunisten (zwei gewonnen).

Die Regierung Hamrin hat im Kronrat dem König ihr Rücktrittsgesuch eingereicht. Der König hat die Demission angenommen.

Kommunistenunruhen in England

London. Seit 48 Stunden herrscht in Birkenhead schwerer Terror. Montag früh kam es wieder zu kommu­nistischen Unruhen. Obgleich die Polizei durch 100 Mann verstärkt worden war, sammelten sich um 6 Uhr morgens schlugen Fensterscheiben ein. Gegen die Polizei wurden Flaschen und Ziegelsteine geschleudert, so daß sie mit dem Knüppel vorgehen mußte. Neun Polizisten wurden schwer verletzt.

Die ganze Nacht hindurch hatte die Polizei mit Kraft­wagen, Motorrädern und Fahrrädern die Straßen ab- patroulliert. 44 Personen, darunter einer der kommu­nistischen Rädelsführer, sind verhaftet worden. Gegen 8 Uhr morgens war die Ruhe ziemlich wieder herge- stellt. Die Straßen in dem Unruhezentrum bieten ein Bild der Verwüstung und sind mit Glasscherben und Auslagegegenständen übersät. 120 Polizisten zu Fuß und 12 zu Pferd trafen aus Liverpool in Birkenhead ein. Tausende von Menschen füllen die Straßen und werden . dauernd von der Polizei in Bewegung gehalten. Die Demonstrationen hatten ihren Ursprung in Arbeits­losenunruhen.

ZMM8 MRewnndsrsmmllsar t

Danzig. Graf Gravina ist gestern abend um 10.20 Uhr gestorben.

Graf Manfrede ' Gravina ist im Jahre 1883 in Pa­lermo geboren. Er machte zunächst in der Marine und der Luftschiffahrt Dienst und wurde 1903 311m Vizeconsul in Schanghai ernannt. Dann bekleidete ^r den Posten des Ehrenadjutanten des Königs von Italien. Von 1919 bis 1928 war er Marineattache in Stockholm und bei sämtlichen skandinavischen Staaten beglaubigt. Bis 1925 führten ihn mehrere Aufgaben ins Ausland, u. a. auch nach Danzig. Von 1924 bis 1929 gehörte er der italieni­schen Delegation beim Völkerbund als Delegierter an. Seine Ernennung zum Hohen Kommissar in Danzig er­folgte im Juli 1929.

Der Tod des Völkerbundskommissars hat in Danzig große Bestürzung hervorgerufen. Tiefe Trauer erfüllt die gesamte Bevölkerung, vor allem diejenigen, die Gelegenheit hatten, mit Graf Gravina in persönliche Beziehung zu treten und ihn als Diplomaten wegen des Taktes und der Objektivität schätzen zu lernen, mit der er sich seiner schwie­rigen Aufgaben zu erledigen wußte. — In politischer Be­ziehung bedeutet her Tod des Grafen Gravina für Danzig insofern einen schweren Schlag, als die Regelung der schwebenden danzig-polnischen Streitfragen durch den Völ­kerbund jetzt möglicherweise eine Verzögerung erfährt.

Memelgouverneur erhebt Einspruch

Memel. Der Gouverneur des Memelgebietes hat gegen das vom Landtag des Memelgebietes im August verabschiedete Gesetz zur Bekämpfung der Arbeitslosig­keit .sein Veto eingelegt. Er begründete das Veto damit, daß das Gesetz nicht mit den Prinzipien der Staatsver- fassung übereinstimme. Es ist das erste Veto des neuen Gouverneurs.

®8M der KerWmauZver

Frankfurt a. O., 20. September

. 3m Anschluß an die Herbstübungen der Kavallerie in Niederschissien finden die diesjährigen Herbstmanöver unter Leiter des Chefs der Heeresleitung, dessen Quartier sich in Frankfurt a. 0. befindet, vom 19. bis 22. September in der Gegend zwischen Schwerin, Zielenzig, Reppen und Frank­furt a. 0. statt. An den Manövern nehmen Teile der ersten und zweiten Kavasloriedwision unter Generalleutnant von Bock und die dritte Division unter Generalleutnant von Rundsredt keil. Es handelt sich bei diesen Manövern um keine friedensmühigen mit vorher bestimmten festen Tages­zielen, sondern die gestellte Aufgabe ist als fortlaufende Kampfhandlung während der vier Tage gedacht.

An den Manövern nehmen die beglaubigten Militär­attaches Argentiniens, Bulgariens, Großbritanniens, Ita­liens, Japans, Litauens, Mexikos, Rußlands, Schwedens. Spaniens, der Türkei, Ungarns und der Vereinigten Staa­ten teil. Weiter ist eine Anzahl Offiziere aus Italien, Rußland, der Schweiz, Schweden unb Ungarn als Gäste des Chefs der Heeresleitung eingetroffen. Unter diesen be­finden sich der italienische General Monti, der russische Kom­mandeur Tuchatschewski, der schwedische Kavallerieoberst von Lanken und der schweizerische Generalftabsoberst Combe.

Den Herbstmanövern der Heeresleitunq wurde folnende rrusgave zugrunde gelegt: Rote Kräfte stoßen von Osten vor und haben blaue angegriffen. Blau ist in Schlesien nach Verlust der Oderlinie am 18. 9. im Zurllckgehen auf Lieg- nitz—Sprottau und den Bober, der Nordflügel aus Richtung Neusalz auf Naumburg am Bober. In Pommern verteidigte sich Blau FOKJ. in Linie Friedeberg—Arnswalde—Labes gegen einen überlegenen roten Angriff. Das Gebiet im Oder-Warthe-Bogen wurde bis zur Landesgrenze vom Feind frei. An der Grenze zwischen Unruhstadt'und Netze stehen sowohl auf blauer wie auf roter Seite nur Grenz,zo'ttwachen, denen militärischer Wert nicht beizumessen ist. Rote und blaue Reserven werden nunmehr so im Oder-Warthe-Bogen eingesetzt, daß es hier zum Kampf kommen muß.

Reichspräsident von Hindenburg verläßt am Heutiaen Dienstag Berlin, um sich in das Manövergelände zu ge­geben. Hindenburg fährt mit dem fahrplanmäßigen Nach­mittagszug nach Fürstenberg und begibt sich dann im Auto in das Manöveraebist. •

bIe fabrIk

Roman von Marllse sonnehorn (ERIKA FORST)

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 1931

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„Wenn es nur nicht so nahe vorm Feste wäre! Wenn nun zu Weihnachten die Tausende von Textilarbeitern arbeitslos sind?"

„Dann", erwiderte Hell mit aller ihm zu Gebote stehen­den Liebenswürdigkeit, „haben die vielen wohltätigen Damen unserer Kreise die reichlichste Gelegenheit, wohl­gefällige Werke zu tun und die Notleidenden zu unter­stützen."

„Hell!" verwies ihn Frau Vollwank. Nora sah ihn groß an. Sie verstand ihn nicht. Man wußte nie: redete er im Ernst oder spottete er?

Nora fand Alice gelassen, aber doch nicht ohne eine ge­wisse Freudigkeit vor.

„Ich freue mich so, daß ihr alle drei kommt — auch Hell!" sagte sie und blickte an dem jungen Mädchen vorbei aus dem Fenster. Alice hatte vermieden, Hell während der kurzen Verlobungszeit zu treffen — und er war ihr eben­falls geflissentlich aus dem Wege gegangen. Sie waren beide vernünftige und unromantische Menschen, die vor Notwendigkeiten sich beugten und sich von Gefühlen nicht zu unpraktischen Dingen hinreißen ließen.

Alice lernte jeden Tag mehr ihren Verlobten schätzen. Er glich ihr, er war, wie sie, ruhig, beherrscht, ein wenig kühl. Sie würden vorzüglich miteinander auskommen.

Hell? Häufiger als sonst hatte er sich in sein Zimmer zu seiner Geige geflüchtet. Er zwang sich, nicht an Alice zu denken, die er glaubte gering schätzen zu müssen, die er launisch, charakterlos fand. Aber was er während des Tages sich einreden konnte, das glaubte er nicht mehr in den Träumen der Nacht. Und wenn er erwachte, noch durchschauert von der Seligkeit, das heimlich geliebte Wesen in seinen Armen gehalten, geliebkost zu haben, dann sah<r

traurig, aber in stolzer. Fassung einen Augenblick der Wahr­heit in ihr hartes Gesicht: Verloren — verloren! Du liebst sie unauslöschlich. Und nie wirst du sie besitzen.

Ach, wenn er nur einmal freundlich mit ihr hätte reden dürfen! Sie, das war klar, verachtete, haßte ihn aufrichtig. Er war sich keiner Schuld bewußt, grübelte vergebens über das „Warum?" nach.

Gab es denn gär keine Möglichkeit, ihr zu sagen, daß er, ihres Zornes uneingevenk, sie dennoch — schätzte, ihr nicht zürnte, sie — nein, nicht liebte. Das hätte ihrer Seele Frieden störentönuen, und der war ihm lieber als der eigene. Aber daß-er in brüderlicher Zärtlichkeit ihrer gedenke.

Und dann kam ihm ein Plan, fiel ihm ein Weg ein, ihr seine Gesinnung zu offenbaren, der zart, unanfechtbar und sehr fd)ön war. Den wollte er gehen. Und so entschloß er sich, Alices Hochzeitsfeier mitzumachen.

In der Fabrik herrschte eine seltsame Stimmung.

Die beibat Parteien wußten nur zu gut — jede von der anderen —, daß keine von ihnen an den augenblicklich be­stehenden Zwistigkeiten persönlich beteiligt war. Jede folgte — und durchaus nicht immer mit großer Freudig­keit — den Befehlen ihrer Zweckverbände. Und doch herrschte jenes Umeinanverherumgehen, das von offener Feindschaft kaum zu unterscheiden ist.

„Warum grüßen die Leute so fremd?" fragte sich Nora Die ersten Tage nach ihrer Rückkehr erstaunt. Und dann fiel ihr ein: Ach, der Lohnstreil!

Freilich, was konnte sie dazu? Hatte sie nicht — auf Happels Anleitung — eine ganze Menge Arbeiterfamilien aufgesucht, in denen Not herrschte? Hatte sie nicht den Kindern Kleidchen und Spielzeug gebracht und den Alten Wein, Obst und frische Eier?

Die Tante hatte sie darin unterstützt. „Ich habe lange schon den Mut dazu verloren, den Glauben an den Nutzen der Sache. Aber ich frene mich, wenn du es tust!" Das hatte sie mehrmals gesagt« und das junge Mädchen reich­lich mit Mitteln versehen.^ „Frau Vollwank", hatte Nora

jedesmal ihren Besuch begründet, „schickt mich zu Ihnen!" Dennoch merkte sie wohl, daß man ihr allein die Freund­lichkeit zuschrieb und ihr allein einen gewissen Dank ent- gegenbrachte. „Frau Vollwank ist kalt und hochmütig", sagte einmal eine alte Frau zu ihr. „Sie hat kein Herz für die Leute in ihrer Fabrik." Vergeblich redete Nora mit allen ihr zu Gebote stehenden Worten aus die Greisin ein, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. „Sie meinen es gut", sagte sie bloß, „aber wir kennen Frau Vollwank ein wenig länger als Sie, Frikulein!"

„Wie ist das möglich, daß man sie so verkennt?" klagte Nora Hermann Woll. „Sie, die sich so um die Menschen sorgt, mit ihnen leidet, um sie bangt!"

„Sie hat die Art nicht!" erklärte er ihr. „Sehen Sie sie an, wie sie etwa einmal durch die Säle geht - hoch, schlank, elegant auch im einfachsten Kleid, nur durch ihre Haltung! Und dazu dieses junge, zarte, mädchenhafte Ge­sicht. Und alle wissen, sie ist mehr als fünfzig Jahre alt, ein Alter, in dem sie selbst schon Greise sind. Das allein erregt Neid. Haben Sie noch nicht bemerkt, daß die Frauen am erbittertsten auf sie sind? Ihre Schönheit ist daran schuld — und dann ihr Wesen. Hat sie nicht immer etwas Hoheitsvolles — vielleicht auch etwas Herablassendes an sich?"

Am wenigsten von oer haßgeschwängerten Atmosphäre in der Fabrik merkte vielleicht Bo, der Erfinder. Mit einem anderen Chemiker und einigen Hilfskräften arbeitete er un­ermüdlich von früh bis spät an seiner neuen Methode, die Kunstseide zu verbessern, die fertigen Stoffe vor dem lästigen Faltigwerden zu bewahren. Die Seide sollte sich vom selbst glatt hängen, wie es gute Wolle tut. Zuweilen kam er erst spät in der Nacht heim. „Der macht Tag- und Nachtschicht!" sagten die Arbeiter anerkennend, wenn sie beim Schichtwechsel die Fenster des Laboratoriums immer noch erleuchtet sahen.

„Ein tüchtiger Kerl!" meinten andere.

„Was er auch ausklamüsert — wir haben nichts davon! Das fließt alles in die großen Taschen derer, die schon haben". erinnerten wieder andere. lKortlebuna folat)