Einzelbild herunterladen
 

Franz Funk t

Gestern Mittag kurz vor 1 Uhr entschlief sanft nach schwerer Krankheit Franz Funk, der Verleger beiHersfelder Tageblatts" und Besitzer der Funkschen Buchdruckerei. Tieferschüttert stehen wir an der Bahre eines Mannes, der im besten Alter aus unserer Mitte gerissen wurde. Wenig mehr als 51 Jahre nur hat ihm das Geschick auf dieser Erde gegönnt, die ihn nun zum letzten Schlaf auf­nehmen soll.

Wer den lebensfrohen, kräftigen Mann kannte und es sind ihrer viele überall, der wird die Nachricht seines plötzlichen Todes, noch nicht fassen können. Die Angehörigen, die näheren Verwandten und Bekannten jedoch wußten, daß schon seit Jahresfrist der Krankheitskeim, eine tückische Schlag­aderverkalkung in ihm war, dem gegenüber schließ­lich alle Kunst der Aerzte versagen mußte

Franz Funk war, in Hersfeld am 8. Februar 1881 geboren, von den 3 Brüdern derjenige, der einmal das väterliche Geschäft übernehmen sollte. Seine Schulbildung genoß er in Hersfelds altbe­rühmter Klosterschule, die er verließ, um sich seiner fachlichen Ausbildung zu widmen. Nachdem Franz Funk sich in Hersfeld und Kassel in allen Zweigen seines zukünftigen Berufes umgesehen hatte, trat er in das Geschäft seines Vaters ein, dem er eine wertvolle Hilfe war, bis er nach dessen Tode im Jahre 1913 unter eigener Verantwortung die Firma leiten mußte. 19 Jahre lang hat er umsichtig und tatkräftig diese Aufgabe zu erfüllen gewußt.

Aus der Heimat.

12. Bundestag des Kurheff.-Waldeckischen

Handwerkerbundes in Witzenhaufen.

Die Werrastadt Witzenhausen stand am Sonnabend und Sonntag im Zeichen einer machtvollen Kundgebung des Kurhessisch-Waldeckischen Handwerkerbundes, der sich zu seiner 12. Bundesversammlung tief.

Am Sonntag Morgen wurde die eigentliche Tagung von Obermeister Müller eröffnet. Ex teilte mit, daß er das Amt des Bundesvorsitzenden habe niederlegen müssen, weil ihm seine Tätigkeit als Vorsitzender der Hand­werkskammer Kassel die doppelte Tätigkeit unmöglich mache.

Dann sprach Syndikus Dr. Hartmann über die

Bundes, die die notwendige Unabhängigkeit verbürge.

Als Niederschlag der Ausführungen Dr. Hartmanns wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, die die Wünsche und Forderungen des Handwerks zum Aus­druck bringt. Desgleichen wurde zur letzten Notverord- nung der Reichsregierung Stellung genommen.

Dann wurden einige Anträge angenommen, die sich für die Aufstellung eines Arbeitsbeschaffungs­programms im Handwerk aussprechen und außerdem weitgehende Steuersenkungen und eine Minderung der öffentlichen Gebühren verlangen.

Die Wahl des Bundesvorsitzenden ergab mit großer Mehrheit, daß in Zukunft Malerobermeister Stühler den Bund führt.

Am Nachmittag wurde sodann in der Turnhalle eine außerordentlich stark besuchte öffentliche Kund­gebung ahgehalten, in deren Mittelpunkt das Referat von Dr. Wagner-Marburg überDas Handwerk als Kernstück des deutschen Wiederaufbaues" stand.

Einen machtvollen Abschluß fand der Bundestag durch eine öffentliche Kundgebung vor dem Rathaus.

< ------

Riede«aula. Der Aussichtsturm auf der Mengshäuser Kuppe konnte jetzt im Rahmen einer Feier seiner Bestimmung übergeben werden. Zu der Veranstaltung waren nicht nur Einwohner der um­liegenden Gemeinden, sondern auch Wanderfreunde aus weiterer Ferne sowie der Landrat und andere Behörden» vertreter erschienen. In seiner Weiherede erinnerte Bernhard Andree-HerSfeld an das tragische Geschehen um diesen Turm. Beim letzten Hammerschlag ist der Zimmermann Johannes Meckbach abgestü'zt und der geistige Vater des Turmes, Lehrer Schneider, starb an dem Tage, an dem der Turm zuerst eingeweiht werden - sollte. In seinem Namen als Heußnerturm soll er den Dank an den Führer der im Knüllgebirgsverein zusammengeschlossenen Wanderbewegung zum Ausdruck bringen. Andree schloß mit einem - heiligen Gelöbnis zu Volk und Vaterland, dem der Gesang des Deutsch­landliedes folgte. Weitere Ansprachen hielten Amtsge- richtSrat Heußner-Hersfeld und Oberförster Kuhlgatz- Niederaula. Der Posaunenchor Kruspis verschönte die Feierstunde.

Melsungen. Zwei Kasseler Autos, die sich mit | Sportlern auf dem Heimwege von Hersfeld, wo sie ein Spiel ausgetragen hatten, befanden, wurden zwischen Altmorschen und Melsungen von einem Lastauto, auf dem sich ebenfalls Personen befanden, in die Flanke gefahren. Während das eine Kasseler Auto mit einer leichten Beschädigung davonkam, wurde das andere so schwer beschädigt, daß es abgeschleppt werden mußte. Die Insassen wurden zum Teil leicht verletzt.

Spangenberg. Montag nachmittag um 4 Uhr brach in dem Dorf Weidelbach im Kreis Melsungen in dem Anwesen des Landwirts Metz, der gerade mit dem |

DasHersfelder Tageblatt" baute er aus dem Weltkrieg glücklich zurückgekommen zur Tages­zeitung aus, wie er auch die Akzidenzdruckerei ständig vergrößerte. Unbeirrbar ging er seinen Weg und war mutig genug, auch in den schweren Nachkriegsjahren sein Geschäft ständig zu erweitern. Seine sympathische Persönlichkeit, sein offenes, ruhiges Wesen ließen ihn mit allen, die geschäftlich und persönlich mit ihm in Berührung kamen, gut auskommen. Groß waren auch das Vertrauen und die Wertschätzung, die er in den Kreisen seiner Kollegen genoß. Als Richard Weber, der unver­gessene Vorsitzende desVereins Deutscher Zeitungs­verleger Bezirk Kurhessen und Waldeck" starb, wurde Franz Funk sein Nachfolger. Auch im Kreis­blattverlegerverein für den Regierungsbezirk Kasfel führte er den Vorsitz. In seiner Heimatstadt stand er in bestem Einvernehmen mit Behörden und Wirtschaftskreisen, seit Jahren war er auch Auf- stchtsratsmitglied des Spar- und Kreditvereins. Seinen Angestellten und Arbeitern kam er jederzeit mit dem größten Verständnis entgegen Ein vor­bildliches glückliches Familienleben erfreute ihn bis in seine letzten Tage hinein.

Nun ist seine Erdenlausbahn zu Ende, jäh hat ihn ein hartes Geschick den Seinen entrissen. Sein Leben war nur in einem, falsch: daß er zu früh sterben mußte. Die Gewißheit aber darf er mit in das Grab nehmen: er wird unver­gessen bleiben.

Dreschen seiner Ernte beschäftigt war, durch Kurzschluß Feuer aus. Im Nu standen Scheune und Wohnhaus in Flammen. Der Landwirt Metz, der sich hoch oben im Speicher befand, konnte nur mit knapper Not sein Leben retten. Das Feuer sprang sodann über auf das Anwesen des Landwirts Steinbach und von da auf das Anwesen der Witwe Holl. Sämtliche Wohnhäuser, alle Wirtschaftsgebäude, die darin befindliche gesamte Ernte, landwirtschaftliche Maschinen und das Mobiliar der Wohnhäuser wurden ein Raub der Flammen. Das Vieh konnte jedoch gerettet werden.

Burghasnngen Gegen 8.30 Uhr abends brach auf der Domäne Burghasupgen aus bisher noch unbe­kannter Ursache Großfeuer aus, das die Stellungen er­faßte. Während das Geflügel und die Pferde gerettet werden konnten, fielen ungefähr 35 Schweine den Flammen zum Opfer. Ferner ist ein Teil der Ernte

o

ran

sümpften, konnten infolge Wassermangels die Stellungen nicht gerettet werden.

Homberg (Bez. Kassel). Abends gegen 7 Uhr entlud sich über Stadt und Umgegend ein heftiges Ge­witter, begleitet von starken Regengüssen. Hierbei schlug der Blitz im benachbarten Dickershausen ein, wodurch das Anwesen der Witwe Dippel in Brand gesetzt wurde. Die Ortsfeuerwehr war sofort zur Stelle, der es gelang, das Vieh aus den Ställen in Sicherheit zu bringen. Das Gehöft wurde jedoch in Asche gelegt.

Salmshausen. Der Landwirt Heinrich Pfalzgraf wollte ein durchgehendes Pferd zum Halten bringen. Er stürzte und kam unter das Fu' rwerk zu liegen. Mit schweren inneren Verletzungen und einem Beinbruch ordnete ein Arzt die Uebersuhrung nach Hephata an, wo er trotz sofortiger Operation verschied.

Göttingen. Aus dem Gefängnis des hiesigen Landgerichts sind in der Nacht zum Sonntag zwei Gefangene ausgebrochen, und zwar der Kommunist Fischer aus Clausthal-Zellerfeld und ein gewisser Hunold, der kürzlich in Hann.-Münden verhaftet worden ist. Die beiden Ausbrecher hatten die Eisenstangen vor ihren Zellen durchsägt und sich mit Bettlaken in den Jnnenhof des Gefängnisses herabgelassen. Sie stiegen durch ein anderes Fenster in das Landgerichtsgebäude ein und verließen eS auf der anderen Seite. Die Ge­fangenen sind entkommen.

Gewinnauszug

5. Klaffe 39. Preußisch-Süddeutsche Staats-Lotterie.

Ohne Gewähr

Nachdruck verboten

I Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne I gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II

30. Ziehungstag

12. September 1932

In der heutigen Schluß-Ziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen

2 Gewinne ,u 1000 M. und 2 Prämien tu 500000 M. auf Nr. 341976 Ferner fielen:

2 Gewinne zu 50000 M. 1 57099

6 Gewinne tu 5000 M. 88199 159593 329640

12 Gewinne zu 3000 Nr 12602 74804 85000 107613 214401 340125 ru 2000 M. 1923 27714 88108 105932 105968 136670 147091 155984 251157 271231 301966 325292 339700

»U 1000 M. 6519 7814 13621 14397 32602 53758 561 79 67623 68708 100433 115319 163471 191872 271482 282643 303610 328891 336893 366234 386479

^.^L^'""° »u 500 M. 567 1212 29465 31835 37265 47909 65593 81277 138457 138788 153912 162617 173397 194552 202156 211056 218501 218783 250182 251264 254247 262676 280839 281333 294753 308086 310039 322434 327030 338069 348909 353924 363791 384677 385117 393460

Schlußprämien.

Auf lebe gezogene Nummer sind zwei Prämien zu je 3000 RM gefallen, i nd zwar je eine auf die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen l und II:

13408 46034 58592 103139 108536 113963 118802 122874 129077 131960 134561 135180 140432 144457 158141 161135 165029 172364 175566 184376 194701 201394 222276 229112 231002 249234 255591 266698 271949 273347 275132 277629 281969 282078 292256 299792 306096 306479 309420 314375 317444 323293 332869 357909 369089 379246 397I78 391259 392117 395100

Frankreich zur Wehrfrage

Die Antwort auf den deutschen Standpunkt.

Berlin, 13. September.

In der Antwort, die die französische Regierung auf dre deutsche Denkschrift zur Frage der Gleichberechtigung erteilt hat, heißt es u. a.:

Die Regierung der französischen Republik ist sich bewuyt, alles getan zu haben, was in ihrer Macht lag, um ein ordnungsmäßiges Fortschreiten der Arbeiten der Abrüstungskonferenz zu ermöglichen. Sie hat die von ihr aufgestellte These hinsichtlich der Sicherheit für einen späteren Zeitpunkt zurückstellen lassen: sie hat sich damit einverstanden erklärt, daß die Prüfung dieser These ebenso lange verschoben werde, wie dies von Deutschland für die Prüfung seiner Forderung auf Gleichberechtigung verlangt wurde.

Wenn die deutsche Regierung sich für berechtigt er­klären wollte, ihren eignen Rüstungsstand unter Beru­fung darauf zu ändern, daß von dem jetzt in Vorberei­tung stehenden Abkommen nur unzureichende Ergebnisse zu erhoffen seien, so würde sie nicht nur den klaren Ver­pflichtungen aus dem von ihr unterzeichneten Vertrage zuwiderhandeln, sondern sie würde durch ihre Haltung auch die künftige Verwirklichung der allgemeinen Ab­rüstung unmöglich machen. Wenn Deutschland die Ab- ficht hat, gemeinsam mit Frankreich wie mit anderen Staaten an diesem Werke zu arbeiten und darüber zu verhandeln, so ist nichts berechtigter und wünschenswer­ter als das.

Die französische Regierung kann der Ansicht der deut­schen Regierung, daß in rechtlicher Beziehung das Pro­blem der Rechtsstel'ung Deutschlands innerhalb einet allgemeinen, unter dem Schutze der Schiedsgerichtsbar» keit stehenden Friedensordnung gelöst sei, vom Rechts» standpunkt aus nicht beipflichten.

Die französische Regierung hat sich an die Angaben gehalten, die der Herr Reichswehrminister verschiedent­lich gemacht hat. Es handelt sich demnach darum, daß für Deutschland auf dem Gebiete des Heeres Luftstreit­kräfte, Kampfwagen, schwere Artillerie sowie Luftabwehr- geschütze und auf dem Gebiete der Marine Unterseeboote, Flugzeugmutterschiffe und Panzerschiffe gefordert werden. Kein Zweifel, es handelt sich hier um eine Aufrüstung.

Diese Aufrüstung würde sich unabwendbar auf alle die Staaten ausdehnen, die durch Verträge an ein ähn­liches Regime gebunden sind wie Deutschland. An der Frage, die Frankreich vorgelegt worden ist, ist also ganz Europa unmittelbar interessiert, und Frankreich kann sich nicht darauf ein'assen, auf ein Problem von solchem Umfange für sich allein eine Antwort zu erteilen.

Wenn Deutschland auf seinen Absichten besteht, so muß eine allgemeine Aktion durchgeführt werden, aber nicht auf dem Boden der Abrüstungskonferenz. Die er­forderlichen Verhandlungen könnten zweiffellos nicht ge­führt, ja nicht einmal angebahnt werden ohne Befragung der Mächte, die dem Vertrauenspakt vom 13. Juli 1932 beigetreten sind. Deutschland ist diesem Pakt in aller Form beigetreten. Die französische Antwort zitiert dann Artikel 1 und 2 des Vertrauenspaktes, Artikel 164 des Versailler Vertrages und das Antwortschreiben des Prä­sidenten der Friedenskonferenz auf die deutschen Bemer- "'"M ß» ^iiM^mw ^rww trag geschaffenen Rüstungsstande gestattet, bevor Deutsch­land nicht in den Völkerbund ausgenommen worden ist; dieser kann etwa wünschenswert erscheinenden Abände­rungen zustimnien." Die Entscheidung liege demnach beim Völkerbund allein.

Frankreich behält sich vor, vor dem Völkerbund ge* gebeuenfalls die Gründe darzulegen, die es hindern, nner Wiederaufrüstung Deutschlands zuzustimmen.

In Berlin besteht der Eindruck, daß diese Antwort nicht geeignet ist, die Weiterführung der Frage der Gleichberechtigung zu fördern. Sollte sich auch bei ge­nauer Prüfung ergeben, daß der Tatbestand für eine weitere Beteiligung Deutschlands an der Abrüstungskon­ferenz mit dieser französischen Antwort nicht gegeben ist, so würde die angekündigte Konsequenz schon gegenüber c>em am 21. September zusammentretenden Büro der Konferenz gezogen werden.

Atzet sucht Familie Sutchinson

London, 13. September.

Ueber das Schicksal der in den grönländischen Gewässern notgelandeten Familie Hutchinson, die im Flugzeug über den Ozean nach Europa unterwegs war, herrscht noch völlige Ungewißheit. Nach dem Verstummen der SOS.- Rufe hat man keine Nachricht mehr erhalten. Die Deutsche Universal-Film-Corporation teilt mit, daß der Flieger Übet, der sich zur Zeit zu Filmaufnahmen in Grönland aufhält, sofort nach Bekanntwerden von dem Verschwinden der Flie­gerfamilie Hutchinson angewiesen worden sei, mit seinen drei Flugzeugen die Suche nach den Verschollenen aufzu- nehmen. Dr. Fanck, der Regisseur der Film-Expedition, unterbrach die Aufnahmen und stellte die ganze Organisation ebenfalls in den Dienst der Nachforschungen.

15 Anwesen in Flammen aufgegangen. Von einer ge­waltigen Feuersbrunst ist die Ortschaft Oberdörfl im Rosen- tal in Körnten heimgesucht worden. Das Feuer hatte durch starken Wind begünstigt, so schnell um sich gegriffen, daß die Bewohner kaum alarmiert waren, als bereits das ganze Dorf in Flammen stand. Die Feuerwehren konnten nicht viel ausrichten, weil außer dem Dorsbrunnen kein Wasser zur Verfügung stand. Insgesamt sind 15 Anwesen nieder­gebrannt. Nur ein einziges Wohnhaus ist notdürftig er­halten geblieben.

Die Wetteraussichten.

Deutschland liegt noch immer am Südrande des nordischen Sturmwirbels. Sein Einfluß macht sich auch bei uns in lebhafter Luftbewegung und veränder­licher Bewölkung geltend. Die Niederschlagstäligkeit hält sich jedoch in mäßigen Grenzen. Kräftiger Druck­anstieg im Bereiche deS Wirbels deutet zwar auf all- mähliche Beruhigung hin, doch ist vorerst beständig trockenes Wetter noch nicht wahrscheinlich.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Bei werter abflauender Luftbewegung zeitweise aufheiternd, doch immer noch nicht ganz beständig.