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Hersfel-er Tageblatt

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Hersfel-er Kreisblatt

Mtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJV.

Nr. 195 (Erster Blatt) Sonnabend, den 20. August 1932

82. Jahrgang

Innerpolitische Lage noch unklar

Man rechnet nicht mit schneller Reichstagsauflösung Vor den Koalitionsverhandlungen in Preuheu

Admiral Zenker f

Osterode (Harz), 20. August.

Admiral a. D. Hans Zenker, der seit Jahren in Osterodt am Harz wohnhaft war, ist nach einmonatigem Kranken- läget in der Klinik zu Göttingen, wo er sich einer schwerer Operation unterziehen mußte, im Alter von 62 Jahren ge­storben.

In den Kreisen der jetzigen und der ehemaligen Ma­rineangehörigen löst der Heimgang Admiral Zenkers liest Trauer aus. Der Verstorbene diente 39 Jahre lang aktiv als Marineoffizier dem deutschen Vaterlands, Während des Krieges im Großen Hauptquartier, unterstützte er ener­gisch die Bestrebungen des Großadmirals von Tirpitz aus offensive Seekriegsführung. 1924 wurde er als Nachfolge: des Admirals Behnke zum Chef der Marineleitung beru­fen. Seiner Tatkraft ist es zu verdanken, daß die Reichs­marine in den Kreuzern und Torpedobootszerstörern für die veralteten Schiffe Ersatz bekam. Auch an der Bewilligung des Panzerkreuzers A hatte Admiral Zenker regen Anteil

Hans Zenker wurde 1870 in Bielitz (Schlesien) geboren. Er trat 1889 als Kadett in die Kaiserliche Marine ein, wurde 1895 Leutnant zur See, 1901 Kapitänleutnant und 1906 Korvettenkapi­tän. 1913 erhielt er seine Ernennung zum Kapitän zur See. Im Weltkrieg war Zenker zuerst beim Chef des Admiralstabs im Großen Hauptquartier tätig, befehligte dann als Kommandant den SchlachtkreuzerBon der Tann", den er auch während der Ska- gerrak-Schlacht führte. Nach dem Kriege nahm er in der Marine­leitung an dem Aufbau der neuen deutschen Marine als Chef der Marineftation der Nordsee teil und erhielt dann den Oberbefehl der gesamten Seestreitkräfte. Am 1. Oktober 1924 wurde er als Nachfolger des Admirals Behnke zum Chef der Marineleilung be­fördert.' Nachdem Admiral Zenker sich 1928 anläßlich derLoh- mann-Affäre" für seinen Untergebenen vor dem Reichstag mitver­antwortlich erklärt hatte, bat er um seinen Abschied, der ihm auch bewilligt wurde.

$*nl der Marineleilung

Der Chef der Marineleitung, Admiral R a e d e r, hat anläßlich des Hinscheidens des Admirals a. D. Zenker einen Nachruf erlassen, in dem es heißt:Abermals ist einer der Besten von uns gegangen, der in schwerster Zeit berufen war, der Reichsmarine den Weg in eine lichtvollere Zukunft zu weisen. Im Weltkriege stand Admiral Zenker längere Zeit an verantwortungsvoller Stelle im Admiralstab der Marine. Das auf den Weltkrieg folgende Jahrzehnt brächte den Gipfelpunkt im Leben des nunmehr Verstorbenen. Nach langen Jahren arbeitsreichen Wirkens als Chef der Ma rinestation der Nordsee war es ihm beschieden, von 1923 bis 1924 als Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte erstmalig die Schiffe und Verbände der neuen Reichsmarine unter ein­heitlichem Kommando zusammenzufassen. Admiral Zenker schuf während dieses einen Jahres in unermüdlicher Auf­bauarbeit die Grundlage für die spätere Ausbildung und Verwendung der Seestreitkräfte.

In den nachfolgenden vier Jahren stand er als Chef der Marineleitung an der Spitze der Reichsmarine. Der in diese Zeit fallende Beginn einer Erneuerung der See­streitkräfte und zumal der Entwurf und der eingeleitete Bau des ersten neuen Panzerkreuzers krönten sein Werk."

Der Reichspräsident hat an die Witwe des Admirals Zenker nachfolgendes Beileidstelegramm gerichtet: Schmerzlich berührt durch die Nachricht von dem so un­erwarteten Ableben Ihres Herrn Gemahls, spreche ich Ihnen meine herzlichste Anteilnahme aus. Ich werde dem um die Reichsmarine in Krieg und Frieden hochverdienten Admiral stets ein ehrendes Gedenken bewahren."

Bundesrat gegen Lavlanne

Men, 20. August.

Der Bundesrat erhob mit 27 Stimmen der Sozialdemo- kraten, Nationalsozialisten, Großdeukschen und des Heimat­blocks gegen 22 Stimmen der Christlich-Sozialen und des Landbundes Einspruch gegen das Lausanner Protokoll. Es Muß nunmehr an den Rationalrat zurückgeben.

Die Lage im Reich

Bleibt die Regierung Papen?

Berlin, 20. August.

In dem Interview, das Reichskanzler o. Papen einem Vertreter des englischen Reuterbüros gewährte, hat am meisten die Stelle Beachtung gefunden, in der der Reichs­kanzler erklärte, sein Kabinett werde noch lange im Amte bleiben. In parlamentarischen Kreisen des neuen Reichstags wird hierzu erklärt, daß an sich kaum ein Zweifel an der An­nahme eines Mißtrauensvotums gegen das Kabinett Papen bestehe. Es könne sich dann nämlich ergeben, daß der Reichspräsident es als die Hauptaufgabe des Reichstags er­kläre. eine arbeitsfähige Regierung, d h eine solche zu bil­den die sich auf eine Mehrheit im Parlament stützen kann. Solange der Reichstag hierzu sich nicht imstande zeige. habe Der Reichspräsident die Möglichkeit auch bei Annahme eines Mißtrauensvotums gegen das Kabinett von Papen diese Reichsregierung als Regierung seines Vertrauens mit der geschäftsführenden Wahrnehmung der Regierungsgeschäfte so lange zu betrauen, vis ein Mehrheitskabinett zustande­gekommen sei

Sollten die Fraktionen nicht imstande sein, eine von einer Mehrheit gestützte Regierung zu bilden, dann würde unter Umständen das Kabinett von Papen während der ganzen Dauer der Legislaturperiode des Reichstags ge- schäfissn'rend amtieren können. Mit Hinweis hierauf hält man es in parlamentarischen Kreisen nicht für wahrfchein- tich, daß bei Annahme eines Mißtrauensvotums gegen von Papen die abermalige Auflösung des eben gewählten Reichs­tages in Betracht käme. Man argumentiert so, daß nach einer eventuellen fioalhionsoetü «vMcu zwischen Zentrum

^mieti für Die Herbeiführung einer Mehrheikskoalikion im Reich ge­geben wären.

Die sozialdemokratische Fraktion des neuen Reichstages trat zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Parteivor­sitzende Wels berichtete über die politische Lage und dann wurden die Anträge besprochen, die dem neuen Reichstag vorgelegt werden sollen. Darunter befinden sich auch die Anträge, in denen die Verstaatlichung der Schlüsselindu­strien gefordert sowie der Abbau der hohen Gehälter in den­jenigen Betrieben verlangt wird, die vom Staate direkt oder indirekt subventioniert werden. Vor allem aber wurde ein Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Papen beschlossen.

Verhandlungen in Preutzen

Rachdem der preußische Landlagspräsidenk Kerrl in München Adolf Hitler über die Lage in Preußen unlerrichlel hat, ist er wieder nach Berlin zurückgekehrt, wo nunmehr alsbald die Verbandlungen zwischen Rakionalsozialisten und Zentrum über die Regierungsbildung beginnen sollen.

Wie von deutschnationaler Seite verlautet, hat schon vor der Bayernreise Kerrls eine unverbindliche Fühlung­nahme mit dem Geschäftsführer der preußischen Zentrums- fraktion, Dr. G r a ß, stattgefunden. In dieser Unterredung soll die NSDAP. das Ministerpräsidium und die Posten des Innenministers, des Finanzministers und des Kultusmini­sters gefordert haben, jedoch soll das Zentrum diese Forde­rungen als zu weitgehend bezeichnet haben. Als preußi­scher Ministerpräsident wird im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen der frühere nationalsozialistische thüringische Innenminister Dr. F r i ck genannt. In unterrichteten Krei­sen steht man jedoch den Bemühungen, eine Koalition zwi­schen Nationalsozialisten und Zentrum in Preußen zustande zu bringen, skeptisch gegenüber. Die innerpolitische Lage in Preußen ist tatsächlich noch völlia offen.

Kabinett berät Arbeitsbeschaffung

Berlin. Die Freitag-Sitzung des Reichskabinetts dauerte zwei Stunden. 3m wesentlichen handelte es sich darum, die Frage der vom Kabinett seit längerer Zeit beabsichtigten Globalabstriche am Etat zu erledigen, und zwar sollen diese Kürzungen 110 Millionen Mark betra­gen. Ueber 75 Millionen davon war schon früher eine Verständigung erzielt worden, über die Frage, wie die Kürzung der restlichen 35 Millionen auf die einzelnen Ressorts 3u verteilen ist, wurden jetzt Kabinettsbeschlüsse gefaßt. Außerdem hat das Kabinett eine Reihe wirtschaft­licher Einzelmaßnahmen beraten und sich schließlich auch mit der Arbeitsbeschaffung befaßt. 3m Anschluß an die Kabinettssitzungen begannen die Besprechungen des Reichskanzlers, des Reichsfinanzministers und des Reichs­wirtschaftsministers mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Luther. Hierbei dreht es sich bekanntlich um die Fragen der technischen Durchführung der Finanzierungsmaßnah- men zur Arbeitsbeschaffung.

Dr. Gerele Arbeitsbeschaffungs-Kommiflar?

Berlin. Nach einer Blättermeldung beabsichtigt die Reichsregierung, einen besonderen Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung einzusetzen. Der Präsident des Laud- gemeindetages, Dr. G e r e k e, soll die meisten Aussichten haben.

Kein Marsch auf Berlin

Hitler über seine Berliner Verhandlungen.

Rew Park, 20. August.

Die Blätter bringen eine Unterredung des Berliner Chefkorrespondenten der Associated Preß Louis P. Loch- ner mit Hitler, die in den bayrischen Bergen stattge- funden hat. Hitler hat sich bei dieser Unterredung zunächst über die Frage einer Teilnahme an der Regierung ausge­sprochen. Zur Uebernahme der Macht in einer Demokratie gehörten 51 Prozent. Ueber diese verfüge er zwar nicht, aber er verfüge über 37 Prozent. Das wären ungefähr 75 Prozent jener 51 Prozent, die zur Regierungsübernahme erforderlich seien. Ohne die Nationalsozialisten wäre eine legale Regierung in Deutschland nicht länger möglich. Er könne von einer sicheren Position aus die weitere Entwick­lung abwarten.

Auf die Bemerkung des Vertreters der Associated Preß, daß die Regierung von Papen von ihm behauptete, er habe für sich die ganze Macht verlangt, wie Mussolini sie aus- ube, und daß er versprochen habe, die gegenwärtige Regie­rung gerade nach den Reichstagswahlen zu unterstützen, ant­wortete Hitler, der Hinweis auf Mussolini sei niemals in Diesem Zusammenhang gefallen und sei vollkommen falsch wiedergegeben worden.

Daß die Rakionalsozialisten die ganze Macht niemals verlangt hätten, gehe aus der Tatsache hervor, daß sie bis Reichswehrministerium niemals gefordert hätten. Dies ließe gewiß einen großen Machtfaktor in den Händen der Exeku- t ve. Das die Tolerierung der gegenwärtigen Regierung an- betreffe, so habe er lediglich versprochen, die Regierung so lange zu unterstützen, als die Rakionalsozialisten deren in­nere und auswärtige Politik würden billigen können.

Rein ausgesprochen hätte sMstauf W NeWsrwn 8se Kön^ ferenz zu sprengen io hätte uhiere Haltung eine andere fern können Eme Verständigung mit Frankreich fei unmöglich solange Frankreich Deutschland behandele, wie es jetzt ge­schehe.

Hitler wies mit einem ungeduldigen Lächeln und einer verneinenden Geste die Idee des Marsches auf Berlin von sich ab.Darum soll ich auf Berlin marschieren. Ich bin ja fd^on dort. Die Frage ist nicht, wer auf Berlin marschieren wird, sondern vielmehr, wer aus Berlin herauszumarschie- ren haben wird. Meine Sturmkruppen sind die denkbar best- disziplinierken Truppen, die es gibt, und sie werden nicht einen illegalen Marsch versuchen."

Bundeskanzler a. D. Schober t

Wien. Der ehemalige Bundeskanzler und Polizeiprä­sident Dr. Schober ist Freitag abend um 22 Uhr ge­storben.

Schober wurde 1874 in Kerg geboren. 3m Juni 1918 wurde er Polizeipräsident von Wien. Schober hat die Wiener Polizei in der Nachkriegszeit vollkommen reorga­nisiert. Die erste Kanzlerschaft dauerte vom Juni 1921 bis Mai 1922, die zweite vom September 1929 bis Sep­tember 1930. Unter der Kanzlerschaft Schobers bmrbe die Versassungsreform und das Haager Abkommen durchge­bracht. Unter seiner Kanzlerschaft wurde Oesterreich von den Reparationen befreit und wurde die Auflegung der internationalen Bundesanleihe 1930 durchgeführt. Vom Dezember 1930 bis Januar 1932 war Schober österreichi­scher Außenminister. Dr. Schober galt als erste Autorität auf dem Gebiete des Polizeiwesens. Er war Ehrendoktor der Universitäten Graz und Wien. .Schober trat 1913 als Mitglied der Großdeutschen Partei und Abgeordneter des Nationalrats ins politische Leben ein.

LttLWa-AblsmMen unterzeichnet

Ottawa. Die englische Delegation hat bereits Ab­kommen mit Indien, Südafrika und Neufundland unter­zeichnet. Die Unterzeichnung mit Südrhodesien, Austra­lien und Neuseeland steht bevor.

Wie verlautet, beziehen sich die hauptsächlichsten Ver­günstigungen für Kanada aus dem bevorstehenden Ab- tommen mit England auf Achsel, Milcherzeugnisse, Speck, Vieh, Kartoffeln und Getreide.

Dzeanubeguerung mit Leichtflugzeug

New Pork. Der amerikanische Flieger Mollison, der gestern nachmittag in Pennfieldbridge bei St. Johns in Neu-Braunschweig landete, hat die rund 4203 Kilometer lange Strecke DublinHalifax in 24 Stunden 10 Mi­nuten zurückgelegt. Sein Flug ist insofern bemerkenswert, als er die erste Ueberfliegung des Atlantischen Ozeans durch einen leichten Eindecker darstellt. Mollison, der so­fort nach der Landung seine Frau, die Fliegerin Amy Johnson, von dem Gelingen des Transozeanfluges benach­richtigte, wird zunächst eine kurze Rast in St. Johns hal­ten, um sich von den Strapazen des Fluges auszuruhen imb dann nach New Pork weiterfliegen,

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