Preußens BerwMmgrresorm
Ueberleitungsbestimmungen zur Aufhebung von Amts-
gerichten.
Berlin, 17. August,
Im Preußischen Justizministerialblatt werden Ueberleitungsbestimmungen aus Anlaß der Aufhebung von 60 preußischen Amtsgerichten veröffentlicht. Diese Ueberlei- iunqsbestimmungen setzen den Erlaß einer noch ausstehen- den Verordnung über die Aufte-lung der Bezirke der aufgehobenen Amtsgerichte voraus und sollen schon .etzt d e Justizbehörden zür Einleitung der erforderlichen Vorbereitungen in die Lage versetzen. Da in nicht wenigen Fallen die früheren Bezirke unter mehrere Amtsgerichte au geteilt werden, müssen personelle Anordnungen betreffend die Schöffen, die Beisitzer der Pachteinigungsämter, die Schieds- männer) ferner organisatorische Anordnungen (Bezirksab- grenzung der Arbeitsgerichte, der auswärtigen Strafkammern. der Schöffengerichte) getroffen werden. Auch muß die Ueberleitung der Geschäfte und der Akten in bürgerlichen Streitigkeiten, Strafsachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit geregelt werden.
Zur Vereinfachung der Ueberleitung ist in oen Fällen, in denen der frühere Bezirk auf mehrere Amtsgerichte auf- geteilt wird, eines der aufnehmenden Gerichte als sogenanntes Stammgericht vorgesehen, an welches namentlich alle Prozeßverfahren und Akten des aufgelösten Gerichts übergehen. Dagegen ist vorgesehen, daß namentlich Grundbuch-, Zwangsversteigerungs- und Vormundschartslachen sogleich an die demnächst örtlich zuständigen einzelnen Gerichte abzugeben sind.
RüSgmg der Ausfuhr
Der deutsche Außenhandel im Juli.
Berlin. 17. August.
Die deutsche Handelsbilanz schließt im Juli mit einem Ausfuhrüberschuß in Höhe von 66 Millionen Mark ab; im Juni hatte der Ausfuhrüberschuß unter Einbeziehung der Reparationssachlieferungen 90 Millionen Reichsmark betragen.
Ein Nachweis von Reparations- und Sachlieferungen kommt ab Juli 1932 nicht mehr in Frage; auf Grund der Lausanner Vereinbarungen werden die Sachlieferungen aus noch bestehenden Sachleistungsverträgen in der Form freier Handelsgeschäfte abgewickelt. Im einzelnen betrug die Einfuhr im Juli 366 Millionen Reichsmark gegenüber 364 Millionen RM im Juni. Die leichte Zunahme entfällt auf die Einfuhr von Rohstoffey (plus 3 Mill. RM.) und Lebensmitteln (plus % Mill. RM.). Die Fertigwarenein- fuhr weist zwar dem Wert nach eine.Abnahme um 1% Mill. RM. auf, dem Volumen nach hat sie aber ebenfalls leicht zugenommen.
Die Ausfuhr, die einschließlich der Reparationssachtie fervngen im Vormonat 454 Millionen RM. betragen hat, ist im Juli infolge einer Abnahme der Ferligwarenaussuhr um 22 Mill. RM. auf 432 Mill. RM. zurückgegangen.
Der Rückgang entfällt im wesentlichen auf den Waren- abfatz nach der UdSSR., der starken Schwankungen unterliegt. Im übrigen weist das Juliergebnis nach den vorliegenden Ermittlungen insbesondere eine Zunahme der Ausfuhr nach Großbritannien und in gleichem Umfange einen Rückaan« her Wft^hr^wffr^Wfr M» durchschnittliche Preisniveau der Fertigwarenausfuhr ist kaum gesunken, so daß Wert- und Volumenbewegung der Fertigwarenausfuhr nicht differieren.
Schwarzer Flm-eMag in MUm
Noch ein schweres Flugzeugunglück.
Prag. Am vergangenen Sonntag ereignete sich außer dem schweren Flugzeugunglück bei Lobositz (Böhmen , das vier Todesopfer forderte, noch ein zweites schweres Flug- zeugunglück. Bei einem Propagandaflug stürzte >ei der Gemeinde I e m n i tz (Mähren) ein Flugzeug des Mäh- risch-Schlesischen Aeroklubs ab. Zwei Passagiere fanden in den Trümmern des Flugzeuges den Tod, ein bester wurde schwer verletzt und starb bei der ReVerführung ... das Krankenhaus. Dem Piloten mußten beide Beine amputiert werden.
hIe fiibrIk
Roman von Marlise Sonnehorn (ERIKA FORST)
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) UM
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Ihr feines Antlitz mit den Farben des Elfenbeins erschien in dieser Umgebung, in diesem Gewand fast noch zarter und jugendlicher als vorhin — und unwillkürlich angezogen, aber auch überwältigt von der Anmut und Güte, die nicht nur das Gesicht, die ganze Erscheinung der fast noch fremden Verwandten ausdrückte, neigte sich Nora und küßte die schmale, sehr gepflegte Hand, die sich ihr entgegenstreckte. Frau Barbara lächelte in einem leisen, aber keinesfalls verletzenden oder lieblosen Spott.
„Gelt ja — das ist noch alles so neu und fremd hier!" sagte sie. „Das verwirrt und ängstigt. In ein paar Tagen — hoffentlich — bist du an alles gewöhnt, kannst schauen, urteilen, kritisieren lernen. Und hier — ja, laß mich dir vorstellen —, das also ist —"
Nora bemerkte die sichtliche Verlegenheit der sonst so sicheren Tante mit Erstaunen. Unwillkürlich sah sie sich um. Hinter ihr stand ein sehr großer, breitschultriger junger Mann in einem eleganten Abendanzug.
„— das also ist — Herr Hell!" vollendete Frau Vollwank etwas mühsam.
Noras dunkle Augen begegneten mit vollendeter Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit den blauen, hellen ihres Gegenübers. Er war blond, seine Gesichtszüge nicht un- intelligent, aber wenig fein. Das goldblonde Haar, schön gewellt, war entschieden das Hübscheste an ihm.
Gewiß ein höherer Angestellter, ein Vertrauensmann der Tante, dachte Nora. Schade, wieviel lieber bliebe ich mit ihr allein. Der junge Mann — er schien so um die Dreißig herum zu sein — musterte sie ungeniert und eingehend, mit einer gewissen blasierten Unverfrorenheit, die sie reizte.
„Guten Abend!" sagte sie mit leisem Nachdruck, um die
Polen WaWten SA
Sieben SA.-Leute in der Grenzmark verletzt.
Schneidemühl, 17. August.
In der Rächt wurden in dem von einer starken polnischen Minderheit bewohnten Dorf Glumen im kreise Fla- kow (Grenzmark) sieben SA.-Leute von Polen überfallen und schwer verletzt.
Die SA.-Leute nahmen in Uniform an einem Feuerwehrfest teil, und die Polen verlangten ihre Entfernung. Nach dauernden Provokationen seitens der Polen kam es zu einer Schlägerei, bei welcher 40 Polen den sieben SA.- Leuten gegenüberstanden. Einige SA.-Leute wurden hinterrücks überfallen und am Kopf schwer verletzt, so daß sie blutüberströmt bewußtlos zusammenbra- ch e n. Es setzte ein förmlicher Steinhagel auf die SA.-Leute ein. Als für die Nationalsozialisten Hilfe aus den Nachbarorten herbeieilte, wurde diese am Dorfeingang von einer Horde Polen mit Zaunlatten. Mistgabeln und Hacken empfangen. Trotzdem gelang es, die Verbindung mit den schwerverletzten SA -Leuten die in das Spritzenhaus abgedrängt worden waren herzustellen, und sie zu befreien. Bei dem Verlassen des Dorfes wurden die Nationalsozialisten von einem Gehöft aus erneut mit einem Hagel von Steinen beworfen, wodurch wieder ein SA -Mann schwer verletzt wurde Daraufhin stürmte die SA das Gehöft, wo sich ihnen die Polen bewaffnet entgegenstellten. Auch hierbei gab es Verletzte. Erst dann konnte die SA. den Rückzug antreten.
Der »lutlonntag in vblm vor dem Sondergericht.
Brieg, 17. August.
In der Sondergerichtsverhandlung wegen der Ohlauer Zusammenstöße wurde die Beweisausnahme mit der Vernehmung des Ohlauer Bürgermeisters H a u n s ch i l d eröffnet. Er habe schon am Sonntagvormittag die Breslauer SA. durch Ohlau fahren sehen, aber nicht wahrgenommen, daß diese irgendwie provoziert hätten. Die kommunistische Kundgebung sei verhältnismäßig früh zu Ende gegangen, von der Reichsbannerkundgebung in Laskowitz habe er nichts gewußt. Er sei abends von der Mitteilung über Zusammenstöße in der Stadt höchst überrascht gewesen. Auf der Straße habe er den Ohlauer Ortsgruppenführer des Reichsbanners Blech getroffen, den er aufgefordert habe, feine Leute zurückzuziehen, wenn er sich nicht eines schweren Landfriedensbruches schuldig machen wolle.
Die Lastkraftwagen mit SA.- und SS.-Leuten, die aus Brieg nach Ohlau unterwegs gewesen seien, habe er nicht mehr aufhalten können. Verschiedene Maßnahmen, die er getroffen habe, seien fehlgegangen, vor allem seien die aus- gesandken Meldegänger überhaupt nicht zurückgekehrt. Auch das Breslauer Reberfallkommando sei in Ohlau verhältnismäßig spät eingetroffen.
Im Anschluß an diese Aussagen hielt Rechtsanwalt Dr. Braun dem Zeugen vor, daß in Kreisen der Angeklagten gegen ihn ein Mißtrauen insofern bestände, als man annehme, er habe die polizeilichen Maßnahmen absichtlich hinausgezögert und später geäußert, er habe genug Material für ein Reichsbannerverbot zusammen. Bür- -9WHgye4^^uiud)iüuJ±d^
selbst in ähnlichem Sinne entschieden in Abrede.
Oberlandjäger Schön bekundet, daß es bereits auf der Reichsbannerkundgebung in Laskowitz zu Hetzreden gegen die Nationalsozialisten gekommen sei. wobei auch die Orte Brieg und Ohlau erwähnt worden seien. An der Postbrücke in Ohlau seien etwa 150 Personen der Aufforderung, die Straße zu räumen, nicht nachgekommen. Als die Beamten gegen das Reichsbanner vorgegangen feien, seien aus der Menge heraus gegen die Polizei zehn bis fünfzehn Schüsse abgegeben worden. Am Steindamm sei aus den Häusern heraus auf Nationalsozialisten geschossen worden.
Polizeihauptwachimeister P h i l i p o w s k i sagt aus. er habe als einziger Beamter im Rathaus nicht verhindern können, daß SA.- und SS.-Leute von Reichsbannerleuten mit Stöcken und Zaunlatten überfallen und niedergeknüppelt worden seien.
Musterung zu unterbrechen. Da ging ein fröhliches Lächeln über sein Gesicht, das es unendlich verjüngte und verschönte.
„Ei, steh da, gnädiges Fräulein, die Reise hat Sie nicht angegriffen?" fragte er in gutmütiger Ironie.
„Reisen — Neues sehen — etwas erleben — das greift mich nie an!"
„Beneidenswerte Jugend!" seufzte der andere blasiert. Nora sah zur Tante hinüber. Auf deren weißen Wangen brannte ein helles Not.
„Wir — wollen uns setzen", sagte sie, sichtlich behindert. „Hell, schenken Sie ein!"
„Zu Befehl, Gnädigste!"
Hell entkorkte die Flasche und waltete seines Amtes. Es gab nur einen kalten Imbiß. Man brauchte keine Bedienung. Nora fühlte Befangenheit. Mit einem Schlage empfand sie sich als störend, als unwillkommen, als hindernd in dem Kreis.
Sie aß hastig und ohne aufzublicken. Die beiden andern sprachen wenig miteinander, und ganz augenscheinlich waren sie durch ihre Anwesenheit in ihrer Art, sich miteinander zu geben, eingeschränkt.
„Sind die jungen Berliner Damen alle so schweigsam?" wandle sich endlich Herr Hell direkt an Nora. „Hier in der Gegend erzählt man von der großen Berliner — Mundanlage."
„Die kommt auch anderwärts vor", entgegnete Nora patzig.
Sympathien und Antipathien entschieden sich bei ihr meist sehr schnell; in puncto Hell waren sie entschieden.
Der junge Mann lachte gutmütig.
„Haben Sie treffsichere Menschenkenntnis!" spottete er. „So schnell hat mich noch niemand durchschaut."
„Ich denke nicht daran, Sie gemeint zu haben", sagte Nora abweisend. „Ich habe noch kein Wort, noch kaum ein Wort von Ihnen gehört, und urteile nicht so vorwitzig."
„Aber vielleicht haben Sie einen sicheren Instinkt?" Nora errötete.
Die Neronnnsarheite» an der „Mitte“
Kiel, 17. August. Wie bereits gemeldet, ist der Schlepper ..Simson" mit dem Wrack des Segelschulschiffes „Niobe" im hiesigen Hafen angekommen. Das Wrack wurde in der Heikendorfer Bucht in etwa 14 Metern Wassertiefe auf Grund gesetzt und soll nach dem Eintreffen weiterer Hebeschiffe aus Hamburg, die jetzt hier erwartet werden, gehoben und auf Land gesetzt worden.
Die Hebefahrzeuge „Hiev" und »Berger 1“ sind in der Heikendorfer Bucht innerhalb der Kieler Förde vor Anker gegangen und haben das Wrack der „Riobe" zwischen sich gebracht, so daß schon die vorbereitenden Arbeiten für die eigentliche Hebung begonnen werden konnten. Inzwischen sind, von Hamburg kommend, die beiden Leichter „Kraft" und „Seeteufel" eingetroffen, so daß nunmehr die hebe- fahrzeuge mit der Hebung beschäftigt sind.
Die ein- und auslaufenden Schiffe erhalten durch die Lotsenstellen Weisung, die Hebestelle langsam zu passieren, damit kein Wogenschlag entsteht, der die Arbeiten empfindlich behindern würde. Die eigentliche Bergungsstelle ist nach wie vor systematisch abgesperrt. Man beabsichtigt, das Wrack langsam aus den etwa 14 Meter tiefen Buchtgewässern in flacheres Wasser zu bringen und dann an den Strand zu bergen.
Sammlungen für einen Ersatz?
Aus allen Teilen des Reiches erfolgen Anregungen zur Einleitung von Sammlungen für den Ersatz des gesunkenen Segelschulschiffs „Niobe". Der Flottenbund deut- 'cher Frauen und der Deutsche Flotten-Verein bitten, hierzu mitzuteilen, daß auch sie sich mit einem entsprechenden Aufruf an die deutsche Oeffentlichkeit wenden werden, sobald die dazu notwendige behördliche Erlaubnis vorliegt und sobald nach Hebung des Schisses die Frage klargestellt ist, daß eine Ersatzbeschaffung nölroMdig wird. Die allgemeine Teilnahme an dem schweren Schicksalsschlag und der Wunsch, der Reichsmarine materiell und damit auch moralisch stärkend zur Seite zu stehen, kann nur wärmstens begrüßt werden.
Die ersten dieselelektrischen Eisenbahnzüge.
Auf der Strecke Frankfurt-Main—Wiesbaden und Frank- furt-Main—Daru^abt hat die Reichsbahn zum erstenmal die neuen Triebwagen mit Dieselmotoren eingesetzt. Diese Züge bestehen aus Triebwagen mit Anhänger und können 100 Personen aufnehmen. Sie entwickeln eine Geschwindigkeit von 95 bis 100 Kilometer in der Stunde.
Schisisungma hei Ratal
Paris, 17. August. Ein Aviso der Compagnie General« Aero Postale, der den Postdienst zwischen Südamerika und Afrika vermittelt, ist mit 22 Mann Besatzung in Sturm geraten und gesunken. Der Aviso war von Ratal mit dem Ziel Dakar in Afrika in See gestochen.
Die Mecklenburg-Schweriner Staatsregierung hat den Beamten der Landespolizei das Tragen politischer Abzeichen wieder gestattet.
„Ich bemühe mich, vorurteilslos zu sein", sagte fu etwas pedantisch.
Herr Hell lachte von neuem.
„Au!" erwiderte er bloß, aber voll fröhliche; Mokanterie.
„Nora ist müde, sie hat eine lange Reise hinter sich", begütigte die' Tante. „Ich hoffe, ihr werdet euch gut verstehen. Sie werden sich Fräulein von Feldheims in den nächsten Tagen etwas annehmen müssen, Hell!"
„Von mir aus — mit Vergnügen!"
Nach Tisch ging man in den kleinen Salon, der das Spezialzimmer Frau Vollwanks zu sein schien. Nora hatte gehofft, mit der Tante allein bleiben zu können. Aber der junge Mann, über dessen Stellung und Berechtigungen im Hause sie sich sehr unklar war, schloß sich den Damen wie selbstverständlich an.
„Erzählen Sie uns ein bißchen von Berlin", sagte er zu Nora. „Ich bin lange nicht dagewesen."
„Das Berlin, in dem man sich amüsiert, ist mir fremd. Und das Berlin der Arbeit ist für die meisten ziemlich langweilig", erwiderte sie ernst.
„Aber über deine Arbeit etwas zu hören, würde mich sehr interessieren", warf die Tante ein. „Nimmst du?" Sie reichte Nora ihr Zigarettenetui.
Nora bediente sich und begann zu plaudern. Sie schilderte Firma Piefke, Lebensrnittel Engros, und verschwieg nicht ihre Schwierigkeiten, nachdem sie mit dem Arbeitgeber zu schroff gebrochen. Die beiden lauschten sichtlich interessiert.
„So ein junges Mädel", sagte Frau Barbara schließlich mit einer warmen Teilnahme in der Stimme, „und schon solch ernste Kämpfe."
„Ach, Tante, mir ging es ja noch gut, ich habe Mutter, habe ein Heim. Und arbeiten und kämpfen ist mir fast ein Lebensbedürfnis. Nur die ewige und dauernde Erfolglosigkeit der letzten Monate — so was reibt auf..."
Hell hatte, in dem tiefen Klubsessel liegend, still gelauscht. Nora hatte seine Anwesenheit fast vergessen.
(Fortsetruna iotoL)