Auslösung der KPD. gefordert
Bildung einer Hilfspolizei in Braunschweig?
Braunschweig, 5. August.
In einer Versammlung des Kreisvereins Braunschweig- Skadt der Deulschnationalen volkspartei wurde von Dr. Langebartels mitgeteilt, daß man beim Staatsministerium beantragt habe, die Kommunistische Partei zu verbieten, um den gewissenlosen Hetzern zum Bürgerkrieg das Handwerk zu legen. Weiter gab er davon Kenntnis, daß der Kreisverein Braunschweig-Stadt beim Staatsministerium den Antrag auf Einsetzung einer Hilfspolizei für Braunschweig gefordert habe. Sie solle sich aber paritätisch aus SA.-Leulen und Stahlhelmern zusammensehen.
Diese Hilfspolizei müsse schon aus dem Grund eingerichtet werden, um dem Staat die Kosten zu sparen, die dadurch entstehen, daß das braunschweigische Ueberfallkom- mando häufig zum Schutz der Bevölkerung des Landes Braunschweig angefordert würde. So sei in Hasselfelde schon seit Sonnabendnacht ein Kommando stationiert, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Den dauernden Bitten der Landbevölkerung nach einer Hilfspolizei dürfe man sich nicht weiter verschließen. Schon die nächsten Tage würden diese Frage klären.
Wie verlautet, hat das Staatsministerium mit dem Reichsinnenministerium Fühlung bezüglich der Einrichtung der hilfspolizei genommen. Wie betont wird, ist bie Antwort auch wohl im zustimmenden Sinne ausgefallen. Die Einrichtung der Polizei fei lediglich noch nicht erfolgt, da noch finanzielle und juristische Fragen zu klären seien.
Der Reichskanzler in Wallersangen
Köln. Wie die „Kölnische Volkszeitung" mitteilt, Hai Reichskanzler von P a p e n auf seinem Urlaubssitz Waller- j fangen den englischen Präsidenten der Regierungskommission des Saargebietes, Knox, und den finnländischen Verkehrskommissar des Saargebietes, Dr. v. Ehrn- rooth, zum Frühstück empfangen. Für die Ortsarmen von Wallerfangen hat von Papen, wie das Blatt weiter meldet, eine größere Summe gestiftet.
Irlands Wirtschaftskrieg
Dublin, 6. August.
Die irische Kammer nahm mit 58 gegen 43 Stimmen eine Regierungsvorlage an, wonach ein Sonderfonds von zwei Millionen Pfund Sterling für die Fortsetzung des Wirtschaftskrieges mit Großbritannien geschaffen werden soll.
Russische Beschwerde in Warschau
Schikanöse Behandlung russischer Handelsvertreter?
Warschau, 6. August.
Der russische Geschäftsträger in Warschau hat an das Polnische Außenministerinm eine Beschwerde gerichtet, in der er Klage führt über einen Uebergriff, den sich die polnische Polizei in Kattowitz gegen mehrere Mitglieder der Berliner russischen Handelsdelegation erlaubt haben soll. Dnefel-warLn -nachl Kattowitz gekommen, um dort über einen größeren Auftrag zu verhandeln; sie wurden von den polnischen Zollbehörden angeblich schikanös revidiert und von der Polizei in inquisitorischer Weise über den Zweck und die näheren Umstände ihres Kattowitzer Aufenthaltes ausgefragt.
Das polnische Außenministerium versucht den Vorfall zu bagatellisieren.
Sie Bergungsarbeiten an der „Mode"
Kiel, 6. August.
Von der Marineslation wird gemeldet, daß die Bergungsarbeiten einen normalen Verkauf nehmen. Es ist ge- lungen, die Masten abzufprengen und die Takellage aufzu- nehmen. Sobald die Witterung es erlaubt, wird mit bei Unterbringung der Hebetroffen begonnen.
Sie Beisetzung Sr. Seipels
Wien, 6. August.
Am Freitag fand die feierliche Beisetzung Dr. Seipels unter Teilnahme des Bundespräsidenten, der österreichischen Regierung, des päpstlichen Nuntius, hoher Geistlicher. Vertretern Deutschlands und des Auslandes sowie einer ungeheuren Menschenmenge statt.
Die erste Einsegnung der Leiche Seipels im ehemaligen Militärkasino nahm Weihbischof Dr. Kamprath vor. Der Sarg wurde dann in den Stephansdom übergeführt, wo der Apostolische Nuntius Dr. Sibilia ein Requiem las. Danach wurde der Sarg durch die Straßen der inneren Stadt, die Ichwarz geflaggt find, im Trauerzug zum Parlament gebracht. Den Leichenzug eröffneten zwei Regimenter Infanterie. Es folgten dann die christlichsozialen Frauen- und Männervereine, Heimwehr-Frontkämpfer- und Frei- Heitsbundformationen in ihren Uniformen verschiedene Jugendgruppen, und sonstige Vereine und Organisationen, alle mit Fahnen und Standarten. Vor dem sechsspännigen L.' chenwagen zogen die-Studenten, Ordensschwestern und Geistlichkeit hinter dem Sarg schritten der Bundespräsident, die Regierung und die obengenannten Persönlichkeiten.
Vor dem Parlament feierte zuerst Vundespräsidenl Miklas Seipel als großen Oesterreicher, als Staatsmann von europäischem Format, dessen Name ein starkes Aktivum der' internationalen Geltung Oesterreichs bedeute Auch jene, die ihn aus Ueberzeugung oder aus Leidenschaft bekämpft hätten, senkten heute in edler Ritterlichkeit den Degen vor dem großen Toten, der persönlich im Leben niemals ihr Feind, aber doch oftmals ihr schärfster Gegner gewesen sei. Die überragende geschichtliche Bedeutung Sei- pels zu werten, sei jetzt unmöglich. Nach dem Bundes- präsidenten sprach Bundeskanzler Dr Dollfuß. Er wies besonders darauf hin. daß Seipel das niemals wieder erreichbare Ideal eines österreichischen Bundeskanzlers darstelle. Der Vizepräsident des Nationalrates Dr. Ramek wies auf die zehnjährige parlamentarische Tätigkeit Seipels hin, in der er in rastloser Arbeit seine Kräfte verzehrt habe. Als Obmann des Christlichsozialen Klubs dankte Bundeskanzler a. D. Dr. Buresch Seipel für die Führung der Partei.
Darauf setzte sich der Leichenzug zum Zentralfriedhof in Bewegung. Unterwegs erwiesen spalierbildende Truppen, Polizei und Zivilverbände die letzte Ehrenbezeugung.
Am den 8m Chaco
Das erste Amazonenbalaillon in Paraguay.
London, 6. August.
Einer Meldung aus Buenos Aires zufolge haben die Frauen der Stadt San Zofe in Paraguay das erste Ama- zonenbataillon gebildet, das zum Kampfe gegen Bolivien ausziehen will. Die Amazonen bewaffnen sich mit langen Buschmeffern. Die Werbung zur Aufstellung der Amazonen- bataillone geht vom Bund der Mädchen aus, die Enkelkinder von Offizieren der alten Armee sind. Sie haben geschworen, keinen Puder, keine Schminke und keine sonstigen kosmetischen Mittel mehr zu gebrauchen, ehe der Gran Ehaco nicht wieder in den Händen Paraguays ist.
Derselben Quelle zufolge hat das Eingreifen Englands, Frankreichs, Deutschlands, Italiens und der Vereinigten Staaten in der Hauptstadt Bolivien starke Empörung her- oorgerufen. Die bolivianische Presse erklärt, daß die An- . nähme des Schiedsgerichtsvorschlages einer Aufgabe der Ho- Heitsrechte gleichkäme. Es find Maßnahmen zur Regelung der Verpflegung für die Bevölkerung getroffen worden. In Argentinien hofft man, daß der Krieg noch vermieden werden könne. Argentinien sN stark genug, um dies zu tun.
Der amtierende Mafident des Völkerbundsrates M a - tos hat in Vichy, wo er zur Kur weilt, die Antwort der bolivianischen Regierung auf seine Note vom Dienstag erbosten. Die bolivianische Regierung zieht die Mitteilng des Völkerbundes „in Erwägung" (!) und erklärt sich mit Vorbehalten geneigt, den Streitfall einer friedlichen Rege- luno iv sMWvfeMite»
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Der Vorsitzende des amerikanischen Arbeiterverbandes, । Green, schätzt die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten Ende Juni d. I. auf 11 223 000, '
Oberpräsident Siehr zurückgetreten.
Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Dr. Siehr, hat um seinen Rücktritt nachgesucht und ihn auch bewilligt erhalten.
Neuregelung her Buttereinsuhr
Verhandlungen mit Holland und Dänemark.
Berlin, 6. August.
In den letzten Tagen haben mit holländischen und dänischen Regierungsverlrelern in Berlin Besprechungen über eine Neuregelung der Buttereinfuhr nach Deutschland statt- gefunden. Die Besprechungen haben ihr Ende erreicht.
Die holländischen und dänischen Delegierten sind zurückgereist, um ihren Regierungen über die letzten deutscher Vorschläge zu berichten.
Neue Unwetterkatastrophe an der Mosel
Berncastel, 5/ August. Ueber dem Gebiet der Mittel- mosel ging ein furchtbares Unwetter nieder, das ähnlichen Schaden anrichtete wie die Unwetterkatastrophe vor einigen Wochen. In kürzester Zeit waren Weinberge und Felder überschwemmt. Rebstöcke und Weinbergpfähle wurden von den Wassermassen mitgerissen und die Berge ihrer Schieferbedeckung entblößt. Die Weinernte ist teilweise bis zu 50 o. h. vernichtet. Der Schaden läßt sich noch nicht annähernd übersehen. Die Reichsbahndirektion Trier teilt mit, daß die Strecke Wengerohr-Berncaftel-Eues bei Lieser-Mülheim von Waster und Erdmassen während des Unwetters über- schwemmt worden sei, so daß der Zugverkehr unterbrochen wurde.
Riesendrand in Chicago
Ehicago, 5. August. Eine Fleischkonservenfabrik ist durch ein Riesenfeuer zerstört worden, das abends in zwei Blocks der südwestlichen Fabrikgegend wütete. Richt weniger als 45ÜL Stück Vieh sind lebendig verbrannt. Der Schaden wird auf sechs Millionen Dollar geschätzt.
Überschwemmung in der Ost-Mandschurei
Charbin, 6. August. Eine schwere Ueberichwemmungs- katastrophe hat die Ost-Mandschurei betroffen. Der Sungari- Fluß sowie mehrere andere Flüsse sind über die Ufer getreten und haben weite Gebiete der Mandschurei überflutet. Eine japanische Truppenabteilung ist vollkommen von der Umwelt abgeschnitten und muß durch Flugzeuge verproviantiert werden. Bei einem ebenfalls von der Außenwelt ab- geschnittenen Trupp mandschurischer Aufrührer sowie bei Tausenden von Zivilpersonen droht Hungersnot auszubre- chen. Man fürchtet, daß die Zahl der Todesopfer der Hun- Kmot und der Flut sehr hoch sein wird. Die Ernte großer
iete ist vollkommen vernichtet. Der Verkehr auf der ost- chinesischen Eisenbahn ist unterbrochen. Der Sachschaden läßt sich überhaupt noch nicht überblicken.
Die vom Fliederhaus
Roman von Gert Roth b er g
Gepyright bv Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 1831
f51
Wenn du wüßtest, wie wir uns alle freuen über das, was uns Deine verehrte Mutter schrieb! Mach also so weiter, mein Alter. Zu meiner Hochzeit, das ist in zirka sechs Wochen, sehen wir uns also, so Gott will, alle gesund wieder.
Jetzt möchte ich Dir auch endlich einmal etwas anderes schreiben. Bisher wagte ich es nicht.
Liebst Du Verene Beringer noch immer? Leider warst Du damals völlig menschenscheu; die Aerzte fürchteten das Schlimmste. Du wolltest niemand sehen und sprechen, und nur Deine Mutter durfte zu Dir. Also: Verene Beringer kam damals mit ins Schloß, ohne daß jemand sie aufgefordert oder von Dir fortgejagt hätte. Sie ging so selbstverständlich neben der Tragbahre her, als hätte sie das größte Recht dazu. Ich verstand das! Weil Du mir ja einige Tage vorher Einblick in Dein Herz gestattet hattest.
So ist es wohl gekommen, daß man Verene Beringer aus dem Schloß gewiesen hat. Denn in ihrem nächtlichen Zusammensein mit Dir mußten sie ja alle etwas Niederes erblicken. Und ich wußte doch auch nicht, ob ich dem jungen Mädchen einen Dienst erwies, wenn ich erzählte, daß sie sich hatte das Leben nehmen wollen? Ich mußte alles laufen lasten, wie es gerade lief, um schließlich nicht noch mehr Unheil anzurichten.
Run aber, wo ich weiß, daß Du wieder ganz gesund bist, jetzt tut doch eine Aussprache über all das dringend not: Fräulein Beringer ernährt sich durch mühselige Handarbeiten. Und irgendwer hat meiner Braut diese selten schönen Handarbeiten empfohlen. Nun möchte sie hin, möchte sich ihre Brautwäsche von Fräulein Beringer sticken lassen. Das wäre an sich weiter nichts, wenn Du
inzwischen mit ver ganzen Sache fertig geworden wärst. Ich glaube das aber nicht, und deswegen schreibe ich Dir, was Du längst hättest wissen müssen. Wiederum, Du bist doch vielleicht mit der Liebe zu dem kleinen schönen Mädel fertig, denn sonst hättest Du Dich doch sicherlich einmal um sie gekümmert? Sie lebt ganz still und zurückgezogen im Fliederhause. Ab und zu besucht sie die Frau des Oberförsters Melenthin, die eine Freundin von ihr ist Ich habe mir alle näheren Details verschafft, weil ich mir dachte, es interessiere Dich. Wenn Du mir heute gleich antwortest: Das kleine Mädel interessiert mich nicht mehr, ich bin über die Sache längst hinweg, dann werde ich mich herzlich freuen, und Jrmengard kann sich ja dann ruhig ihre Wäsche dort sticken lassen, während vas ja ganz ausgeschlossen ist, wenn Du noch daran denkst, Verene Beringer zu heiraten. Für einige eilige Zeilen bin ich Dir sehr dankbar.
Deinen Besitz hält Dein erstklassiger Inspektor in Ordnung, daß Du Deine Freude daran haben wirst. Ich weiß beinahe wirklich nicht, worauf ich hier aufpassen soll, denn der Mann ist der Fleiß und die Ehrlichkeit in eigener Person!
Dein Reitpferd benutze ich jetzt, damit sich das arme Tier nicht gerade die schönen Beine krumm steht. Ich reite meist zu Jrmengard hinüber. Selbstverständlich bin ich einen Tag um den andern dort.
Allerherzlichste Grüße an Dich und Deine gütige Mutter
Dein Alvens."
Die Vögel zwitscherten! Ganz hoch erhob sich einer von ihnen in die Luft, strebte förmlich zum blauen Himmel empor.
Und die Blumen dufteten! Betäubten fast!
Die Hände des Grafen Eschweiler umkrampften die Lehne des Sessels. Achtlos fiel Alvens Brief zu Boden. Immer tiefer grub sich die steile Falte in die hohe Stirn Karl-Christians. Dann sprang er auf.
„Mutter, wäre es dir recht, wenn wir morgen ab* reisten? Ich möchte nach Hause."
Sie blickte ihn verständnislos an.
„Nach Hause? Mein Gott, Karl-Christian, weshalb? Wir wollten doch bis Anfang Mai hierbleiben? Weshalb nur?"
„Mütterchen, wer — vertrieb Verene Beringer aus Eschenhöhe?"
Jetzt erhob sich auch Gräfin Maria.
„Müssen wir uns hier im Garten darüber auseinandersetzen? Wollen wir nicht lieber hinaufgehen?"
„Gewiß, ganz wie du bestimmst, Mama. Aber eine klare Antwort wirst du mir schon geben müssen."
Er hob Alvens Brief auf, nahm auch die andern Postsachen an sich und folgte ihr.
Wortlos ging sie vor ihm her. Sie wußte: Jetzt würde sich etwas entscheiden! /
Droben in dem kleinen Salon rückte er ihr den bequemsten Sessel zurecht. Er selbst blieb leicht vornüber- geneigt vor ihr stehen. Sie sümpfte ein Weilchen mit sich, dann sah sie ihn frank und frei an.
„Bitte, frage!"
„Mütterchen, wer vertrieb Verene aus dem Schloß?"
»Ich!"
„Weshalb, Mutter?"
Die Gräfin sah ihren Sohn streng an.
„Du bist seltsam, Karl-Christian. Man hatte das junge Mädchen mitten in der Nacht im Walde neben dir getroffen. Ich hatte keine Ursache, sie als Dame zu behandeln und ihr eines unserer Fremdenzimmer zur Verfügung zu stellen", sagte sie stolz.
„Von deinem Standpunkt aus, vielleicht auch von einer irrigen Voraussetzung gedacht, hast du recht gehabt. Daß du mir mein Glück aus Eschenhöhe entferntest, konntest du ja nicht wissen."
„Karl-Christian?"
„Ja! Verene ist mein Glück. Sie besitzt meine Liebe! Meine erste große, heiße Liebe! Das andere, was in all die vergangenen Jahre zurückfällt, war Schmutz! Ich wollte Verene Beringer heiraten, will es jetzt mehr denn je! lKortsevuna folat.)