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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZB.

Nr. 181

Donnerstag, den 4. August 1932

82. Jahrgang

Trotz des Burgfriedens!

Immer noch zahlreiche und blutige Ausschreitungen im Reich

Zur Kündigung des ichAkdilcheu Handelsvertrages

Von Dipl. Jng. C. H. S ch w e n n i ck e.

Wie bekannt, sind die deutsche und die schwedische Re gierung übereingekommen, den deutsch-schwedischen Handels und Schiffahrtsvertrag nebst dem Zusatzabkommen mit Wir kung vom 15. Februar 1933 an außer Kraft zu setzen. De: Vertrag, der im Jahre 1926 abgeschlossen wurde, und des halb in einzelnen Positionen überholt ist. wurde im gegen fettigen Einvernehmen gekündigt, und die Regierungen wer den bemüht sein, durch rechtzeitig aufgenommene Verhand­lungen einen vertraglosen Zustand zu vermeiden. Deutsch­land ist insbesondere daran interessiert die starken Zoll bindungen für SchMttholz zu beseitigen und größere Frei­heit hinsichtlich der Zölle für Schafe. Rindvieh. Käse, Sped und Schmalz zu erlangen.

Die Kündigung des deutsch-schwer ischen Handelsvertra­ges trifft eines unserer stark umstrittenen Absatzgebiete D'u i Einfuhr schwedischer Erzeugnisse ist seit dem Jahre 1921 von 350 auf 158 Millionen Mark gesunken, während du deutsche Ausfuhr nach Schweden sich nur von 476 auf 42? Millionen Mark verringert hat. Der Aktivsaldo der deutsch­schwedischen Handelsbilanz betrug im letzten Jahre 267 Mil Honen Mark und hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. Schweden hat bisher mehr als ^ feine« Einfuhrbedarfes aus Deutschland bezogen, während Deutsch land nur noch ein Zehntel der schwedischen Ausfuhr auf nimmt. So weit das äußere Zahlenbild.

Der deutsche Export nach Schweden ist seiner Zusam­mensetzung nach ein reiner Industrie-export. Die wichtigster Ausfuhrgüter sind Textilwaren. Maschinen, Eisen- unk Stahlwaren die zusammen zwei Drittel darstellen. Deutsch­land ist für diese Erzeugnisse der größte Lieferant Schwe­dens Die Stellung Deutschlands- auf dem schwedischer ^AMl^eiWettffa^ M der ersten Nachkriegszeit seit langen Jahren konstant ge wesen. Wenngleich bei dem umfangreichen deutschen Außen­handel der Anteil der Ausfuhr nach Schweden auch nur 4,5 Prozent beträgt, so hat sich doch der schwedische Mark! für die deutsche Ernortindustrie wea->n der stabilen Verhält­nisse stets als sehr lohnend und über das zahlenmäßige Ver­hältnis hinaus bedeutungsvoll erwiesen. Der Exportrück gang nach Schweden ist in den letzten Krisenjahren auch weü geringer gewesen als auf anderen Absatzmärkten. Hingegen hat Schweden auf dem deutschen Markt schwer Rückschläge erlitten, die besonders auf die Zollerhöhungen für landwirt­schaftliche Produkte, die Valutaauilchläge und die Devisen- verordnungen mrückmführen sind, mit denen sich die deutsche Politik gegen die Wirtschaftskatastrophe zu schützen suchte Die Einfuhr schwedischer Erzeugnisse erstreckt sich vor allem auf Eisenerz ferner auf Eisen- und Stahlwaren Holz, Zell­stoff, Papier und landwirtsckaßUcbe Produkte. Der Export­rückgang hat in letzter Zeit die schwedische Erzindustrie, die in ihrem Absatz in hohem Maße auf Deutschland angewiesen ist, schon zu sehr erheblichen Betriebseinschränkungen ge­zwungen. Auch der schwedischen Landwirtschaft bereiten die verringerten Exportmöglichkeiten ernste Sorge. Trotzdem las­sen die Kommentare der schwedischen Presse darauf schließen daß die Regierung den Verhandlungen mit gewisser Zuver­sicht entgegensieht.' Insbesondere hofft Schweden, durch den neuen Handelsvertrag bessere Möglichkeiten für den Erzex­port nach Deutschland zu erhalten.

Die deutsche Regierung wird sich bei den Verhandlungen hoffentlich nicht von rein binnenwirtschaftlichen Gesichks- punkten leiten lassen, was eine erhebliche Schrumpfung un- feres Jndustrieexportes nach Schweden zur Folge haben müßte. Die Gefahr ist um so ernster, als gerade England besondere Anstrengungen macht seinen Valutavorsprung auf dem skandinavischen Markt auszunutzen. Seitdem Schweden in der Abkehr vom Goldstandard England gefolgt ist, ver­stärken sich auch die Bestrebungen hinsichtlich einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit, wobei sogar von einer Währungs- und Zollunion besprochen wird.

Schrumpfung der Aubenhandels Bedenklicher Rückgang der deutschen Ausfuhr.

Berlin, 4. August.

3m zweiten Vierteljahr 1932 hat die deutsche Einfuhr (1143 miO. RM.) gegenüber dem ersten Vierteljahr um 101 Mill. RM., die Ausfuhr (1382 Mill. RM.) um 224 Mill. RM. abgenommen.

Von dem Einfuhrrückgang entfallen 67 Mill. RM. auf die Abnahme der Rohstoffeinfuhr und 34 Mill. RM. auf die Abnahme der Fertigwareneinfuhr; an dem Rückgang her Ausfuhr find mit 167 Mill. RM. die Fertigwaren, mit 4t Mill. RM. die Rohstoffe und Halbfertigwaren mit 14 Mill. RM. die Lebensmittel beteiligt.

Ministerialrat Joachim wurde aus dem Reichsarbeits- ministerium in den Senat des Reichsversorgungsgerichtes versetzt. Ministerialrat Joachim war ständiger Referent für Schlichtungsrecht und Arbeitsgerichte. Er ist bekannt als Ver­treter der bisherigen amtlichen Schlichtungspolittt.

Die ReWüedekWg ssr &rt'reihn

Berlin, 4. August.

Die vom preußischen Staatsministerium am 1. August 1932 erlassene Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen ist veröffentlicht worden. Durch diese Verord­nung werden mit Wirkung oom 1. Oktober 1932 insgesamt 58 Landkreise einoeinart werden.

Den Inhalt dieser Verordnung konnten wir in vollem Umfange unseren Lesern bereits vor einigen Ta­gen mitteilen.

Die Aufhebung von Amtsgerichten

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 24. August 1931 wird zur Durchführung der Bestimmungen über die Aufhebung von Amtsgerichten in § 9 der Zweiten Sparverordnung vom 23. Dezember 1931 verordnet:

Mit Ablauf des 30. September 1932 werden aufgehoben: im K am m e r ge ri cht s b ez i r k:

die Amtsgerichte Fehrbellin, Lippehne, Pförten und Triebel;

im Oberlandesgerichtsbezirk B r e s l a u :

die Amtsgerichte Carolath, Naumburg a. Qu., Parchwitz, Polkwitz, Prausnitz, Schömberg und Wanfen;

im Oberlandesgerichtsbezirk Gelle:

die Amtsgerichte Serum, Coppenbrügge, Gieboldehaufen Kalenberg, Malgarten, Störingen und Polle;

im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf:

das Amtsgericht Wuppertal-Ronsdorf;

im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M.:

die Amtsgerichte Braubach, Gammertingen, Katzeneln- bogen und Wald;

im Oberlandesgerichtsbezirk Hamm:

die Amtsgerichte Borgentreich, Fürstenberg, Hagen-Haspe.

im Oberlandesgerichtsbezirk Kassel:

die Amtsgerichte Abterode, Amöneburg, Bieber, Birstein.

Bischhaufen. Burghaun, Meerholz, Nentershausen, Netra Niederaula, Ramchenbecg. Rosenthal, Schwarzenfels Veckerhagen Vöhl Wanfricd und Zierenberg;

im Oberlandesgerichtsbezirk Kiel:

die Amtsgerichte Heiligenhafen und Lunden;

im Oberlandesgerichtsbezirk Köln:

das Amtsgericht Aldenhooen;

im Oberiondesgerichtsbezirk Königsberg:

die Amtsgerichte Allenburg und Mühlhausen;

im Oberlondesgerichtsbezirk Naumburg a. d S.:

die Amtsgerichte Belgern, Gröningen, Großbodungen. Wettin und Wippra;

im Oberlondesgerichtsbezirk Stettin:

die Amtsgerichte Jacobshagen, Penkun und Zanow.

Die Aufteilung der Bezirke der obenbezeichneten Awisgcnchtc und die Ueber-eitung ihrer Geschäfte regelt der Justizminister.

Akkchtvvsrlameat am 16 August

Berlin, 4. August.

Der Ältestenrat des Preußischen Landtags beschloß, den Landtag auf Dienstag, den 16. August, einzubsrufen. Der Landtag wird dann eine allgemeine Aussprache über die Ein- sehung des Reichskanzlers von Papen zum Reichskommissar in Preußen und über die Terrorakte der letzten Tage ab- halten, für die zwei Tage in Aussicht genommen sind. Ein Zeitpunkt für die Wahl des preußischen Ministerpräsidenten wurde noch nicht festgesetzt.

Aeichslaurubseorduerer oemidlt

Görlitz, 4. August.

Vor dem Schöffengericht hatte sich der sozialdemokra­tische Reichstagsabgeordnete Buchwitz wegen Waffenmiß- brauches zu verantworten. Der Angeklagte hatte in einer Wahlversammlung in Königshain am 7. Dezember v. I., als er von politischen Gegnern bedrängt wurde. Schrot- Schüsse in die Luft abgegeben.

Das Gericht sah Notwehr nicht für vorliegend an und verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist.

Eine Niederlage Norwegens Einstweilige Verfügung im Grönlandkonflikt abgelehnt.

Haag, 4. August.

Der Ständige Internationale Gerichtshof hat dem ihm am 18. Juli unterbreiteten norwegischen Antrag um Erlaß einer einstweiligen Verfügung im dänisch-norwegischen Grönlandkonflikt für unbegründet erklärt und zurückge­wiesen.

Er behält sich aber das Recht vor, späterhin erneut zu prüfen, ob sich inzwischen Umstände ereignet haben, die den Erlaß einer einstweiligen Verfügung aus Grund des Artikels 41 des Statutes des Gerichtshofes noch als not­wendig erscheinen lassen.

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im kommenden Reichstag?

Berlin, 4. August.

DieGermania" beschäftigt sich mit der Frage, wie die insgesamt 21 Abgeordneten der Stifteiparteien zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokraten sich nach Zusam­mentritt des Reichstages gruppieren werden, um in den Ausschüssen vertreten zu sein. Sie weiß von einer Anregung zu törichten, die der staatsparteiliche Abgeordnete Lemmer zur Gründung einerFraktion d e r Mitte" gegeben vabe. Die volksparteilichen Abgeordneten ständen biefem Gedenken jedoch vorläufig noch abwartend gegenüber, man rechne in parlamentarischen Kreisen auch mit der Möglich feit, daß die volksparteilichen Abgeordneten sich der deutsch nationalen Fraktion als Hospitanten anschlössen.

DieVossische Zeitung" weiß von Erörterungen zu be= , richten, die zwischen Zentrum und Bäuerischer Volksparte« ( gepflogen würden, um einen engeren Fraktionszusammen- j Schluß der beiden Parteien zu erreichen.

Der Krieg in Südamerika Neuer Angriff der Bolivianer.

Buenos Aires, 4. August.

Nach Berichten aus Posadas sargentinisch-paraguayifche Grenze), sollen bolivianische Truppen einen Angriff auf Puerko Cesado, einen strategischen Punkt am Paraguay- Fluß eröffnet haben. Der bolivianische Kriegsminister hat die Einberufung aller waffenfähigen jungen Männer zwi­schen 22 und 29 Jahren befohlen.

Bolivianische Flugzeuge sollen erneut verschiedene Men- oonilen-Kolonien bombardiert haben.

Der Präsident der Republik Paraguay richtete an die paraguayische Armee eine Proklamation, in der er die Sol- i baten aussordert, sich als Streiter ihrer Ahnen würdig zu zeigen. '^ -M^MWWWWM'IM«^

Durch die Meldung vom Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Bolivien, und Paraguay beunruhigt, haben die Regierung der Vereinigten Staaten sowie die Regierungen von Mexiko, Kuba, Kolumbien und Uruguay an die vierzehn anderen amerikanischen Regierungen eine Botschaft gerichtet, in der sie sie auffordern, sich den Bemühungen um die Erhaltung des Friedens anzuschließen. Der chilenische Prä­sident Davila hat nochmals den Versuch gemacht, zwischen Bolivien und Paraguay zu vermitteln. Der Präsident ver­sicherte ausdrücklich, daß Ghile in jedem Fall neutral blei­ben werde.

Die in Santiago erscheinende ZeitungMercurio", das bedeutendste Blatt im westlichen Südamerika, schreibt zum Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay: Wir fordern, daß, wenn es noch Zeit ist, ein Krieg zwischen Paraguay und Bolivien verhindert wird. Er könnte Südamerika zum Ver­hängnis werden. Einmal würde er die Zukunft beider Länder ernstlich bedrohen und außerdem wegen der ver­wickelten wirtschaftlichen und politischen Interessen schwer zu umgrenzen sein. Wir fordern die neutralen Länder auf, ihre ziemlich lauen Demarchen zur Verteidigung des Friedens energischer zu betreiben, damit diesem unsinnigen Krieg Ein­halt geboten wird.

Paraguay und Bolivien betonen Verhandlungsbereitschaft Genf, 4. August.

Der Präsident des Völkerbundsrates, Matos, gab bei bolivianischen Regierung Kenntnis von einem Telegramn der Regierung von Paraguay, in dem erklärt wird, das Paraguay noch bereit sei, den Konflikt schiedsgerichtlich erledigen zu lassen. Matos fügte hinzu:Ich würtu mich glücklich schätzen, so bald wie möglich zu Händen des Völkerbundsrates davon Kenntnis zu erhalten, wie Ihn Regierung die friedliche Lösung der Streitfrage zu ermög. lichen gedenkt." x x .

Das Foreign Office teilt mit, bag bte Vertreter Groß- britanniens in La Paz und Asuncion angewiesen worden seien, die Regierung in Bolivien und Paraguay davon in Kenntnis zu setzen, daß die britische Regierung wünscht, dem Appell des Präsidenten des Völkerbundsrates und den Vermittlungsversuchen aus Washington jede Unter- stützung zu leihen.

La Paz, 4. August.

Die bolivianische Regierung hat auf den Appell des Völkerbundes geantwortet, Bolivien lehne es nicht ab, den Streit mit Paraguay durch friedliche Mittel zu einer Lösung zu bringen.

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Berlin, 4. August.

Im Verfolg einer Verabredung, die anläßlich der Kon­ferenz in Lausanne getroffen wurde, haben während der letzten Tage in Berlin zwischen Vertretern der deutschen und der belgischen Regierung Verhandlungen stattgefun- den mit dem Ziel, den Wirtschaftsverkehr zwischen den beiden Ländern zu fördern. Es wurde vereinbart, bie bei­derseitigen Wünsche zu prüfen und die Besprechungen dem- yachst fortzusetzen.