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Des rote Brief / KriMitrairsmON dorr 101y Worm

Copyrighi öJreitKx & Co., Berlin NW 6. Nachdruck verboten

1. Fortsetzung.

Als der Detektiv nach zwanzig Minuten fein Büro be­trat, eilte ihm sofort sein Sekretär Schilder entgegen.

.,Nu». Haben Sie Nachrichten über die Beziehungen unserer Keilte?" fragte Wolter, während er seinen Mantel abl^gte

Schlüter machte ein mißmutiges Gesicht.Die Zeit war zu kurz. Ich habe nnr erfahren können, daß die GoSitn zweimal den Besuch eines Herrn empfing, uach dessen Weggang sie sehr niedergeschlagen war. Dieser Mann war das letzte Mal vor vier Tagen bei ihr."

Signalement?"

Etwa 1,80 Meter groß, schlank, schwarzes Haar, glatt­rasiert. dunkle Gesichtsfarbe, braune Augen ^c Mann trug grauen Herbstpaletot, englisches Muster, dunkel­braunen Sportanzug, schwarze Halbschuhe. Aus seiner toirte stand der Raine Fritz Collin."

Unb von wem haben Sie diese Meldung?"

Von dem Hausmädchen der Gräsin, das augenblicklich die Wohnung beaufsichtigt, aber zum Ersten eine neue Stellung antritt."

Es ist gut, Schlüter. Wir fahren morgen früh nach Wiesbaden. Packen Sie das Notwendigste ein. DaS Flug­zeug nach Frankfurt startet sechs Uhr zehn. Also rechtzeitig wecken."

Walter verschwand in seinem Schlafzimmer.

4. Kapitel.

Neue Ueberraschungen.

'Roch zogen morgendliche Nebelschwaden über das Häusermeer Berlins, als vom Flughafen her ein knattern- dis Geräusch ertönte.

Das Verkehrsflugzeug stand zum Start bereit.

Dr. Wolter, sein Sekretär und noch zwei Herren stiegen in die Kabine, der Pilot klappte die Brille herunter. Dann gab er Vollgas, der Apparat raffe über das Feld, sprang hoch, taumelte ein wenig und stieg, sicher und majestätisch in den Herbstmorgen, sich im Nebel auflösend.

Erst hinter Leipzig klärte sich das Wetter, und die Insassen konnten einen Blick auf die unter ihnen weg- gleitende Erde tun. Eine schwarze Schlange, den D-Zug, überholte der Apparat. Einen Augenblick schien es, als wollten die da unten mit ihren eisernen Wagen Schritt halten, aber schon schoß der Apparat wie ein Habicht hinunter, wilder dröhnte die Luftschraube, und bald lag der D-Zug viele Kilometer hinter ihnen.

Harry Wolter rieb sich die Hände und grunzte vor Behagen.Das ist ein nettes Tempo, lieber Schlüter, was? Wenn ich nicht irre, nähern wir uns schon Erfurt?"

Das mag stimmen," antwortete der Sekretär.Ich lau diese Strecke noch nicht geflogen."

tsinnen Sie sich übrigens noch ^es Falles Hunler ? Drei Jahre sind doch darüber schon vergangen. Wo der Kerl jetzt bloß stecken mag? Sollte ihm Berlin so ver­leidet worden sein?"

Der Sekretär streckte abwehrend die Hände aus.

Hunter, einer der größten internationalen Verbrecher, entwischte damals dem Detektiv dadurch, daß er auf ein startendes Flugzeug sprang, dem Piloten einen Revolver eor die Nase hielt und ihn zwang, bis zur polnischen Grenze zu fliegen.

Ja, der Fall Hunter." Walters Lippen zogen sich zu­sammen. Er dachte eigentlich nie gern an Fälle, die für ihn mit Niederlagen geendet hatten. Aber dieser Hunter war ein ebenbürtiger, tollkühner Gegner gewesen: in* lelligent, mit dem Stilgefühl des großen Gesetzesverächters.

Na, schön." Auch der Fall Seehagen versprach inter­essant zu werden.

Nach fünf Stunden kam Frankfurt in Sicht.

Die Maschine senkte sich in Kurven. Die Erde stürzte den Insassen entgegen.

Das Ziel war erreicht.

Eine halbe Stunde später hielt ein Auto vor dem Palasthotel in Wiesbaden.

Dr. Wolter stieg aus. Sein Sekretär hatte aus tak­tischen Gründen ein anderes Hotel bezogen. Es bestand ja die Möglichkeit, daß man bereits hier aus die Spuren des Verbrechens stieß und infolgedessen möglichst unver­fänglich auftreten mußte.

Da auch der Detektiv nicht die Absicht hatte, unter seinem richtigen Namen im Palast-Hotel abzusteigen, sühlte er sich unangenehm berührt, als ihm bereits im Vestibül der Empfangschef mit ausgebreiteten Armen entgegen kam und ihn freudestrahlend begrüßte. Nanu, lieber Doktor. Was führt Sie in unsere gottbegnadete Stadt? Schaurige Verbrechen? Raubmord, Juwelendiebstahl, Brandstiftung? L-ie können auch bei uns gleich etwas zu tun bekommen."

Dr. Wolter blieb einen Augenblick verdutzt stehen, dann aber erkannte er in dem vor ihm Stehenden einen Herrn Wernburg, der vor Jahren mal seine Hilfe in Anspruch genommen hatte.

Lieber Herr Wernburg," sagte der Detektiv abweh­rend,ich wäre Ihnen vorerst zu Dank verpflichtet, wenn Sie mir ein Zimmer anweisen würden. An Betätigung mangelt es mir durchaus nicht. Wenn Sie aber in einer halben Stunde etwas Zeit für mich übrig haben sollten, um mir einige Auskünfte zu geben, so verspreche ich Ihnen, in diesem Hotel keinen Revolverschuß abzugeben."

Der Empfangschef verneigte sich lächelnd.Ich stehe jederzeit zu Ihrer Verfügung."

Dann begleitete er seinen neuen Gast eine Treppe linauf und wies ihm ein sehr luxuriös eingerichtetes Zimmer an.

Zu dumm," dachte Wolter,daß einem auch hier wieder Bekannte in den Weg laufen. Es wäre vielleicht doch besser gewesen, sich etwas zu maskieren."

Bereits nach zwanzig Minuten Wolter hatte ge­rade seine Toilette beendet klopfte es, und Wern­burg betrat baß Zimmer.

Entschuldigen Sie, daß ich etwas früher komme, aber nb muß bereits in einer halben Stunde auf der Polizei 'r.n und weiß noch nicht, wie lange mich die Herren vort jesthalten werden. Man hat viel Scherereien in

einem großen Hotel." Der Empfangschef ließ sich seufzend auf tot Chaiselongue nieder.

Der Detektiv lächelte.Ist wieder mal eine goldene Uhr vom Nachttisch verschwunden? Oder ein Brillant­ring?"

Nein," Wernburg schüttelte ernst den stopf.Eine Dame, die Montag mit ihrer Gesellschafterin hier ein» traf."

Dr. Wolter erhob sich überrascht.Sie meinen doch mmt etwa die Gräfin Biberstein?"

Ich meine die Gräfin. Aber woher missen Sie....?" Der EmpsangSrhef starrte den Detektio verblüfft au.

Der ging erregt im Zimmer auf und ab. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die Frau, der einzige Mensch, der ihn hätte auf die Spur bringen können, verschwun­den! Vielleicht entführt, vielleicht auch ermordet.

Hören Sie, Herr Wernburg," sagte der Detektiv endlich und trommelte ungeduldig auf der Tischplatte. Ich bin eigentlich nur wegen der Frau v. Biberstein nach Wiesbaden gekommen. Ich wollte von ihr eine für mich sehr wichtige Auskunft haben. Können Sie mir etwas Näheres über Ihren Gast mitteilen?"

Der Empfangsch.es zuckte bedauernd die Achseln.Ich

mache ja nur die Honneurs und taxiere die Leute auf ihre Zahlungsfähigkeit. Wenn Sie aber etwas über die Gräfin erfahren wollen, wenden Sie sich am besten an Fräulein Hansen, die Gesellschafterin, die uns ja erst vom Verschwinden der Gräfin in Kenntnis gesetzt hat. Es ist auch möglich, daß das Zimmermädchen Sie inter­essierende Aussagen machen kann."

Schön, versuchen wir unser Glück."

Der Detektiv erhob sich und folgte dem Hotelier.

5. Kapitel.

Die Gesellschafterin spricht.

Wernburg ging mit Harry Wolter den Korridor ent­lang.Frau v. Biberstein bewohnt die Zimmer," sagte er erläuternd, als er an eine Tür klopfte.

Eine hübsche, einfach gekleidete Dame öffnete.

Entschuldigen Sie, Fräulein Hansen," sagte der Emp­fangschef, sich verneigend.Ich stelle Ihnen hier einen unserer besten Kriminalisten, Herrn Dr. Wolter, vor. Er möchte Sie im Interesse der Frau Gräfin um eine Aus­kunft bitten."

Bitte sehr!" Die Gesellschafterin trat zur Seite und machte eine einladende Hanbbewegung.

Während sich Wernburg verabschiedete, betrat der De­tektiv ein sehr vornehm eingerichtetes Wohnzimmer, in dem noch der leichte Duft eines exotischen Parfüms schwebte.

Also, gnädiges Fräulein," Wolter zog seine Uhr und legte sie vor sich auf den Tisch.Können Sie mir eine halbe Stunde widmen? Ich werde Sie mit einigen Fragen malträtieren müssen, von deren Beantwortung viel ab* hättgt."

Die junge Dame neigte das Haupt.Was ich weiß, sollen Sie erfahren."

Wie lange.sind Sie bei der Gräfin?"

Seit einem halben Jahre."

Haben Sie Ihre Position auf Grund einer Empfeh- lung bekommen?"

Dr. Wolter schien es, als würde die Gesellschafterin etwas unsicher.

Zögernd sagte sie:Frau v. Biberstein hatte diese Stellung ausgeschrieben. Und da ich vor sechs Monaten gerade aus Paris gekommen war und die Gräfin alles, was mit Frankreich zusammenhängt, sehr liebt, fiel ihre Wahl sofort auf mich."

Der Detektiv nickte beifällig.Können Sie mir nun etwas über das Vorleben und den gesellschaftlichen Ver- kehr der Gräfin mitteilen? Ich meine, Sie als Gesell­schaftsdame sind doch sicherlich mal zur Vertrauten einer Angelegenheit gemacht worden, in die man einfache An­gestellte sonst nicht einweiht."

Fräulein Hansen zupfte nervös an der Tischdecke. Ich weiß nicht, was das mit dem Verschwinden der Gräfin . . ."

Harry Wolter unterbrach sie brüsk:Ich stelle keine Fragen ohne Grund. Ich sitze ja nicht hier, um eine amüsante Konversation zu pflegen, wenngleich Ihre An­wesenheit dazu verleiten könnte, sondern um wahrscheinlich einem Verbrechen auf die Spur zu kommen."

Die Gesellschafterin zuckte bet dem Wort Verbrechen leicht zusammen.

So, meinen Sie wirklich, daß du Verbrecher, vor liegt?" fragte sie verwirrt.

Wolter lächelte wieder konventionell.Das entr-eh sich vorläufig noch meiner Beurteilung. Wollen Sie als« bitte die Freundlichkeit haben, meine vorhin gestellte Frag, zu beantworten."

Ich fürchte Sie enttäuschen zu müssen. Ueber bai Vorleben der Gräfin bin ich absolut nicht orientiert. Ick weiß nur, daß ihr vor zwei Jahren verstorbener Man, einen Posten an der deutschen Botschaft in Mexiko hatt« und Hr ein nicht unbedeutendes Vermögen hinterließ.'

Öb die Ehe glücklich war, wissen Sie nicht?"

Das entzieht sich meiner Beurteilung."

Kennen Sie den Mädchennamen der Frau v. Biber- stein ?"

Nein. Soviel ich weiß, war sie bürgerlicher Her­kunft."

Der Detektiv machte ein unmutiges Gesicht.Nun weiter. Wie gestaltete sich das Leben der Gräfin in Berlin?"

Es hielt sich natürlich im Rahmen ihrer gesellschaft­lichen Stellung. Vormittags Toilettenangelegenheiten, Ein­käufe, nachmittags Tee-Einladungen, abends Gesellschaften oder Theaterbesuch. Meistens begleitete ich die Gräfin zu den abendlichen Zerstreuungen. Ihr Bekanntenkreis war übrigens nicht sonderlich grpß."

Hin. Welche Rolle spielte eigentlich Herr v. See­hagen im Leben der Gräfin? War er ihr Freund, war er mehr als ihr Freund? Ich sehe ein, daß Sie meine indiskrete Frage peinlich berührt, aber im Interesse der Sache möchte ich Sie doch um eine klare Antwort bitten."

Die Gesellschafterin sah auf ihre Hände.Ich ver­mute, daß der Baron die Gräfin zu heiraten gedachte."

Hatte Herr v. Seehagen Nebenbuhler?"

Das glaube ich nicht. Die Gräfin war sehr zurück­haltend gegen andere Herren."

Daß Herr v. Seehagen tot ist, wissen Sie doch?" Der Detektiv kniff die Augen zusammen und betrachtete sein Gegenüber durchdringend.

Die Gesellschafterin starrte ihn entsetzt an.Tot...? Ja, ich weiß nicht. . ."

Ermordet durch einen Einbrecher." Wolter betonte jedes Wort. Er achtete auf jede Muskelregung tm Ge­sicht des Fräulein Hansen.

Nun, nun," das Mädchen strich sich verwirrt über das Haar,das ist ja entsetzlich, was Sie da sagen."

Ich weiß nicht. Sie sind so sonderbar erschüttert. Warum? Geht Ihnen die Sache so nahe?"

Die Gesellschafterin sprang entrüstet auf.Soll mir der Tod eines Menschen gleichgültig sein, der stets liebens­würdig zu mir war?"

Dr. Wolter streckte besänftigend die Hände empor.

Aber, gnädiges Fräulein. Verzeihen Sie meine takt­lose Bemerkung. Wir Detektive sind durch unseren Be­ruf etwas verroht."

Fräulein Hausen schien noch immer etwas beleidigt. Aber schließlich setzte sie sich wieder.

LWann faßte eigentlich die Gräfin den Eulpyluß, nach Wiesbaden zu fahren?" fuhr Wolter gleich fort unb somit die auf ihrem 'Antlitz sichtbare Frage nach Den näheren Umständen der Ermordung des Barons ab» schneidend.

Eigentlich ganz plötzlich. Ich glaube am Sonn­abend."

Also nachdem der schwarze Herr bei ihr war?"

Wieder schien es dem Detektiv, als ginge ein Zittern durch die Gestalt der Gesellschafterin.

Welcher schwarze Herr?" Ich kenne keinen schwarzen Herrn."

Sie lügt, dachte der Detektiv. Sie lügt schlecht. Sie iveiß mehr von der Sache, als sie zugibt. Ich werde ihr die Hölle heiß machen.

Mit dem freundlichsten Gesicht von der Welt aber sagte er:Das wissen Sie nicht? Bor mehreren Tagen kam ein Herr zu der Gräfin und hatte mit ihr eine längere Aussprache. Nach seinem Weggang war die Gräfin sehr niedergeschlagen."

Die Gesellschafterin zögerte einen Augenblick mit der Antwort. Dann sagte sie nachsinnend:Das war viel­leicht an jenem Tag, an dem mich die Gräfin mit Be­sorgungen betreute."

An welchem Tag war das?"

Ich glaube, es war am Dienstag."

Der Herr war am Mittwoch da." Der Detektiv tat einen Schuß ins Blaue.

Fräulein Hansen warf einen hilfesuchenden Blick um sich.

Auch das ist möglich. Ja, ich entsinne mich ganz deutlich, daß es ant Mittwoch war, wo ich die Einkäufe machte."

Nun, es ist ja auch nicht so wichtig," sagte der Detektiv begütigend.Erzählen Sie mir kurz, wie sich Ihre Abreise und Ihre Ankunft hier gestaltete."

Gott, das war wie überall. Die Koffer wurden gepackt die Gräfin nahm ihre besten Toiletten mit, weil sie sich von hier aus nach der Schweiz btgeben wollte, Herr v. Seehagen brächte uns zur Bahn, ver­abschiedete sich unb wir tarnen abends hier an. Wir nahmen schnell unser Souper, ich half der Gräfin noch beim Auspacken der Sachen und, da wir müde waren, gingen wir sehr früh zur Ruhe.

Als ich am nächsten Morgen, also gestern früh, an die Tür der Gräfin klopfte, betaut ich teilte Antwort. Ich klinkte leise die Tür auf und sah, daß das Schlaf, zimmer leer war. Da sie sich auch nicht im Wohnraum befand, nahm ich an, daß sie weggegangen sei."

Verwunderte Sie das nicht?"

Aber selbstverständlich. Ich öffnete ihren Kleide» schränk und sah, daß sie ihr hellgrünes Kostüm auge» zogen hatte. Außerdem berührte es mich mertmürbig. daß sie schon zu so' früher Stunde, -» war noch nicht halb zehn, das Hotel verlassen hatte. Ich eitunbig« mich bei dem Portier, und der sagte mir, daß er sie um neun Uhr habe weggehen sehen."

(Fortsetzung h>W 1