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Parlamentswahlen in Washington

Laufanne bis Dezember vertagt. (

Washington, 16. Süll.

Nach langen Beratungen zwischen Hoover und Se­nator Wagner sind nunmehr alle Differenzen über das Notstandsgesetz ausgeglichen worden. Man erwartet seine Annahme' im Kongreß und die Unterzeichnung durch den Präsidenten, so daß das Parlament am Sonnabend seine seit Dezember ununterbrochene Session beenden kann.

In der Lausanner Frage hat sich durch die Erklärun­gen Stimsons und Aoovers die Erregung des Kongresses gelegt. Das Problem dürfte infolgedessen bis zum Wie.er-- zusammentritt des Parlaments nach den Wahlen im Dezember vertagt werden.

Österreichs Bölkerbundsanleihe

zur Rückzahlung der kurzfristigen Schulden.

Genf, 16. Juli.

In der gestrigen Ratssitzung wurde der Inhalt des Protokolls über die österreichische Anleihe bekanntgegeben. Ihre Dauer beträgt 20 Jahre. Der Dienst wird durch die Sicherheiten gedeckt, die für die Anleihe vom Jahre 1923 in Anspruch genommen worden sind. Der Ertrag der Anleihe soll zum größten Teile zur Rückzahlung der kurz­fristigen Schulden verwendet werden.

Die österreichische Regieung verpflichtet sich,. Maßnah­men zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes im Budget zu ergreifen und eine B u d g e t - und F i n a n z r e f o r r.i durchzuführen. Die österreichische Währungspolitik setzt K mM»M: dsm Auslande aunudedsn.

V-riveter Englands, Frankreichs, Italiens, Oester­reichs und BÄgiens haben das österreichische Anleihe- protokoll gestern unterz eichnet. England und Frank­reich nehmen mit 100 Millionen, Italien mit 30 Millio­nen und Belgien mit 8 Millionen Schilling an der be­schlossenen Anleihe teil. Der Rat hat mit Ausnahme des deutschen Vertreters einmütig dem Protokoll zugestimmt,

Irland gibt nicht nach Ergebnislose Besprechungen zwischen MacDonald und de Valera.

London, 16. Juli.

Die Besprechungen zwischen MacDonald und dem irischen Ministerpräsidenten de Valera haben gestern abend gegen 7.30 Uhr begonnen. Vorher hatte MacDo­nald eine Unterredung mit den Mitgliedern des Kabi­nettsausschusses für irische Angelegenheiten und stand auch mit Baldwin, der sich auf dem Wege nach Ottowa befindet, in telefonischer Verbindung.

Die Besprechungen zwischen Premierminister Mae Donald und dem irischen Ministerpräsidenten de Balera dauerten gestern bis 23.00 Uhr. Sie verliefen ergebnislos.

Borberewns MMüschaMMeerliz

Völkerbundrrak setzt Organisationsausschuß ein.

Genf, 16. Juli.

Der Völkerbundsrat beschloß, dem Wunsche der Lau­sanner Konferenz nach Einberufung einer Wellwirlschafis- und Währungskonferenz durch den Völkerbund zuzustimmen. Die praktische Vorbereitung der Konferenz wurde einem Organisationsausschuß überwiesen, der sich aus Mitgliedern des Völkerbundsrates zusammensetzt und dem auch Dentsch- land angehört.

Zum Vorsitzenden dieses Ausschusses wurde der Vertre­ter Großbritanniens ernannt. Schließlich hat der Rat noch entschieden, in den in Laufanne grundsätzlich beschlossenen Sachverständigenausschuß, dem hauptsächlich die materielle Vorprüfung des Konferenzprogramms übertragen werden soll, sechs Wirtschafts- und Finanzsachverständige des Völ­kerbundes zu delegieren. Das Internationale Arbeitsamt und das Internationale Landwirtschaftsinstitut in Rom wurden aufgefordert, an der Vorbereitung der Konferenz mitzu- arbeiten.

Die vom Fliederhaus

Roman von Gert Rothberg

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Copyright by Marita Feuditwaager, Halle (Saale) 1931

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Jrmengard hatte ihn gern. Wenn sie sich aber ganz genau prüfte, dann würde sie sich doch eingestehen müssen, daß sie recht gut weiterleben würde, wenn aus der von den Müttern geplanten Ehe nichts würde. Daß sie vielleicht schon jetzt anfing, vielleicht ihr selbst noch unbewußt, den frohherzigen Zöderam scharmanter zu finden als den finsteren, langwelligen Vetter.

Finster und langweilig!

Fast hätte Eschweiler laut herausgelacht. Finster und langweilig! Ein Begriff, den er früher nicht gekannt hatte. Run, man würde sich daran gewöhnen müssen.

Und wer wollte ihn denn daran hindern, überhaupt nicht zu heiraten? Er würde für die Mutter leben. Wenn sie nicht mehr war, konnte man ja sehen, ob man nicht doch lieber in die Welt hinausging.

Die Wett? Schöne Frauen?

' Vielleicht!

Gewiß aber war es noch nicht, ob er Frauen suchen würde. Sie mußten dann aber nur leichtsinnig und schön sein. Sonst würde er nichts von ihnen verlangen. Am allerwenigsten Treue !

Graf Eschweiler lehnte sich an den hohen, schwarzen Bücherschrank, senkte den Kopf.

Ich hätte dich geliebt, kleines, süßes Mädel! Du hast noch einmal alles Gute in mir geweckt. Schade! Du hättest einen neuen Menschen aus mir machen können, kleine, süße Verene!"

Eschweiler wollte diese Entgleisung aus spöttischer Frauenverachtung heraus abtun. Aber es gelang ihm nicht. Es schmerzte ihn da in der Brust etwas viel zu sehr, als daß er hatte leicht darüber hinwegkommen können.

Er hatte die kleine Verene wirklich geliebt!

Eingrelse« in Straften verlangt Ein Schritt des Landtagspräsidenten Serrl.

Kassel, 16. Juli

Der Präsident des preußischen Landtags, Serrl, machte in einer nationalsozialistischen Wahlversammlung eine auf­sehenerregende Mitteilung. Er sagte, daß er ein Schreiben an den Reichskanzler richten werde, in dem eine Aenderung der Verhältnisse in Preußen gefordert wird.

Die Nationalsozialisten verlangten, daß der Staat und, wenn dieser Staat nicht in der Lage sei, das Reich für ge­ordnete Zustände sorge, und daß die Ordnung in Deutsch­land wiederhergestellt werde, sei es auch, durch Verkündung des Belagerungszustandes.

Protest Strallerr

Ein Schreiben an Löbe.

München, 16. Juli.

Gregor Straffer hat als Vorsitzender- des Ueberwa- chungsausschustes des Reichstages in der Angelegenheit bei Einberufung dieses Ausschusses an den Reichstagspräsidenter Löbe ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß er bei einzige zur Einberufung Berechtigte sei. Der Präsiden! habe durch die Beauftragung des Abg. Heilmann zum zweiter Male in den letzten Wochen seiner Amtsführung als Prä­sident in unerhörter Weise die Geschäftsordnung und da­mit die Verfassung verletzt. Gegen diese Eingriffe in sein« Rechte erhebe er Einspruch.

Er habe Abschrift dieses Briefes an den Reichsfinanz- minister und an den Präsidenten des Rechnungshofes ge­sandt, weil er die Tagung des Ausschusses für ungesetzlich halte und daher die Zahlung von Ausschußsitzungsgebührer als eine unberechtigte Ausgabe betrachte. Straffer weist wei­ter darauf hin, daß die Nationalsozialisten bis jetzt alle Not­verordnungen abgelehnt hätten, und daß sie auch die letzte Notverordnung des Kabinetts Papen ebenso konsequent unk strikt ablehnten. M

Thüringen wühlt am 31. Fall

Weimar, 16. Juli.

Der Landtag von Thüringen beschloß bei Stimmenthal- hing der Deutschen Volkspartei und des Staatsparteilers mit den Stimmen aller übrigen Abgeordneten seine Auf­lösung zum 30. Juli d. 3. und zugleich damit die Zusammen­legung der Landtagswahl für den 6. Thüringer Landtag mit der Reichstagswahl auf den 31. Juli.

Die Aenderung der Wahlordnung, die eine Vorberei­tung in so kurzer Frist ermöglichen soll, wurde dem Innen- Ministerium überlassen.

Eine bedeutsame Entscheidung

Abberufung aus geschäftsführendem Kabinett unzulässig.

Darmstadt, 16. Juli.

Die von dem hessischen Landtagsabgeordneten Rechts- nnamilt-Sung-tuimens-berflationaUoaia^

Hessischen Landtags geführte Klage beim Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich auf Durchführung eines Landtags- beschlusses, der die Abberufung des Innenminister? Leusch- ner forderte, ist abgewiesen worden.

Damit ist grundsätzlich entschieden, daß aus dem ge- schästsführenden Kabinett in Hessen ein einzelner Minister vom Landtage nicht abberufen werden kann.

Gegen Stimmenverlust

Abkommen zwischen Landvolk und Deutschnationalen.

Berlin, 16. Juli.

Wie wir von deutschnationaler Seite erfahren, hat die DNVP. mit der Landvolkpartei ein Abkommen ge­troffen, wonach die Reststimmen der LVP. auf die Reichsliste der DNVP. gesetzt werden.

Es war lachhaft!

Die Bekanntschaft von einigen Tagen konnte nicht so tief sitzen, nicht so einschneidend gewesen sein, daß sie in sein Leben eingriff!

Doch es war so!

Es blieb bestehen!

Sein bestes Empfinden hatte er an dieses junge Mädel verschenkt. Sein bestes Empfinden, das je in ihm gelebt.

Eschweiler ging zum Rauchtisch, brannte sich eine der schmalen, langen Zigarren an, die seine Lieblingsmarke waren, und trat dann aus Fenster.

Sinnend sah er in den blühenden Park hinunter.

Und plötzlich kam ihm ein Gedanke!

Wenn man Verene Beringer gezwungen hätte, dem Oberförster ihr Jawort zu geben?

Und wenn sie nun erst die Liebe kennengelernt hätte? Wenn sie sich nun verzweifelt gegen das Schicksal wehrte?

Eschweiler wehrte diesen Gedanken ab, der mit so klarer Deutlichkeit auf ihn eindrang.

Doch auch das brächte keine Helligkeit in sein um- düstertes Herz.

Wenn Melenthin sie geküßt hatte, dann!

Bin ich verrückt? Wie kann ich mich so verlieren? Ich werde wohl noch mit dieser Geschichte fertig werden können! Was ist denn weiter dabei, wenn ein schöner Traum zerfließt, was ja schließlich die Bestimmung so manchen schönen Traumes ist!?*

Der Gedanke an den biegsamen Mädchenleib, den er im Arm gehalten hatte, peitschte ihm das Blut auf.

Weshalb bleibe ich gerade an diesem jungen Mädchen hängen? Will der Himmel mich strafen für das, was ich früher leichtsinnig verbrochen habe?*,

Diese Frage durchwühlte ihn.

Aber der Gedanke, daß Verene vielleicht gar tief un­glücklich sei, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

Dennoch, wie sollte er Gewißheit erhalten? Und wollte er diese Gewißheit denn?

Graf Eschweiler lachte hart auf.

Er war ein Narr!

Deutschlands Auhenhaudelsbilanr

Zunahme der Ein- und Ausfuhr.

Berlin, 15. Juli.

Die deutsche Einfuhr im Juni ist gegenüber dem Vor­monat fast ausschließlich als Folge vermehrter Weizenbezüge um 13 auf 364 Millionen RM. gestiegen. Dem Werte nach bedeutet die Zunahme der Gesamteinfuhr eine Steigerung um 3,8 Prozent, dem Volumen nach jedoch um 6,6 Prozent. Die Ausfuhr beträgt im Juni 444 Millionen RM., wozu noch Reparationssachlieferungen von 10 (Mai 9) Millionen Reichsmark hinzukommen. Die Gesamtausfuhr hat demnach gegenüber dem Vormonat um 7 Millionen RM. zugenom­men, wovon 6 Millionen RM. auf die Fertigwarenaus- fuhr entfallen. Auch bei der Ausfuhr wird die wertmäßige Zunahme, die insgesamt 1,6 Prozent beträgt, infolge Ab- sinkens der Durchschnittswerte um 3 bis 3^ Prozent von der mengenmäßigen Zunahme übertroffen. die fid) aus 5 Prozent beläuft.

Die Handelsbilanz schließt im Juni mit einem Ausfuhr­überschuß von 79 (Mai 87) Millionen RM. ab; einschließlich der Reparationssachlieferungen beziffert sich der Aktivsaldo aus fast 90 (Mai 96) Millionen RM. Im ersten Halbjahr 1932 betrug die Einfuhr 2387 und die Ausfuhr 2927 Mil- lionen RM. nebst 62 Millionen RM. Reparationssachliefe­rungen. Für die ersten sechs Monate dieses Jahres ergibt sich demnach ein Ausfuhrüberschuß von 540 Millionen RM bzw. 602 Millionen RM. einschließlich der Reparationssach­lieferungen.

Schwere Ausschreitungen in Weimar

Weimar, 16. Juli.

Als in Weimar die Wohlfahrtserwerbslosenunterstützung 5um ersten Male gekürzt ausgezahlt wurde, kam es zu Un­ruhen Mehrere hundert Erwerbslose zogen mit den Rufen: Wir haben Hunger" zum Rathaus und dann zur Wohnung des Weimarer Oberbürgermeisters Dr. Müller, der von der Menge tätlich angegriffen mürbe Schutzpolizei trieb die De- inonftranten auseinander

? ..> Demonstranten stürmten schließlich das Wohlfahrts- mt, schlugen die Türen ein und entwendeten eine Anzahl von Allen. Das Eindringen in das Wohlfahrtsamt geschah so plötzlich, daß es den Beamlen nicht gelang, rechtzeitig ! olizeil-chen Schutz hsrb^izuvufen.

AMMz es? hM LWgtukkr'er Srnder?

Langenberg, 16 Juli

Der am Langenberger Sender stationierte Polizeiposten bemerkte abends zwei Männer die sich in verdächtiger Weise in unmittelbarer Nähe der Sendetürme zu schaffen machten. Auf den Anruf des Beamten ergriffen die beiden Männer die Flucht. Als der Polizeiposten daraufhin von seiner Schußwaffe Gebrauch machte, erwiderten die Fliehenden das Feuer.

Ob ein Anschlag auf die Sendetürme geplant war, lieh sich nicht genau feststellen, doch läßt eine Aeußerung, die der Beamte von einem der beiden Männer gehört haben will nnb in tw notr einer Zündschnur die Rede nnrr, darauf schlle- ' ßen. Im Laufe der Rächt wurde ein Kommunist verhaftet.

Berschürkter Fernoit-KoMkt

Japan will die Unabhängigkeit der Mandschurei durchsetzen.

London, 16. Juli.

Nach ein-er Meldung aus Tokio hatte die Völkerbunds- kommission eine abschließende Besprechung mit dem japani­schen Außenminister Graf Ushida. Sie wird jetzt unverzüg­lich nach China zurückkehren, da sie zur Abfassung ihres Berichtes Botschaftsarchive in Peking benötigt.

Es verlautet, daß der japanische Außenminister der Kommission klargemacht hak, daß die javanische Politik sich auf die endgültige Loslösung der Mandschurei von China und ihre Unabhängigkeit festgelegt hat und Diese Politik nicht aufgeben wird, was auch immer die Kommission dem Völ­kerbünde vorschlagen mag.

Ein kompletter Narr war er geworden I

Wozu grübelte er über die schöne, kleine Verene nach? Das Hexlein würde schon wissen, was es wollte. Was es hätte haben können, wußte es freilich nicht. Es wußte nicht, daß der reise, stolze Frauenkenner Eschweiler sogar behext worden war von den goldbraunen Augen, die so un­schuldig blicken konnten. So behext war er, daß er allen Ernstes daran gedacht hatte, sie zu heiraten.

Wenn sie das geahnt hätte, dann wäre es ihr vielleicht sehr leid gewesen, daß sie ihn einfach hatte im Walde stehen lassen, trotzdem sie doch versprochen, zu kommen.

Sie hatte ihn geküßt! War also für eine kleine Liebelet zu haben gewesen, trotzdem sie mit dem Oberförster verlobt war. Und er, ein riesengroßer Tor, der er war, er hatte sie wie ein Heiligtum betrachtet, hatte sie nicht angerührt!

Das konnte ihm passieren ihm, dem tollen Grafen!

Wieder lachte Eschweiler; aber das Lachen bereitete ihm Schmerz.

Es ist doch gut so, daß eine große Liebe keine Erfüllung findet! Ich will doch ausrotten das Blut der tollen Grafen Eschweiler will ich ausrotten!" keuchte der Mann und schlug mit der Faust auf die Platte des Tisches nieder, an dem er jetzt stand.

Leise kam Paulus herein. Mit besorgtem Mick sah er auf seinen Herrn.

Der nahm jedoch keine Notiz von ihm; er rauchte.

Und Paulus dachte, daß es doch tausendmal besser ge- Wesen sei, als sein Herr einen tollen Streich an den anderen reihte. Da war er wenigstens ein echter Eschweiler ge- Wesen. Jetzt aber das war doch im Leben nicht normal! Der Graf sah ja zum Fürchten aus. War er schon ernst und verschlossen gewesen, als er nach der langen Abwesen­heit zurückkehrte, so war es jetzt doch direkt erschreckend, wie er immer aussah.

Paulus räumte auf, ordnete alles auf das Gewissen­hafteste. Und dabei sah er immer wieder auf die hohe, kraftvolle Gestalt seines Herrn.

* * *

tFortsetzuna folgt.)