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hersfelöer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfe'.d, Mitglied des BDZV.

Nr. 160

Montag, den 11. Juli 1932

82. Jahrgang

Vertrag von Lausanne unterzeichnet

Abschluk in Bnulnnnt

Die Schlußsitzung der Tribut-Konferenz

Lausanne, 9. Juli

Die Ankerzeichnung der Lausanner Verträge erfolgte ir feierlicher Schlußsitzung zunächst durch die fünf einladender Mächte in alphabetischer Reihenfolge, sodann durch die bri­tischen Dominions und durch Polen. Hierauf vollzogen du deutschen Delegierten: Reichskanzler, Reichsaußenminister Reichsfinanzminister und Reichswirtschaftsminister, denen vom Generalsekretär der Konferenz Sir Maurice Hankey bis Dokumente vorgelegt wurden, mit der goldenen Feder nach einander die Unterschriften. Damit war der Unkerzeichnungs akt zu Ende.

Dem Vertrag wurde das goldene Stadtsiegel der Stadi angefügt, mit dem zuerst am 7. Dezember 1525 der Vertrax zwischen den Städten Bern, Freiburg und Lausanne bekräf­tigt worden war.

In der Sitzung gaben die Vertreter Englands, Frank­reichs und Italiens eine gleichlautende Erklärung ab, der zufolge die Regelung der interalliierten Schulden vom Tag« des Abschlusses der Konferenz an bis zu der endgültiger Rakifizierung des Lausanner Abkommens hinausgeschober wird, um diesen Mächten die Möglichkeit zu geben, in dei Zwischenzeit eine endgültige Regelung der gesamten Kriegs schulden mit der amerikanischen Regierung herbeizuführen

MacDonald teilte hierauf mit, daß zum Vorsitzenden der Kommission für nichtdeutsch-e Reparationsfragen der Belgier Th eun i s und zum Vorsitzenden der Kommission für mit­tet- und osteuropäische Fragen der französische Minister Ge­orges B o n n e t vorgeschlagen sind, und erbat und erhielt hierzu die Zustimmung der Versammlung. Die Frage der Weltwirtschafts- und Finanzkonferenz, so fuhr MacDonald fort, werde später von den Regierungen geprüft und behan- jyyujuu|M|^^ cuechchMeizerische Regierung. Darin wird der lebhafte Dank der Konferenz an die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Stadt Lausanne für ihre Gastfreundschaft und für die Mühewaltung aller Behörden ausgesprochen.

Anschließend hielt

McVvuald

in der ihm eigenen nachdrücklichen Sprache und in merk­licher Bewegung seine große Schlußrede.

Wir haben", führte er aus,drei Wochen um eine Einigung gerungen. Es war nicht leicht, denn die Völker wie die Menschen auch hängen an ihren Erinnerungen. Sie sind bereit, ihr Leben, ihr Geld und ihre Zukunft zu opfern, nur um diese Erinnerungen zu bewahren. Aber wenn wir einen Schritt nach vorwärts machen wollen, müssen wir uns von diesen Erinnerungen befreien.

Die Konferenz von Laufanne ist das letzte Kapitel des alten und das erste des neuen Buches. Wir sind alle Menschen, wir sind alle aus dem gleichen Fleisch und Blut gemacht. Das Kapitel der Reparationen ist geschlos­sen. Die großen Zahlungen und Transfers sind nicht nur eine Strafe für die einen, sondern ein Verhängnis für alle Völker gewesen, der Ursprung unserer Leiden.

Wir haben nun eine einfache und vernünftige Lösung gefunden. Es ist richtig, daß auch Deutschland sich an dem europäischen Wiederaufbau beteiligt. Aber es wäre unver­nünftig, große Summen zu verlangen, die nur die Unord­nung fortsetzen und vermehren.

Wir haben keine politische Klausel in unserem Dokument angebracht, aber wir werden keinen Frieden, keine Si­cherheit ohne einen Erfolg der Abrüslungsarbeit haben.

Es ist schwer, die Entwicklungslinie zu durchbrechen, aber es ist nötig, daß wir die Karten auf den Tisch legen.

Nach einem Hinweis auf die entferntest liegenden Län­der wie Australien und Neuseeland als Beweis für die welt­umspannende Bedeutung dieser Probleme wandte sich Mac- Donald zu seinen Kollegen von rechts und links Frank­reich und Demm-land und rief auch Japan an, um die Zusammenarbeit zu erbitten, die für den Enderfolg der Be- friedungsarbe't notwendig sei. Zum Schluß rief er mit Emphase aus:

Weite Straßen liegen vor uns, die zum Frieden, zur Sicherheit und zur Wohlfahrt der Menschen führen." Nach der Uebersetzung der mit lebhaftem Beifall aufgenom­menen Rede MacDonalds sprach

Herriot

Ich grüße ehrfurchtsvoll den Präsidenten dieser Kon­ferenz und sage ihm tiefsten Dank. Der Mut und Geist, die er gezeigt hat, entsprechen dem hohen Beispiel des von ihm vertretenen edlen englischen Volkes, dessen Kaltblütigkeit und Gerechtigkeitssinn wir anerkennen. Wir haben unserem Präsidenten viel Mühe gemacht um so größer muß unser Dank sein. Diesen Dank dehnen wir aus auf den ausgezeich­neten Generalsekretär der Konferenz, Sir Maurice Hanken, dessen Liebenswürdigkeit und Eifer wir oft beobachten durf­ten, auf seine Mitarbeiter, besonders die Dolmetscher, und auf die Experten der verschiedenen Delegationen. Wenn die Konferenz von Lausanne, wie wir hoffen, in Gegenwart und Zukunft günstig beurteilt wird, so ist das großenteils ein Verdienst dieser Männer."

Keine günstige Aufnahme in Lausanne Washington ist befriedigt

Zum Schluß sprach MacDonald als Präsident der Kon­ferenz allen seinen allerherzlichsten Dank aus, die ihm bei der schweren Arbeit so treu geholfen hätten. Er dankte im einzelnen allen Beamten der Konferenz, dem Sekretariat und der Presse und sprach noch einmal seine Wünsche für eine gute Zukunft aus.

Darauf wurde die Konferenz mit einem Hammerschlag geschlossen.

von Papen erstattet Bericht

Donnerstag Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck.

Berlin. Wie wir erfahren, steht nunmehr fest, daß Reichskanzler von Papen dem Reichspräsidenten am Donnerstag über Ergebnisse und Verlauf der Lausanner Konferenz Bericht erstatten wird. Der Kanzler beabsichtigt, am Mittwoch abend nach Neudeck zu reisen.

BIZ-Konferenz über Lausanne

Basel. Am Sitz der BIZ. traten am Sonntag die Leiter der europäischen Notenbanken zu einer bedeutungs- vollen Sitzung zusammen. Hauptgegenstand der Aus­sprache bildete das Lausanner Abkommen.

Die Leitung der BIZ. erklärte sich bereit, die sich ergebenden neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen. Die Lausanner Konferenz wurde von den Notenbankleitern als eine e ste Etappe auf dem Wege zum al gemeinen wi tschaftlichen Wiederaufbau bezeichnet.

Am Dienstag werden in Basel die Verhandlungen über die zur Sicherung des Zinsendienstes aus der Dawes- und Noung-Anleihe neu zu schaffenden Garantien auf- genommen werden.

^t&ot^onßtu luiCvcr in AionouH

Unterhaus in Erwartung des Lausanner Berichts.

London. Premierminister MacDonald ist am Sonntag um 15.45 Uhr aus Lausanne in London einge- Iroffen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr und noch vor der Audienz beim König hat MacDonald einen Augen­arzt empfangen, der ihm für heute vollkommene Ruhe ver­ordnet hat Morgen wird MacDonald im Unterhaus sei­nen mit großer Spannung erwarteten Bericht über Lau­sanne abgeben und dann sofort seinen Urlaub antreten, wahrscheinlich nach seiner schottischen Heimat Lossiemouth.

Herriot sagt in Paris:

ausgezeichnet« Verhandlungen.

Paris. Ministerpräsident Herriot ist mit der ge­samten französischen Delegatton aus Lausanne hier ein- getroffen. Mit dem gleichen Zuge trafen auch der britische Premierminister MacDonald und die englische Delegation in Paris ein.

Herriot erklärte bei seiner Ankunft:

5m ganzen genommen ausgezeichnete Verhandlungen, die besonders am Schluß sehr schwierig waren. Ich sehe nicht ein, was man an der Architektur dieser Verhand­lungen kritisieren könnte. Die Rechte Frankreichs sind vollkommen vorbehalten. Was man besonders hervor­heben muß, ist die außerordentliche Herzlichkeit der eng­lischen Delegatton. Ich habe die vollkommendste Unter­stützung sowohl bei Sir John Simon als auch bei Ramsey MacDonald gefunden.

Washington ist befriedigt

Washington. In Regierungskreisen ist man darüber erfreut, daß^ in Lausanne eine Verbindung zur Repara­tionsfrage erreicht und damit ein großer Schritt zur Sta­bilisierung der wirtschaftlichen Lage Europas gemacht wor­den ist.

In der Frage der von den europäischen Regierungen den Vereinigten Staaten als Kriegsschulden ge­schuldeten Beträge ist keine Aenderung in der Haltung der amerikanischen Regierung eingetreten. Die Haltung 9lmerita8 ist mit aller Deutlichkeit in der Erklärung des Präsidenten vom 20. Juni letzten Jahres zur Angelegen­heit des Moratoriums für die von Regierung zu Regie­rung geschuldeten Beträge dargelegt worden.

Die amerikanische Regierung ist nach wie vor bereit, Anträge auf Herabsetzung der Schulden der Alliierten wohlwollend zu prüfen. Aber zunächst muß die neue Regelung der Reparationssrage endgültig in Kraft getreten sein und bis zu den Novemberwahlen sind der amerikani­schen Regierung die Hände gebunden, da sie ohne Zustim­mung der beiden Häuser des Bundeskongresses nichts unternehmen kann.

Eine Äußerung Dr. Beneschs

Prag. Außenminister Dr. B e n e s ch hält das Ergeb­nis der Lausanner Konferenz für einen Erfolg für die ge­samte europäische Politik. Die definitive Erledigung der Reparationsfrage ist unstrittig eine große Erleichterung für die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich und damit eine Vereinfachung der strittigen politischen Fragen in Europa. ...

Luthers Urteil

Kiel, 9. Juli

Reichsbankpräsident Dr. Luther sprach im Weltwirt- schaftsinstitut der Universität über das Ergebnis der Lau­sanner Konferenz. Die deutschen Vertreter hätten in Lau­sanne das bestmögliche Herausgekämpft. Das deutsche Voll müsse nun auf dieser Grundlage weiterbauen. Ein Abbruch der Verhandlungen hätte für Deutschland ernste Folgen nicht nur auf wirtschaftlichem sondern auch auf politischem Gebiet gehabt. England stand in vollem Maße auf unserer Seite.

Hätten wir den letzten Vorschlägen unsere Zustimmung versagt, so hätten wir ohne Zweifel ganz allein in der Welt dageslanden. Die Ursachen für die Weltwirtschaftskrise seien vielleicht noch nicht völlig beseitigt, aber die Voraussetzun­gen zu ihrer Ueberwindung seien jetzt geschaffen.

Dr. Luther beschäftigte sich anschließend mit praktischen Problemen der deutschen Wirtschaft. Zum Goldproblem er­klärte er, unsere Währung stehe fest, aber sie werde ganz ver­wurzelt erst sein, wenn sie feststehe aus dem völlig ungebun­denen freien Willen des Volkes.

Schachts Glückwünsche

Der frühere Reichsbankpräsident Schacht hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:Bravo! Schacht."

Deutschnationale Kritik

Von deutschnationaler Seite wird erklärt, daß das Er­gebnis von Lausanne nicht den Forderungen entspreche, die die Deutschnationale Volkspartei für die endgültige Besei­tigung des Reparationssystems aufgestellt habe. Insbeson­dere werde das Aufgeben der politischen Forderungen als verhängnisvoll betrachtet.

Die Nebenleihasge«

Berlin, 10. Juli.

Zu dem Abschluß des Lausanner Abkommens erfahren wir ^von unterrichteter Seite, daß bei den Verhandlungen die Frage der Nebenleistungen noch nicht endgültig berei­nigt worden ist. Insbesondere gilt dies für die deutschen Leistungen an Amerika, die selbstverständlich überhaupt nicht erörtert werden konnten, da Amerika nicht an den Lausan­ner Verhandlungen beteiligt gewesen ist.

Die Leistungen an Amerika gliedern sich in: die soge­nannten mixed claims, die bis 1981 laufen und jährlich etwa 40,8 Millionen ausmachen und die Besatzungskosten in Höhe von etwa 25 Millionen jährlich, die bis 1966 laufen. Weitere Nebenleistungen sind: die Zahlungen aus den bel- , gischen Markabkommen, das zunächst ebenfalls bis 1966 läuft und Annuitäten von 26 Millionen absinkend bis zu 21 I Millionen vorsieht, und außerdem der Dienst aus der Da- wes- und Pounganleihe von zusammen gegen etwa 170 Mil­lionen Mark, die aber auch in späteren Jahren absinken auf einen geringeren Betrag.

SnnerpolitiMe Auswirkungen

Berlin, 10. Juli.

Die Inkraftsetzung des Lausanner Vertrages wird vor­aussichtlich noch einige Monate dauern, da die Parlamente in den beteiligten Ländern ihn erst ratifizieren müssen. Die wichtigste Ratifikation ist natürlich die durch den Reichstag, der Ende August zum ersten Maie Zusammentritt und hier­mit gleich im September vor eine bedeutungsvolle Aufgabe gestellt wird. Schätzungsweise könnte der Vertrag von Lau­sanne dann etwa im Oktober in Kraft treten.

Inzwischen wird das Reichskabinett bereits im Laufe der nächsten Woche an die großen Aufgaben des inneren Programms Herangehen, die noch nicht in die letzte Notver­ordnung einbezogen werden konnten. Dazu gehören in erster Linie die Maßnahmen, durch die in großem Stil der Ar­beitslosigkeit entgegengetreten werden soll. In den zustän­digen Ministerien ist man auch während der drei Wochen von Lausanne eifrig an der Arbeit gewesen, um die Vor­lagen hierfür fertigzustellen.

Im Mittelpunkt dieses Programms fleht die Arbeits­dienstpflicht und im Zusammen^ing damit die Siedlung und die Beschäftigung der Jugend, die man durch Zusammen­fassung zu Wehr- und Sporkverbänden von der Straße her- unterbringen will. Hierfür sind in Zusammenarbeit zwi­schen dem Reichsinnen- und dem Reichswehrministerium be­reits Pläne ausgearbeitet worden. Alle diese Probleme wird die Reichsregierung auch während der Zeit des Wahlkampfes nun in den nächsten Wochen so vorwärlstreiben, daß man sobald wie möglich zu praktischen Lösungen kommt.

Der sächsische Landtag nahm gegen die Stimmen der Kommunisten den Staatshaushaltsplan für 1032 an. AaSaü ist mit 345 932 380 RM ausgeglichen Dep Ge­samtbetrag des außerordentlichen Staatshaushalts betrag 15 500 000 RM.