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Trauerseier kür Dr. ßdjeh

Poisdam, 30. Juni. In Sakrow bei Potsdam wurde Minister a. D. Dr. Scholz beigesetzt. Die kleine Kirche an der Havel war überfüllt. Im Auftrage des Reichskanzlers legte Staatssekretär Planck am Sarge einen Kranz nieder, dessen schwarz-rot-goldene Schleife die Inschrift trägt:Der Reichskanzler und die Reichsregierung" Man sah neben der Witwe, der Schwester und den Kindern des Verstorbenen den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, Oberbürgermeister Dr. Sahm, den Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, Ab­geordneten Dr. Dingeldey, viele Parlamentarier und füh­rende Vertreter der Wirtschaft und der Verbände, denen der Verstorbene seine Lebensarbeit gewidmet hatte.

Am Sarge sprach Superintendent Goernandt. Er schilderte die ruhelose Arbeit des Verstorbenen, der seine Kräfte aufgeopfert habe für das Vaterland, um es einer besseren Zeit entgegenzuführen. Nach der Trauerfeier wurde der Sarg zum Sakrower Dorffriedhof übergeführt. Zu bei­den Seiten schritten Mitglieder des Korps Suevia in Frei- burg, dem der Minister Scholz angehört hat. Auf Wunsch des Verstorbenen wurden auf dem Friedhofe keine Reden mehr gehalten.

$oWtt Wirrer erschießt Deutschen

Katiowitz, 1. Juli. 3m Sladionbad zu Myslöwitz wurde ein deutscher Sportler von einem polnischen Offizier er­schossen. In den Restaurationsräumen saßen polnische Offi­ziere, die jedoch nicht als solche zu erkennen waren, da sie wie die übrigen Gäste, Badeanzüge trugen. Als sie ihre Zeche nicht bezahlen wollten, kam es zu Meinungsverschie­denheiten mit einigen am Rebentisch sitzenden deutschen Sporksleuten. Von diesem Tisch soll dabei die Aeußerung gefallen sein, daß man diese Gesellschaft, wenn sie nicht be­zahlen wolle, rauswerfen möge. Einer der Offiziere namens Lucharzki holte aus feiner Kabine seinen Revolver und streckte einen der Sportler, den 26jährigen Fleischergesellen Emil Winkerstein aus Myslowitz, den Sohn eines angesehe­nen Fleischermeisters, nieder. Der Schuß drang dem Win- kerstein in die Schläfe. Um 21 Uhr abends ist er dann im Krankenhaus verstorben.

Nach dem Mord flüchtete der Offizier in feine Kabine. Nur durch das Eingreifen der Polizei und des Besitzers der Badeanstalt konnte der polnische Oiiizier vor der erregten Menge, die ihn lynchen wollte, geschützt werden. Er wurde später der Militärgendarmerie übergeben. Die Eltern des Ermordeten trifft das Schicksal um fo schwerer, da es sich um den zweiten Sohn handelt, der durch eine Kugel einer polni- schen Mililärperson getötet wurde.

Die große Rot der Minderheiten

Europäischer Rationalitätenkongreß.

Wien, 1. Juli

Am zweiten Sitzungstag des europäischen Nationalitä- tenkongresses stellte' Professor Dr. B o v e t - Lausanne die Forderung auf, daß der Minderheitenschutz ein universeller sein solle. Jede Minderheit, die durch ihren inneren Wert existenzberechtigt sei, solle auch in ihrem elementaren Recht geschützt werden. Gesucht werde nicht eine europäische Lö­sung, sondern einfach eine praktische Lösung in Europa. Er -schlug dem Kongreß vor, eine Vereinbarung auszuarbeiten, die die allgemeine Gültigkeit der TrundfStzk des Nationali-' tätenrechts im europäischen Raum bezweckt und empfahl, am Völkerbund festzuhalten.

In der Aussprache erinnerte u. a. der deutsche Abge­ordnete in Rumänien, Dr. Roth, an die minderheitenfeind- lichen Maßnahmen Lettlands, an die Verletzung des Me- melstatuts und die Unterdrückung der Ukrainer in Polen. Wenn MacDonald in Genf mit Sorge von den 25 Millionen Arbeitslosen gesprochen habe, so könnten die Vertreter der Minderheiten daraus Hinweisen, daß es 40 Millionen Min- derheitenangehörige gebe, die ebenfalls wirtschaftlich schwer zu leiden haben. Hinter dem Rationalitätenrecht stünden die allgemeinsittlichen Gebote. Eine Lösung des Minderheiten- pröblems würde zu einer Erlösung Europas führen. Diese Lösung solle entgegen der französischen Staatslehre von der Gleichstellung von Ration und Staat in einem kollektiven Rechte der Minderheiten bestehen.

Es sprach dann noch der Abgeordnete Jakabffy als Vertreter der ungarischen Minderheit in Rumänien. Er verglich die gegenwärtigen Kämpfe mit den Religionsstrei- cigkeiten und bezeichnete sie als die Ursache der verzweifelt düsteren Lage Europas. Nach ihm sprach noch der frühere Abgeordnete B e s e n d n j a k als Vertreter der slowenischen Minderheit in Italien. Er trat für die Ausgestaltung des Klagerechts der Minderheiten beim Völkerbund ein.

Raketenschüsse sollen Hagelwetter unschädlich machen.

In Bayern wurden jetzt Wetterraketen konstruiert, um zu verhindern, daß Hagelschäden auftreten. Kommen Hagelwet­ter auf, so wird eine solche Wetterrakete abgeschossen, die durch die starke Explosionswirkung die angesammelten Ha­gelwetterwolken zerreißt. Es genügen schon ganz wenige Ab­schuß-Stationen, um ein ganzes Landgemeindengebiet zu chützen. Links: Eine Hagelrakete wird in die Wolken ge­schossen. Rechts: Die Rakete kurz vor dem Abschuß.

Aus der Heimat.

Aus dem Gerichtssaal.

In der gestern vor "bern Amtsgericht Hersfeld statt« gefundenen Strassitzung standen folgende Strafsachen an:

Zunächst wurde über eine Uebertretung, gegen die Maß-und Gewichtsordnung entschieden. Ein auswärtiger Metzgermeister hatte eine in Zahlung genommene Vieh­waage auf seinem Hos untergestellt. Bei einer Eich- reviston wurde ein Mangel an der Waage festgestellt, es wurde aber unterlassen, das Gerät zu plombieren. Der Eigentümer ließ die Waage aus ihrem alten Platz stehen und erhielt deswegen eine polizeiliche Strafver- fügung über 5 Mk., gegen die er Einspruch erhob. Das Amtsgericht Rotenburg sprach ihn 2mal frei, nach­dem gegen das erste Urteil seitens der StaatSanwalt- schüft mit Erfolg Revision eingelegt worden war. Das zweite Urteil wurde ebenfalls aufgehoben, und die Sache wurde nunmehr dem Amtsgericht Hersfeld übergeben. Das gestrige Urteil in dieser langwierigen Angelegenheit hielt die Strafe von fünf Mk. aufrecht. In der Be­gründung wird ausgeführt, daß ein Verstoß gegen die maßgeblichen Bestimmungen der Maß- und Gewichts­ordnung, schon darin zu sehen sei, daß der Metzgermeister durch das Belasten der mangelhaften Waage im Hofe, der jedermann zugänglich ist, eine Sachlage geschaffen hat, die eine Verwendung ermöglicht oder wahrscheinlich macht. Letztere Ausführungen dürften die Aufmerksamkeit aller Kauf- und Geschäftsleute verdienen.

Als weitere Sache folgte eine Privatklage, die eine Häufung von Beleidigungen und üblen Nachreden zum Gegenstand hatte. Zur Feststellung deS SachverhaltS war ein umfangreicher Zeugenapparat, Bewohner des Dorfes Reilos, aufgeboten worden. Der Beschuldigte kam mit einer Geldstrafe von 30 Mk. davon.

Hersfeld. Morgen am 2, Juli begeht der Metzger- meister und Gastwirt Bernhard Otto seinen 8 0 * jährigen Geburtstag. Er entstammt einer alten hier ansässigen Metzgerfamilie. Ein biederer Charakter von echtem Schrot und Korn. Seiner Militär- dienstpflicht genügte er bei dem hier in Garnison stehenden Füsilier-Bataillon des 2.ThüringschenJnfantrie- Regiments Nr. 32. Er ist der älteste hier noch lebende Angehörige des Bataillons und ein treuer Kamerad der hiesigen Bereinigung ehemaliger 32er. Die Versamm­lungen hat er anfänglich regelmäßig besucht und mit seinem echtdeutschen Humor zu würzen verstanden. Durch ein rheumatisches Leiden was>s ihm zu seinem und der Vereinigung größtem Bedauern nicht mehr möglich die Zusammenkünfte zu besuchen. Gern erzählte er immer von seinen militärischen Erlebnissen und denkt mit Stolz an seine Dienstzeit zurück. Möge ihm noch ein schöner Lebensabend beschieden sein

Her-fekd. (H a up t v e r s a m m l u n g d e s H. W V.) In der gestrigen Hauptversammlung berichtete günstigen Witterung kam der Skiklub nicht auf seine Rechnung. Dagegen nahm die Vorbereitung und Durch­führung der Pläne des am 1. Mai d. JS dem Verkehre übergebenen AuSsichtsturmes auf der Wippershainer Höhe einen breiten Raum ein. Nochmals dankte er allen, die sich in so uneigennütziger Weise in den Dienst der guten Sache gestellt hatten, herzlich und machte die erfreuliche Mitteilung, daß das neue Wahrzeichen für Heimatsinn täglich so viele Bewunderer finde und die Ausgaben für den Turm durch die fast täglich vor- kommenden Einnahmen aus der Besteigung des Turmes nach und nach getilgt werden. Erfreulich war die Mit­teilung, daß auch der auf der Mengshäuserkuppe ge­plante AuSsichtsturm seiner Vollendung entgegengehe und am Sonntag, den 7. August dem Verkehr übergeben werden solle. In dem Wanderplan sind bis Ende Sep­tember 7 TageS-, 2 HalbtagSwanderungen vorgesehen. Die endgültige Abrechnung über den Aussichtsturm auf der Wippershainer Höhe wird in der Herbstversammlung vorgelegt. Erst in vorgerückter Stunde konnte die so einmütig verlaufene Versammlung geschloffen werden, die davon Zeugnis abgelegt hatte, daß der Vorstand auch in dem abgelaufenen Halbjahre viele Arbeiten zu bewältigen hatte, besonders auch in der Wegebezeichnung einen bedeutenden Schritt vorwärts gekommen war.

Raffel. Unter starken Vergistungserscheinungen erkrankte die sechsköpfige Familie eines Arbeiters aus der Freudenthalstraße. Die 64jährige Großmutter gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich und konnte nur durch schnelles Au pumpen d s Magens gerettet werden. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Speise­vergiftung. Die genauere Ursache ist noch unbekannt.

Kassel Donnerstag nachmittag 3.20 Uhr wurde dem Fulda-RettungSdienst mitgeteilt, daß in der Nähe der Waldauer Eisenbahnbrücke ein junger Mann unter« gegangen wäre. Der Fulda-RettungSdienst war kurz nach der Alarmierung an der Unfallstelle und hatte in wenigen Minuten den Mann geborgen. Die Wieder­belebungsversuche waren, trotzdem auch ein Arzt sofort zur Stelle war, erfolglos. Die Leiche wurde dem KarlS- Hospital zugeführt. Es handelt sich um einen 2025« jährigen jungen Mann, dessen Personalien noch nicht sestgestellt werden konnten. Die Kleider des Toten wurden am Ufer gefunden.

Münchhausen bei Marburg. Einige vier biS fünf Jahre alte Kinder spielten auf dem Bahnübergang, der sich kurz unterhalb der Station Münchhausen befindet. Als der Abendzug nahte, waren die Kinder, die in ihr Spiel vertieft waren, durch kein Läuten und Pfeifen des Zuges zu bewegen, das Gleis zu verlassen. Erst nachdem der Zug angehalten hatte und daS Lokomotiv- personal die Kinder fortgejagt hatte, konnte der Zug seine Reise fortsetzen. '

Steuer und Recht.

Tteuerkalender für Monat Juli 1932.

1. Ab 1. 7. 32 ist Umsatzsteuersatz allgemein 2%; 0,85% nur für Getreide, Mehl usw.

1. Ab 1. 7. Wegfall der umsatzsteuerfreien Grenze von 5 000 RM.

1. Vorschriften über die Abgabe zur Arbeitslosen­hilfe treten in Kraft, dagegen fällt die Krisenlohnsteuer weg.

1. Vorschriften bei der Sozialversicherung ändern sich.

1. Einschränkung der Lohn- und GehaltspsändungS- grenze.

1. Ermäßigung der Patentgebühren.

1. Ablauf des Verbots der Erhöhung gebundener Preise und des Verbots der Preisbildung.

5. Lohnabzug für 16. bis 30. 6. 32; falls im Ueberweisungsverfahren die bis 15. Juni einbehaltenen Bezüge 200 RM. nicht überstiegen haben, für die Zeit vom 1. bis 30. 6. 32, auch Ledigensteuer.

5. Abgabe für Arbeitslosenhilfe, wenn sie an die Finanzkafsea bzusühren ist.

6. Einreichung der Ausstellung über die getätigten Devisengeschäfte im Juni für Unternehmen, die durch­gängig die Erlaubnis zum Devisenerwerb haben.

11. Börsenumsatzsteuer für Juni 1932.

11. Umsatzsteuervoranmeldnug und Vorauszahlung für Monatszahler und Vierteljahrszahler (Schonsrist 18).

11. Anmeldung der Beträge eingegangener Export­valuten durch Exporteure an die Reichsbankstellen.

15. Zahlung der Grundvermögensteuer, des staat­lichen Zuschlages, der Gemeindegrundvermögensteuer, der Hauszinssteuer für Juli.

15. Fristablauf wegen weiterer Einstellung von Zwangsversteigerungen.

18. Letzter Tag zur Zahlung der Umsatzsteuer Juni.

20. Lohnabzug für 1. bis 15. 7. 32 für das Marken- verfahren, für das Ueberweisungsverfahren nur, wenn die vom 1. bis 15. 7. 32 einbehaltenen Beträge 200 RM. übersteigert; dazu Ledigensteuer.

20. Anmeldung der Beträge der eingegangen Export­valuten durch Exporteure an die örtlich zuständige Reichsbankanstalt.

20. Abgabe für Arbeitslosenhilfe (Finanzkasse).

31. Anmeldung der Beträge eingegangener Export- valuten durch Exporteure an die örtlich zuständige Reichsbankanstalt.

Offeubach. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich auf der Abbruchstelle der Zementfabrik in der Wald­straße. Ein 27jähriger Arbeiter auS Hanau war in einem elf Meter hoch gelegenen Raum der Zementfabrik mit dem Abreisen eiserner Träger beschäftigt. Er hatte Feierabend gemacht und wollte die noch unten führende Leiter hinabsteigen, als er plötzlich auS elf Meter Höhe abstürzte und auf den Zementboden aufschlug. Er er­hielt so schwere Verletzungen, daß er auf dem Trans­port ins Krankenhaus starb.

WMWWWWMMWMWff«W»GIMrW«MW»W^ gelang eS nach längerer intensiver Fahndung, einer großen Rauschgistschiebung auf die Spur zu kommen und die Täter größtentels zu verhaften. Ein großer Teil des Rauschgiftes konnte beschlagnahmt werden.

Naunheim (Kreis Biedenkopf). In der Scheune deS Schreiners Heinrich Bieck brach ein Brand au», der sich auch auf das Wohnhaus und den Stall auSbreitete. Auch die Stallungen der Nachbarn Heinrich Bill 12 und Wilhelm Bill wurden von den Flammen ergriffen. Da» Feuer fand in den Heuvorräten reiche Nahrung, so daß die Feuerwehren harte Arbeit zu leisten hatten, ehe sie das Feuer eindämmen und löschen konnten.

Roppershain. Gestern vormittag machte die Ww. Kath. Bott, hier ihrem Leben ein Ende, indem sie ein Rasiermesser nahm und sich die Kehle durchschnitt: Wirtschaftliche Sorgen nnd der frühe Tod ihres Mannes im Junuar d. Js. werden wohl die Ursache für diese grausige Tat fein. Frau Botte neigte in den letzten Wochen zu Schwermut.

Fristverlängerung für Verordnungen des Preiskommis­sars. Der Reichskommissar für Preisüberwachung teilt mit: Gemäß 4. Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931 1. Teil § 8 läuft am 30. Juni 1932 die Frist ab, innerhalb welcher gebundene Preise unter Aufrechterhaltung der Preisbindung nicht erhöht und fernerhin neue Bindungen für solche Preise, für die bei In­krafttreten des Kapitels I der genannten Verordnung eine Bindung nicht bestand, nicht vorgenommen werden dürften. Zahlreiche Anfragen veranlassen den Reichskommissar für Preisüberwachung darauf hinzuweisen, daß die von ihm er­lassenen Verordnungen und Anordnungen sowie die von ihm mit einzelnen Wirtschaftsverbänden getroffenen Vereinba­rungen über den 1. Juli 1932 hinaus in Kraft bleiben.

Die Wetterausflchte».

Ueber dem Festlande liegt ein Hochdruckgebiet, in dessen Bereich es aufheiterte. Ausläufer deS irländischen TirsdruckwirbelS werden zu vorübergehenden Störungen gewittriger Natur führen, jedoch ist keine nachhaltige Umgestaltung zu erwarten.

' WitterungSaussichten für S a m t t a g: Zunehmende Beruhigung, bei südlichen Winden heiter, jedoch noch nicht ganz störungsfrei.___________________________________

Vom Büchermarkt.

Weiß Amerika sich noch zu helfen? Mit katastrophaler Wucht hat die Weltkrise Amerika aus dem Taumel des Prosperity-GlaubenS gerissen. Ratlose Dollarkönige! Bankrott! Arbeitslosigkeit! Die neue Woche"-SondernummerAmerika in der Weltkrise" erzählt, wie es heute imLand der unbegrenzten Mög­lichkeiten" aussieht. UeberaU für 4» Ps.