Deutschlands guter Wille
Zu der von Reichskanzler von Papen ergangenen Aufforderung auf Beseitigung der Diskriminierung Deutschlands durch den Versailler Vertrag wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß es sich um die Bestimmungen der Teile 5 und 8 des Vertrages handelt, die die Entwaff- nungs- und Reparationsklaufeln einschließlich des Kriegsschuldartikels enthalten, und die uns vor allem in eine Position minderen Rechts hineingedrängt haben. Nur durch die Beseitigung dieser Diskriminierung kann die Gleichberechtigung Deutschlands hergestellt werden. Wenn in der deutschen Erklärung auch von der Sicherheit gesprochen wird, so handelt es sich dabei keineswegs etwa um die Sicherheit irgendeines einzelnen Staates, sondern um die Herstellung der allgemeinen politischen Sicherheit in Europa.
Nur unter diesen Voraussetzungen, so wird ausdrücklich betont, hat Reichskanzler von Papen die Bereitwilligkeit erklärt, einen Beitrag zum Wiederaufbau Europas zu leisten. Es handelt sich bei diesem Angebot keineswegs um eine Leistung in irgendeiner Form an Frankreich, sondern um einen Beitrag, der dem Wiederaufbau des darniederliegenden Europas dienen soll und für den ausdrücklich als Voraussetzung die Gesundung der deutschen Wirtschaft genannt worden ist. Ueber die Höhe dieses Beitrags ist noch nicht gesprochen worden.
Kerriot deim Kanzler
.Lleußerst geringer Optimismus".
Lausanne, 80. Juni.
In den Bemühungen um Herbeiführung einer Verständigung ist ein vielbeachteter Schritt erfolgt. Herriot erschien am Sitz der deutschen Delegation, um dem Reichskanzler einen Besuch abzustalten. Gleichzeitig trat eine kurze Unterbrechung in den andauernden Verhandlungen des Büros ein.
Aus den für die Außenwelt unzugänglichen Konferenzzimmern verlautet nur so viel, daß man sich bemühen will, sofort den Bericht für die 6 einladenden Mächte — das ist die Form in der man das Ergebnis von Lausanne in der Reparationsfrage umschreibt — fertigzustellen.
Nicht nachprüfbare Aeußerungen aus dem Lager einer fremden Delegation wollen von Angeboten an Deutschland wissen, die jedoch immer noch auf dem Prinzip der Restzahlung für die Reparationen beruhen, sei es mit, sei es ohne eine Sicherungsklausel zunächst der Gläubiger für den Fall einer ablehnenden Haltung Amerikas bei den späteren Auseinandersetzungen über die interalliierten Schulden. Die Aeußerungen einzelner fremder Delegierter, die nicht an den Verhandlungen selbst teilnehmen, lassen auf ein äußerst geringes Maß von Optimismus in bezug auf diese Bemühungen zur Lösung der Reparationsfrage schließen.
Neue Vorschläge?
Gerüchtweise verlautet, daß angesichts der konsequenten deutschen Ablehnung von Vorschlägen, die sich immer noch auf den alten französischen Linien bewegt hatten, ein völlig neuer Plan ins Auge gefaßt worden sei.
Kein deutsches Angebot
Lausanne. Der Reichskanzler, Reichsfinanzministel Graf Schwerin und Staatssekretär von Bülow werden einen Besuch abstatten. Die B Mischungen zur Schaffung eines mit den deutschen Bedürfnissen im Einklang stehenden neuen Vorschlages sind bisher nicht zum Abschluß gelangt; Nachrichten, die von einem deutschen Angebot in irgendeiner Form wissen wollen,sind unzutreffend. Die früheren Vorschläge der Gegenseite waren nicht geeignet, das Ziel einer definitiven Regelung zu erreichen.
Das belgische Schul- und Sprachengesetz verabschiedet.
Brüssel. Die Kammer nahm gestern das heiß umstrittene Schul- und Sprachengesetz an. Ministerpräsident R e n k i n lehnte jede Stellungnahme zum Hoover-Plan angesichts der in Genf schwebenden Verhandlungen ab.
125 Milttonen-Überbrückungskredit
Berlin, 1. Juli.
Das Reich hat in den letzten Tagen über einen Ueber- brückungskredit verhandelt, um damit über den Juni- Ultimo hinwegzulommen. Die Verhandlungen sind auch bereits zum Abschluß gekommen. 3n unterrichteten Kreisen verlautete, daß der Kredit sich auf 125 Millionen beläuft.
Dieser Betrag reicht vollkommen aus, um alle Zahlungen für den Monat Juli sicherzustellen. Die Rückzahlung erfolgt bis Endes des Rechnungsjahres. Der Kredit wird von dem Bankenkonsortium bereitgestellt, mit dem das Reich auch in früheren gleichen Fällen zusammengearbeitet hat. Die Verhandlungen sind natürlich auch diesmal durch Vermittlung der Reichsbank geführt worden.
Damit ist die Kreditaktion zum Abschluß gekommen, die vor einigen Wochen angekünoigt wurde. Damals wurde berichtet, daß man schon für die beiden letzten Ultimos mit der Notwendigkeit eines solchen Kredites gerechnet hatte.
Bayerns Haltung noch ungewiß
München. Eine amtliche Stellungnahme der bayerischen Regierung zur Reichsnotverordnung liegt noch nicht vor. Der gestrigen Ministerbesprechung kann eine Beschlußfassung durch den Ministerrat frühestens am Freitag erfolgen. Die Ministerbesprechung wird sich auch mit einer geplanten Massenkundgebung der SA. am nächsten Sonntag befassen, auf d er Adolf Hitler sprechen soll.
Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat die Regierung bereits am Dienstag telegraphisch beim Reichsinnenminister dagegen Einspruch erhoben, daß das Neichs- innenministerium durch die Reichsnotverordnung als oberste Instanz in Polizeifragen, wenn auch nur in beschränktem Ausmaße, eingesetzt wurde.
Stillhalte-Verhandlungen in London
London. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß heute neue deutsch-englische Stillhalteverhandlungen für die privaten Kredite beginnen. Die Reichsbankdirektoren Fuchs und v. Wedel, für die Privatbanken die Direktoren Schlie- per und Ieidels, ferner Geheimrat Kastl vom Reichsverband der deutschen Industrie sind zu diesen Verhandlungen nach London abgereist.
Die Zusammenkunft geht auf eine frühere Vereinbarung zurück, wonach die Sachverständigen beider Länder alle Vierteljahr einmal zusammenkommen, um sich über die Entwicklung des Stillhalteabkommens auszusprechen. Diesmal liegen die Dinge nun so, daß im laufenden Vierteljahr 60 Millionen Mark mehr von Deutschland abgezogen worden sind, als vorausgesehen wurde; nach deutscher Auffassung ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer weiteren Zinssenkung. Wieweit es dazu kommt, läßt sich natürlich erst nach Abschluß der Verhandlungen übersehen.
Erfolg der Abrüstungsbotschaft?
Washington. Die amerikanische Delegation meldet aus Genf, mit großer Befriedigung, daß an der Verwirklichung der im Hoover-Vorschlag niedergelegten Grundsätze drei Mächtegruppen enthusiastisch mitarbeiten. Schwierigkeiten bestünden lediglich bei England und Frankreich. Diese Beratungen seien aber noch nicht abgeschlossen und Frankreich sei durchanS^frennvschWlk^^Mtttttt" ™ ' auf eine Ausgleichung der gegenwärtigen Differenzen hoffen könne.
Roosevelt Kandidat der Demokraten
Chikago. Der dempkratische Parteitag nahm zunächst die Wahlplattform der Partei ein, um sich dann mit der Kandidatenfrage zu beschäftigen. Als erster wurde Gouver- r.eur Roosevelt zum Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen, was ungeheuren, etwa 40 Minuten dauernden Beifallssturm seiner Anhänger auslöste. Die Aussichten Roosevelts, vom Parteitag nominiert zu werden, werden außerordentlich günstig beurteilt, da Vertreter von mehr als 30 Staaten sich für seine Kandidatur ausgesprochen haben.
Die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe
Berlin, 1. Juli.
Mit Wirkung bom 1. Juli 1932 ab wird an Stell« der Krisenlohnsteuer eine Abgabe zur Arbeitslosenhilf« erhoben, die sämtliche Lohn- und Gehaltsempfänger trifft, an den Bruttoarbeitslohn anknüpft und gestaffelt ist. Die Abgabe, die durch die Arbeitgeber von dem Bruttoarbeitslohn einbehalten wird, verwalten, soweit es sich um sozialversichertr Personen handelt, die Krankenkassen, soweit es sich um Personen handelt, die nicht der Sozialversicherung unterliegen (z. B. Beamte, private Arbeitnehmer mit mehr als 700 Mark Monatslohn) die Finanzämter. Am 17. und 18. Juni 1932 sind die Durchführungsbestimmungen von den beteiligten Reichsministerien erlassen und in sämtlichen Amtsblättern veröffentlicht worden. Etwa noch erforderliche Auskünfte können bei den Krankenkassen und Finanzämtern eingeholt werden.
Amerika gegen Mandschureistaat
Washington. Der amerikanische Botschafter in Tokio berichtet, er sei wegen der Zollerhebung in Dairen beim japanischen Außenminister vorstellig geworden.
In Washington wird betont, man sei nach wie vor nicht gesonnen, die Mandschuregierung anzuerkennen.
Wie Frankreich sparen will
Paris. Der Finanzentwurf, den die Regierung heute in der Kammer einbringen wird, sieht u. a. vor: Herabsetzung der Militärkredite um insgesamt zehn Prozent, eine fünfprozentige Herabsetzung der Ausgaben für die Staatsbeamten, und zwar ohne Herabsetzung der Gehälter, Ausdehnung der Umsatzsteuer auf Konzessionsgesellschaften, außerdem der Einkommensteuer auf die Einlagen bei den Sparkassen und Erhöhung der Einkommensteuer. Auf diese Weise sollen vier Milliarden des sechseinhalb Milliarden betragenden Defizits abgedeckt werden.
England ermäßigt Kriegsanleihe-Zinsfutz
London. Im Unterhaus erklärte Schatzkanzler Eham- b e r l a i n, die Regierung beabsichtige, den Zinsfuß der fünsprozentigen Kriegsanleihe ab 1. Juni 1933 auf 31/3 Prozent herabzusetzen. Die Inhaber der Anleihe würden ersucht werden, die Anleihe unter den abgeänderten Bedingungen zu behalten.
3m Zeichen der Wirtschaftsnot
Die Deutsche Reichsbahn im Mai 1932.
Berlin, 1. Juli.
Der Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn erfuhr im Mai 1932 eine geringe, rein saisonmäßige Belebung. Auch der Personenverkehr war im ganzen etwas stärker als im Vormonat, er blieb jedoch bei der trostlosen Wirtschaftslage erheblich hinter dem Verkehr des vorjährigen Mai zurück.
Die Einnahmen im Mai 1932 betrugen insgesamt 243,36 Millionen RM während ."sich die Kesamtansgoben auf ausfälle vom Januar bis Mai 1932 betragen gegenüber 1931 434,5 Millionen Reichsmark.
Reichshmtthaltr-RotversrdWng
Berlin, 1. Juli
Reichspräsident von Hindenburg hat die Rotverordnung unterzeichnet, durch die der Reichshaushalt für 1932 in Kraft gesetzt wird.
Am heutigen Freitag wird die Notverordnung, die das Datum des 30. Juni trägt, im Reichsgesetzblatt veröffentlicht Die Verordnung ist außerordentlich umfangreich. Sie umfaßt 19 Seiten mit insgesamt 16 Paragraphen.
(Die vom Fliederhaus
Roman von Gert Rothb erg
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Graf Eschweiler kam mit dem Arzt aus den Steinbrüchen. Er bedauerte das Unglück tief, trotzdem bereits festgestellt worden war, daß der eine der verunglückten Arbeiter durch eine grobe Fahrlässigkeit das Unglück verschuldet hatte. Er hatte sofort eine Unterstützung für die beiden Familien bewilligt und dafür gesorgt, daß die zwei Verunglückten in gute Pflege kamen.
Der Arzt hatte die erste Hilfe geleistet; dann brächte der Krankenwagen die beiden ins Kreiskrankenhaus.
Nun schritten Graf Eschweiler und der Doktor nebeneinander den holprigen Weg entlang. Der Arzt besaß kein Fuhrwerk. Er war ein guter Fußgänger und machte das immer gleich als Sport mit ab, so eine große Tour zu irgendeinem Kranken. Heute freilich war es nicht angenehm, bei dem Wetter heimzulaufen. Doch es mußte sein, denn er war vier Stunden fort gewesen. Inzwischen konnte schon wieder ein anderer Mensch nach ihm verlangt haben.
Der Graf schlug dem Arzt vor, mit nach Eschenhöhe zu kommen und dort zunächst einmal besseres Wetter ab- zuwarten.
Doch der Doktor war zu pflichtgetreu. Er setzte dem Grafen die Gründe auseinander, weshalb er nicht mit- ,kommen könnte. Der sah diese Gründe ein und sagte nichts mehr. Er begleitete den Doktor noch ein Stückchen, und als dieser sich verabschiedet hatte, ging der Graf schnell zurück, um nach Hause zu kommen.
Hagelkörner peitschten ihm ins Gesicht. Mit Bedauern dachte Eschweiler an die Ernte, die wieder einmal in Gefahr sein würde. Doch gegen Naturgewalten ließ sich nicht ankämpfen. Man mußte eben das Beste hoffen.
Schnell schritt Eschweiler dahin. iKjK!
Auf einmal blieb er stehen.
Ganz deutlich hörte er durch das Heulen des Sturmes hindurch eine Frauenstimme, die um Hilfe rief.
Ja, wo war die Frau ab.er?
Man konnte nichts mehr sehen, und es mochte doch erst so gegen elf Uhr vormittags sein.
Aeste stürzten, mit fürchterlicher Gewalt prasselten Regen und Hagelkörner untereinander zur Erde nieder. Die Hölle schien losgelassen zu sein. Oder man konnte glauben, der Weltuntergang sei da.
Stolz und sicher schritt Graf Eschweiler durch dieses Unwetter. Ganz deutlich hörte er wieder die Frauenstimme.
Der Mann blieb stehen und lauschte.
Im Moor?
Ja, um Gottes willen, wer war bei diesem Unwetter in die Nähe des Moors geraten?
Ein Griff! Die Taschenlampe trat in Tätigkeit. Der Graf suchte den Waldrand ab, leuchtete über die Wiese, die zum Moor führte.
Wie ein letzter, ersterbender Ruf klang es von drüben herüber:
, -Hilfe!-
Der Graf sah eine lichte Gestalt bei der Buche.
Also doch mitten im Moor! Aber doch so, daß Rettung möglich war. Die Buche zog vom Walde her ein Stück festen Boden wie ein Nettungsstreifchen hinter sich ins Moor hinein. Er kannte die Stelle genau. Als Junge war er oft genug hier umhergeturnt, zum Entsetzen der Förster.
Wie kam nur dort eine Frau hin?
War es eine Ortsfremde, die irgendwie hatte den Weg abschneiden wollen?
Gleich! Mochte es sein, wer es wollte! Sie war in Not. Er mußte helfen!
Vorsichtig ging Eschweiler hinüber. Die kleine Lampe warf einen matten Schein. Es war, als wogten Tausende von greulichen Gespenstern über dem Moor.
Bei der Buche lag die helle, schmale Gestalt.
Graf Eschweiler hob sie auf. Schnell schritt er zurück Ihm schien das Moor ringsum seltsam lebendig. Jede: falsche Schritt konnte Gefahr bedeuten.
Eschweiler sank einige Male tief ein. Mochte das Moor vielleicht vorhin die leichte Last, die er jetzt kaum spürte, getragen haben?
Es blieb keine Zeit zu solchen Gedanken. Die Hagelkörner hatten sich in taubengroße Eisstücke verwandelt Kaum kam der Mann noch vorwärts. Und dabei um- schmeichelte ihn din leichter Veilchenduft, der ihm selbst ie dieser Situation die Sinne berauschte.
Wer war die Frau, die er gerettet hatte?
Der Wald war erreicht. Aber er bedeutete keiner sicheren Platz. Ringsum fällte der Sturm Bäume. Gras Eschweiler wurde an der Schulter verletzt. Ein scharfe. Schmerz durchzuckte ihn. Wo sollte er nur jetzt hin mit ve, Frau? Sie konnte doch ebenso gut verletzt werden.
Er hob sie etwas höher. Die Schulter schmerzte ihn heftiger dabei. Er biß die Zähne aufeinander. Sein weite, Mantel umschloß die Gestalt in seinen Armen.
Eschweiler hob die Taschenlampe hoch.
Blondes, lockiges Haar, ein schmales, süßes Gesicht Die Augen waren geschlossen.
Verene Beringer!
Das Mädchen, an das er immer wieder gedacht hatte weil sein Jähzorn solchen Kummer über sie brächte.
Verene Beringer, die die Braut des Oberförsters war!
Ein riesiger Baum fiel mit unheimlichem Knirschen uni Krachen unweit von ihnen nieder.
Das Mädchen erwachte immer noch nicht.
Und der Mann schritt weiter. Fieberhaft arbeitete, seine Gedanken.
Weshalb warf ihm das Schicksal dieses schöne, kindhaft junge Mädchen immer wieder in den Weg?
War die Situation nicht reizend und doch ungeheuer gs fährlich?
Wohin sollte er jetzt? Er mußte sie doch irgendwo hinbringen?
lKortlebuna folatj