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Etat oom Reichsrat genehmigt

1690 Millionen fehlen in der Kaste. <

^- Berlin, 29. Juni.

Der Reichsrak erledigte in feiner Plenarsitzung am Diens tag den Reichshaushaltsplan für 1932. Generalbenchter ftatter Ministerialdirektor Dr. Brecht wies darauf hin bah der Fehlbetrag aller Vorjahre jetzt mit insgesamt 169( Millionen RM. in einer Summe ausgermefen werde.

Diese Entwicklung der Fehlbeträge brauche in einei solchen Krifenzeit nicht zu erschrecken, falls für die Zutuns eine gesunde Entwicklung gesichert wäre. Das sei aber leidei trotz aller Ersparnismaßnahmen noch nicht der Fall. fundierte Reichsschuld habe am 31. März 1932 104 liarden RM, betragen. Hinzu kämen noch rund 1,7 Millmr den schwebende Schulden. Weitere große Schulden m Mit Nardenhöhe habe das Reich außerdem an die Länder, na mentlich infolge der Uebernahme der Eisenbahnen. Bei de> schweren Lage der von den Reserven entblößten Lander hat ten die Reichsratsausschüsse in das Haushaltsgesetz Die -öe stimmung gebracht, daß 70 Millionen RM. Vorzugsakuer auf die für die Uebertragung der Eisenbahnen zu digenden Länder verteilt werden sollten. Die Dom -Reta übernommenen Bürgschaften beliefen sich auf 1,5 MMarder RM. oder rund 880 Millionen mehr als im Oktober 1930

Der Generalberichterstatter flocht dann namens de< Reichsrates eine Antwort an den französischen TOintfter Präsidenten Herriot mit folgenden Worten ein: Im Aua land begegnet man oft der Vorstellung, die auch in Laa saune beredten Ausdruck gefunden hat, daß unsere innerer Schulden, weil sie erheblich geringer seien als die England; und Frankreichs, uns eine Vorzugsstellung im internatia nalen Wettbewerb einräumen könnten. Das ist leider ein Irrtum.

Unsere inneren Kriegs- und Vorkriegsschulden waren ebenso hoch oder höher als die Englands und Frankreichs Weit mehr als 100 Milliarden Goldmark solcher Schulden sind durch die Inflation und minimale Aufwertung nieder­geschlagen worden. Glaubt denn irgend jemand in der Welt daß ein Staat oder Volk durch einen solchen Vorgang den lieben Gott um die Kriegskosten betrügen könnte? Dadurch ist zwar das Reich als Schuldner entlaste», aber im genau demselben Maße die Bevölkerung finanziell verarmt. Ein beträchtlicher Teil der Zinslast kehrt außerdem in Form gesteigerter Wohlfahrtslasten wieder.

Der Etat wurde ohne Aussprache in der Fassung der Vorschläge der Ausschüsse angenommen.

Hitler über die Reichreinheit

München, 29. Juni.

Im Mittelpunkt der Schlußsitzung der Gauleitertagung der NSDAP. standen Ausführungen Adolf Hitlers, der er­klärte, der nationalsozialistischen Bewegung sei durch die Auflehnung gewisser geschäftsführender Länderregierungen gegen das Reich und durch die offene Kriegserklärung ein­flußreicher Mitglieder der Bayrischen Volkspartei an das Reich die Aufgabe zugewachsen. Wahrerin der Reichsein­heit zu sein.

Die NSDAP. nehme den Kampf für die unzertrennbare Einheit des Deutschen Reiches auf und werde die Einheit mit aller Energie itno ihr zu Gevv!^'sehenden Mill^w »er» leidigen Insbesondere in Bayern werde sie der Eckpfeiler sein, an dem sich die Feinde des Reiches die Köpfe einstoßen würden. Die treibenden Kräfte dieser Bestrebungen seien nicht mit dem bayrischen Volke zu verwechseln.

Ervreller-Melhoden

Frankreich verlangt politische Garantien.

Paris, 29. Juni

Der Sonderberichterstatter des „Matin" in Lausanne bestätigt, daß Ministerpräsident Herriot dem österreichischen Bundeskanzler Dollfuß nur die grundsätzliche Zustimmung Der französischen Regierung zur Beteiligung an der Stützungsanleihe für Oesterreich überbracht habe. Herriot jabe dargelegt,

daß aber noch nichts als abgeschlossen zu gelten habe.

Die vom Fliederhaus

Roman von Gert Rothberg

Copyright by Martin Feudatwanger, Halle (Saale) 1031

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Verene begriff nur langsam den Sinn der Worte, denen sie völlig willenlos gelauscht hatte.

Sie begriff endlich voll und ganz. Ekel schnürte ihr die Kehle zu.

Deshalb die Wutblicke der Witwe, weil sie sich von ihr, Verene, in ihren Rechten verdrängt glaubte!

Verene schlich davon, von Ekel geschüttelt.

Dann war es ihr plötzlich, als hörte sie eine Stimme:

„Unb was hat der Graf von Eschweiler getan? Was spricht die Welt von ihm?"

Verene schlug beide Hände vor das zuckende Gesicht.

„Wie häßlich das doch alles ist, wie häßlich und ge­mein!" dachte sie traurig.

Wie Erlösung dünkte es sie, als drinnen Großmama sehr energisch erklärte, jetzt wolle sie unter allen Umständen heim. Sie hätte gar nicht so lange bleiben wollen. Aber weil es so gemütlich gewesen, sei die Zeit überschritten worden.

Der Oberförster lachte glücklich. Sein Blick suchte das blaffe Mädchengesicht. Laut sagte er:

„Und — Fräulein Verene, hat es Ihnen auch ein bißchen im Forsthause gefallen?"

Mühsam quälte sich Verene die Lüge über die Lippen: „Ja, es hat mir sehr gefallen!"

„Am Montag hole ich mir Ihre Antwort, Verene." Sie nickte und dachte dabei nur:

„Wenn ich doch nur erst wieder daheim im Fliederhause sein könnte!"

Sie fühlte sich so müde, so lebensmüde. Und noch immer war der Schmerz in ihrer Brust.

Frau Pastor schwatzte auf der Heimfahrt viel, sehr viel von den Annehmlichkeiten eines solchen Forsthauses und

weder hinsichtlich des Anieihebelrages, der Anleihedäüet, noch hinsichtlich der politischen und finanziellen Garan- lien, die Oesterreich geben müßte.

Der Vorsitzende des Finanzkomitees, der Schweizer Bundes- mt Musy, sei offiziell von dem Beschluß der französischen Regierung in Kenntnis gesetzt worden. Seine Aufgabe sei runmehr, von Oesterreich die erforderlichen Garantien zu »rhalten.

Diese Garantien bestehen in der Hauptsache darin, daß Oesterreich eine formelle Erklärung gegen den Anschluß aus- pricht und einer Kontrolle über seine Finanzgebarung zu- limml.

Sie täglichen ZusammenstWe

Leipzig: Barrikaden — ein Toter.

Wie das Polizeipräsidium Leipzig mitteilt, kam es abends vor und während eines Umzuges der Nationalsozia­listen durch die östlichen Vororte zu stärkeren Ansammlun­gen von linksradikalen Elementen, die offenbar planmäßig den Umzug zu verhindern suchten. Am Volkmarsdorfer Markt und in der Torgauer Straße waren Barrikaden durch umgestürzte Lastwagen, Fässer, fahrbare Baubuden usw. errichtet und viele Straßenlaternen zertrümmert wor­den, so daß die Straßenbeleuchtung versagte. An einer Ecke wurde die Polizei beim Zerstreuen der Ansammlungen von Demonstranten beschossen und mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Durch einen Schuß wurde ein 55jähri- ger Invalide in die Lunge getroffen, er starb auf dem Trans­port ins Krankenhaus. 25 Personen wurden in Haft ge­nommen und dem Polizeipräsidium zugeführt.

Chemnitz: 20 Verletzte.

Im ganzen Stadtgebiet von Chemnitz verunstalteten die verschiedenen politischen Parteien Umzüge, bei denen es zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Reichsbannerleuten einerseits und Nationalsozialisten und Stahlhelmangehörigen auf der anderen Seite kam. Die Zahl der Verletzten wird auf 20 geschätzt. Zwei SS.-Leute wur-. den durch Messerstiche schwer verletzt. In beiden Fällen sol­len Kommunisten die Täter gewesen sein. Es wurden sechs Personen als der Tat verdächtig festgenommen. Ferner wurde eine größere Anzahl Demonstranten festgenommen, die mit verbotenen Schlagwerkzeugen usw. angetroffen wur­den.

Kerne: 19 Nationalsozialisten verletzt.

Auch in Herne kam es zu einer schweren Schlägerei zwi­schen Kommunisten und Nationalsozialisten in der Nähe des Schlosses Bladenhorst. Das Ueberfallkommando fand bei seinem Eintreffen vier schwer- und 15 leichtverletzte Natio­nalsozialisten vor. Die Kommunisten hatten bereits das Weite gesucht. Bei drei Verletzten wurden schwere Schädel­brüche, Kopf- und Gesichtsverletzungen festgestellt. Der vierte Meist Stichwunden an Kopf, Armen und Händen auf.

Drei Tote, sieben Schwerverletzte.

Staßfurt. Bei der Beerdigung eines Kommunisten, der am Freitag voriger Woche von einem Nationalsoziali­sten in der Notwehr erschossen worden war, kam es, als h»,> awhei einen Demonstrationszug auflöfen wollte, zu schweren Zusammenstößen. Die Beamten wurden von der Menge sehr bedrängt, so daß sie von der Waffe Gebrauch machten. Drei Kommunisten wurden getötet, sieben schwer und mehrere leichter verletzt.

Barrikadenbau in Leipzig. Ein Todesopfer.

Leipzig. Als etwa 1300 uniformierte Nationalsozia­listen Montag abend im Osten der Stadt einen Propa-- gandamarsch veranstalteten, versuchten Andersdenkende, den Umzug an verschiedenen Stellen durch Barrikaden zu stören. Die Polizei ging mit dem Gummiknüppel gegen die Ruhestörer vor und beseitigte unter Mitwirkung bet, Feuerwehr die Hindernisse. Dabei kam es an einer Stelle zu einem ernsteren Zusammenstoß, so daß die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen mußte.

Ein 55jähriger Invalide wurde in die Lunge getroffen und starb. Insgesamt wurden 25 Personen verhaftet.

daß man für das Leben und den Haushalt fast nichts aus- zugeben brauche. Es wachse einem somit zu. Und die Kühe und Schweine seien doch auch nicht zu verachten. Viel Geld könnte beiseite gelegt werden, wenn erst wieder eine Frau im Hause sei, denn solange der arme Kerl auf fremde Leute angewiesen sei, würde er natürlich nur betrogen.

„Aber Minchen!" warnte der Herr Pastor.

Sie ließ sich aber nicht einschüchtern und meinte, es sei nun einmal so.

Als Verene und Großmama schon Arm in Arm durch ihren alten Fliedergarten gingen, der berauschend duftete, da hörten sie Frau Pastor noch immer laut und angelegt auf ihren Mann einsprechen.

„Ob ihr der dunkle Südwein, den es zum Abendbrot gegeben, ein bißchen in den Kopf gestiegen ist?" meinte Großmama.

Verene sagte, in Gedanken verloren:

„Vielleicht, Großchen!"

Marie kam mit einer vorsintflutlichen Laterne^dic Stufen herunter. Sie strahlte über ihr ganzes, gutes Faltengesicht. So spät kamen die Damen erst heim? Da hatte es doch sicherlich eine Verlobung gegeben; das war nicht gut anders möglich.

Eifrig forschte sie im Scheirr der Laterne im Gesichr ihres Lieblings. Aber das sah gar nicht freudig und glück­lich aus.

Na, so was!

Marie war ehrlich enttäuscht von so einem Braulglück und nahm sich vor, Frau Doktor noch ein wenig aus- zuforschen.

Verene aber schlang ihre Arme um die Großmama und sagte:

„Ich bin-ja so unglücklich, Großchen!"

Und diese strich zärtlich mit der Hand über den blonden Kopf.

„Schlaf' dich aus, Kind! Ueberlege noch einmal in Ruhe, und wenn es nicht geht, dann — sagen wir es eben."

Sie vorftädtische Kleinsiedlung

Wie mitgeteilt, hat die Reichsregierung zur Fortfüh­rung der vorstädtischen Kleinsiedlung auch für das Rech­nungsjahr 1932 einen Betrag von 25 Millionen RM zur Verfügung gestellt. Ueber die Fortführung der Kleinsied­lung wird im einzelnen u. a. folgendes mitgeteilt:

1. Verteilung der neuen Mittel.

Auf Grund der inzwischen von den Ländern angefor­derten Verteilungsvorschläge werden die als Träger des Verfahrens für den zweiten Bauabschnitt in Frage kommen­den Gemeinden und Gemeindeverbände bis zum 10. Juli einen Vorbescheid über die Höhe der ihnen zugeteilten Mittel erhalten.

2. Richtlinien und Verfahrensvorschriften.

Die Richtlinien und Verfahrensvorschriften für den zweiten Bauabschnitt sind unter möglichster Ausnutzung der bei der bisherigen Arbeit gewonnenen Erfahrung und unter tunlichfter Berücksichtigung der Wünsche der als Träger der praktischen Arbeit in Frage kommenden Gemeinden, Ge- meindeoerbände und gemeinnützigen Siedlungsunterneh- mungen aufgestellt worden. Dem von verschiedenen Seiten geäußerten Wunsch auf Erhöhung des Baukostenhöchstbe- trages von 3000 RM konnte nicht entsprochen werden. Die für den ersten Bauabschnitt genehmigten Baupläne werden allgemein auf Grund der bisherigen Erfahrungen einer Nachprüfung unterzogen und vor allem den erhöhten Mindestraumgrößen der neuen Verfahrensvorschriften an­gepaßt werden müssen.

Besondere Vorteile sind für kinderreiche Siedler vor­gesehen. Die bisher beim Reichskommissar zentralisierte Prü­fung der Siedlungspläne ist für den zweiten Bauabschnitt den Landeszentralbehörden oder den von ihnen zu bestim­menden Stellen übertragen worden. Durch diese Dezentra­lisierung des Verfahrens soll sogleich die bevorstehende Ueber- leitung'der Geschäfte auf das Reichsarbeitsministerium vor- bereitet werden. Auch für die Bereitstellung von Kleingär­ten sind neue Mittel eingestellt worden.

Bei einer entsprechenden Beschleunigung der Arbeit wird es möglich sein, auch den zweiten Bauabschnitt noch in diesem Jahre zur Durchführung zu bringen und damit die Vorteile des Siedlungswerkes weiteren 8000 Kleinsied- lern und 30 000 Kleingärtnern zugute kommen zu lassen, nachdem mit den Mitteln des ersten Bauabschnittes rund 18 000 vorftädtische Kleinsiedlungen und rund 52 000 Klein­gärten gefördert werden konnten.

Zur Beschleunigung des Verfahrens werden alle Inter­essenten dringend gebeten, sich mit ihren Wünschen und An­trägen nur an die Gemeindebehörde ihres Wohnortes zu wenden.

Vor 13 Jahren, am 28. Juni, wurde in Versailles das fol­genschwere „Friedens"diktat unterzeichnet. Unser Bild zeigt: Die Entente-Delegierten verlassen nach der Unterzeichnung des Vertrages das Schloß von Versailles. Vorn von links nach rechts Clemenceau, Wilson und Lloyd George.

Verene lag in ihrem Bett. Die kleine Lampe auf dem Nachttisch brannte flackernd, weil der Luftzug vom Fenster her auch sie mit traf.

Mit großen Augen blickte Verene vor sich hin.

Endlich schlief sie ein. Leise flüsterte sie immer wieder vor sich hin, als müsse sie es ununterbrochen bekräftigen:

„Ich kann es doch nicht. Nein — nein, ich kann es nicht!"

Und im Garten rauschte es leise.

Mit einem'tauten Schrei erwachte Verene mitten in der Nacht. Sie hatte geträumt, Graf Eschweiler schreite auf sie zu; seine finsteren Augen zwangen sie in seinen Bann. Immer näher kam er, streckte die Hände nach ihr aus. Und — jetzt küßte er sie!

Mit einem lauten Schrei erwachte Verene.

Und da wußte sie auch schon, daß sie ja nur geträumt hatte. Aber der Kuß war noch da und brannte sich ihr ins Blut hinein. Ihr fiel ein, was man sich von dem schönen, tollen Grafen erzählte, und sie stöhnte:

„Ich liebe ihn! Ich bin ihm ja auch sofort beim ersten Sehen verfallen!"

Draußen wich nun die Dämmerung. Der Tag, ein neuer, schöner Tag voll Blüten und Sonne zog herauf.

Mit brennenden Augen starrte Verene in diesen er­wachenden Morgen hinein.

* * *

Am Montag, dem gefürchteten Montag, war Frau Doktor Beringer ziemlich bedenklich erkrankt.

Marie saß schreckensbleich neben dem Lager. Ganz ver­zweifelt war sie, weil auch nicht einmal ihre Tees und sonstigen Hausmittel mehr helfen wollten. Die Getreue erklärte sich endlich nach schwerem Kampfe einverstanden, daß man den Arzt rief. Der war ein Mann in mittleren Jahren, unverheiratet, und genoß im Städtchen als Arzt einen guten Ruf. Sonst war man ihm aber gram, weil er erklärt hatte, er denke nicht daran, sein gemütliches Jung­gesellendasein aufzugeben.

Verene ging ZU ihm. tSortlebuna folaU