Einzelbild herunterladen
 

Rundfunk und Reichrregierung

Berlin, 14. Juni.

Der Reicksinnenminister hat im Einvernehmen mit dem Reichspostminister einen Erlaß über die Jnanfpruchnahm« 1)es Rundfunks durch die Reichsregierung herausgegeben Die Reichsregierung behält sich in diesem Erlaß vor, den Rundfunk täglich eine halbe Stunde lang innerhalb bei Stunde von 18.30 bis 19.30 Uhr für Verträge in Anspruch zu nehmen, in denen die Aufgaben und Absichten der Regie­rung erläutert werden sollen.

Die Durchführung dieser Regierungsvorträge im ein- zeinen wird von der „Dradag" geleitet werden. Die Vor- träge sollen über den Deutschlandsender gehalten und aus alle Sendegesellschaften übertragen werden.

Erläuternd wird erklärt, daß die Reichsregierung auch bisher in der Lage war, jederzeit vom Rundfunk Gebrauch zu machen und daß der neue Erlaß lediglich eine straffere Organisation bedeutet. Es sei dadurch den Rundfunkgesell­schaften von vornherein möglich, ihr Programm so einzu- richten, daß es keine empfindlichen Störungen erleidet, wenn ■ die Regierung die Sendung für ihre Zwecke beansprucht.

........ - "■ '-- Milderung der Preisenotverordnung I

Aber keine völlige Aufhebung.

Berlin, 14. Juni. i

Der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl teilte bei einer Besprechung mit, daß er beabsichtige, in der bevor­stehenden innenpolitischen Rotverordnung die Presse-Rotver i ordnung zwar nicht ganz aufzuheben, wohl aber wesent­lich zu mildern. Eine Beschlagnahme von Zeitungen foli künftig überhaupt nicht mehr erfolgen. Wenn bisher Zeitungen . verboten werden konnten mit der Begründung, daß sie die | öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdeten, so soll die- , ser Verbotsgrund für die Zukunft wegfallen.

Dafür soll als neuerVerbotsgründ gelten, wenn Zeitungen oder Zeitschriften lebenswichtige Interessen dee Reiches durch Veröffentlichung oder Verbreitung unwahrer oder entstellter Nachrichten gefährden. Diese Bestimmung hat vor allem den Schutz der auswärtigen Interessen des Reiches und der Landesverteidigung im Auge. Die Ver- votsfristen sollen um die Hälfte herabgesetzt werden.

Um das SA Berbot !

Der „Bayerische Kurier- über die Mlnislerbesprechungen.

München, 14. Juni

Der „Vayeriscke Kurier" veröffentlicht einen längeren Bericht, der u. a. besagt: Manche Wünsche der Länder aus ' dem Gebiete der Finanzen und des Haushalts, aber auch rein politische Wünsche, würden von der Reichsregierung noch vor dem Erlaß der Notverordnung berücksichtigt wer­den. Völlig ergebnislos sei die Aussprache über die Auf­hebung des SA.- und SS.^lierbotes verlaufen. Die Reichs regierung glaube, ein Wiedererstehen dieser Organisationen werde zur allgemeinen Beruhigung beitragen. Es sollte er« moglicht werden, die Jugend zu nichtmilitärischen Zwecken zur körperlichen Ertüchtigung und Schulung zrffammenziifäi- ten. Man denke also offenbar an eine Verwirklichung der Pläne des früheren Reichsinnenministers Groener.

Davon versprächen sich die Ministerpräsidenten Süd­deutschlands nichts. Weil sie befürchteten, daß das Wieder- ruftauchen von Uniformen zu schweren Störungen der öf­fentlichen Ordnung und Sicherheit führen werde, hätten sie die Reichsregierung dringend aufgefordert, ein allgemeines Verbot sämtlicher — auch der jetzt noch vorhandenen Oc- ganisationen zu erlassen. Daß die Reichsregierung sich dazu entschließen werde, dürfe als ziemlich ausgeschlossen ange­sehen werden. Ob und welche Folgerungen sich aus der Auf­hebung des SA.-Verbots für Süddeuffchland ergäben, hänge von dem Wortlaut der neuen Notverordnung und ihrer Auslegung ab. Unter diesen Umständen wäre es denkbar, daß die süddeutschen Regierungen mit eigenen Verordnun­gen eingriffen.

Die vom Fliederhaus

Roman von Gert Rothberg

.........- - - ■ -- > ■ ------------------------

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 1931

(5

Und aus diesem Empfinden heraus war sie scheuer und zurückhaltender als sonst. Er buchte es als ein Plus für sich und wechselte einen verständnisinnigen Blick mit seiner Tante.

Die dachte: Wozu sollte er denn noch lange warten? In den nächsten Wochen muß es klar werden zwischen ihnen. Sie können dann noch ein Vierteljahr mit der Hochzeit warten, und dann mag die Sache vor sich gehen. Es ist für Verene ein großes Glück, aber wenn man ganz gerecht sein will, für meinen Neffen doch auch. Erstens ist Verene wirklich bildhübsch, und zweitens erbt sie hier ein­mal das Haus. Wenn er mal in Pension geht, wissen sie gleich, wohin miteinander.

Während die Frau Pastor sich dergestalt in ihre Be­trachtungen versenkte, plauderte der Oberförster angeregt mit Verene. ( . ßmama tat auch sehr mütterlich zu dem Oberförster. Er hätte es sich also nicht im Entferntesten träumen lassen, daß seine Wünsche sich etwa nicht erfüllen könnten. Nein, er war frohester Laune. Und er zeigte es auch nach außen hin.

Später ging man ein bißchen in dem alten, weit­läufigen Garten spazieren. Man konnte sich gut verlieren, wenn man wollte. Und da Dieses Wollen von feiten der Frau Pastor und auch des Oberförsters vorhanden war, so kam es eben vaz», daß die älteren Herrschaften sich plötzlich für sich befanden, und Verene und der Oberförster auch.

Das Mädchen erschrak. Da hatte er aber auch schon ihre Hand ergriffen und sagte leise:

„Verene, ich liebe Sie. Möchten Sie meine Frau werden?"

Aus weit geöffneten Augen blickte Verene ihn an. Dann entzog sie ihm die Hand und sagte:

vst-vberlchleße»

Aufruf der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier

Berlin, 14. Juni

Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Tages, an dem am 15. Juni 1922 Ost-Oberschlesien an Polen überge- ben wurde, erlassen die Vereinigten Verbände Heimattreue: Oberschlesier e. V. einen Aufruf an alle Deutschen, in den es u. a. heißt:

„Frisch wie vor 10 Jahren ist Oberschlesiens und Ge­samtdeutschlands Schmerz um den Verlust der blühender und in materieller Hinsicht kaum einschätzbaren Provinz. Ungelinderl die Trauer um hunderktausende Brüder uni Schwestern, die durch den unerbittlichen Machtspruch frem­der Staatsgewalt überantwortet wurden. Deutsche Menschen sind in namenloses und unfaßbares Elend gestoßen. Die Ar­beitsstätten taufender Menschen sind verloren, die abgetrenn- en Brüder und Schwestern politischer und kultureller Ro! überantwortet.“

Ein Erfolg des Deutzchtumbundes

Das höchste Gericht hat im Deutfchkumbund-Prozeß sei­nen Urteilsspruch verkünoet. Das Urteil der zweiten Instanz des Berufungsgerichtes in Posen wird aus formalrechtlichen Gründen für ungültig erklärt und die Angelegenheit an das genannte Gericht zurückverwiesen mit der Aufforderung, das Verfahren vor einem neu zufammenzusehenden Richterkolle­gium wiederaufzunehmen.

Obgleich das höchste Gericht der Hauptstütze der Beru- sungsklage, dem Verjährungseinwand, nicht stattgegeben bat, kann dieses Urteil dock als Erfolg der Verteidigung an- gesprochen werden, zumal das höchste Gericht schon aus Grund der Prozeßverhandlung am 27. Mai zwei wichtige Anklagepunkte als hinfällig zurückwies.

Wie erinnerlich, wurde der Deutschtumbund zur Wah­rung der Rechte der Deutschen in dem früher preußischen Teilgebiet im Jahre 1921 ins Leben gerufen. 1923 wurde dieser Bund wegen angeblich staatsfeindlicher Tätigkeit auf­gelöst, und elf führende Mitglieder wurden in Anklagezustand gesetzt. Nach jahrelangem Prozeßverfahren wurden vom Be­rufungsgericht in Posen die Strafausmaße der ersten In­stanz zum Teil in gemilderter Form bestätigt. Danach er­hielten Abgeordneter Graebe, Studienrat Heidelck Dr. K r a u s e, Direktor S ch o l z, Geschäftsführer Schmidt und Oberlehrer Dobbermann je sechs Monate Gefäng­nis, Rittergutsbesitzer von Witzleben sowie Geschäfts­führer Jenner und Arendt je drei Monate, Kaufmann Winkelhausen zwei Monate und Fräulein Seiler einen Monat Gefängnis.

Bedenkt man, was ursprünglich alles den Gegenstand der Anklage bildete: militärische und diplomatische Spionage, hochverrat und andere schwerwiegende Verdachtsmomente und daß von dieser Anklage im Laufe der einzelnen Instan­zen ein Punkt nach dem anderen abgebröckelt ist, dann kann man wohl sagen, daß das politische Urteil in diesem Prozeß schon längst gesprochen ist.

Memel unter Konmoer Lruü ErhShür^ M OkkM^ Llf«

Kowno, 14. Juni.

Im litauischen Regierungsanzeiger ist eine neue Aen­derung des Zolltarifs veröffentlicht worden, die eine Er­höhung der Zollsätze um 50—100 Prozent betrifft.

Diese neue starke Erhöhung der Zollsätze hat in den Wirtschaftskreisen des Memelgebietes starke Beunruhigung hervorgerufen. War schon das Wirtschaftsleben bisher sehr erschwert, so befürchtet man jetzt, daß der Handel weitere schwere Beeinträchtigungen erleidet.

Vier Todesurteile in Iglau

Vier Todesurteile in Iglau.

Iglau. Das Geschworenengericht verurteilte vier ehe- malige Häftlinge des Kreisgefängnisses zum Tode durch den Strang. Die Angeklagten hatten im herbst vergan­genen Jahres bei einem Fluchtversuch einen Gefangenen­aufseher getötet und einen anderen verletzt.

„Ich kann mich nicht so schnell entscheiden, ich — möchte erst — noch einmal — mit Großchen sprechen."

Er lachte glücklich.

„Kann ich mir ja denken. Ganz genau denken kann ich mir das. Sprechen Sie ruhig erst einmal mit der alten Dame, aber sie hat bestimmt nichts dagegen."

Verene kannte den Oberförster seit langem. Und er war ihr immer wie ein lieber vertrauter Freund er­schienen. Jetzt aber war er ihr plötzlich fremd. Ganz fremd! Und sie sah in ihm einen Feind, gegen den sie sich wehren mußte!

Wie seltsam das war!

Verene hing ihren Gedanken nach; zuletzt aber kreisten diese Gedanken eben doch nur wieder um den Fremden, der sicherlich der Graf Eschweiler gewesen war.

Und Verene Beringer wußte plötzlich, daß sie niemals, niemals die Frau des Oberförsters Melenthin würde sein können.

Wenn er doch diesen unglückseligen Gedanken aufgeben würde! Aber er dachte ja gar nicht daran. Sein zuversicht­liches, frohes Gesicht bewies es ihr, daß er gar nicht daran dachte.

Zorn war plötzlich in dem jungen Mädchen. Weshalb konnte es nicht bleiben, wie es bisher immer gewesen war?

Weshalb hatte er ihr diese Frage vorlegen müssen? Nun würde doch eine Trübung der ganzen Beziehungen mit Pastors eintreten, wenn sie ihm, dem Oberförster, ihr Jawort nicht gab.

Und sie konnte es doch nicht!

Nein, nein, sie konnte es auf keinen Fall. Das konnte sie nicht. Und wieder sah sie die blauen Augen des Fremden.

Was war das? Warum vergaß sie diese Augen nicht?

Wenn sie nun in den Armen des Oberförsters Schutz suchen würde vor den harten, spöttischen Augen, die sie nicht mehr loslassen wollten? Wenn sie es tat?

Verene sah aus den Mann an ihrer Seite. Sehr auf­

Die .vb—rfiCH Ministerpräsidenten bei jinbenburg. Unser Bild zeigt' die Ministerpräsidenten mit dem Reichs­kanzler beim Verlassen des Reichspräsidenten-Palais. Von links nach rechts: Schmitt-Bade-n, Bolz-Württemberg, Reichs­kanzler von Papen und Held-Bayern,

Beschriintte Silsesiir Oesterreich Bedenkliche französisch« Forderungen.

Genf, 14. Juni

Italiens Außenminister Grandi hatte eine längere Unter­redung mit dem Präsidenten der Finanzausschusses, Suvitck- Jtalien über die österreichischen Anleiheverbandlungen. In dem gemischten Finanzausschuß wurden die Beratungen fortgesetzt.

Räch den vorliegelchen Mitteilungen soll in Paris grundsätzlich eine engusch-französiicke Einigung dahin zu­stande gekommen sein, daß Oesterreich jetzt zur Wiederherstel­lung seiner Finanz- und Wirtschaftslage einen Kredit von 250 bis 300 Millionen Schilling eingeräumt wird. Die eng­lische Regierung verlangt jedoch, daß der von ihr vor meh­reren Hionafen der österreichischen Rationalbank einge­räumte 100 Millionen-Schillingkredit als die Beteiligung Englands an der kommenden Anleihe gilt und von einer kurzfristigen in eine langfristige Anleihe umgewanbett wird.

Auf französischer Seite soll der ursprüngliche Tardieu- Vlan jetzt keine Rolle mehr spielen. Jedoch wird gefordert daß die Anleihe für Oesterreich die Grundlage für eine all­gemeine Sanierung der Balkan st aalen bilden soll. Die Verhandlungen im Finanzausschuß werden jedoel erst nach der Bekanntgabe der in Paris getroffenen Verein­barungen in ein abschließendes Stadium eintreten.

Christlich-Soziale bleiben selbständig

Kassel, 14. Juni.

Reichsleitung und Reichsvorstarw des Christlich-Sozia- en Volksdienstes haben beschlossen, bei den kommenden Veichstagswahlen ohne Bindung an andere politischen Par- !eien in voller Selbständigkeit in den Wahlkampf zu gehen und.in allen Wahlkreisen_echene Wahloorsa)'äge einzureichen. nig der erste Reichsführer, Simpfendörfer, Stuttgart, N.d.R., aufgestellt.

Drei Jahre Zuchthaus für Abel!

München. 8m Memeidsprozeß Abel wurde nach dreistündiger Beratung das Urteil verkündet. Abel wird wegen zweier Verbrechen des Meineids zu drei Jahren Zuchthaus und sieben Jahren Ehrverlust verurteilt. Die §a;t wird wegen Fluchtverdachts aufrecht erhalten. Der Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

Todesopfer der Hitze

Kaunpur. Acht Personen sind hier an Hitzschlag ge­storben. Die Durchschnittstemperatur dieser Woche betrug 16 Grad Celsius im Schatten.

merksam, sehr genau musterte sie ihn. Und dann dachte sie doch wieder: Nein, nein, ich kann es doch nicht!

Am kleinen runden Pavillon trafen sie wann wieder mit den anderen zusammen. Die runden, neugierigen Augen der Tante Pastor peinigten das junge Mädchen plötzlich. ' Sie sah an diesen Augen vorüber und hängte sich bei dem alten Herrn ein, der sich darüber sehr freute und mit ihr eine botanische Frage besprach. Er meinte aber, von seiner Ehehälfte durch auffordernde Blicke dauernd dirigiert:

„Mein liebes Kind, ich würde mich doch sehr freuen, wenn ich dich noch hätte einem guten, ehrenhaften Manne antrauen können. Glaube mir, mein Kind, es ist das Beste, was einem aus dieser Welt passieren kann: Ein schönes, trautes Heim und einen Menschen, der Freud' und Leid mit einem unverbrüchlich trägt."

„Du hast vielleicht recht, Onkel Pastor. Ich will es mir einmal recht gut überlegen."

Ihre Willfährigkeit freute ihn, und so plauderte er noch weiter in diesem Sinne mit ihr.

Oberförster Melenthin sagte mitten in das allgemeine Gespräch hinein:

„Am Gartenzaun steht noch meine Tasche. Marie könnte sie auspacken. Ich habe noch etwas vom letzten Schlachtfest hineingetan. Der Schinken ist diesmal ganz besonders gut. Und im Fliedergarten muß es sich wundervoll Abend- brot essen lassen."

„Hast du denn Zeit?" fragte Frau Pastor erstaunt.

„Ja, ausnahmsweise habe ich Zeit. Die Kinder sind bei Frau Lindemann, die sie immer zu sich holt. Sie werden in diesen Tagen sehr manierlich. Ich wundere mich schon nicht mehr."

„Frau Lindemann — wer ist denn das?" fragte miß­trauisch Frau Pastor und runzelte die Augenbrauen.

Er lachte ein bißchen breit.

„Ja, eine Sommerfrischlerin ist es, die bei uns wohnt und die die Kinder sehr gern hat. Meine Kusine Marthe ist ja immer froh, wenn wieder einige Sommergäste kommen. Sie schwatzt nun mal gern."

„Ach sol" (Rortfetiuna folaU