Die GkagerrakGchlacht.
Heute am 31. Mai sind 16 Jahre vergangen, daß die deutsche Flotte mit der englischen Flotte vor dem Skagerrak zusammengetroffen waren, und daß in diesem Kampfe die deutsche Flotte sich der englischen überlegen gezeigt und trotz, zahlenmäßiger Ueberlegenheit dem Feinde größere Verluste, als sie selbst erlitt, zugefügt hat. Damals ging nicht nur durch Deutschland ein Jubel, sondern durch die ganze Welt ging Aufhorchen, daß die junge deutsche Kriegsflotte, die große englische Flotte zum Abbruch des Kampfes gezwungen und damit den englischen Anspruch auf die unbedingte Herrschaft auf allen Meeren vernichtet hatte.
Trotz großer Uebermacht verlor die englische Flotte 14 Schiffe mit insgesamt 115025 Tonnen gegen 11 Schiffe mit 61130 Tonnen.
Zwei Jahre fast hatte unsere Marine auf das große Ereignis vergeblich gewartet. Mancher hatte die Hoffnungen, die er auf das Wirken unserer Streitmacht zur See in dem Weltkrieg gesetzt hatte, in das Reich der unerfüllbaren Wünsche verwiesen. Nun war plötzlich das Große geschehen, so plötzlich, daß es kaum glaubhaft erschien.
Ueber das Tun und Treiben unserer Hochseeflotte halte sich mit Kriegsbeginn der Schleier des Geheimnisses gelegt. Nur ganz vereinzelt und ohne, daß der Außenstehende in der Lage gewesen wäre, sich über die Zusammenhänge unter sich ein klares Bild zu machen, kamen Meldungen über kurze Operationen und Gefechte unserer Kreuzer auf ihren Aufklärungsfahrten, oder wo unsere Torpedoboote auf Nachtstreifen feindliche Fahrzeuge trafen und versenkten.
In Wirklichkeit sind natürlich die an das Licht der Oeffentlichkeit gelangten Ereignisse nur einzelne Glieder einer langen Kette von Operationen, die im gewollten, inneren Zusammenhang mit einander standen. Ihr Grundgedanke ist stets dabei gewesen, die feindliche Streitmacht zu finden und zur Schlacht zu stellen. Daß es in vielen Fällen überhaupt nicht, in anderen nur unvollkommen gelang, war zum Teil Folge der Zurückhaltung unseres Gegners, zum Teil liegt es auch in der Eigenart der See. Dazu kommt in unseren Gewässern das häufige unsichtige Wetter.
In dieser Stimmung zwischen Zweifel und Hoffen verließ unsere Flotte auch in den letzten Maitagen 1916 die Heimathäfen. Auf der Fahrt, die sie dieses Mal nordwärts, in Richtung des Skagerraks führte, deutete nichts aus besondere kommende Ereignisse. Es war kein An! altspunkt dafür gegeben, d r die Anweisenheit des Feindes, geschweige dem der ganzen englischen Flotte, vermuten ließ.
Plötzlich, am 31 Mai. etwa 4^2 Uhr nachm., ging von dem auf den linken Flügel ausklärenden kleinen Kreuzer die Meldung ein, daß leichte feindliche Streik- tMJt^k^Mj^eü^k^^ als von allen Seiten des Horizonts kleine Kreuzer, Torpedobootsflottillen und schließlich die ihnen zur Unterstützung beigegebene 1. Aufklärungsgruppe, bestehend aus 5 Panzerkreuzern in höchster Fahrt der Stelle zustürmten, an der der Feind gesichtet war. Bald blitzte wie Wetterleuchten am westlichen Horizont das erste Mündungsfeuer unserer kleinen Kreuzer auf. Der ferne Donner rollender Salven kündet das nahende Gewitter.
Um 550 Uhr wird von uns auf etwa 13 000 m mit der schweren Artillerie im laufenden Gefecht das Feuer auf die feindliche Linie eröffnet, die sofort lebhaft antwortete. Nach V* stündigem Feuerskampf sinkt das erste englische Schiff. Selbstverständlich treten auch bei uns Treffer ein. Die stähleren Körper erzittern unter der Wucht der Schläge. In dem Schiffsinnern beginnt der Kampf gegen die Verwüstungen der schweren Geschosse und der nachdrängenden Elemente, Feuer und Wasser, die gegen Freund und Feind blind wütend ihre vernichtenden Kräfte entfesseln. Mancher Brave sinkt mit zerschmetterten Gliedern in ewigen Schlaf. Alles arbeitet mit höchster Krastanspannung, der Offizier, der Mann am Geschütz, der schweißüberströmte Heizer vor den Feuern.
So ging es im harten Kampfe, bi; gegen 9 Uhr das englische Gros abdrehte unb Scheer seine Flotte zum Nachtmarsch ordnen und unbehindert nach Hornsriff führen konnte.
Kampfbereit stand Scheer am Morgen des 1. Juni bei Hornsriff. Von der englischen Flotte war nichts mehr zu seyen.
So ist die Skagerrakschlacht unbestreitbar ein deutscher Waffenerfolg. Nur die Höchstleistung aller Glieder der Besatzungen der deutschen Schiff vom odersteir Führer bis zum letzten Mann hat es ermöglicht, daß die zahl'nmäßig unterlegene deutsche Flotte der englischen solche Schläge beifügen konnte.
Der Skagerraklag gibt uns eine ernste Mahnung. Es ist ein Tag des Triumphes, aber auch ein Tag der Wehmut, denn das, worauf unser Stolz sich gründete,
die einst so stolze Flotte ist nicht mehr. Weiter ergreift er uns mit Wehmut, wenn wir derer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung den Heldentod erlitten haben. Ihnen allen gilt heute unser stilles Gedenken.
Der Gedenktag der Skagerrakschlacht möge aber auch bei uns das allgemeine Verständnis wecken, daß Deutschlend ohne See verkümmern muß und eine achtunggebietende Flotte nicht zu entbehren ist.
Aus der Heimat.
Hersfeld. (Wie wird dasWelter?) Vom Atlantik erstreckt sich eine Tiefdruckrinne ostwärts bis nach Rußland. Ein Wirbel liegt über Ostdeutschland. In seinem westlichen Teil werden durch aufsteigende Warmluft ausgiebige Niederschläge verursacht, die bereits die Elbe überschritten haben, voraussichtlich auch unser Gebiet streifen werden. — Vorhersage bis Mittwoch Abend: Vorübergehend wieder Besserung der Witterung und leichte Erwärmung.
Untergeis. Die hiesige Schule, deren baulicher Zustand sehr zu wünschen übrig ließ, ist in ihrem Innern wie Aeußeren einer gründlichen Erneuerung unterzogen worden, die jetzt beendet ist. Die Anstalt genügtjetzt den Anforderungen neuzeitlichen Schulbetriebs. Der Wiederbenutzung ging eine Feier voraus, an der der Landrat, der Schulral, der Pfarrer des Kirchspiels, Gemeindevertretung, Schulvorstand und Elternbeirat teilnahmen. Mit der Feier war die Einführung des neuen Lehrers Wiedemann verbunden.
Bebra. In der Siedlung an der Göttinger Landstraße stürzte ein Anstreichergehilfe vom hohen Gerüst herab. Neben einem Beckenbruch trug er schwere innere Verletzungen davon und mußte sofort in Krankenhaus gebracht werden.
Kassel. Die Kriminalpolizei konnte in einer Wohnung in der Moltkestraße den berüchtigten Berliner Einbrecher und Buchbinder Erich Schulz festnehmen. Man fand ein ganzes Diebeslager, zu dessen Abtransport ein Kraftwagen nötig war. Zahlreiche Einbrüche der letzten Zeit kommen auf sein Konto. — In der Ällstadt hatte ein 24jähriger städtischer Arbeiter das Pech, beim Ueber- klettern über einen Eisenzaun abzurutschen, wobei ihm zwei Zaunspitzen in den Bauch drangen, glücklicherweise ohne die Eingeweide zu verletzen. Da die Spitzen verrostet waren mußte er durch die Sanitätswache Fulda- brücke zwecks Serumbehandlung zu einem Arzt gebracht werden.
Marburg. In einem Schuppen, der nur selten betreten wird, wurde ein 27jähriger Mann halb verhungert aufgefunden. Die Polizei brächte den Mann in die Medizinische Klinik. Man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Der Vater des Mannes ist hier eingetroffen und teilte der Polizei mit, daß seit 10 Jahren sein Sohn von ihm weg ist.
^^^tyi^iiifl^^ aufgefunden. Ob Unglücksfall vorliegt oder ob der alte Herr aus Schwermut gehandelt hat, kann nicht festgestellt werden, da die Angehörigen zur Zeit zur Beerdigung seiner Frau auf dem Friedhof weilten.
Fünfköpfige Familie in den Tod
Frankfurt a. M. An der Grenze Wischen Bischofsheim und Rüsselsheim wurden MontW mWmifiaö der Rüsselshei- mer Geschäftsinhaber Ludwig Schmidt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Alter vyn acht, fünf und drei Jahren erschossen ausgefunden. Nach den bisherigen Feststellungen hat Schmidt die furchtbare Tat im GiflyerttejMtzn mit seiner Frau begangen. Schmidt betrieb in «üfleleheim ein kleines Zigarren- und Zeiffchristengeschaft.
Was Vslar Daubmann erlebte
Freiburg im Breisgau. 31. Mai. Der frühere Feld- webet des nach sechzehnjähriger Kriegsgefangenschaft am Sonntag in sein Heimatstädtchen Endingen am Karserstuhl zurückgekehrten Oskar Daubmann hatte ihn in Chiasso abgeholt und berichtete jetzt über die Kriegsgefangenschaft Daubmanns. Danach geriet Daubmann 1916 verwundet in französische Gefangenschaft und wurde nach einem Fluchtversuch zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Fort Konstantin in Algier zu verbüßen hatte. Wegen seiner guten Führung wurde ihm nach vierjähriger Einzelhaft eine mildere Behandlung zugebilligt. Die besonderen klimatischen Verhältnisse — bei Tage vierzig bis sechzig Grad Celsius, des Nachts bittere Kälte — forderten unter den Wegearbeitern manches Todesopfer. Zum Arbeitsplatz wurden die Sträflinge an Händen und Füßen gefesselt geführt. Im letzten Jahr endlich konnte Daubmann ungefesselt sich innerhalb der Postensperrkette bewegen.
Im Dezember 1931 dann gelang es ihm, sich ein Pferd zu beschaffen und die Flucht zu ergreifen. Er ist solange i ununterbrochen geritten, bis das Pferd unter ihm zusam- s menbrach. Vier Monate lang lebte der Flüchtling nur von j Datteln, Orangen und Zitronen. Als er dann die nord- j afrikanische Küste bei Tunis erreichte, kletterte er nachts an Bord eines italienischen Dampfers, dessen Kapitän auf Bitten des Flüchtlings von einer Benachrichtigung der Polizei Abstand nahm. Daubmann hat sich dann bis Neapel , bettelnd durchgeschlagen. !
Bon dem Liebhaber der Tochter Niebergelchosien
Neusalz a. d. 0., 31. Mai. Eine schwere Bluttat ereignete sich hier. Der 20 Jahre alte Schlosser Graetz aus Grünberg, der mit der 18jährigen Tochter des Kraftwagenführers Schwan in Neusalz a. O. Beziehungen unterhielt, verübte eine schwere Bluttat an dem Vater des Mädchens. Als er abends vor dem Hause seiner Freundin erschien, um sie nochmals zu einer Motorradfahrt abzuholen, erklärte ihm der Vater, daß er dies nicht gestatten könne. Darauf zog Graetz, ohne ein Wort zu sagen, eine Pistole und gab auf Schwan zwei Schüsse ab. Mit schweren inneren Verletzungen wurde Schwan in das Johanniter-Krankenhaus eingeliefert, wo er hoffnungslos darniederliegt. Der Täter ergriff sofort, begleitet von der mißratenen Tochter mit dem Motorrad die Flucht. Die beiden jungen Leute wurden in Grünberg festgenommen und nach Neusalz ins Polizeigefängnis eingeliefert.
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200 Tote in Bombay
seit dem 14. mal
Bombay. Bei den Zusammenstößen zwischen Hindus und Mohammedanern wurden fett dem 14. Mai 200 Personen getötet und mehr als 2000 verletzt.
Ozeanflugzeug brennend abgeftSrzt
Seattle. Das Flugzeug, mit dem der New Aorker Flieger Nat B r o w n nach Tokio gestartet war, geriet in Brand, als ihm mittels einer Schlauchleitung über M Meere Betriebsstoff von einem anderen Flugzeug zugeführt wurde. Das Flugzeug stürzte in das Meer. Brown konnte gerettet werden.
Aus dem Gerichts saal
51 Jahre Zuchthaus im Baubübersall-Prozetz
Hamburg, 31. Mai. Das Hamburger Schwurgericht verkündete am Montag nach viertägiger Verhandlung das Urteil gegen die Räuber, die am 29. und 30. Oktober vorigen Jahres in Hamburg zwei Wettbüros überfielen und dabei einen Angestellten erschossen hatten. Die Verurteilung erfolgte wegen versuchten bzw. vollendeten gemeinschaftlichen schweren Raubes mit Todeserfolg. Rabatz erhielt 14 Jahre sechs Monate Zuchthaus und acht Jahre Ehrverlust, A l b e r tz (den das Gericht als Haupttäter und Anführer der Angeklagten ansah), IbJahreZucht- h a u s und acht Jahre Ehrverlust, J u s ch k a t zehn Jahre Zuchthaus und sechs Jahre Ehrverlust, Rott- bein fünf Jahre sechs Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust, Kaegebein sechs Jahre Zuchthaus und vier Jahre Ehrverlust, Fleischer zehn Monate Gefängnis, Breu Drei Monate Gefängnis. Der Angeklagte Hötzel wurde freigesprochen.
Strecker muß ins Zuchthaus. Das Schwurgericht Pots- oam als Revisionsinstanz verurteilte den 70 Jahre alten Schriftsteller Dr. Strecker wegen Brandstiftung in Tateinheit mit Versicherungsbetrug wieder zur Mindeststrafe von ' ‘"fj^ Am 15. De- zember htte das Schwurgericht Dresden den Kaufmann Adam Stephan und den Installateur Hans Gulbin wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Gärtner Hecht zum Tode verurteilt. Das sächsische Gesamtministerium hat diese Strafe zember hatte das Schwurgericht Dresden den Kaufmann in lebenslängliches Zuchsihaus umgewandelt. — Das preußische Staatsministerium hat das Urteil des Verdener Schwurgerichts vom 7. Juni 1931 gegen den wegen Sexualmordes zum Tode verurteilten Herbert Künne aus Wefer- münde in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt.
Volkswirtschaft
Berliner Effektenbörse.
An der Berliner Effektenbörse vom Montag wurden die gro- ßen inn«politischen Ereignisse mit großer Ruhe ausgenommen. Es setzten jedoch stärkere Abgaben ein. Die Spekulation verhielt sich abwartend. Siemens gaben auf 113% nach. Schuckert waren nach 54 vorübergehend 56, dann 55%. Chade-Aktien sanken auf 170%. J. G. Farben notierten 84. Am Kalimarkt waren Salz- detfurth behauptet, Westeregeln erholten sich von 90 auf 91. Der Montanmarkt lag fast geschäftslos. Reichsbankanteile eröffneten mit 116% um 1% Punkte höher7 gingen im Verlauf auf 117, um dann wieder auf 116 nachzugeben.
Am Geldmarkt war die Nachfrage nach Tagesgeld weiter ziemlich lebhaft, der Satz wurde mit 5,62 bis 5,75 Prozent und darüber genannt. Monatsgeld unverändert 6 bis 8 Prozent.
Am Devisenmarkt ist kaum eine Veränderung festzustellen. Der Dollar war gut behauptet; er wurde gegen London mit 3,69,50 gehandelt. Die nordischen Devisen waren zum Teil eine Kleinigkeit fester.
Devisenkurse. Dollar 4,209 (Geld) 4,217 (Brief), engl. Pfund 15,54 15,58, Holl. Gulden 170,78 171,12, Belga (Belgien) 58,97 59,09, ital. Lira 21,62 21,66, dän. Krone 84,91 85,09, norw. Krone 77,52 77,68, franz. Franken 16,61 16,65, tschech. Krone 12,465 12,485, fchweiz. Franken 82,37 82,53, span. Peseta 34,67 34,73, schwed. Krone 79,62 79,78, öfter, Schilling 51,95 52,05.
Berliner Produktenbörse.
An der Berliner Produktenbörse vom Montag konnten sich die Lokopreise für Weizen nicht behaupten, da größeres Angebot alter Ernte vorlag. Die Preise sanken um 2 M. Am Markt der Zeitgeschäfte konnte Weizen leichte Preisgewinne erzielen. Die Roggenpreise waren fast unverändert. Das Mehlgeschäft war ruhig. Hafer stetig. __ _ . .. —
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